Die globale Überwachung – Glenn Greenwald

überwachung

(c) Droemer Knaur

Jetzt kommt’s dicke: Dieses Buch ist zweifellos eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit. Eines das uns alle angeht. Es ist das Buch, in dem Glenn Greenwald die Geschichte der Snowden-Veröffentlichung beschreibt und uns allen vor Augen führt, wie gläsern wir tatsächlich sind und wie antidemokratisch und gefährlich diese Instrumente tatsächlich sind. Schon zu Beginn des Buches heißt es:

‘Widerstand gegen staatliche Eingriffe in die Privatspäre war einer der Hauptfaktoren für die Gründung der Vereinigten Staaten, denn die amerikanischen Kolonisten wehrten sich gegen Gesetze, die britischen Beamten willkürliche Hausdurchsuchungen ermöglichten’

Angesichts der Enthüllungen kann man jetzt darüber nachdenken, was dies für das ‘Land of the free’ bedeutet.

Die ersten beiden Teile beschreiben die Kontaktaufnahme Edward Snowdens mit Greenwald und das zögerliche Herantasten aneinander bis es schließlich zum ersten Interview kommt. Das liest sich wie ein guter Thriller, immer wieder muss man sich in Erinnerung rufen, dass dies reale Ereignisse sind und nicht aus der Feder eines Romanciers entsprungene Fiktion.

Es folgen dann jede Menge Daten und Erläuterungen über die Sammelwut der NSA, ihre Zusammenarbeit mit den großen Internetkonzernen und die mehr als mangelhafte Kontrolle dieser Institutionen. Über Falschaussagen von Kongressabgeordneten und Verantwortlichen, sowie über die Zusammenarbeit mit anderen Nationen, bei denen jedoch Freund nicht gleich Freund ist.

Die verschiedenen Programme werden vorgestellt und es finden sich zahlreiche Dokumente und Statistiken zu ihrem gesamten Ausmaß. Das klingt jetzt vielleicht nach einem trockenen Tabellenbuch, ist es allerdings keineswegs. Mit offenem Mund liest man über eine beispiellose, man möchte fast sagen Komplettüberwachung des Planeten, die weit weit über das hinaus geht, was sich George Orwell vor 66 Jahren vorstellen konnte.

Nachdem man sich durch das Kapitel ‘Alles sammeln’ gearbeitet hat und man den Mund langsam wieder zu bekommt (oder direkt atemlos weiter liest), bietet uns Glenn Greenwald noch eine Analyse der Gefahren der Massenüberwachung und im letzten Kapitel geht er auf die Vierte Gewalt ein, die Medien, denen es eigentlich zukäme, investigativ zu arbeiten und Missstände offenzulegen, die den Machthabern allerdings viel zu oft einfach nach dem Munde reden.

‘Man braucht keine verfassungmäßig garantierte Pressefreiheit, damit Journalisten Politiker unterstützen, bestärken und glorifizieren können. Die Verankerung der Pressefreiheit war notwendig, damit Journalisen das Gegenteil tun können.’

Einer der größten Skandale des noch so jungen Jahrhunderts, der leider immer noch überall kleingeredet wird. Laut Edward Snowden, einem Mann, der sein bisheriges Leben dafür aufgegeben hat, der Welt diese Dinge zu offenbaren und der dafür kriminalisiert wird und zum Verräter gestempelt wird, ist das Schlimmste was passieren kann, das alles so weiter geht, wie bisher. In einem Gespräch mit dem Whistleblower Dan Ellsberg im Rahmen von #xhope, verglich dieser Snowdens Schritt mit dem einer Rosa Parks.

Ich sage nur: Respekt! Danke! Und: lest dieses Buch!

Bibliografisches:

ISBN 9783426276358

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, Mai 2014
Aus dem Englischen übertragen von Thomas Wollermann, Maria Zybak, Robert A. Weiß und Gabriele Gockel
Originaltitel: No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U. S. Surveillance State
365 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook und in der englischen Originalausgabe, und die natürlich auch als ebook.

Hier noch das Video, um das es auch im Buch geht:

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Drohnenland – Tom Hillenbrand

drohnenland

(c) Kiepenheuer & Witsch

Drohnenland is round the corner! Momentan gibt es so einige Titel auf dem Buchmarkt, die sich mit der nicht allzu weit entfernten Zukunft beschäftigen und aktuelle technische und politische Entwicklungen aufgreifen, mit Fiktion anreichern und daraus überaus spannende Unterhaltung machen. Tom Hillenbrands ‘Drohnenland’ ist eines dieser Bücher.

Aufgebaut wie ein klassischer Krimi, mit einer Leiche auf einem Feld und einem etwas kauzigen Komissar, der sich Lakritzstangen kauend an die Ermittlungen macht, steckt doch einiges mehr in diesem Krimi. Denn es ist weniger der Plott, der hier hervor sticht, sondern vielmehr die Atmosphäre eines abgeriegelten Europa, in dem jeder immer und überall überwacht wird. Durch den Einsatz von unzähligen Drohnen wird dies ermöglicht, und wer bei Drohnen jetzt an unbemannte Hightechwaffen denkt, liegt nur bedingt richtig, denn hier gibt es Drohnen in jedweder Größe und Form, je nach ihrer Aufgabe.

Doch nicht nur die Überwachung à la Orwell, die ja in weiten Zügen schon heute stattfindet und weiter ausgebaut wird, beschreibt Hillenbrand hier äußerst plastisch, auch auf politischer Ebene greift er viele heutige Tendenzen auf und führt sie konsequent weiter. So sind die Norditaliener Teil der Union, wobei der Süden außerhalb der Zone liegt, eine Tendenz die schon heute, zumindest aus ökonomischer Sicht fast Realität ist. Die Briten planen den Austritt, ein Schritt mit dem Cameron in bester Kindergartenmanier auch aktuell gedroht hat – ich mag Juncker nicht, dann spiel ich lieber gar nicht mehr mit.
In Nordafrika führte die fiktive zukünftige EU Solarkriege, was nur schlüßig erscheint bei Projekten wie Desertec, das hauptsächlich von europäischen Konzernen lanciert wird, aber in der Sahara entstehen sollen.

Und natürlich wird in dieser rosigen Zukunft jedes technisch verfügbare Mittel genutzt, zu guten wie zu fragwürdigen Zwecken, denn was möglich ist, wird auch getan. So auch die prädiktive Verbrechensbekämpfung, ganz ähnlich dem, was uns per Hollywood-Actionkino in Minority Report gezeigt wurde.

Auf der Krimiebene spinnt sich die Geschichte solide voran, im Endeffekt geht es (wie immer und überall ;-) ) um Macht und Geld.
Gute Krimiunterhaltung in ungewöhlich reizvollem Umfeld! Es muss ja nicht immer die französische Provinz sein.

Die Idee zur Lektüre kam übrigens im Zuge eines Twitteraustauschs über Zero von Marc Elsberg (ein anderer dieser fiktional/realen Romane) mit dem Kaffeehaussitzer Uwe, der Krimimimi und der Papierflüstererin Simone. Wer Lust hat, kann sich gerne unserer paranoiden Diskussionsrunde auf Facebook anschließen: Schöne, neue paranoide Welt. Willkommen in Paranoia!

Bibliografisches:

ISBN 9783462046625

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Mai 2014
422 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Digitales Lesen möglich mit dem ebook im epub-Format. Auf die Ohren gibt’s per CD von Uwe Teschner.

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Crime writer Sheila Bugler about Sam Hawken’s novel LA FRONTERA

il_libraio:

since my review is still missing here…

Ursprünglich veröffentlicht auf Betimes Books:

La Frontera is a heart-breaking novel of corruption, broken dreams and the indominatable power of the human spirit.
Set in the harsh, desert landscape of the borderland between Texas and Mexico, the novel is, at its heart, an exploration of the socio-economic conditions that force millions of people to enter the US illegally in search of a better life.
We follow the story of three characters: Texas Ranger, Ana Torres spends her days patrolling the border in an attempt to stop people coming through illegally; Luis Gonzalez lives on the Mexican side of the border and offers help and advice to those poor souls trying to get across to the other side; and Marisola Herrara from El Salvador, who has spent her life dreaming of a way out of the deadening poverty of the small mountain village where she lives.
With exquisite skill, Hawken brings us deep into the life…

Original ansehen noch 120 Wörter

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Eine Nautische Fabel – Marine Blandin

(c) Carlsen

Irgendwie haben wir es ja schon immer geahnt: die Hölle ist ein riesiges Spaßbad! Den Satz könnt ihr jetzt vor und zurück lesen, das macht es auch nicht besser.

Um genau dieses Spaßbad geht es auch in der Fabel von Marine Blandin. Doch halt, nicht etwa jedes x-beliebige Spaßbad, das wäre ja langweilig. Damit das Ganze ein bisschen Biss bekommt, wurde dieses hier auf ziemlich freiem Feld just über einem Haustier-Friedhof erbaut. Genau! Als belesener, oder befernsehter Mensch ruft es da lauthals: Friedhof der Kuscheltiere! (Manch einer summt vielleicht auch das passende Ramones-Lied ;-) )

Alles beginnt auf diesem Friedhof, wir sehen ein junges Mädchen (merkt euch das schon mal), die hier ihr verstorbenes Häschen besucht und ihm eine Möhre bringt, denn auch tote Häschen wollen gefüttert sein. Die Gräber von Bombolbee, Ketchup und Co. sehen auch nicht mehr gerade frisch aus, woran wir sehen, dass der Friedhof schon eine ganze Weile dort angesiedelt ist.
Das Mädchen nun bringt ihrem Matz ein Möhrchen und beichtet ihm gleichzeitig den anstehenden Plan, dass auf dem Gelände ein Schwimmbad gebaut werden soll.

matz

(c) Carlsen

Und du blätterst um und zack! rauschen da die Leute die Rutschen runter und ein gestresster Bademeister ist auf dem Weg zu seinem Kollegen, der zufälligerweise ebenfalls Matz heißt, um ihn zu überreden, mit zum Wasserballspiel zu gehen, damit er nicht allein mit dem Kollegen Gabor hin muss. Doch Matz hat andere Pläne: er wird sich heute die Alte schnappen, die immer ihre Möhrchen in die Becken wirft (ihr erinnert euch..).

Klingt alles noch ganz harmlos? Jetzt geht’s aber auch erst los: die üppige Bepflanzung beginnt ein Eigenleben zu führen, es verschwinden Leute in der Vegetation, es wird ein Wal gesichtet und die drei Damen vom Jacuzzi-Orakel stellen scheinbar unmögliche Aufgaben: sie möchten den verschollenen Schlüssel vom Boden des bodenlosen Schachtes geholt bekommen. Und plötzlich stellt auch noch eine die unerhörte Frage: Wo ist der Ausgang?

Nebenbei gibt es Wasserballett, Wasserballspiele, haufenweise vor sich hin treibende Kinder mit Schwimmflügeln und sowieso jede Menge Wasserspaß, wie es sich für ein Spaßbad gehört. Ach ja, und natürlich Haustiergeister.

rücken

(c) Carlsen

Und da es ja schon der Titel verrät: natürlich gibt es auch viele Parabeln auf die Welt. Ist die Spaßgesellschaft sich selbst genug, oder ist der Spaß irgendwann vorbei? Kann man wirklich im Schwimmbad Möhren anbauen? Wie sieht es auf dem Boden eines bodenlosen Schachtes aus? Ist Gott ein Wal?

Nach der Lektüre musste ich an Sartres ‘Geschlossene Gesellschaft’ denken, aber auch an Kant. Und sicher entdeckt man bei jedem neuen Lesen wieder andere philosophische Anspielungen und immer neue Ebenen.

Dringende Leseempfehlung! Folgt der Karotte, oder wahlweise dem weißen Kaninchen…

P.S. Wenn ihr dem untenstehenden Link zur Mayerschen-Seite (ISBN) oder dem zur Carlsen-Seite folgt, gibt es dort die ersten Seiten als Leseprobe.

 

 

Bibliografisches:

ISBN 9783551757531

Erschienen im Carlsen Verlag, Mai 2014
Aus dem Französischen übertragen von Ulrich Pröfrock
Originaltitel: Fables Nautiques
142 Seiten, gebunden

€ 17,90

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Eine kleine Meinungsauswertung

il_libraio:

Und hier kommt jetzt das Ergebnis der kleinen Krimi-Umfrage, tada!!:

Ursprünglich veröffentlicht auf My Crime Time:

(c) pixabay.com/PublicDomainPictures

(c) pixabay.com/PublicDomainPictures

Vergangene Woche habe ich euch zehn Fragen zum Krimileseverhalten und zum Krimikonsum gestellt. Ich hatte die Auswertung fast schon komplett getippt, bin auf eine falsche Taste gekommen (ich hocke hier gerade an einem alltagsfremden Rechner) – und habe den Text aus Versehen gelöscht. Das ist aber gar nicht so schlimm (obwohl ich mich natürlich schon mächtig geärgert habe), denn Zahlen herunter zu rattern, ist eigentlich eh nicht mein Ding. Wer die genauen Ergebnisse nachlesen möchte, kann das im Originalbeitrag machen. Bitte einfach bei jeder Frage auf “View Results” klicken.

Ein paar Fakten fasse ich dann aber natürlich doch zusammen. Zum einen sind die Netzaktiven Krimileser weiblich. 79 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Das Alter war bunt gemischt, wobei die 31- bis 40-Jährigen mit 31 Prozent die Nase vorn hatten. Die meisten Leute (26 Prozent) lesen bis zu zehn Krimi in einem Jahr. Soviel zum Rahmen. Wie sieht das…

Original ansehen noch 343 Wörter

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Iman – Ryad Assani-Razaki

iman

Verlag Klaus Wagenbach

Je weiter man dem Ende des Buches entgegen kommt, desto öfter möchte man die Protagonisten am Kragen packen und kräftig durchschütteln. Ist das gut? Ich glaub schon, denn ‘Iman’ ist definitiv kein Buch, dass man einfach liest, wegstellt und vergisst.
Und die drei Hauptfiguren haben auch einigen Grund, nicht mehr ganz klar zu sehen, das ein oder andere Problem mit der Welt zu haben.

Da ist als erstes Toumani, der von seinen Eltern für umgerechnet 23€ verkauft wird, an eine Dame, die ihn dann weiter vermittelt als Arbeitskraft – eine wegweisende Station wird der Dienst bei Monsieur Bia sein, einem Alkoholiker und Frauenverzehrer, launisch, gewalttätig und unberechenbar ist dieser Monsieur Bia. Und so ist es auch kein Wunder, dass Bia Toumani fast totschlägt, über einer Kleinigkeit – einen kleinen Plastikohrring, den Toumani geschenkt bekommen hat von Alissa. Alissa ist das Mädchen, zu dem Toumani bei seinem kurzen Aufenthalt bei der Vermittlerin ein Band geknüpft hat, dass sie bis zum Ende aneinander bindet und das auch ihrer beider Verhängnis sein soll.
Halb tot wird Toumani von Bia in der Kanalisation ‘entsorgt’, wo er liegt, lange lange Stunden und in den ‘Himmel’ starrt und nur noch wartet, dass es vorbei ist, während Ratten an seinem verletzten Bein nagen. Doch dann tauchen Kinder auf auf dem Platz über dem Schacht und Iman und Imans Hand, die ihn ans Licht zieht, ihn rettet und ihm das Leben neu schenkt. Und wie Toumani über den Ohrring mit Alissa verbunden ist, ist er nun mit Iman verbunden, seinem Retter.

Iman päppelt den Verletzten Toumani wieder auf und zieht so das Band zwischen ihnen immer enger. Die beiden entwickeln sich zu untrennbaren Freunden. Bis Alissa wieder auftaucht. Und das ist der Anfang vom Ende.

Aus wechselnden Perspektiven erzählt Ryad hier eine Geschichte von einem gebeutelten Afrika, in dem nach wie vor die Hautfarbe eine ungemein wichtige Rolle spielt und das nach wie vor vom Kolonialismus geprägt ist.
Eine Geschichte aus den Slums, die vom täglichen Kampf um das Überleben berichtet. Einer Welt zwischen Bandenkriminalität, Dreck und Schmutz, Armut. Und doch blitzen immer wieder kleine Sonnenflecken in diesem düsteren Szenario auf, die jedoch immer weniger werden, je weiter das Buch voranschreitet.

Denn alle sind gefangene in diesem Buch: Gefangen in Konventionen die Mutter Imans, nach ihrer großen Rebellion gegen alles und jeden, geht es ihr jetzt nur um ein Leben nach Schema F, Mann und Kind, Arbeit und Haus; Konformismus ist die Rettung. Auch wenn das bedeutet, den Sohn zu verstoßen, der in dieser Familie als Mischling und Sohn eines anderen Vaters der ewige Fremdkörper ist.
Gefangen in seiner Sehnsucht ist Iman, die Sehnsucht nach der Ferne, dem Paradies Europa, der heilen Welt seines Vaters, von der er sich Anerkennung erhofft, ein  besseres Leben, in dem er dazu gehört und nicht immer nur der verstoßene Sohne einer Affäre ist.
Gefangen im Kampf um Liebe und Anerkennung Toumani, als einbeiniger Krüppel ist er automatisch der Aussätzige, mit dem man sich nur aus Mitleid abgibt.Gefangen zwischen zwei Männern Alissa. Ihre ganze Liebe gehörte Toumani, doch der verstößt sie, da er die Liebe nicht kann, nie gelernt hat, sie missdeutet und ins Gegenteil verkehrt. Und ihre dann aufkeimende Liebe zu Iman ist der Todesstoß für alle drei.

Doch immer wieder glaubt man, dass es jetzt endlich soweit ist und sich zum Guten wenden wird. Und doch wird man immer wieder enttäuscht – und möchte sie rütteln und schütteln. Denn das Glück liegt Ihnen doch fast zu Füßen. Nur leider ergreifen sie es nicht, sondern laufen darüber hinweg.

‘Iman’ hat mich berührt, mich involviert, mich mitgerissen und genau das ist doch immer ein Zeichen von guter Literatur. Nicht der aalglatte Konsum, sondern das Sperrige, Aneckende, dass einen zu Reaktionen und Gedankenströmen anregt.
Danke für dieses Buch Ryad, und danke für dieses Buch an den Verlag Klaus Wagenbach.

Bibliografisches:

ISBN 9783803132543

Erschienen im Verlag Klaus Wagenbach, Januar 2014
Aus dem Französischen übertragen von Sonja Finck
Originaltitel: La main d’Iman
315 Seiten gebunden

€ 22,90

Auch erhältlich als ebook.

Kategorien: Afrikanische Literatur, Belletristik | Schlagwörter: , , , , , , , | Ein Kommentar

Flashfire – Richard Stark

dtv

BOOM! Die Tankstelle geht in Flammen auf und das ist auch so geplant, denn das ganze soll ein Ablenkungsmanöver sein vom gleichzeitig am anderen Ende der Stadt stattfindenden Banküberfall.

So startet mein erster Parker-Roman, durch den ich am Wochenende geradezu hindurchgeflogen bin.

Leider geht es nicht so reibungslos weiter für Parker, denn er wird von seinen Kompagnons geprellt, wird mit einem Bruchteil des vereinbarten Anteils abgefertigt. Denn ihr Plan ist ein anderer, der Banküberfall sollte nur als Finanzierung zu einem viel größeren Coup dienen. Doch Parker ist die Sache zu heiß, zu riskant, weshalb er ablehnt und aussteigt. Und eben nur die kleine Abfindung bekommt.

Doch die Jungs haben sich hier mit dem falschen angelegt, denn Parker wird das keinesfalls auf sich beruhen lassen. So folgen wir ihm auf seinen Vorbereitungen zu seinem eigenen großen Coup – die drei sollen dafür bezahlen und zwar teuer.

Mit einer Reihe von Überfällen beschafft sich Parker das nötige Kapital um seinen kleinen Rachfeldzug zum Erfolg zu führen, beschafft sich eine neue Identität und nistet sich schon mal am Ort des großen Geschehens ein – Palm Beach. Dort wollen seine drei Preller einen beispiellosen Juwelenraub begehen – und Parker will im Nachhinein vor Ort sein, um ihnen ihre Beute und ihr Leben zu nehmen. Mit Parker treibt man eben besser keine Spielchen.

Parker ist hart, wortkarg und absolut kompromisslos und dennoch durchaus sympathisch.  Ein Mann mit Prinzipien und einem klaren Verstand, seine Aktionen sind bis ins einzelne durchgeplant und er überlässt nichts dem Zufall. Denn der Zufall – und das muss Parker auch hier am eigenen Leib schmerzlich erfahren – ist sein größter Feind. Mit allem anderen kann er sehr gut umgehen.

Parker – Ein Antiheld der grandiosen Sorte. Gebt mir mehr davon!
Da ich die eigenartigen deutschen Titelkreationen nicht besonders ansprechend finde, trägt mein Artikel den englischen Originaltitel.
Die deutsche Ausgabe ist folgende:

Bibliografisches

Irgendann gibt jeder auf

ISBN 9783423214193

Erschienen bei dtv, hier Januar 2013
Aus dem Englischen übertragen von Rudolf Hermstein
Originaltitel: Flashfire
296 Seiten, kartoniert

€ 9,95

Habe ich im englischen Original gelesen, müsst ihr aber nicht nachmachen. Die ebook-Ausgabe habe ich allerdings nur im Original gefunden. Zum Hören gibt es offensichtlich nix.

Kategorien: Action, Englische Literatur, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Thriller | Schlagwörter: , , , , , | 4 Kommentare

Eure Meinung ist gefragt!

il_libraio:

Wider den Einheitsbrei! Pure Konsumlektüre, oder anspruchsvolles Literaturgenre? Wie lest ihr Krimis?

Ursprünglich veröffentlicht auf My Crime Time:

(c) pixabay.com/Geralt

(c) pixabay.com/Geralt

In den vergangenen Wochen kam immer mal wieder das Thema Krimilesekonsum in unterschiedlichen Facetten auf. KrimiLese hat sich Gedanken dazu gemacht. Analog-Lesen ebenso. Und auch ich habe hier mal meine Fragen in die Blogosphäre gebrüllt. Jetzt wird es an der Zeit, auch mal den Leser an sich zu befragen. Deswegen habe ich mir hier mal eine kleine Umfrage ausgedacht. Ich möchte einfach wissen, wie denn so das generelle Krimileseverhalten ist. Wird wirklich so wahllos konsumiert wie befürchtet? Oder gaukelt uns der Markt mit seinem Einheitsbrei vielleicht etwas vor?

Wirklich representativ ist diese Umfrage natürlich nicht. Dafür ist mein Blog viel zu klein. Diesen Anspruch habe ich also nicht. Trotzdem möchte ich euch bitten, diese Umfrage zu teilen, teilen, teilen – und zwar auf allen Kanälen, die euch so zur Verfügung stehen. Damit so viele Leute wie möglich mitmachen und wir ganz, ganz viele Meinungen zusammenkriegen. Die Umfrage läuft…

Original ansehen noch 19 Wörter

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Wer braucht denn schon was Neues?

Bannaleccazonbonnetsimon

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einiger Zeit wurde schon auf KrimiLese darüber geschrieben und auch MyCrimeTime stellt leicht verärgert Fragen nach dem sich ausbreitenden Virus des immergleichen Krimis.

Und da ich in den neuen Vorschauen auf neue Exemplare gestoßen bin, also jetzt auch hier, frei nach dem alten Sesamstraßen-Motto: Wieso, Weshalb, Warum?
Vermutlich funktioniert es ein bisschen so, wie bei den großen Fernsehshows: einer entwirft ein Konzept und verkauft es dann in die Welt, eine Art Franchise-System. Das Resultat ist für alle erfreulich: egal in welchem Land man den Fernseher einschaltet, im Prinzip läuft überall das gleiche. Sei es The Voice Germany, The Voice UK, Australia oder wo auch immer (eines von vielen Beispielen). Das Konzept ist überall gleich, das Studio-Design ist überall gleich, ja sogar die Songs sind oft gleich.

Und bei den Krimis? Da ist das Erfolgskonzept zur Zeit auch eher einfach gestrickt: der Autorenname sollte möglichst französisch klingen, das Cover sollte möglichst blau sein und ein historisches Örtchen an einer mediterranen Küste zeigen. Der Kommisar ist ein älterer Großstadtpolizist, der aus verschiedenen Gründen (Ärger mit der Frau/Scheidung/berufliche Krise) in die Provinz versetzt wurde und sich schon auf einen gemütlichen Vorruhestand eingerichtet hatte. Essen und trinken sind wichtige Elemente in seinem Tagesablauf.
Doch das Böse macht auch vor der Provinz nicht halt und zack, ist er mitten drin in seinem eigentlichen Element, dem Kampf gegen das Verbrechen.

Das mag ja von der Idee her nicht schlecht sein, doch muss jetzt wirklich jeder Verlag das immer wieder  gleiche Buch rausbringen? Und dann noch so offensichtlich als Kopie aller anderen?
Noch kaufen die Leser freudig erregt das immergleiche Buch, Bestsellerlistenplatzierung inklusive. Noch funktioniert also der blaue Schablonenkrimi recht gut. Doch wie lange wird es noch dauern, bis die Leser sich verarscht vorkommen?! Mich als Buchhändler macht das beim Durchblättern der Vorschau zumindest ärgerlich, immer auf die gleichen Titel zu stoßen.

Den Buchhandelsalltag erleichtert es aber natürlich enorm, wenn mal wieder einer mit der Frage kommt: “Haben Sie was, das so ähnlich ist wie…?”
Da kann man jetzt guten Gewissens antworten: “Nicht nur so ähnlich, sondern genauso!”

Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, wie viel Saft noch aus dieser Traube gepresst werden kann.
(Da mir hier grad dieses passende Bild mit der Traube kam – vielleicht könnte man ja aus den Schalen dann noch Grappa brennen? Wird das der nächste Hype? … Der Kommissar könnte ja zum diabolischen Killer werden und die Cover dann rötlich/wolkig mit brennenden Kleinstädten)

Ich gebe ja zu, dass das Cover für mich eine große Rolle bei der Auswahl spielt, und ich denke nicht, dass ich da der Einzige bin. Dass das Cover durchaus Kaufentscheidungen beeinflusst, müssten doch auch die Verlage wissen – davon sollte man ausgehen. Und bei den oben abgebildeten (und den vielen, die da noch kommen werden) sagt sich doch der Kunde irgendwann: hab ich schon, kenn ich schon. Oder?

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Verlage | Schlagwörter: , , , , | 11 Kommentare

Ostende – Volker Weidermann

ostende

Kiepenheuer & Witsch

Literatur die auf Literatur Lust macht. Bücher, die sich mit Büchern beschäftigen, mit Schriftsteller und deren Leben. Gibt es sicher viele. Die von Volker Weidermann sind besonders lesenswert. Es macht Spaß, diese Bücher zu lesen und sich in die Materie zu vertiefen.

Schon bei Lichtjahre und Das Buch der verbrannten Bücher ging es mir so, und ebenso war es jetzt auch wieder bei Ostende. Wobei erstere eine Zusammenstellung von literarischen Werken und ihrer Schöpfer sind, beschäftigt sich Weidermann in Ostende mit einem kurzen Abschnitt im Leben einer Gruppe von Schriftstellern.

Der Untertitel verrät es uns bereits: 1936, Sommer der Freundschaft. Damit ist schon fast alles gesagt. 1936, die Nationalsozialisten sind schon 3 Jahre an der Macht, bis zum Ausbruch des Krieges sind es noch 3 Jahre; doch wird auch schon in diesem Jahr gekämpft, die große Probe gemacht – in Spanien kämpfen Faschisten gegen Sozialisten, Kommunisten und Sozialdemokraten.
Die Protagonisten sind alle bereits im Exil, doch suchen sie nach wie vor die Nähe zur sprachlichen Heimat, zu ihrer Existenz. Denn was ist ein Schriftsteller ohne Leser?!
So treffen sie sich in diesem Sommer an der belgischen Küste in dem kleinen Ferienort Ostende, um sich gegenseitig aufzubauen, ihre Freundschaft zu festigen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Die Hauptpersonen sind zweifelsohne Stefan Zweig, der Gönner, der Star, der hemmungslos Gläubige an das Gute im Menschen und Joseph Roth, sein Freund und Protegé, der hemmunglose Trinker und Sonnenfeind (was macht er dann eigentlich in der belgischen Sommerfrische? – in dunklen Cafés sitzen und schreiben…).

Sie schreiben, sie trinken, sie schwimmen im Meer und sonnen sich (vor allem Irmgard Keun) und alles könnte so schön sein, wäre da nicht das nahe dunkelbraune Deutschland, das sie vertrieben hat, ihre Bücher verbrannt hat, ihnen die Existenzberechtigung abgesprochen hat.

Der Text liest sich großartig, man merkt, dass Weidermann Journalist ist, und drum ein flüssiger Schreiber. Immer wieder stehe ich während der Lektüre vor meinem Bücherregal, blättere im Kunstseidenen Mädchen, der Joseph-Roth-Biographie und suche auch schon mal im Internet nach Bildern von erwähnten Personen.

Und das ist doch das Gute an Literatur: nicht der bloße Konsum, sondern das darüber Hinausgehende, die Lust sich weiter und tiefer mit Themen und Personen zu beschäftigen. Da ist es mir auch egal, dass auf dem Deckel nicht explizit Roman steht – was Michael Angele im Freitag der letzten Woche bemängelte.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783462046007

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, März 2014
156 Seiten, gebunden

€ 17,99

Ostende gibt es neben dem Hardcover auch als ebook, zum Hören auf Scheibe und zum Hören jetzt gleich als Download.

Kategorien: Belletristik, Biographie, Deutsche Literatur, Geschichte, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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