Totenfrau – Bernhard Aichner

5 Freunde müssen sterben

btb Verlag

Die Story ist schnell erzählt: Blum ist die Adoptivtochter eines Bestatterehepaares und daher schon als Kind mit dem Tod vertraut. Nach einem tragischen Ereignis (lasst euch überraschen, damit beginnt das Buch!) wird sie zur Waise, lernt allerdings gleichzeitig ihren zukünftigen Mann Mark kennen, einen Polizisten, mit dem sie zwei Kinder haben soll.

Das Leben könnte perfekt für sie sein, doch da wird ihr Mann überfahren, einfach so, Fahrerflucht und aus. Vorbei.

Als Blum auf Marks Handy Aufzeichnungen von Gesprächen Marks mit einer jungen Frau hört, denkt sie erst an eine Affäre, doch die Geschichte ist so unglaublich, dass Blum sich auf die Suche nach dieser Dunja macht. Sie will alles wissen, aus Dunjas Mund. Das dass alles wahr ist, und was es mit Mark gemacht hat. Denn Dunja wurde mit zwei anderen über Jahre in einem Keller gefangen gehalten und missbraucht.

Als Blum Dunja gefunden hat und ihre Version gehört hat, wird ihr klar, dass Mark umgebracht wurde. Beseitigt, da er hinter den falschen Leuten her war.

Hier beginnt Blums Rachezug. Fünf sollen die Täter sein, fünf müssen sterben: der Fotograf, der Priester, der Koch, der Schauspieler und der Clown (hier musste ich ja Aryas Liste aus Song of Ice & Fire denken: Sir Ilyn, the Hound, Jamie Lannister…).
Dafür kommen ihr ihre Bestatter-Fähigkeiten zugute und das Ganze entwickelt sich zu einer Art Innsbrucker Version von Dexter, einer Serie, mit der Blum gar nichts anfangen kann – wie sie an einer Stelle sagt.

Was nun dieses Buch besonders auszeichnet ist seine Sprache, der Schreibstil. Durch die kurzen prägnanten Sätze, zog mich Bernhard Aichner von Beginn an in Blums Bann. Einmal begonnen, war es unglaublich schwer Pause zu machen. So las ich vor dem Schlafengehen und auch vor dem Aufstehen am morgen. Da ging es mir ähnlich, wie kürzlich bei Patrick Ness.

Und dann ist da natürlich die Protagonistin: Blum, die eben nicht wie Dexter einen unbedingten gefühllosen Drang zum Töten hat, sondern eine liebende Mutter und Ehefrau ist, die durch die äußeren Einflüsse auf ihren Weg gezwungen wird. Und diesen Weg mit absoluter Effizienz beschreitet.

Zitat einer Kollegin: Ein Krimi, der dich an deine Grenzen bringt. Dem stimme ich zu.

Reinlesen!

Bibliografisches:

ISBN 9783442754427

Erschienen im btb Verlag, März 2014
444 Seiten, gebunden

gut angelegte € 19,99

Die Totenfrau gibt es auch zum elektronischen Lesen, zum Hören auf Scheibe und zum Hören im Dateiformat.

 

Kategorien: Deutsche Literatur, Krimi, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rettet die Bücher

Hier kommt es, das apokalyptische Blog-Stöckchen. Hervorgegangen aus einem anderen Blog-Stöckchen und erdacht von texte&bilder.

Worum geht’s?

Wenn du drei Bücher vor der Apokalypse, die alle anderen Bücher auf dem Planeten zerstört, retten könntest – welche wären es?

“Die Frage streift ein weites Feld. Und genau so sollte sie verstanden werden: Möglichst frei und weitläufig. Ich stelle mir vor, eine kleine Aktion zu starten, bei der Blogger genau diese Frage beantworten und die drei Bücher nennen, die sie vor dem Untergang retten würden. Danach sind jeweils zwei weitere Blogger – also zwei weitere Buchretter – zu nominieren.

Das Wichtigste dabei ist natürlich das Warum: Warum sind es genau diese drei und nicht andere? Die Entscheidung ist keine leichte. Daher sollte man sich beschränken – sagen wir auf eine Begründung in nicht mehr als 140 Zeichen pro Buch.”

Soweit also die nicht ganz einfache Aufgabe, die aber neben texte&bilder und sätze&schätze, im Rahmen des anderen Blogstöckchens, auch schon in Normans notizheften und Tillmans 54books, sowie bei einer Tasse Kaffee vom Kaffeehaussitzer beantwortet wurden.

Also schnell, bevor die Apokalypse über uns hereinbricht und wir keine Zeit mehr haben, die Bücher auswendig zu lernen. Denn das wird wohl die einzige Rettung sein: wie in Bradburys Fahrenheit 451 die Bücher im Kopf zu retten, nur das hier nicht jeder eins ist, sondern gleich drei.

1. Joseph Roth – Hiob Ein wichtiges Buch in meinem Leben, das mich auch ein Stück weit zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Das ist Grund genug.

2. Michael Ende – Die unendliche Geschichte Ein Buch über die Macht der Fantasie. Und Fantasie wird es nach der Apokalypse mehr als alles andere brauchen.

3. Friedrich Dürrenmatt – Die Physiker Genie und Wahnsinn sind zwei Seiten der selben Medaille!? Und Fortschritt ist auch der Weg auf das Ende zu. Darum Dürrenmatt.

Jetzt würden mich die drei apokalypseüberlebenden Bücher der lesenlebenlachenden Stefanie und der papierflüsternden Simone interessieren. Wir sind gespannt!

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Das Imperium des Atoms – T. Smolderen & A. Clerisse

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Carlsen Verlag

Jetzt mal ehrlich: wenn ihr immer noch keine Comics lest (‘Sind nur was für Kinder’), dann muss das unverzüglich ein Ende haben. Ihr wisst ja gar nicht, was für tolle Literatur ihr verpasst und was für tolle Bücher in Bezug auf Ausstattung. Der Bibliophile muss ja quasi per definitionem Comic-Fan sein!
Also: startet spätestens jetzt und mit diesem tollen Buch. Das Imperium des Atoms von Thierry Smolderen geschrieben und von Alexandre Clerisse zeichnerisch brillant umgesetzt.

Schon das Cover ist ja ein Augenschmaus und wenn man das Buch im richtigen Winkel gegen das Licht hält, funkeln die Sterne und man folgt dem Blick des bebrillten Herren in himmlische Sphären.

Der bebrillte Herr heißt Paul und hat eine besondere Gabe: seit er in seiner Kindheit verschiedene Science-Fiction-Romane las, ist er mit dem Autor telepatisch verbunden, denn alle stammen aus der selben Feder, der des Herrn Zarth Arn, welcher 120.000 Jahre in der Zukunft lebt.
Genau aufgrund dieser Fähigkeit will sich der skrupellose Zelbub (klingt verdächtig nach Beelzebub) seiner bedienen um – wir ahnen es – die Weltherrschaft an sich zu reißen (genau wie jeden Tag, Pinkie)!
Paul und weitere Intelektuelle und Wissenschaftler werden manipuliert um ihm zu diesem Ziel zu verhelfen, doch in Paul regt sich Widerstand. Schlecht für Zelbub, denn ohne Pauls Kontekt in die Zukunft wird es schwierig mit seinem Imperium des Atoms.

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Carlsen Verlag

Das eigentliche Highlight dieser Geschichte ist jetzt aber die graphische Umsetzung. Ich nenne es mal Nostalgie-Science-Fiction, denn die Optik bedient sich an Zukunftsvisionen der 1950er Jahre. Die Vorstellung von der Zukunft, als bei uns das Atomzeitalter anbrach. So tauchen hier ebenso selbstfahrende Raketenwagen auf, wie ein Atomic-Pile-Staubsauger (der auch in Orson Wells ‘Our Man in Havana’ die Auslage ziert) und fliegende Taucher mit Strahlenkanonen.

Figuren und Szenario sind in einem Stil gezeichnet der wie eine Mischung aus Jetsons und Dexters Labor anmutet, aber auch thematisch, und in seiner Gänze einfach nur großartig ist.
Die Farbgebung ist mal zurückhaltend, mal knallig, die Zukunftsepisoden in der Zeit des Zarth Arn immer schwarz-weiß gehalten. So lässt sich leicht differenzieren.

Einflüsse aus diversen anderen Comics sind also nicht abzustreiten, so taucht z.B. in einer Episode ein Mitarbeiter des Spirou-Teams auf. Die Geschichte erinnert auch wirklich ein bisschen an die von Spirou und Fantasio, die ich früher gern gelesen habe.
Außerdem gibt es hier eine Prise Mad Men, Beautiful Mind und sogar James Bond.

Alles in allem, ein absolutes Schmankerl und seinen Preis mehr als wert! Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch gerne nochmal Asterios Polyp.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783551757548

Erschienen im Carlsen Verlag, März 2014
141 Seiten, gebunden

€ 22,90

Als ebook nicht zu haben, das würdet ihr auch nicht wollen! Und zum Hören? Pff!

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Auf Samtpfoten kommt er nicht

il_libraio:

Danke für diesen Artikel:

Ursprünglich veröffentlicht auf Literaturen:

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Unter der Oberfläche dieses Landes brodelt es. Akif Pirinçci ist es nun – eine zweifelhafte Leistung – mit seinem neuen Buch gelungen, diesen Vulkan hinter gutbürgerlichen Fassaden zum Ausbruch zu bringen. Und was sich dort zeigt, ist erschreckend. Es sind Hass und Wut auf alles Tolerante, Offene, auf den “Mainstream”, wie er gesehen wird.

Er ist gegenwärtig in aller Munde. Akif Pirinçci und sein wütendes Pamphlet auf den Untergang Deutschlands. ,Deutschland von Sinnen – der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer‘ heißt es und verkauft sich, jedenfalls bei bekannten Onlineanbietern, wie geschnitten Brot. Genügend ist geschrieben worden über die Stammtischparolen, die Fäkalsprache, derer sich Pirinçci bedient, über den Hass und die Wut auf so manches und manchen – ganz besonders eben Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer. Der Mann, der 1969 mit seinen Eltern nach Deutschland kam und immernoch aus tiefstem Herzen dankbar für den freundlichen Empfang ist, wie er…

Original ansehen noch 966 Wörter

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Mehr als das – Patrick Ness

mehralsdas

cbt Verlag

Na das passt ja. Offensichtlich befassen sich derzeit einige Autoren mit dem gleichen, oder doch zumindest sehr ähnlichen Thema. Könnt ihr euch noch an meinen kürzlichen Bericht über Spademan erinnern? Da gab es ja diese Leute, die in großen metallenen Betten lagen, mittels derer sie in die sogennante Limnosphäre eingeloggt waren, eine Art Luxusinternet, oder auch (Second Life)³.

Und auch bei Patrick Ness gibt es jetzt ein ganz ähnliches Konstrukt virtueller Realität. Aber langsam, am Anfang gibt es erstmal ein Ende:

Hier ist der Junge. Er ertrinkt.

Damit startet das Buch, und wenn das mal kein vielversprechender Start ist!!
Er ertrinkt – und wacht wenig später in einem Vorgarten auf, eingewickelt in beschichtete Bandagen. Wie er schnell herausfindet, ist es der Garten seines Elternhauses – das Haus, aus dem sie vor Jahren ausgezogen sind. Nach einem tragischen Vorfall hatte sich die ganze Familie von England nach Amerika aufgemacht. Und doch ist er wieder hier. Allerdings allein, die Welt scheint komplett verlassen. Weder Mensch noch Tier scheint es mehr zu geben, die Straßen sind von Unkraut überwuchert, mit Dreck überzogen die Autowracks und unweit des Hauses gibt es einen riesigen Krater, wie nach einer Explosion.

Immer wieder fällt er in eine Art Trance, oder Schlaf und erlebt dort eigenartige Flashbacks vom Leben vor dem Ertinken. Auf diese Weise werden wir langsam aber sicher erfahren, wer der Junge ist und warum er sich für den Freitod entschied, denn er ist freiwillig ins kalte Meer gegangen. Wir erfahren, warum die Familie auswanderte und natürlich! erfahren wir jede Menge über diese leere Welt, in der er sich nach seinem Tod wiederfand. Soviel sei noch verraten: er bleibt nicht allzu lang allein.

‘Mehr als das’ ist ein Buch über das anders sein, über das Erwachsenwerden, darüber was Realität ist und nicht zuletzt natürlich über Freundschaft und was diese ausmacht. Ein überaus positives Buch, denn der anfängliche Selbstmord ist ja offensichtlich nicht die Lösung aller Probleme! Es gibt immer noch etwas mehr, auch wenn man denkt, alles ist aus und es gibt kein morgen.

Ich habe ja schon ewig kein Jugendbuch mehr gelesen, und dann sowas! Wie unglaublich spannend dieses Buch ist, kann man im Prinzip schon am obenstehenden Anfang erahnen. Schon ab der ersten Zeile entwickelte es einen irren Sog, der mich bis zum Ende nicht mehr loslies. Es grenzte schon an körperlichen Widerwillen, das Buch aus der Hand zu legen.

Thank you Patrick Ness for this incredible reading experience!

[Alles in allem eine überaus gelungene -wenn auch unfreiwillige- Fortsetzung von Spademan.]

Bibliografisches:

ISBN 9783570162736

Erschienen im Verlag cbt, März 2014
Aus dem Englischen übertragen von Abarbanell
Originaltitel: More than this
512 Seiten, gebunden

€ 17,99

Auch erhältlich als ebook.

Der Verlag hat nicht nur eine Sonderseite erstellt (auf der man auch das Buch gewinnen kann), sondern auch einen super Trailer produziert:

Und da der Titel des Buches auf dem gleichnamigen Lied des großartigen Peter Gabriel basiert und Musik immer gut kommt:

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Digitales Lesen: Eine Bilanz nach zwei Jahren Selbstversuch

il_libraio:

Sehr lesenswerter Artikel meiner ehemaligen Kollegin: Aliènor im Selbstversuch. Ich hab ja eine leise Ahnung, woran das mit der mangelnden Nutzung liegt ;-)

Ursprünglich veröffentlicht auf Die fabelhafte Bücherwelt der Aliénor:

P1000354Tatsächlich: Über zwei Jahre ist mein Kindle nun schon alt. Und gerade habe ich Lust, über die Zukunft digitaler und analoger Medien zu spekulieren sowie meine Leseerfahrungen zu teilen.

Eine erste Bilanz ist schnell gezogen: So enthusiastisch, wie ich mit dem digitalen Lesen angefangen hatte, so selten ist das Gerät in den letzten Jahren schließlich zum Einsatz gekommen.

Warum eigentlich?

Ja, digitales Lesen ist definitiv die Zukunft. Das war auch einer meiner Hintergedanken bei der Anschaffung. Und zweifellos dürfte das digitale Lesen irgendwann den Büchern den Rang ablaufen. Auch wenn ich inständig hoffe, dass das niemals die Abschaffung der Papierversionen bedeuten wird und dass diese auch in 30 Jahren noch einigermaßen erschwinglich bleiben werden…

Die Vorteile liegen auf der Hand: Extrem platzsparende Aufbewahrung der Schätze, Einkauf schnell und leicht per Klick vom Sofa aus und das Buch ist sofort da wenn man es braucht. Nette Zusatzfeatures wie eine Vorlesefunktion, interaktive…

Original ansehen noch 799 Wörter

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Spademan – Adam Sternbergh

spademan

Heyne Hardcore

Was für ein Buch!  Und dabei braucht es nicht einmal viele Zutaten: ein radioaktiv verseuchtes New York, ein Mann mit einem Teppichmesser in der Schuhsohle und ein vorerst klarer Auftrag.

Die Stadt, die einst der Big Apple war, ist jetzt nicht mehr als ein faules Fallobst. Nach diversen Bombenanschlägen, darunter einer schmutzigen Nuke am Times Square, haben viele die Stadt verlassen. Die Zurückgebliebenen teilen sich grob in zwei Gruppen: die Plebs auf den dreckigen, unsicheren Straßen. Und die (im wahrsten Sinne des Wortes) Oberschicht, welche die schwer bewachten Penthouses der Stadt bewohnt und dort zum großen Teil als Gemüse in interaktiven Betten vegetiert – eingeklinkt in eine schöne neue Welt, die sogenannte Limnosphäre.

Aus der ersten Gruppe kommt unser Held! Spademan. Einmal Müllmann, immer Müllmann. Nur der Müll ist jetzt anderer: Früher entsorgte er alles, was die Wegwerfgesellschaft so wegwarf, heute entsorgt er Menschen, die irgendwem überflüssig geworden sind. Ein Anruf genügt und die Sache ist erledigt.
Die einzige Grenze, die sich dieser Müllmann gesetzt hat: keine Kinder! Und zack, gibt es genau damit natürlich ein Problem bei seinem neuesten Auftrag.

Neben dem Spademan fristen noch andere zerrüttete Personen in diesem düsteren New York ihr Dasein: Computer-Junkies, virtuelle Erzengel, abgedrehte Fernsehpriester und und und

Spademan ist sicher eine düstere Dystopie (Düstopie gewissermaßen), ein Stück Science Fiction Literatur à la Bladerunner, Matrix etc., soweit jedenfalls die Grundstimmung des Buches. (Ich bin sicher, dass es da auch mal Tag war, ja ich meine mich an irgendeine Szene mit Sonnenaufgang zu erinnern, aber für mich war es da die ganze Zeit über Nacht!)
Doch trotzdem ist das Buch auch ein großer Lesespaß, gewürzt mit einer ordentlichen Prise 20.Jahrhundert-Nostalgie. Heyne-Hardcores Finest, möchte man zu diesem Buch sagen!

Ein scheinbar lockerer Typ, dieser Spademan, der doch eine unglaubliche Last aus der Vergangenheit mit sich trägt. Wo andere zerbrechen, bricht er nur die nächste Klinge vom Teppichmesser.

Adam Sternbergh zog mich sofort in seinen Bann, ebenso wie MyCrimeTime und die Krimimimi, und sicher auch euch – also Teppichmesser griffbereit und ran an den Spademan. Ihr werdet es nicht bereuen.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783453268883

Erschienen im Verlag Heyne Hardcore, März 2014
Aus dem Englischen übertragen von Alexander Wagner
Originaltitel: Shovel ready
303 Seiten, kartoniert

€ 14,99

Auch erhältlich als ebook und zum Hören.

Kategorien: Action, Fantasy, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Science Fiction, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , | 5 Kommentare

#ichmöchteunbedingtlesen

Da hat man das eine Blogstöckchen gerade im hohen Bogen weitergeworfen, kommt schon das nächste angeflogen. Auf selbigem Wege übrigens. Da es sich diesmal aber um ein sehr formschönes, ja geradezu handerotisches handelt, sei es mal eben schnell pfleglich behandelt.

Diesmal geht es um #ichmöchteunbedingtlesen. Eine Aufgabenstellung, bei der der Buchhändler schon mal in Haareraufen und hysterische Lachanfälle ausbrechen kann, wächst doch der SuB berufsbedingt nahezu täglich.
Sei’s drum, hier fünf Bücher, die ganz bestimmt als nächstes gelesen werden (wenn nichts dazwischen kommt *schluck*), vielleicht landet ja auch das eine oder andere damit auf eurer Wunschliste.

Vorab noch die Regeln (ohne geht’s nicht ;-) ):

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen,
die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind,
die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein.
Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

Und schon geht’s los:

soutine

Büchergilde Gutenberg

1. Mein letzter Büchergilden-Einkauf, den ich leider per Internet tätigen musste, und der in der Folge eine längere Odyssee auf sich nahm und ungefähr einen Monat nach Bestellung bei mir eintraf. Endlich da, steht er jetzt dann auch oben auf meiner Liste.

Kurz zum Inhalt (aufgrund mangelnder Lektüre natürlich nur der Klappentext):

Chaim Soutine, der weißrussisch-jüdische Maler und Zeitgenosse von Chagall, Modigliani und Picasso, fährt am 6. August 1943 in einem Leichenwagen versteckt von der Stadt Chinon an der Loire ins besetzte Paris. Die Operation seines Magengeschwürs ist unaufschiebbar, aber die Fahrt dauert aufgrund der Umwege – um die Kontrollposten der Besatzungsmacht zu meiden viel zu lange, nämlich 24 Stunden. In einem Strom bizarrer Bilder, die der verfolgte Maler im zeitweiligen Morphin-Delirium vor sich auftauchen sieht, erzählt der Roman halb historisch, halb fiktiv Episoden aus Soutines Kindheit in Smilowitschi bei Minsk, die ersten Malversuche in Wilna, den beharrlichen Traum von Paris, der Welthauptstadt der Malerei. Er beschwört die unwahrscheinliche Freundschaft mit Modigliani, den plötzlichen Erfolg und das Ende der goldenen Pariser Jahre. Der Maler, der an die Macht der Milch als einziges Heilmittel glaubt, fährt aber auch in ein “weißes Paradies”, eine Mischung von Klinik und Gefängnis, in der es zu merkwürdigen Begegnungen und Ereignissen kommt. Ein mysteriöser “Gott in Weiß” erklärt ihn für geheilt, verbietet ihm aber das Malen. Doch in einem Paradies ohne Malerei ist dem Künstler nicht zu helfen. Er beginnt heimlich wieder zu malen und ist bereit, dafür den geforderten Preis zu zahlen…

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lafrontera

Betimes Books

2. Das neue Buch von Sam Hawken, endlich möchte ich fast sagen (im Herbst kommt übrigens wieder eins). Wie schon in ‘Die toten Frauen von Juárez‘ und ‘Tequila Sunset‘ nimmt uns Sam Hawken mit in die Grenzregion USA/Mexiko, eine Region in die unglaubliche Mengen Geld fließen, um den armen Süden vom reichen Norden abzugrenzen. Es wird versucht, die Grenze komplett dicht zu machen, das sieht dann so ähnlich aus wie in Israel, oder damals zwischen den zwei deutschen Staaten. Einen kleinen Einblick gibt es hier: Frontera EEUU-Mexico. Sicher wieder border-noir vom Feinsten.

Doch zum Buch:

In La Frontera, Sam Hawken illuminates the darkest sides of the illegal migration issue, the cost in human life and dignity for the border crossers and the thin line of defenders who stand against the tide on the American side.

Ana Torres is a Texas Ranger assigned to a dusty outpost to protect the border. When she discovers the body of a dead crosser, the stage is set for an investigation and a confrontation in the nighttime desert.

Luis González lives on the Mexican side, helping those who seek a better life in the north while looking for peace in his own way.

Marisol Herrera, a border crosser, braves hardship and dangers on her journey from the high mountains of El Salvador to the sun-blasted flats of the Mexico/Texas border. She is alone, chasing a dream, but threatened by the realities of la frontera.

The stories of these three will intersect in the badlands of Texas. There will be death and pain and prices paid along the banks of the Rio Grande. (Betimes Books)

Auf der Verlagsseite gibt es auch eine Leseprobe.

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thefree

Faber & Faber

3. Noch ein Buch auf das ich mich sehr freue, da ich den Autor sehr schätze: The Free von Willy Vlautin. Vlautin macht nicht nur tolle Musik mit seiner Band Richmond Fontaine, im gleichen Stile sind auch seine Bücher verfasst. Stille aber intensive Prosa vom Feinsten, oder wie da auf dem Cover geblurbt wird: “How good is contemporary U.S. fiction? This good; catch-your-breath-good!”
(Auf den Autor bin ich eher zufällig gestoßen, als mich Freunde in Faenza mit zum Konzert von Richmond Fontaine nahmen und er da neben den CD’s auch sein erstes Buch verkaufte.)

Willy Vlautin’s stunning fourth novel opens with Leroy, a young, wounded, Iraq veteran, waking to a rare moment of clarity, his senses flooded with the beauty of remembering who he is but the pain of realising it won’t last. When his attempt to end his half-life fails, he is taken to the local hospital where he is looked after by a nurse called Pauline, and visited by Freddie, the night-watchman from his group home for disabled men.

As the stories of these wounded characters circle and cross each other, we come to learn more of their lives. The father who caused Pauline’s mother to abandon them both, and who Pauline loves and loathes in equal measure, the daughters with whom Freddie yearns to be reunited and, in a mysterious and frightening adventure story, the girlfriend Leroy dreams of protecting. (Faber & Faber London).

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grossekrieg

Rowohlt Berlin

4. Öfter mal ein Sachbuch! Da ich gerade Clarks ‘Die Schlafwandler’ lese, folgt daraus dann chronologischerweise die Lektüre dieses, im Umfang dem Clark in nichts nachstehende, Dicke Buch.
Da es in verschiedenen Besprechungen schon gelobt wurde, fiel mir die Entscheidung nicht allzu schwer. Worum es geht, ist ja ersichtlich. Ich bin gespannt. Vorher aber ja halt noch der Clark. Uffa.

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Der_salzige_Fluss

Avant Verlag


5.
Das fünfte Buch ist aus der Sparte der bildlichen Romane: ‘Der salzige Fluss‘ von Jan Bauer

Nach einer schwierigen Trennung findet sich Jan Bauer in der australischen Wüste wieder, auf der Suche nach sich selbst. Er will den „Lhere pirnte“ – den salzigen Fluss – entlangwandern. 450 Kilometer durch das unwirtliche, glühend heiße Herz Australiens. Mit jedem Schritt durch die fremde, menschenfeindliche und zugleich wunderschöne Landschaft lässt er ein bisschen seelischen Ballast hinter sich. Seine Situation ändert sich, als sich ihm eine französische Wanderin anschließt. So langsam aber stetig, wie der salzige Fluss selbst dahinfließt, wächst auch die Nähe zwischen den zwei Wüstenwanderern.

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Da ich gesehen habe, dass dieses Stöckchen schon relativ viele Blogger aufgegriffen haben, fühlt sich in diesem Teil bitte jeder angesprochen, der es noch nicht hatte. Und los geht’s: Ich möchte unbedingt lesen…

Wie auch Papiergeflüster bin ich gespannt auf interessante Bücher. Lasst hören!

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Die bunte Markenwelt in der Literatur

Aus aktuellem Anlass mal keine Buchbesprechung.
In letzter Zeit fällt mir immer öfter auf, dass manche Autoren sehr viele Markennamen in ihre Texte einbauen. Aktuell lese ich gerade ‘Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra’ und da wird schon recht exzessiv mit Kindles, MacBooks und Google herumgeworfen. Ist das für die Handlung wirklich erforderlich? Könnte da nicht auch einfach ein Reader, ein Laptop benutzt werden?
Ähnliches fiel mir auch schon beim letzten John Niven auf und bei Elisabeth Elo. Handelt es sich hier eventuell um eine Form der Literatursubventionierung? Vielleicht ist nach den gezielt platzierten Marken in Film und Fernsehen (Product Placement, auf deutsch weniger schmeichelhaft: Schleichwerbung) ja jetzt auch die Literaturbranche dran, quasi als Gegenstück des Crowdfundings.

Meist handelt es sich übrigens um oben genannte Namen, bzw. Automarken, die meiner Meinung nach auch nicht ausschlaggebend für die Handlung sind.

Ist euch Ähnliches auch schon aufgefallen? Handelt es sich nur um ein US-Amerikanisches Phänomen, oder findet man das bei anderen Autoren auch (ich glaube John Niven ist Brite)?

Nervt euch das auch, lest ihr darüber hinweg, oder findet ihr das vielleicht sogar angebracht? Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Kategorien: Anderes, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , | 8 Kommentare

Leichendieb – Patrícia Melo

“…der Mensch ist nicht lange ehrlich, wenn er alleine ist.”

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Tropen Verlag

Das fängt ja gut an. Der namenlose Protagonist dieses Buches wird genau das auch direkt praktizieren und sich damit in einen Kreislauf des Verbrechens und der Selbstverleugnung begegnen, die in zu Taten treibt, von denen er anfangs wohl noch nicht einmal vage angenommen hätte, dass er zu so etwas fähig sein könnte. (wenn das mal kein schöner Satz  ist, da kann sich Thomas Mann aber noch ‘ne Scheibe abschneiden)

Wir sind in Brasilien, genauer gesagt in der kleinen Stadt Corumbá im Westen des Landes. Die bolivianische Grenze ist in unmittelbarer Nähe. Unser ‘Held’ ist hierher geflüchet – vor sich selbst. In seinem alten Job als Vertriebsleiter in einem großen Unternehmen hat er in einem Anfall eine seiner Mitarbeiterinnen geohrfeigt, und träumt noch jetzt manche Nacht von dieser Ohrfeige. Da sich die Angetellte im Nachhinein in den Tod stürzte, musste er leider aus dem Unternehmen ausscheiden.

Sein Refugium ist also Corumbá, hier sitzt er nun tagein, tagaus und suhlt sich in der Hitze und seinem Elend. Einer seiner Zeitvertreibe ist das Angeln, und genau da passiert das dann mit dem Alleinesein. Ein Kleinflugzeug fällt vom Himmel, direkt vor seine Füße. Der Pilot stirbt noch am Unfallort; an seinem Sitz hängt ein Rucksack mit Kokain.

Was folgt, kann man sich denken, er nimmt den Rucksack mit und begibt sich damit auf den Pfad des Bösen. Denn merke:

“Genau deswegen versaut man sich sein Leben. Man glaubt immer, dass man rechtzeitig austeigen kann.”

Stattdessen rutscht man einfach immer tiefer rein. Eins folgt auf das Nächste und unser ‘Held’ macht Geschäfte mit einem bolivianischen Mafia-Schergen, heuert seinen Nachbarn als Ticker an und zu allem Überfluss arbeitet er plötzlich auch noch bei der Familie des toten Piloten als Chauffeur.
Dass das nie und nimmer gutgehen kann, wissen wir und er weiß es sicher auch, und dennoch sagt er sich immer wieder, dass er mit seinem Plan alles in die richtigen Bahnen lenken kann – alles wird gut.

Ein Leichendieb ist er am Ende übrigens im doppelten Sinne: er beraubt die Leiche des Piloten und er raubt eine Leiche, um seinen perfiden Plan umzusetzen.

Das der ‘Leichendieb’ im Rahmen der KrimiZeit zum besten Krimi des Jahres gekürt wurde und auch beim Deutschen Krimi Preis den ersten Preis bekam, ist durchaus gerechtfertigt. Das Buch ist unterhaltsam, der Protagonist in seiner Absurdität sympathisch und doch werden wir hier nicht nur mit seinem Schicksal unterhalten. Außerdem verschafft uns Patrícia Melo einen Blick auf ein Land, in dem die Korruption alle Schichten der Gesellschaft durchdrungen hat, das zwar zu den wirtschaftlichen Aufsteigern dieses jungen Jahrtausends zählt (BRICS), das aber diesen Aufstieg auf Kosten der vielen Auf-der-Strecke-gebliebenen macht, die sich dann die rechtsfreien Räume zunutze machen, um an ihrem persönlichen kleinen Glück zu arbeiten, auf legalem, wie auch auf illegalem Wege.
Bei der ganzen literarischen Schwere des Stoffes ist das Buch dennoch derart leichtfüssig geschrieben, dass es ein wahres Lesevergnügen ist.

Bibliografisches:

ISBN 9783608501186

Erschienen im Tropen Verlag, April 2013
Aus dem brasilianischen Portugiesisch übertragen von Barbara Mesquita
Originaltitel Ladrão de Cadáveres
203 Seiten, gebunden

€ 18,95

Auch erhältlich als ebook.

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