Ein einziger Schuss – Matthew F. Jones

ein_einziger_schuss_300

(c) Polar Verlag

Was für ein Buch, bin gerade noch etwas überwältigt von diesem Ende! Puh.

Auf den Titel gestoßen bin ich durch einen Post auf CrimeNoir, der ausdrücklich zum Lesen von Country-Noir-Titeln aufruft, da hier sehr gut eben diese Bevölkerungsschichten porträtiert werden, die letztlich Mister Trump zum neuen Präsidenten der USA gewählt haben – die abgehängten, verarmten ländlichen Schichten, die sich von den Politeliten in Washington nicht mehr vertreten sehen.

 

Genau so einer ist John Moon, der auf dem kläglichen Rest der Familienfarm in einem Trailer wohnt. Die Farm hat der Vater an die Bank verloren, in seinem Elternhaus wohnt jetzt der neue Eigentümer, dem er ab und an zur Hand geht.
Kürzlich hat ihn seine Frau verlassen, da sie hier keine Zukunft für sich und das gemeinsame Kind mehr sah. Da John es in keinem Job lange aushält, versucht er sich mit Wilderei über Wasser zu halten, um so zumindest einen kleinen Beitrag zum Unterhalt von Frau und Kind zu leisten.

Auf einem seiner Jagdausflüge in das nahe gelegene Naturschutzgebiet unterläuft ihm ein schwerwiegender Fehler: auf der Pirsch einem bereits verwundeten Hirsch hinterher will er den Streckschuss anbringen, erschießt stattdessen versehentlich ein junges Mädchen, das in einem versteckten Camp im Wald lebt. Ein Unfall, den er teuer bezahlen soll.

Bei dem Mädchen findet er eine große Menge Geld, wodurch ihm eigentlich klar sein sollte, das hier mehr dahinter steckt, als eine einfache Ausreißerin. Dennoch lässt sich John vom ewigen Versprechen des Geldes blenden und nimmt es an sich. Eine folgenschwere Entscheidung, denn schon bald soll ihm sein bescheidenes Leben in der Grauzone zwischen Legalität und Illegalität gehörig um die Ohren fliegen, denn die Eigentümer des Geldes machen bald schon regelrecht Jagd auf ihn. Zur Polizei zu gehen, kommt für ihn nicht in Frage, hat er doch bereits mehrere Vorstrafen für seine Wilderei auf dem Kerbholz.
Und auch bei anderen werden plötzlich düstere Geheimnisse ans Licht gespült, so bei Johns Freund und Vaterersatz Simon, den er nicht so gut zu kennen scheint, wie er sein Leben lang dachte. Ebenso steckt hinter seinem Scheidungsanwalt doch mehr als die etwas lächerliche Fassade.

Es entwickelt sich eine Spirale von Fehlentscheidungen und Missgeschicken, man möchte John alle 10 Seiten zur Vernunft rufen, doch er reitet sich mit jeder seiner Entscheidungen immer tiefer in den Dreck in dem er bald zu versinken droht, wie die Kuh in einer Symbolszene in der Mitte des Buches, die er gemeinsam mit dem neuen Eigentümer der Farm aus einer aufgeweichten Wiese befreit, in der sie bereits bis zum Hals versunken ist.
Bezeichnend, dass ihm jener hier einen Job anbietet, ein festes sicheres Einkommen mittels einer Arbeit, die er kann und liebt. Doch siegt auch hier die Unvernunft, kann er seinen Stolz nicht besiegen. Auf der ‚eigenen‘ Farm für jemanden gegen Sold arbeiten, wenn das alles doch eigentlich ihm gehören sollte…

Die Kuh wird gerettet, John sinkt weiter und weiter in seinen Sumpf aus Eitelkeit, Stumpfheit und Unglück, ein Teufelsstrudel des Verderbens.

Dass das Buch bereits vor zwanzig Jahren im Original erschienen ist, schadet in keiner Weise der Aktualität. Im Gegensatz kann man daran deutlich sehen, dass das Problem verarmter abgehängter Landstriche kein neues ist, sondern sich lange lange angekündigt hat. Ja wenn man Daniel Woodrell ließt, kann man die Wurzeln schon auf die Great Depression am Anfang des letzten Jahrhunderts zurückverfolgen.

Zum Schluß noch ein Kompliment an den Polar Verlag für die grandiosen Buchcover. Obwohl dies hier erst mein erstes Buch von euch ist, bin ich großer Fan eurer Covergestaltung!

ISBN 9783945133392
eISBN 9783945133408

Erschienen im Polar Verlag, Juli 2016
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Robert Brack
Originaltitel: A single shot
272 Seiten, Klappenbroschur

 

Kategorien: Krimi, Nordamerikanische Literatur, Uncategorized, Verfilmung | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Klimabotschafter di Caprio

Hier nochmal: auch du bist betroffen!
Noch 2 Tage frei im Netzt #beforetheflood

reingelesen

Leonardo di Caprio ist als Friedensbotschafter der vereinten Nationen unterwegs und informiert sich über den Klimaschutz. Zei Jahre war er unterwegs. Hier der Film auf Deutsch, noch 2 Tage frei im Netz. Sehr guter und spannender Film und sehr wichtig!

Ursprünglichen Post anzeigen

Kategorien: Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Kindeswohl – Ian McEwan

kindeswohl

(c) Diogenes

Gerade erschien sein neues Buch Nussschale, und beinahe zeitgleich der Vorgänger Kindeswohl im Taschenbuch. Man kann sich also McEwan im Doppelpack gönnen!

Meine letzten McEwan-Leseerlebnisse sind schon eine ganze Weile her. Damals las ich mit großer Begeisterung den Zementgarten und Saturday, danach lange nichts. Doch jetzt kommt dieses Kindeswohl und überwältigt mich.

Erzählt wird die Geschichte der nicht mehr ganz jungen Familienrichterin Fiona Maye, die vor einem sehr schwierigen Fall steht. Sie soll eine Entscheidung treffen über die Behandlung eines noch Minderjährigen. Die von den Ärzten vorgeschlagene, erfolgversprechende Behandlung sieht Blutransfusionen vor, doch diese sind mit den Glaubensgrundsätzen des Patienten nicht vereinbar. Das Jugendamt klagt für die Behandlung, für das Kindeswohl. Doch entscheidet man wirklich zum Wohl des Kindes, wenn eine Behandlung gegen den Willen und die Überzeugungen des Jungen gehen? Richterin Maye beschreitet in diesem Fall auch ungewöhnliche Wege, um zu einem Urteil zu kommen.

Doch auch privat hat Maye es nicht einfach, auch hier muss sie eine wichtige Entscheidung treffen. Nach langen langen Jahren der Ehe fühlt sich ihr Mann am Anfang des letzten Abschnitt seines Lebens und hat eine für Maye schockierende Forderung: er möchte ein noch einmal eine Affäre mit einer jüngeren Frau haben, fühlt sich natürlich im Recht mit seiner Forderung.
In beiden ‚Fällen‘ möchte man nicht in Ihrer Haut stecken; hier zu einer Entscheidung zu kommen, ist in keiner Weise eine einfache Sache. Es entfaltet sich ein Gerichtsdrama, ja beinahe schon Thriller, der auch mich als Leser in einer Weise mit einbezogen hat, wie nicht viele Bücher zuvor. Mit jedem neuen Argument ist man aufs Neue hin und hergerissen, was man selber für die richtige und gerechte Entscheidung hält, wie man selbst vielleicht entscheiden würde.

Gebannt habe ich dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen. Sind zwar nur knapp über 200 Seiten, aber manche Autoren verstehen es einfach, mit einem auf den ersten Blick kurzen Text, eine im Grunde viel ausschweifendere, fesselndere und einprägsamere Geschichte zu erzählen, als so mancher Tausendseiter. Dazu gehört auf jeden Fall Ian McEwan.

ISBN 9783257243772
eISBN 9783257604528

Erschienen im Diogenes Verlag, August 2016
Aus dem Englischen übertragen von Werner Schmitz
Originaltitel: The Children Act
224 Seiten, kartoniert

Kategorien: Britische Literatur, Diogenes, Englische Literatur, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Snowden – Oliver Stone

Zur Abwechslung heute mal ein Film. Manchmal gehe ich nämlich auch ins Kino.
Hier erzählt uns Oliver Stone eine dramatisierte Version der bekannten Geschichte des Edward Snowden. Darauf wird auch extra im Vorspann hingewiesen, dass es sich nicht um eine exakte Wiedergabe der Geschichte handelt.

Der Film bietet eine gute Ergänzung zu Citizenfour und Die globale Überwachung. Erzählt wird die Vorgeschichte des Edward Snowden, vom Militärdienst, den er unfreiwillig abbrechen muss hin zu seiner Arbeit beim CIA, später NSA (‚Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Land dienen können.‘). Dabei können wir miterleben, wie er sich immer weiter von seinem anfangs idealistischen Bild eines amerikanischen Patrioten entfernt. Bedeutend ist wohl der Satz: ‚I’m questioning our government. That’s what we do in this country, that’s the principle we’re founded on.‘ Zu Beginn sagt diesen seine Freundin, kurz vor Ende kommen die gleichen Worte von Snowdens Lippen. Aber die Regierung in Frage zu stellen, ist nicht das, was sich die Regierung und die Geheimdienste unter Patriotismus vorstellen. Und so wird aus dem Patrioten Snowden für die einen ein Verräter, für die anderen ein Held. Für sich selbst bleibt er ein einfacher Amerikaner.
Als zweite Zeitebene wird immer wieder dazwischen geschnitten, wie es zur Veröffentlichung der Dokumente kommt. Vom Treffen Snowdens mit Greenwald und Poitras bis zur schlussendlichen Veröffentlichung auf der Seite des Guardian, eine Veröffentlichung, die erst die Spitze des Eisberges darstellen sollte.

Joseph Gordon-Levitt spielt Snowden als trockenen, etwas hölzern wirkenden Geek. Ich vermute, das ist recht nah an der Realität. Trotz seines erschütternd ernsten Hintergrundes – Snowden gilt nach wie vor als Verräter, der wohl nicht mit einem fairen Verfahren rechnen kann, und sitzt nach wie vor in Russland fest – bietet der Film auch spannende Unterhaltung als Spy-Story und sehr gute Besetzung.

Ich für meinen Teil hab ein bisschen Gänsehaut bekommen, als die Szene eingespielt wurde, in der das Flugzeug von Evo Morales zur Landung gezwungen wurde, weil man dachte, dass Snowden an Bord wäre, eine Szene an die ich mich noch gut aus den Nachrichten erinnern konnte. Diese Vermischung von Hollywood-Film und Realität, die jeden von uns jeden tag betrifft, hat zumindest mich nicht kalt gelassen.

Also, ab ins Kino! Und natürlich Greenwalds Buch lesen. Und macht euch schlau!

Sehr sehenswert ist auch dieses Interview mit Snowden:

Kategorien: Politik, politthriller, Sachbuch, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Raumpatrouille – Matthias Brandt

raumpatrouille

(c) Kiepenheuer & Witsch

Ich lasse mich gerne eines besseren belehren. So ging es mir bei diesem schmalen Büchlein. Beim Durchschauen der Vorschauen und Leseexemplare im Frühsommer blieb der Band von Matthias Brandt aufgrund des mich nicht neugierig machenden Klappentextes, dem mir unbekannten Autor und dem merkwürdigen Cover links liegen. Nachdem bei Erscheinen begeisterte Kunden mir von diesem Buch erzählten und vom Interview in der ZEIT berichteten, nahm ich Raumpatrouille jetzt doch noch mal zur Hand und habe es nicht bereut.

Das Buch erzählt Geschichten einer Kindheit am Rhein, in einer mittelgroßen Stadt. Es sind Geschichten eines Kindes in einem großen Haus, man mag oft denken, das Kind wohnt dort allein, aber dann taucht doch ab und an ein schemenhafter Vater am Ende des Korridors auf. Und natürlich sind da die Wachleute, die das Grundstück bewachen – denn der Vater ist Regierungschef. Das Kind ist sich selbst überlassen, kurvt mit dem Bonanza-Rad durch den Garten, der standesgemäß so groß ist, das er nicht Garten, sondern Park heißt. Doch natürlich geht es auch über die Grenzen des Parkes hinaus, auch wenn das eigentlich verboten ist; doch das Verbotene – wer kennt das nicht – ist immer auch das Reizvollste. Und Grenzen ausreizen ist das Ziel eines jeden Kindes, sehen, wie weit man gehen kann.

Zwischen wechselnden Hobbys und in Flammen aufgehenden Kinderzimmern muss auch der etwas merkwürdige Herr Lübke nebenan gestriegelt zum Kakao besucht werden. Es gibt missglückte Versöhnungsfahrradausflüge mit Vaters Arbeitskollegen, endlose Autofahrten mit der Mutter in den fernen Norden und schmerzhaftes Heimweh beim langersehnten ersten Übernachten beim Schulfreund.

All diese Geschichten sind unterlegt von einem Gefühl des Aufbruchs, der Krieg liegt beinah eine Generation zurück, Menschen fliegen ins All; die Zukunft ist zum Greifen nah – und sei es nur in Form eines Plastikraumanzuges, unerlaubterweise gekauft vom Schulbuchgeld. Wer braucht schon Bildung, wenn er Astronaut sein kann?! Ein Kind darf wieder Kind sein.

Die vierzehn Geschichten sind so einprägsam erzählt, dass man sich in vielen selber wiederfinden kann, auch wenn man nicht im gleichen Jahrzehnt aufwuchs und nicht Kanzlersohn ist.

Wir gehen auf Raumpatrouille mit Armstrong, Aldrin, Collins (Achtung: Tränenalarm!) auf dem Mond.
Wir gehen auf Raumpatrouille mit einem Kind in dem großen leeren Haus, das dennoch Heimat ist, in dem doch hinter der gepolsterten Doppeltür am Ende des Korridors ein Vater leise schnarcht, der dir doch vorliest, wenn du ihn darum bittest.Wir gehen auf Raumpatrouille mit Matthias Brandt in die Kindheit, in der man schon mal vor existentiellen Problemen steht:

Wieder und wieder überlegte ich, ob es mich wirklich selbst gab oder ob ich mir meine Existenz nur einbildete.

Matthias Brandt hat mich mit beeindruckenden Texten beeindruckt, mit fein geschliffener Sprache, mit leichtem Humor, der bei beinahe jeder Geschichte ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. War mir der Name bisher unbekannt, hat er sich nun in mein inneres Kinderzimmer gebrannt. Alles bereit für den Zaubertrick, Herr Brandt? Ich mache mir schon mal eine große Tasse Kakao.

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, September 2016
ISBN 9783462045673
176 Seiten, gebunden
€ 18,-

eISBN 9783462316384
€ 16,99

Kategorien: Belletristik, Biographie, Deutsche Literatur, erzählungen, Geschichte, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , | 2 Kommentare

Live by night, geteilt von: — Was soll ich lesen? – Bücherblog

Ist zwar Ben Affleck, der mir erstmal nicht so zu passen scheint, aber der Trailer sieht doch recht vielversprechend aus. Außerdem ist das aus der Lehane-Feder, kann also nicht viel schiefgehen (hoffentlich!).
Auf jeden Fall mal wieder ein Film, für den der Kinogang lohnt.

Hier ist der erste Trailer zu der Verfilmung von „In der Nacht“ von Dennis Lehane.Auch wenn ich weiß, dass das Buch nicht zu toppen sein wird, freue ich mich sehr auf den Film.

über — Was soll ich lesen? – Bücherblog

Kategorien: Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Wédora – Markus Heitz

wedora

(Knaur)

Hier könnte jetzt wieder das Zitat von Patrick Rothfuss zum Thema Fanasy-Bücher stehen, aber es geht auch ohne. Das Fantasy ab und an auch mir Spaß macht, ist kein Geheimnis, sie muss allerdings gut geschrieben sein; mehr als einen Fantasy-Roman hab ich schon abgebrochen, weil die Geschichte einfach nicht fesselte.

Anders bei diesem meinem ersten Heitz-Buch. Das Setting ist nicht gerade gewöhnlich: der Großteil des Buches spielt in einer riesigen Stadt mitten in einer lebensfeindlichen Wüste. Durch einen missglückten Zauber, der sie eigentlich töten sollte, sind die beiden Helden Liothan und Tomeija hierher versetzt worden und suchen nun mit allen Mitteln nach einem Weg zurück in ihre Welt. Dort verband sie eine heimliche Freundschaft neben einer offiziellen Feindschaft: Liothan ist eine Art Robin Hood, tagsüber Holzfäller, nachts Dieb. Tomeija hingegen vertritt das Gesetz.

So sind die beiden nun in Wedora zwangsläufig aufeinander angewiesen, auf der Suche nach dem Weg zurück. Sie werden voneinander getrennt und müssen den jeweils anderen suchen, natürlich nicht ohne die eine oder andere Prüfung zu bestehen, Verbündete zu finden und sich neue Feinde zu machen.

Beide (vor allem aber Tomeija) entwickeln hier außergewöhnliche Fähigkeiten, angefacht von der unterirdischen magischen Quelle, die die Stadt am Leben erhält. In der Stadt und auch in der immensen Wüste tummeln sich viele illustre Figuren, fantastische Kreaturen und magische Orte.
Besonders hervorzuheben ist der allmächtige Herrscher der Stadt, den aber nie jemand zu Gesicht bekommt, eine Art Zauberer der Smaragdenstadt, oder Wizard of Oz, der scheinbar schon seit Jahrhunderten über die Stadt herrscht, wie wir den immer wieder eingefügten Legenden und Eintragungen in die Stadtchronik entnehmen können.
Außerdem werden parallel die Geschehnisse in der Heimatwelt der beiden erzählt, wo man herauszufinden versucht, was mit den beiden geschehen ist.

Mir hat die Geschichte großen Spaß gemacht, weil sie aus der Fülle von mittelmäßigen Fantasybüchern heraussticht, ohne das ich mich jetzt zum Fachmann erklären möchte.
Die Stadt und all ihre Figuren und Eigenheiten sind mit so großer Liebe zum Detail dargestellt, dass ich beim Lesen doch ab und zu mal abgedriftet bin, und mir Anschlussgeschichten überlegt habe (Fan-Fiction-Potential!). Hier gibt es noch Unmengen an Material für neue Geschichten, lieber Markus Heitz! Welche wirst du uns noch erzählen? Wird noch jemand zu den Quellen hinunter steigen? Was hat es mit dem riesigen Loch vor den Stadtmauern auf sich? Was sind das für Ruinen in der Wüste?

Für mich und vielleicht auch für euch: gute Unterhaltung!

ISBN 9783426654033

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, August 2016
608 Seiten, Klappenbroschur

€ 16,99

eISBN 9783426434512
epub, € 14,99

Kategorien: Deutsche Literatur, Fantasy | Schlagwörter: , , , , , | Ein Kommentar

Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

bühlerhöhe

(c) Ullstein

Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz meine Lieblingsliteratur (der Verlag hat diesen Titel in die Marketingkampagne Kopfkino aufgenommen, die sich an Leserinnen 60+ richtet), aber ein Buch, das ich dennoch sehr gern gelesen habe.

Wir befinden uns in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ein Kibbuz in Israel. Rosa bekommt den Auftrag, nach Deutschland zu reisen um Kanzler Adenauer zu beschützen. Rosa ist keine Agentin, Rosa gehört nicht zum Militär; mit Deutschland verbindet sie nur ihre Vergangenheit, eine Vergangenheit, die sie längst begraben hat. Dieses Land hat beinahe ihre gesamte Familie vernichtet. Doch ist sie in dem Moment scheinbar die einzige greifbare Person, die Deutsch spricht – immerhin ist sie in Köln aufgewachsen – und die den Schwarzwald sehr gut kennt, hat sie doch hier mit der Familie immer ihre Ferien verbracht.
Denn hierhin soll sie ihre Mission führen – im edlen Hotel Bühlerhöhe wir Kanzler Adenauer seine Ferien verbringen und dort droht ihm Gefahr. Eine jüdische Extremistengruppe trachtet dem Kanzler nach dem Leben, da er im Bundestag das umstrittene Wiedergutmachungsgesetz durchsetzen will, durch welches dem jungen israelischen Staat größere Summen deutschen Geldes zukommen sollen. Für die Gruppe ein Freikaufen von der Schuld, der nicht akzeptierbar ist.

Rosa wird also als mit der Lokalität vertraute auf die Bühlerhöhe geschickt, dort soll sie sich mit dem Agenten Ari treffen, der die Leitung der Mission übernehmen soll.
Die Reise nach Deutschland wird für Rosa in mehr als einer Hinsicht zu einer großen Herausforderung. Ein Land, in das sie niemals zurückkehren wollte und das doch voller auch schöner Erinnerungen steckt.
Beinahe kannman hier in der Schwarzwald-Idylle die verheerende Zeit der Nazi-Herrschaft vergessen.  Anders als in „Landgericht“ von Ursula Krechel merkt man beinahe nichts von der düsteren Vergangenheit des Landes, hier sind die Städte nahezu intakt geblieben, keine Spuren der Zerstörung sichtbar.

Doch wird der Aufenthalt für Rosa kein Zuckerschlecken. Ihr Partner, der erfahrene Agent, trifft nicht ein, die Hausdame auf der Bühlerhöhe spioniert ihr nach, es tauchen Schatten aus der Vergangenheit auf – jedoch nicht nur für Rosa. Auch für Sophie, die Hausdame, die ihr Fähnlein gerne mit dem Wind wehen lässt, was ihr die Verbannung aus der allzu nahen Heimat Strassburg eingebracht hat.
Außerdem ist da noch Agnes, die junge Auszubildende eines nahen Landgasthofes, die ein wichtiges verbindendes Element der Geschichte darstellt und eine ganz eigene naive Sicht auf die Begebenheiten dieses Sommers hat.
Kurz: in der Sommerfrische tummeln sich Geheimdienstler, Feriengäste, Handelsleute mit dubiosem Hintergrund und viele dunkle Schatten.

Brigitte Glaser hat mich mit einem Buch überrascht, das einen guten Land-Kontrast zu Krechels „Landgericht“ bietet, allerdings auch einen ungemein spannenden Agententhriller abgibt. Das Nachkriegsdeutschland ist für mich generell ein sehr interessantes Thema, leider etwas unterrepräsentiert in der derzeitigen Literatur (umso mehr freue ich mich auch auf das im November erscheinende neue Buch von Mechtild Borrmann).
Noch dazu erfahren wir eine Menge über die Flucht von Rosa und ihrer Schwester aus Deutschland, über das Leben im jungen Israel und über das schwierige Verhältnis der Geflüchteten zu ihrer einstigen Heimat Deutschland.

Die drei Hauptfiguren sind ausnahmslos weiblich und dabei so verschieden, dass es einen nur so durch die Geschichte hindurch zieht. Die verschiedenen Erzählperspektiven ergänzen sich sehr gut und geben einen differenzieten Blick auf die Geschichte, wobei die Sympathieträgerin eindeutig Rosa ist. Die naive Agnes regte mich das ein oder andere Mal mit ihrer Art wirklich auf und für Sophie kann man am Ende fast schon Mitleid empfinden, sie möchte nur das Beste für sich und scheitert dabei immer wieder aufs Neue und lässt sich von den Herren gnadenlos ausnutzen, in dem Glauben, man tue etwas für sie.

Mich hat Brigitte Glaser mit diesem Plot sehr gut unterhalten, genau die richtige Mischung aus Geschichte, Spannung und Einzelschicksalen, die glaubwürdig umgesetzt sind. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, auch wenn ich als Mann weit unter 60 scheinbar nicht zur Zielgruppe gehöre.

ISBN 9783471351260

Erschienen im List Verlag, August 2016
448 Seiten, gebunden
€ 20,00

eISBN 9783843713757
€ 16,99


 

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Geschichte, Historischer Roman, Krimi, Politik, politthriller, Regional | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sodele

Puh, ist das jetzt schon wieder lange her, seit dem letzten Beitrag hier. Aber manchmal tut sich ja auch was im ‚Real life‘, da kommt das Blog halt etwas zu kurz.

Manche haben es ja schon über andere Kanäle erfahren, die Homebase ist seit August nicht mehr das großartige Köln, sondern jetzt dann der sonnige Süden, die Kesselstadt Stuttgart. Vom scharzbunten M ging es beruflich zum weißroten O (da nehme ich zumindest die Kölner Farben mit😉 ). Der erste Monat ist schon fast rum und wie die Ex-Chefin sagen würde: „Läuft.“

In Zukunft versuche ich jetzt wieder mehr über grandiose Leseeindrücke zu schreiben, da hat sich ja in der Zwischenzeit so einiges angesammelt. Alles werde ich hier nicht unterbringen, aber fühlt euch frei, in die Buchhandlung zu kommen/gehen, sonst:

Eine kleine Auswahl, was ich während der Abwesenheit las:

Manotti: Schwarzes Gold
Glaser: Bühlerhöhe
Heitz: Wédora
Köhler: Wir haben Raketen geangelt
Hamilton: The second life of Nick Mason
Gundar-Goshen: Löwen wecken
Hilmes: Berlin 1936
Criaco: Schwarze Seelen
Bruno: Da quassù la terra è bellissima

Derzeit lese ich ‚Fremdes Land‘ von James Lee Burke, wer kennt’s?

Kennt ihr sonst eines, oder mehrere der Bücher? Wie fandet ihr sie?

Ich wünsche euch: Ein Schönes Wochenende!

Kategorien: Uncategorized | 8 Kommentare

Paradox – Phillip P.Peterson

paradox

(c) Bastei Lübbe

Es gibt Science Fiction und es gibt Science Fiction. Dieses Buch gehört zur zweiten Kategorie. Ich begann mit der Lektüre, nachdem ich im Flieger Gravity gesehen hatte und war verblüfft über den doch sehr ähnlichen Einstieg. Zwar ist es hier kein Weltraumschrott, der zur tödlichen Gefahr wird, sondern im Prinzip das Management der letzten ISS-Mission, das durch Fehlentscheidungen zum Unglück führt, doch auch hier müssen sich die Besatzungsmitglieder mit der Rettungskapsel auf die Erde retten, während die Station der Verschrottung anheimfällt.
Das war natürlich sehr hilfreich bei detaillierter Verbildlichung der Eingangsszenen. Dennoch macht das Buch auch ohne den Film wirklich was her. Und das kommt nicht von selbst; in der Autorenbio heißt es: ‚Peterson ist Ingenieur für Satelitenprogramme und hat neben wissenschaftlichen Texten auch Artikel für einen Raumfahrtfachverlag veröffentlicht. Der kennt sich also in der Materie, über die er schreibt, wirklich gut aus. Was im Anhang auch durch zahlreiche Quellen unterstrichen wird.

Doch zur Story: der schon leicht betagte Ed Walker soll nach dem ISS-Desaster jetzt doch eine neue Mission anführen, ein von Multimilliardär finanziertes Projekt (inspiriert von Elon Musk). Dessen Unternehmen Centauri hat ein neuartiges Antriebssystem entwickelt, welches ein Raumschiff in verhältnismäßig kurzer Zeit an den Rand des Sonnensystems bringen soll. Genau dorthin, wo inzwischen drei Erkundungssonden verschwunden sind, bei denen kurz vor dem Verschwinden merkwürdige Anomalien festgestellt wurden. Daher ist auch David an Bord, ein junger Wissenschaftler, der sich genau mit diesem Phänomen in seiner Abschlussarbeit beschäftigt hat.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, das tut der Autor genug, erzählt das Buch von der Vorbereitung zur Mission und den damit verbundenen Schwierigkeiten, bis es schließlich – leider muss man darauf relativ lange warten – nach ca. 2/3 zum Start des Schiffes kommt und die spannende Mission in Richtung interstellarem Raum beginnt.Kein Sieg der Aufklärung |

Was die Astronauten dort finden, könnt ihr selbst lesen. Woran es mich direkt erinnert hat, ist das Bild auf der rechten Seite, dass irgendwann mal in der Schule behandelt wurde. Ob in Religion oder einem anderen Fach, ist mir leider nicht mehr geläufig. Passen würde im vorliegenden Fall allerdings sowohl Geistes-, wie auch Naturwissenschaft.

Besonders für dieses Buch eingenommen hat mich die stark ausgeprägte Gesellschaftskritik, die ich hier überhaupt nicht erwartet hatte. Im Hintergrund der Missionsvorbereitungen zeichnet sich ein atomarer Konflikt zwischen China und den USA ab, die über Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent in einen verbitterten Kampf verwickelt sind. Es wird das Bild einer zukünftigen Erde gezeigt, die leider momentan viel zu realistisch erscheint. Vom dummen Nationalismus, über Ressourcenkriege und große Völkerwanderungen ist das düstere Hintergrundbild logische Konsequenz derzeitiger Weltpolitik.
Bezeichnend ist der Kommentar des Missionskommandanten beim Anblick der vorbeiziehenden Erde kurz vor dem Abflug aus dem Orbit:

Alle Staatsoberhäupter müssten das hier mit eigenen Augen sehen, bevor sie ihr Amt antreten, dann gäbe es keine Kriege mehr und auch keine Verschmutzung in dem Ausmaß, wie sie auf der Erde stattfindet.

Seid vorgewarnt: wenn ihr Happy Ends mögt, ist dieses Buch nichts für euch. Solltet ihr aber den Marsianer und Gravity gerne gelesen/gesehen haben, ist das Buch genau richtig für euch.

ISBN 9783404208432

Erschienen im Verlag Bastei Lübbe, Dezember 2015
(leider bietet der Verlag keine Infos über Orginaltitel und Übersetzung)
478 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Kategorien: Action, Fantasy, Nordamerikanische Literatur, Politik, politthriller, Science Fiction, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nerdazine

Der Blog für den gepflegten Weltuntergang und Nerdkultur

blättern ungebunden

Blog für Literatur

Literature and Shirts

Lesen gefährdet die Dummheit

Papiergeflüster

Über Geschriebenes & Gezeichnetes

lesewucht.de

Bücher. Die bleiben.

crimealleyblog

"There is a splinter of ice in the heart of a writer." (Graham Greene)

crimealley

Just another WordPress.com site

Der Pendragon Blog

Lesen gefährdet die Dummheit

Photographierer

Bonjour Tristesse - Stadt-Landschaften

Literaturen

Lesen gefährdet die Dummheit

buchrevier

last man reading

Zeilensprünge.

Blog für Literarisches

masuko13

Leidenschaftliche Leserin und Bloggerin guter Romane.

Der Schneemann

Blog zur Krimi-Radiosendung

Die dunklen Felle

Krimis und Schafe - und Felle (oder Fälle?)

Zoë Beck

Blog, Infos, alles.

brasch & buch

unlimited

Poesierausch

Literatur- und Kulturblog

Packing books from boxes...

... von der Suche nach dem Glück auf dem Boden eines Kartons (und andernorts)

Die Leserin

Bücher und Kaffee. Und die Welt ist fast in Ordnung.

Polar Noir

Lesen gefährdet die Dummheit

Biographilia

inspiring people next door

AstroLibrium

Die kleine literarische Sternwarte

Feiner reiner Buchstoff

von den üblichen Verdächtigen

reingelesen

pars pro toto

buecherrezension

Literaturen der Welt in Wort und Bild

Wissenstagebuch

Eine Gabel für die Suppe der Weisheit

Wortgestalten

Buchtipps, Reiseberichte und was mir sonst noch einfällt

Wort & Tat

Anne Kuhlmeyer

Libroscope

Blog über Film und Literatur

GET CHANGED!

hier finden Sie Infos zu fairer Mode, ethical fashion, grüner Mode

Mit dem Fahrrad in und um Köln

Lesen gefährdet die Dummheit

KrimiLese

Crime & Thrill

Krimimimi

Lesen gefährdet die Dummheit

Was soll ich lesen? - Bücherblog

Lesen gefährdet die Dummheit

Besser lesen

Besser mal was lesen. Was Besseres lesen. Die besseren Menschen lesen.

Elementares Lesen

Sachbuch-Blog

Die fabelhafte Bücherwelt der Aliénor

Einfach mal wieder abtauchen

notizhefte

Kulturwebseite für Bücher, Museen und Ausstellungen, Oper und Konzert, Essen, Trinken und Sport

Krimi-Welt

Lesen gefährdet die Dummheit

Zeilenkino

Wo Film und Literatur sich treffen

A Readmill of my mind

"We are such stuff as dreams are made on, and our little life is rounded with a sleep."

zeilentiger liest kesselleben

Erkundungen in Stuttgart und anderswo - Skizzen, Buch, Film, Musik und Gastronomie

Logbuch Suhrkamp

Lesen gefährdet die Dummheit

beckmagdalena

50% Dies + 50% Das = Gnadenlose Popliteratur

literaturblog günter keil

Romane . Kurzgeschichten . Hörbücher . Autoren . Interviews . Lesungen

%d Bloggern gefällt das: