Gegen das Bücher- und Buchhandelssterben!

il_libraio:

Unterschreibe ich so. Den Artikel und die Petition.

Ursprünglich veröffentlicht auf Packing books from boxes...:

Seit fast genau dreizehn Jahren existiert nun das wohl wichtigste Instrument des deutschen Buchhandels: Das Preisbindungsgesetz!
Mit dem ominösen TTIP, das seit einiger Zeit stetig präsent durch die Medien geistert, ist dieses und damit der gesamte Buchhandel, wie wir ihn kennen, in Gefahr!
Was genau es damit auf sich hat und viel wichtiger, was ihr dagegen tun könnt, erfahrt ihr hier:

Original ansehen noch 781 Wörter

Kategorien: Uncategorized | 2 Kommentare

Skargat-Der Pfad des schwarzen Lichts – Daniel Illger

(c) Klett-Cotta

(c) Klett-Cotta

“There’s fantasy-books, and there’s …boring books.” (Patrick Rothfuss)
Und damit es nicht allzu langweilig wird, kann man schon ab und an mal einen Fantasy-Roman lesen. Bei mir war es jetzt der hochgelobte Erstling von Daniel Illger ‘Skargat’.

Erzählt wird die Geschichte von Mykar, der in seinem Dorf der Außenseiter ist. Zur falschen Zeit geboren, zur Zeit der Bösen Ernte, wird er von allen wie ein Aussätziger behandelt.
Nur einen Freund gewinnt er, der ihm vortan zu einem Beschützer wird, mit der natürlichen Autorität des Sohnes des örtlichen Priesters – Cay.
Als die zukünftige Frau Cays umgebracht wird, ist der Schuldige schnell gefunden – Mykar. Wer sonst soll es gewesen sein. Dieser hat selbst den Mord beobachtet und weiß folglich, wer der wahre Schuldige ist. Doch weder das, noch die Unterstützung Cays, der nicht an Mykars Schuld glaubt helfen ihm. Er wird von einem Mob (halb) tot geprügelt und im Wald liegen gelassen.

Als Jahre später Cay eines Mordes beschuldigt wird, kehrt Mykar zurück. Von seinem Leben als Einsiedler im Wald, oder gar von den Toten – das ist frei zur Interpretation. Fest steht, dass Mykar in dieser Zeit Kontakt hatte zur Welt der Toten und eine ‘Freundin’ gefunden hat, die ihn fortan in Form ihres Schädels begleitet – Danje.

Mykar folgt also der Spur Cays, um ihn aus seiner Gefangenschaft zu befreien, denn Mykar glaubt fest an dessen Unschuld.
Auf seinem Weg trifft er auf Scara, eine leicht verrückte Magd, und den herunter gekommenen Landadligen Justinius. Zusammen machen sich die drei mit einem klapprigen Esel auf in die Stadt, in der Cay festgehalten wird und wohl seinem Todesurteil entgegen sieht.

Jetzt beginnt die eigentliche Geschichte, die Resue-Mission ‘Cay’, was sich mit dieser Kombination von Gefährten nicht gerade einfach gestaltet, wie man sich vorstellen kann. Und wem das nicht von Beginn an düster vorkam, der begibt sich spätestens mit dem Auftauchen der menschenfressenden Leichen und der leichenfressenden Menschen ins Reich der Düsternis. Folglich spielt auch ein großer Teil auf dem alten Friedhof der Stadt.

Aus den verschiedenen Perspektiven von Mykar, Scara und Justinius erzählt, macht das Buch trotz der düsteren Figuren und dem vielen Leichengefleddere unglaublich Spaß. Was wohl auch damit zusammen hängt, dass mit dem Wechsel der Figuren nicht unbedingt ein Wechsel auf die andere Seite der Welt einhergeht, wie das bei George R.R. Martin der Fall ist. Vielmehr werden teilweise Ereignisse aus verschiedenen Sichtwinkeln betrachtet.

Zu Recht befindet sich Daniel Illger mit seinem Debüt im selben Verlag wie Tolkien und Rothfuss. Kurz: Skurrile, morbide Fantasy vom Feinsten, die nie ins Lächerlich abdriftet. Daniel Illger erschafft eine Welt, die, man ahnt es, noch viele viele Geschichten birgt. Da lauert quasi eine an jeder Ecke. Leider ist dies aber auch der einzige Wehrmutstropfen: am Ende der Geschichte stehen wir am Anfang einer neuen und viel größeren. Da kommt noch einiges auf uns zu. Und ich zumindest freue mich jetzt schon drauf.

Bibliografisches:

9783608946420

Erschienen bei Klett-Cotta, Februar 2015
568 Seiten, kartoniert

€ 17,95

Auch zum Lesen in elektronischer Form zu haben.

Skargat gefällt auch Papiergeflüster ;-)

Kategorien: Deutsche Literatur, Fantasy, Horror | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Havarie – Merle Kröger

havarieZu den absurdesten Erfindungen der Menschheit zählen wohl Grenzen. Und zu den tödlichsten noch dazu.
Während vor 25 Jahren der Fall des eisernen Vorhangs euphorisch gefeiert wurde, hat sich im Grunde eigentlich nichts verändert. Immer noch werden Grenzanlagen gebaut, die der innerdeutschen gar nicht so unähnlich sind. So in in Israel, zwischen den USA und Mexiko (da zieht sich die befestigte Grenze geradezu durch den ganzen Kontinent), oder eben an den Rändern der Europäischen Union. Und da diese Grenzbefestigungen beinahe unüberwindlich sind, versuchen es die Flüchtlinge vor Krieg und Elend eben über das vermeintlich offene Meer, die ‘einfachere’ Lösung.

Davon handelt ‘Havarie’. Es ist ein Buch über das Mittelmeer und über die Schicksale, die sich im Zuge der Abschottung der Festung Europa dort abspielen.
Ein Kreuzfahrtschiff trifft auf ein winziges Schlauchboot voller Flüchtlinge, denen der Sprit ausgegangen ist. Ein Unwetter kündigt sich an und der Crucero ist verpflichtet (nach Seerecht?) bei dem Schlauchboot zu warten, bis die Seenotrettung, oder die Küstenwache eintrifft.

Das Merle Kröger erzählen kann und einen ans Buch fesselt ohne gleichen, kannte ich schon vom Vorgänger ‘Grenzfall‘, doch hier ist man geradezu gefangen in der Geschichte, durch ihre Aktualität. Das Flüchtlingsthema ist ja eines, das man gerne verdrängt, da nehme ich mich nicht aus, und das dann umso schmerzhafter an die Oberfläche drückt, wenn wieder ein Boot gekentert ist und wieder unzählige Menschen ertrunken sind.

Das Mittelmeer füllt sich mit Toten wie ein Massengrab. Und wir gehen baden, am Wochenende, an den Stränden…

Ich könnte also einer der Menschen auf dem Crucero sein. Einer von denen, die beinahe sorgenfrei in ihrer Blase der Spaßgesellschaft dahinschippern und für die die tragischen Schicksale nur ein Medienereignis sind. Nicht umsonst hat Merle Kröger das Kreuzfahrtschiff ‘Spirit of Europe’ genannt, denn genau das ist der Spirit Europas. Das kleine Schlauchboot ist kurze Sensation, die mit der Handykamera festgehalten wird. Doch die Faszination verliert sich schnell. Die Bar ruft, oder das Bingospiel, oder das Fitnesscenter, oder Shopping, oder…

Für die Besatzung ist das Schlauchboot vor allem eines: ein finanzielles Problem. Das Schiff wird aufgehalten, man gelangt verspätet in den nächsten Hafen, das kostet alles Geld – die amerikanische Firmenzentrale ist not pleased.

Dass dann tatsächlich auch noch ein verletzter ‘Illegaler’ auf das Schlauchboot entsorgt wird, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Das Buch ist an Symbolkraft fast nicht zu übertreffen. Doch trocken und erzwungen ist hier nichts. Atemlos verfolgt man die miteinander verknüpften Einzelschicksale, Menschen aus allen Ecken der Welt, die sich hier auf dem Mare Nostrum im Brennspiegel unserer Politik des Ausschließens zusammenfinden. Wie schon bei ‘Grenzfall': ein Buch, ganz nach meinem Geschmack: politisch, aktuell, hart an der Realität und vor allem großartig geschrieben.

Wer oder was havariert denn hier im Grunde? Der Friedensnobelpreisträger EU, Flüchtlinge in einem Schlauchboot, …?
Ich schließe mich Thekla Dannenberg an:

»HAVARIE ist der Roman der Stunde. Jeder, der an Europa und dem Mittelmeer hängt, sollte ihn lesen. Merle Kröger erzählt darin kein Flüchtlingsdrama. Oder zumindest nicht nur. Sie erzählt in rasant wechselnden Perspektiven von Aufbruch und Schiffbruch, von der Faszination des Meeres und von einer Seefahrt, die aus Gründen der Kosteneffizienz alle Werte über Bord geworfen hat. Der Roman beruht auf tatsächlichen Begebenheiten, und man merkt jeder Seite an, wie gründlich Merle Kröger recherchiert hat. Doch vor allem beweist Kröger mit HAVARIE zweierlei: wie grandios eine dezidiert politische Literatur sein kann und wie kunstvoll der deutsche Kriminalroman.« Thekla Dannenberg, FREITAG, Krimi Spezial

Aber: Macht euch selber ein Bild!

Bibliografisches:

9783867542241

Erschienen im Argument Verlag, Mai 2015
256 Seiten, gebunden

€ 15,00

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, politthriller | Schlagwörter: , , , , , , , , | 4 Kommentare

Sam Hawken about LA FRONTERA: “The most controversial novel I’ve ever written”.

il_libraio:

One of my favourites!

Ursprünglich veröffentlicht auf Betimes Books:

And the border is still

“As I look forward to the release of The Night Charter, I can’t help but cast a look back over the past few years and the books I wrote to get where I am now. I’ve written plenty about The Borderland Trilogy from Serpent’s Tail, but I’ve written less about La Frontera.

There are a lot of things in common between my crime novels — Mexico’s rampant violence, the tragedy of the innocent lives lost — but La Frontera is something different. I’d venture to say that it’s the most literary of the books I’ve had published, which makes it unusual all by itself. If you asked me whether I write literary fiction I would say, no, I don’t. But at the same time, something like La Frontera is a departure from the cops-and-killers world of my Mexico books while still taking place…

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Der Trafikant – Robert Seethaler

trafikant

(c) Kein&Aber

Franz’ verbrachte sein junges Leben bisher mit Streifzügen durch den Wald, schwimmen im See, oder morgens einfach mal länger liegen bleiben.
Bis zu dem Tag, an dem der Gönner der Mutter stirbt. Plötzlich ist das Auskommen der beiden nicht mehr sicher. Darum entscheidet sich die Mutter, den Franz nach Wien zu schicken, er soll dort eine Ausbildung antreten bei einem Bekannten, der der Mutter noch einen Gefallen schuldet.

So macht sich Franz auf vom kleinen Haus am See in die große Stadt, die Großstadt Wien, die über ihn hereinbricht, sobald er den Zug verlassen hat.

“Die Stadt brodelte wie der Gemüsetopf auf Mutters Herd. Alles war in ununterbrochener Bewegung, selbst die Mauern und die Straßen schienen zu leben, atmeten, wölbten sich. “

Und dann dieser ungeheure Geruch, vergessen der Wald, die Wiesen der Heimat: es stinkt in der Stadt. Doch eine kleine, dürre Frau interpretiert ihm das direkt mal als Merkmal nicht der Stadt, sondern der Gesellschaft.

“Das ist nicht der Kanal, der da stinkt,” sagte sie. ” Das sind die Zeiten. Faulige Zeiten sind das nämlich. Faulig, verdorben und verkommen!”

Doch das war nur der erste Schock. Wie alles, braucht auch dieser Bruch von Land zu Stadt ein kurzes Eingewöhnen, einen kurzen Schwindel.
Doch der ist schnell abgeschüttelt und Franzstürzt sich in seine neue Aufgabe als Trafikanten-Lehrling, die im Wesentlichen daraus besteht, auf einem Hocker neben der Tür zu sitzen, die Kunden kennen zu lernen und Zeitung zu lesen. Denn:

“Die Zeitungslektüre nämlich sei überhaupt das einzig Wichtige, das einzig Bedeutsame und Relevante am Trafikantendasein; keine Zeitung zu lesen hieße ja auch, kein Trafikant zu sein, wenn nicht gar: kein Mensch zu sein.”

So gehen die Tage dahin und Franz lernt und Franz liest. Und unter den vielen Kunden der Trafik findet Franz sogar bald so etwas wie einen Freund. Dieser ist kein geringerer als Sigmund Freud. Wohl gerade durch den eklatanten Unterschied zwischen der Unbedarftheit des jungen Franz und der Verkopftheit und Lebenserfahrung des Professors entwickelt sich eine Beziehung, wie zwischen alten Freunden. Was dem Franz sehr entgegen kommt. Stürzt er sich doch aufgrund der Empfehlung des Professors in seine erste Liebschaft und schlittert damit prompt in den ersten Liebeskummer seines Lebens, bei dem ihm wiederum die Ratschläge des Professors helfen (der sich ja somit geradezu einen neuen Patienten selbst erschaffen hat – ist das der tiefere Sinn der Psychotherapie?).

Und neben dem ganzen Liebeskummer und Lernen sind es eben diese stinkenden, fauligen Zeiten, die hier im Mittelpunkt des Buches stehen und ihm eine immer dunklere Stimmung geben. Denn Österreich ist bereits auf dem Weg in die Dunkelheit, ins braune Reich. So nehmen die Übergriffe zu, auch auf die Trafik. Das geht bis zum Äußersten.

‘Der Trafikant’ ist damit nicht nur ein Coming-of-Age Roman, sondern auch Zeitporträt, Widerstandsbuch und vor allem: richtig gut. Dem großen Lob für Seethalers Schreibstil kann ich mich im Grunde nur anschließen. Klarer Erzählstil, kein Geschwurbel, sondern, wie Frau Stoltenberg das auf dem hinteren Deckel blurpt: “an der Weltliteratur geschultes Sprachgefühl..”. Trotz seiner teils ernsten Thematik, macht dieses Buch Spaß, hat komische Szenen neben traurigen und ist eines, das hängen bleibt.

P.S. Liebe Lehrer: Warum ist dieses Buch nicht längst Schullektüre? Das Regal im Lehrerzimmer gehört auch mal entstaubt!

Bibliografisches:

9783036956459

Erschienen im Verlag Kein&Aber, August 2012
249 Seiten, gebunden

€ 19,90

Der Trafikant ist auch (liebe Lehrer) als Taschenbuch erhältlich, als ebook und zum Hören, vom Autor selbst gelesen.

Kategorien: Belletristik, Coming of Age, Deutsche Literatur | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Blackout – Marc Elsberg

BLACKOUTMorgen ist es zu spaet von Marc Elsberg

(c) Blanvalet Verlag

Direkt der nächste Wissenschaftsthriller, und was für einer! Bezeichnenderweise habe ich dieses Buch als elektronische Ausgabe. In dieser Form schlummerte es schon eine ganze Weile in den Untiefen meines Readers vor sich hin. Bis jetzt.

Im Kölner Raum gab es in letzter Zeit wiederholt Stromausfälle, zuletzt in Brühl (Wieder freie Fahrt im Phantasialand; Kölnische Rundschau vom 7.4.2015), was mich jetzt doch mal dazu animierte, dieses Hochgelobte Buch zu lesen.

Und ich wurde nicht enttäuscht!

Für die Hauptfigur Piero Manzano beginnt das Ganze noch recht harmlos mit einer Platzwunde an der Stirn. Als mit dem Strom die Ampeln ausfallen, gerät er in einen Auffahrunfall, kommt aber (für’s Erste) relativ glimpflich davon.
Zuhause entdeckt er zufällig, dass der Stromausfall wohl über bewusste Manipulationen an den neuen Smart-Meter, den intelligente Stromzählern mit denen ganz Italien und auch Schweden zu diesem Zeitpunkt ausgestattet sind, herbeigeführt wurde. Denn geht erst einmal ein, oder hier sogar zwei komplette Länder vom Netz, bricht unweigerlich das komplette europäische Netz zusammen; zu sehr ist man inzwischen untereinander verbunden, um einzelne Teile voneinander abzuschirmen – geeintes Europa.

Erschreckend, wie sehr unsere Gesellschaften vom jederzeit verfügbaren Strom abhängig sind. Und ‘kein Strom’ heißt nicht nur, dass man zuhause kein Licht mehr hat. Das macht Marc Elsberg mit diesem Buch nur allzu deutlich. Es kommt dann auch kein Wasser mehr aus der Wand, du kannst nicht mehr dein Auto volltanken. Nach und nach fällt so ziemlich alles weg, was für uns zu einem normalen Leben gehört.
Was zuerst in großen Gesten die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Menschen hervorbringt, verkehrt sich bald ins Gegenteil und jeder ist sich selbst der Nächste. Wenn es wirklich ernst wird, driftet die Gesellschaft rasend schnell der Anarchie entgegen.
Während die Regierungen verzweifelt bemüht sind, einigermaßen die Versorgung aufrecht zu erhalten und die Probleme in den Griff zu bekommen, herrscht in vielen Gegenden schon Selbstjustiz, Plünderung und das Recht des Stärkeren.

Den Begriff ‘Stunde Null’ kennen wir aus dem vergangenen Jahrhundert in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und bezeichnenderweise beginnt das Buch mit ‘Tag 0′. Denn das steht auch hier letztlich dahinter: ein neues Gesellschaftsmodell soll entstehen, und nach Ansicht der ‘Umstürzler’ geht das nicht aus sich heraus, bei null soll es losgehen. Erst muss eines zuende gehen, bevor ein neues entstehen kann.

Marc Elsberg erzählt in chronologischer Folge tageweise die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven. Aus Kraftwerken, aus dem Krisenstab der deutschen Regierung, aus dem Hauptquartier der Europol und verschiedenen anderen Orten bekommen wir einen weitläufigen Überblick über das Geschehen auf dem europäischen Kontinent, wobei Piero Manzano immer der Haupterzählstrang bleibt.

Spannend, erschreckend, warnend, viel zu realistisch und gerade daher – sehr empfehlenswert. Völlig zu Recht als spannendstes Wissenbuch 2012 ausgezechnet. Ich möchte den sehen, der während der Lektüre nicht zumindest überlegt, sich den Keller gut mit Wasser und Konserven zu füllen. Ich schwinge mich schon mal aufs Fahrrad und kaufe ein paar Gaskartuschen.

Bibliografisches:

9783764504458

Erschienen im Blanvalet Verlag, März 2012
800 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als Taschenbuch, als ebook und zum Hören.

Blackout – Morgen ist es zu spät           Marc Elsberg – Autorenseite

Kategorien: Deutsche Literatur, Krimi, Sachbuch, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Extinction – Kazuaki Takano

zur ebook-Ausgabe zum Gleichlesen

(c) C.Bertelsmann Verlag

Ist die Evolution ein kontinuierlicher Prozess? Oder ist mit dem Homo sapiens das Ende der Fahnenstange erreicht und wir sind das ultimative Ergebnis einer langen, langen Entwicklung? Kann die Evolution einfach an diesem Punkt enden?
Das fragte sich offensichtlich auch Kazuaki Takano und entwirft mit seinem Thriller ‘Extinction’ eine Antwort, die vielleicht nicht allen, am wenigsten allerdings der im Buch agierenden US-Regierung unter Präsident Burns gefällt (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind reiner Zufall).

Als im kongolesischen Dschungel offensichtlich die Evolution in die nächste Runde geht, fühlt man sich in Washington derart bedroht, dass kurzerhand die Auslöschung des Pygmäenstammes befohlen wird, der angeblich von einem tödlichen Virus befallen wurde. Zu diesem Zweck entsendet man eine kleine Gruppe von Söldnern, die offiziell für ein privates Sicherheitsunternehmen arbeiten, um diese Aufgabe schnell und unauffällig zu erledigen.

Das Buch wäre schnell am Ende, würde diese Aufgabe zur Befriedigung der US-Amerikaner erledigt. Doch natürlich kommt so einiges dazwischen. Sich mit dem Schlaueren anzulegen kann am Ende ganz schön in die Hose gehen.

‘Extinction’ ist Wissenschaftsthriller, Combat-Action und Philosophiebuch in einem. Spannend und unterhaltend geschrieben, bietet das Buch auch noch wissenschaftlichen und philosophischen Mehrwert. Die sehr detaillierten Ausführungen über Medikamentenentwicklung hätte man eventuell etwas eindampfen können; ich als pharmazeutischer Laie konnte damit nicht viel anfangen, aber manchmal müssen Autoren ja auch zeigen, was sie wissen.
Über die düstere oder helle (je nach Blickwinkel) Zukunftsvision, die ich einführend ansprach, macht man sich im Laufe der Lektüre ebenso Gedanken, wie über die Natur unserer doch sehr mörderischen Spezies. Solltet ihr euch in einer grüblerischen Walther-von-der-Vogelweide-Position wiederfinden, fühlt euch verstanden.

Und sonst: Wir nehmen Darwin zur Hand und hoffen das Beste ;-)

Bibliografisches

9783570101858

Erschienen im C.Bertelsmann Verlag, Januar 2015
Aus dem Englischen übertragen von Rainer Schmidt (folgend der Übersetzung aus dem japanischen von Philip Gabriel)
Titel der englischen Ausgabe: Genocide of One (jp. Jenosaide)
560 Seiten, Klappenbroschur

€ 14,99

U.a. auch erhältlich als ebook, zum Hören und in der englischen ebook-Ausgabe.

Kategorien: Action, Fantasy, Japanische Literatur, Krimi, Science Fiction, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Mechtild Borrmann: “Persönlicher Kontakt zu Zeitzeugen ist unabdingbar.”

il_libraio:

Auf dem Blog Wortgestalten gibt es ein Interview mit der großartigen Mechthild Borrmann, deren Bücher beim @knaurverlag erscheinen.

Ursprünglich veröffentlicht auf Wortgestalten:

Weil ich heute Geburtstag habe, schenke ich Euch und auch mir das nachfolgende Interview. Es ist aus rein persönlichen, neugierigen Motiven entstanden, weil ich Mechtild Borrmann als Autorin schätzen gelernt habe. Ich hoffe, für Euch ist das Interview ebenso interessant wie für mich.

Bisher sind von Mechtild Borrmann die Bücher “Wer das Schweigen bricht”, “Der Geiger” und “Die andere Hälfte der Hoffnung” erschienen. Dazu gibt es noch den Weihnachtskurzkrimi “Die Spur zurück” von ihr sowie die Sammlung von Kriminalgeschichten “Blutiger Rhein”, an der Mechtild Borrmann mitgearbeitet hat. Für ihr Debüt “Wer das Schweigen bricht” hat sie den Deutschen Krimipreis 2012 erhalten.

Bisher sind von Ihnen die Bücher „Wer das Schweigen bricht“, „Der Geiger“ und „Die andere Hälfte der Hoffnung“ erschienen. In all diesen Büchern verflechten Sie Gegenwart und Vergangenheit miteinander, auch mit einem zeitgeschichtlichen Hintergrund. Was fasziniert Sie so an dieser Art Roman?

Ich verbinde gerne Spannung mit historischen…

Original ansehen noch 746 Wörter

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Analoges Lesen vs. digitales Lesen

Als ich dieses Blog vor einiger Zeit gestartet habe, waren die elektronischen Lesegeräte noch hässliche Klötze mit eigenartigen Tastaturen und mangelnder Funktionalität (kennt einer noch den Acer LumiRead?). So sollte der Name ‘Analog-Lesen’ auch ein kleines Plädoyer sein für das Lesen im traditionellen Buch.

Inzwischen sind die Lesegeräte um einiges leichter, besser, schneller und auch einen Tick schöner geworden. Und: ja! Auch ich lese inzwischen mit einem eReader. Ich schätze das geringe Gewicht gerade auf Reisen, und man muss eben nicht einen Koffer voll Bücher dabei haben, und hat trotzdem eine Auswahl an Literatur. Da ich meist mehrere Bücher gleichzeitig lese, ist das nicht zu unterschätzen.

Als ich vor einiger Zeit meinen Vater fragte, ob er ein bestimmtes Buch schon gelesen habe, meinte er, da müsste er mal auf dem Reader schauen. Genau erinnern konnte er sich nicht. Seit er einen Reader hat, liest er fast nur noch auf diesem Gerät und so gut wie keine gedruckten Bücher mehr.

Ähnliches ist mir auch bei mir selbst aufgefallen: die Inhalte von digital gelesenen Bücher verschwinden scheinbar schneller wieder aus dem Gedächtnis, als die auf Papier gedruckten. Benötigt das Gehirn vielleicht die Verbindung vom Inhalt zur haptischen Erscheinung des Buches – leicht, schwer; dünn, dick; leinengebunden, Schutzumschlag, Taschenbuchausgabe; geprägt, vielleicht gar gestanzt – um das Erinnern an einen Inhalt zu optimieren? Oh, halt. Ich vergass den oft zitierten Geruch der Bücher (der Geruch wird ja oft als einer der stärkstenErinnerungstrigger genannt) – wie konnte ich nur.

Also – fließt die Haptik eines Buches in die Erinnerung an den Inhalt ein und verfestigt diese vielleicht sogar noch? Braucht es die Leinenbindung und das Knacken des Buchrückens um im Gedächtnis zu bleiben, oder funktioniert das auch mit der immergleichen Verpackung eines digitales Buches. Ist die Erscheinungsform essentiell für das Medium Buch, oder nur ein marginaler Faktor?

Und vielleicht ein bisschen auf die Spitze getrieben: wird Literatur auf dem Lesegerät nur noch konsumiert ohne bleibenden Eindruck?

Inspiriert zu diesem Artikel hat mich der Beitrag von Uwe auf Wie werden wir lesen? zu möglichen Parallelen von Musikindustrie und Buchbranche in Bezug auf den Wechsel des Content-Trägers von Vinyl zu CD zu Datei.
Und hey Uwe: am Ende geht die Kurve wieder leicht nach oben ;-)

Kategorien: lesen, Leseverhalten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 10 Kommentare

Einschlägig bekannt – Dominique Manotti

einschlägig

(c) Argument Verlag

Dominique Manotti schreibt die besten französischen Krimis. Zumindest soweit ich das beurteilen kann. Das ist immer treffsicher, düster, rasant und nah an der Realität.

In Einschlägig bekannt geht es um einen Pariser Vorstadtbezirk, ein Teil der Stadt, der auch gerne unter dem Begriff der Banlieue (Bannmeile) generalisiert wird. Das die Bezeichnung nichts Gutes verheißt, liegt auf der Hand.

Wir folgen hier einer Gruppe korrupter Polizisten, die sich mit Schutzgelderpressung bei Prostituierten ein Zubrot verdienen. Doch es geht nicht nur ums Geld, wie so oft geht es natürlich auch um Macht.
Parallel dazu wird aus der Perspektive von zwei Neulinge in eben jenem Polizeirevier erzählt. Isabelle wird direkt am ersten Tag von einem Kollegen sexuell belästigt und für Sebastién geht es ins sogenannte ‘Heulbüro’, wo Bürger ihre Beschwerden und Anzeigen vorbringen dürfen.
Sebastién ist hier schnell desillusioniert, denn die Anzeigen werden für die Statistik abgearbeitet. Da möchte beispielsweise eine Frau ihren Mann anzeigen, da er sie schlägt und sie Angst um ihre Kinder hat. Doch ‘zwei geschlagene Frauen an einem Tag’ – schlecht für die Statitik. So wird die Frau mit Kaffee und Keksen abgespeist und nach Hause geschickt – was sich später noch als fatale Fehlentscheidung herausstellen wird.
Für Isabelle geht es bald auf Streife und sie wird Zeuge von willkürlichen Kontrollen, Gewalt und Machtmissbrauch ihrer Kollegen.

Und natürlich gibt es da auch noch die ‘Oberschicht': Comissaire LeMuir ist der aufgehende Stern am Himmel der Polizeielite, mit klar politischen Ambitionen. Sie ist die Chefin des Komissariates und versucht die politische Linie des Innenministers in spe durchzusetzen, der die Randbezirke reinigen will. Da werden unter anderem baufällige Häuser angezündet, in denen Flüchtlinge und verarmte leben. Selbstverständlich ist das ‘Bauland’ schon an Investoren verkauft und die Gabäude eine Gefahr für Bewohner und öffenliche Hygiene.

Schließlich taucht auch noch Noria Ghozali auf, arabischstämmige Französin, die versucht, die korrupten Polizisten zu überführen und sich dabei nicht immer ganz legaler Mittel bedient. Eigentlich die Serienfigur Manottis, sind die Hauptfiguren in diesem Buch andere.

Manotti hat ein gutes Gespür für authentische Figuren und überdreht deren Darstellung nicht. Jedes einzelne Wort nimmt man ihr ab. Und bei all der Dramatik des Stoffes macht das Lesen dennoch Spaß.
An der Aktualität der Banlieue-Dramatik, Gebieten die mit dem Reiseführer-Paris so ganz und gar nichts zu tun haben, hat sich auch im Jahr 2015 nicht viel geändert.
Schon vor zehn Jahren sorgte das Thema für große Aufmerksamkeit, als zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in einem Trafohäuschen starben und daraufhin Unruhen ausbrachen und Sarkozy die Vorstädte mit dem Hochdruckreiniger säubern wollte.
Und wieder zehn Jahre zuvor (1995) drehte Mathieu Kassovitz den Film ‘Hass’, der das Leben einer Gruppe Jugendlicher in eben den abgehängten sozialen Problemorten der Pariser Vorstadt thematisiert, an dem man schon  gut die Pulverfassqualität französicher Innenpolitik ablesen konnte.

Also merken: Dominique Manotti. Steht ganz weit oben auf der Liste des politischen hardboiled Krimis. Bei mir zumindest.

Und jetzt nachholen am Bildschrim: ‘Hass’ gucken. Und wenn ihr korrupte Cops mögt: die französische Serie ‘Braquo’.

Bibliografisches:

9783867541985

Erschienen im Argument Verlag, November 2011
Aus dem Französischen übertragen von Andrea Stephani
Originaltitel: Bien connu des services des polices
256 Seiten, Taschenbuch

€ 12,90

Auch für’s elektronische Lesen zu haben: Einschlägig bekannt.

Kategorien: Action, französische Literatur, Krimi, Politik | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

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