Atom – Stephanie Cooke

atom

(c) KiWi

Heute vor 30 Jahren wurde der Welt vor Augen geführt, dass auch eine ‘zivile’ Nutzung der Atomkraft keineswegs sicher ist, sondern ebenso zu Tod und Verderben führt, wie die militärische. Doch Tschernobyl war nicht der erste und nicht der letzte GAU.

Dieses Buch, dass vor Jahren eher zufällig zu mir kam, erzählt detailliert die Geschichte des nuklearen Zeitalters. Es führt uns vor Augen, dass eine zivile Nutzung nie ohne die militärische zu haben war, ist und sein wird. Stephanie Cooke hat intensiv recherchiert und schildert bekannte Katastrophen ebenso wie verschwiegene und solche, bei denen wir harscharf am Unglück vorbeigeschrammt sind. Wir erfahren von Verstrickungen der Industrie mit dem Militär, von dubiosen Geschäften und der allgegenwärtigen Gefahr der schmutzigen Bombe. Es geht, wie so oft, auch hier um Macht.

Das Ganze klingt jetzt vielleicht etwas trocken, ich kann euch aber versichern, dass das Buch spannend ist wie ein Thriller, wie eine Mischung aus Spionage- und Wirtschaftskrimi. Trotz der unglaublichen Fülle an Informationen wurde mir bei der Lektüre nie langweilig. Wohl auch, weil das ein Thema ist, das uns alle immer beschäftigen sollte. Nicht nur an Jahrestagen, sondern immer wieder. Atom ist eines der besten Sachbücher, die ich bisher gelesen habe!

Die allgegenwärtige Gefahr wird ignoriert, es werden marode Reaktoren wieder in Betrieb genommen, wie gerade wieder in Belgien geschehen. Ja es gibt sogar Länder, die neue Atomkraftwerke planen und bauen – auch mit deutscher Beteiligung (soviel zum deutschen Atomausstieg!)

30 Jahre Tschernobyl und wir haben nichts gelernt. Erschreckend!

ISBN 9783462043730

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, April 2011
Aus dem Englischen übertragen von Hans G. Holl
Originaltitel: In mortal hands
592 Seiten, Taschenbuch

€ 9,99

Auch erhältlich zum digitalen Lesen.

Was jeder tun kann:

Wenn ihr lieber was belletristisches zum Thema Tschernobyl lesen wollt, empfehle ich Mechthild Borrmanns ‘Die andere Hälfte der Hoffnung’.

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Blutsbrüder – Ernst Haffner

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(c) Metrolit

Als erstes und vor allem anderen einen riesigen Dank an Peter Graf für die Wiederauflage dieses Buches! Es ist beinahe nichts bekannt über den Autoren Ernst Haffner und dies ist sein einziges Werk. Doch eines das aus der Masse der Titel heraussticht, zumindest heute, über 80 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen.

Zwischen den Weltkriegen lebten tausende Kinder in den Straßen deutscher Großstädte, elternlos, obdachlos – bedingt durch Krieg und Wirtschaftskrise.
Ernst Haffner erzähhlt von einer Gruppe dieser Kinder, der Clique Blutsbrüder, die sich als Kleinkriminelle über Wasser halten, von einem Tag zum nächsten leben, von der Hand in den Mund, froh wenn sie auf einer verlausten Matratze die Nacht verbringen können anstatt unter freiem Himmel.
Alle Kinder unter 21 Jahren wurden damals in Heime gesteckt, um der Verwahrlosung vorzubeugen, dem Abdriften in kriminelle Kreise. Doch wie man das von Gefängnissen hört, waren auch diese Heime eher für Gegensätzliches gut. Und der unbedingte Wille zur Flucht, der Drang zur Freiheit dieser Jugendlichen war unbändig. Doch einmal geflohen aus dem Erziehungsheim, war man quasi als Krimineller auf Listen der Polizei und konnte ohne entsprechende Papiere auch keine legale Arbeit annehmen. Was blieb also anderes übrig, als die Kriminalität. Und wer kein Talent beim Taschendiebstahl hatte, der verkaufte eben seinen Körper.

Anhand der Clique der Blutsbrüder zeigt Haffner uns einige dieser Schicksale exemplarisch auf und man merkt, dass er als Sozialaarbeiter gearbeitet hat und sicher eng mit solchen Jungen zu tun hatte, ist seine Geschichte doch unglaublich authentisch, bildlich geschrieben, als wäre man dabei gewesen. Blutsbrüder ist die dreckige, proletarische Seite der Goldenen Zwanziger, ist Leben auf der Straße, Schlafen in Streusandkisten.
Blutsbrüder ist der schale Bierrest in einer Kneipe im Münzviertel, während am Ku’damm zu Champagner und Kaviar getanzt wird.

Was aus diesen Jungen im aufdämmerden Faschismus geworden ist, bleibt unserer Fantasie überlassen. Ebenso, wie der Bezug zu unserer heutigen Gesellschaft, die immer weiter auseinander driftet, in der mehr und mehr Leute auf der Straße leben (oder geht das nur mir so, dass ich immer mehr Obdachlose und Bettelnde sehe?).

Nicht zuletzt ist Blustbrüder ein Zeitdokument europäischer Geschichte und ein großartiges Stück deutsche Literatur. Gerade erschien nach der englischen auch eine italienische Ausgabe.

ISBN 9783849300685

Erschienen im Metrolit Verlag, August 2013
240 Seiten, gebunden

€ 19,99

Für’s kleine Geld gibt es inzwischen auch schon eine Taschenbuchausgabe im Aufbau Verlag und außerdem ein Hörbuch, und eine ebook-Ausgabe.

Das Buch wird auch auf  54books und auf Literaturtourismus zur (Schul)-Lektüre empfohlen.

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Ein neues Zuhause für die Kellergeigers – Jean-Claude Grumberg

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(c) Jacoby & Stuart

Heute mal was ganz anderes: ein Kinderbuch. Wer dazu mal ein Proseminar besucht hat, wird wissen, dass man sich da erstmal einigen muss, was ein Kinderbuch ist. Von Kindern geschrieben, oder für Kinder? Oder ganz anders. Und wer ist Kind und wann hört das Kindsein auf?

Bei diesem Buch spielt das eigentlich gar keine Rolle, denn es ist ein klassischer All-Age Titel (was jetzt sicher ein Widerspruch ist, Verlagsmenschen werden verzweifelt aufheulen).

Jean-Claude Grumberg erzählt die Geschichte der Kellergeiger, einer Familie, die zum Völkchen der Kellergeiger gehören. Kellergeiger gibt es überall auf der Welt und sie leben mitten unter uns. Und doch gehören sie irgendwie nicht dazu.

Weil diejenigen, die nur dort zuhause sind, wo sie geboren sind und nirgendwo anders, die Kellergeiger nicht mögen. Auch die nicht, die in ihrer Nähe geboren sind.

Sie sind die ewig Ausgegrenzten, sie sind wie du und ich. Ausgegrenzt ohne wirklichen Grund, einfach nur weil. Sie sind auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich endgültig zu Hause fühlen können und durchwandern daher ein Land nach dem anderen, oft mehr unfreiwillig als freiwillig, werden in Rollen gepresst, die nicht zu ihnen passen, die ihnen gar schaden.
Es ist eine exemplarische Geschichte über Xenophobie, eine Geschichte über besorgte Menschen und ihre Angst vor dem vermeintlich Fremden, erzählt aus der Perspektive der Ausgegrenzten.

“Warum müssen oder sollten die Kellergeiger ein K über der Nasenwurzel tragen?”
“Damit man sie erkennt.”
“Damit man sie erkennt?”
“Ja, ohne das K kann man sie nicht erkennen.”

In jedem Land werden sie anders behandelt, und doch werden sie immer als anders behandelt.

Das beste Mittel gegen Angst vor dem Fremden ist, das Fremde zu etwas Bekanntem zu machen. Denn jeder von uns ist irgendwo fremd.
Als kleine Hilfestellung gibt es diese nette kleine Buch für Kinder von 10 bis 110 Jahren, das noch dazu mit tollen Illustrationen von Ronan Badel gestaltet ist.

Als Anschlusslektüre (und auch sonst immer) empfehle ich: Hiob von Joseph Roth

ISBN 9783941787223

Erschienen im Verlagshaus Jacoby & Stuart, März 2016
Aus dem Französischen übertragen von Edmund Jacoby
Originaltitel: Les Vitalabri
96 Seiten, gebunden

€ 12,95

Zur Leseprobe

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Der Lockvogel – Chris Morgan Jones

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(c) Heyne Verlag

Wie eine Bombe sind vor kurzem die Panama Papers eingeschlagen! Obwohl, eigentlich wusste man ja längst, dass Geld korrumpiert. Wer viel Geld hat, will mehr Geld und möglichst wenig davon wieder abgeben. Dass der Reichtum allerdings meist nicht rein aus harter Arbeit erwachsen ist, sondern die Infrastruktur und die politische Sicherheit der Staaten nutzt und braucht, spielt dann keine Rolle mehr. Warum soll man mittels Steuern in eben diese Infrastruktur investieren, einen Teil zum Erhalt und Ausbau beitragen, wenn man das Geld auch woanders deponieren kann, wo keiner dran kommt? Natürlich vollkommen legal!

Mit diesem Thema hat sich vor einigen Jahren Chris Morgan Jones in seinem ersten Buch bechäftigt: Mit der Lockvogel gelang ihm im Jahr 2012 (das Original erschien 2011) ein erstaunliches Debüt. Erzählt wird die Geschichte von Richard Lock (ja, da konnte jemand im Verlag dem Wortspiel im Titel nicht widerstehen), der als kleiner Anwalt zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und nun für einen großen russischen Oligarchen als Strohmann die Offshore-Unternehmen lenkt und leitet. Lock ist also ein professioneller Geldwäscher und Steuervermeider.

Jetzt könnt ihr euch auch denken, warum ich dieses Buch gerade neu lese, ist doch einer der spektakulärsten Teile der Panama Papers das Putin-Roldugin-Kapitel. Nachden kürzlichen Enthüllungen, zog ich also dieses Buch aus dem Regal und ließ dafür Avenue of Mysteries liegen, mit dem ich mich eh etwas schwer getan habe.

Lock lebt ein angenehmes Leben, oder soll man besser sagen, lebte, denn natürlich ändert sich gerade so einiges. Lock wird zu einem Prozess vorgeladen, bei dem er sich und seine Unternehmen erklären soll. Lizenzen, die eben diese Unternehmen verkaufte,stellten sich  als bloße Hüllen heraus und natürlich fühlt sich der Käufer geprellt. Er beauftragt gleichzeitig zur Klage eine Privatermittlung, deren Ziel es ist, nicht nur Lock bloßzustellen, sondern vielmehr noch den stillen Oligarchen im Hintergrund zu Fall zu bringen.

Hier kommt jetzt Ben Webster ins Spiel, der er ist unser Privat-Eye. Und das sind auch die beiden Erzählebenen: Lock und Webster wechseln sich ab und kommen sich im Laufe des Buches immer näher. Auch Webster hat Vorgeschichte mit Russland, hat er doch vor seiner Detektivlaufbahn eben dort als Journalist gearbeitet und musste den Tod einer guten Freundin in einem russischen Gefängnis mit ansehen.

Als es nun erste Tote gibt und Lock sich immer mehr in die Ecke gedrängt fühlt, wird der Wille zum Ausstieg immer stärker. Das Leben als Strohpuppe, als menschliches Schutzschild ist eben nur solange schön, wie man in Saus und Braus lebt und nur die Sonnenseite sieht. Wenn’s ernst wird, will man so schnell raus, wie nur eben möglich.

Ein Vergleich mit John le Carré ist wohl nicht übertrieben, auch wenn wir hier keine Regierungsagenten verfolgen sondern nur den Privatermittler und den Oligarchen-Strohmann. Doch auch Chris Morgan Jones, eben wie der große le Carré, ist einer der sich mit der Materie auskennt, ich zitiere hier mal aus der Autoren-Bio: “Chris Morgan Jones arbeitete elf Jahre für eine der weltweit größten Unternehmensberatungen. Zu seinen Kunden gehörten regierungen im Mittleren Osten, Banker in New York, Londoner Investmentfonds, afrikanische Minen-Unternehmen und russische Oligarchen.” Dieses Insider-Wissen scheint durch jede Seite dieses Buches und dennoch langweilt diese Detailfülle, sie trägt vielmehr zur Authentizität des Buches bei. Chris Morgan Jones ist einer der fesselnd schreiben kann!

Folglich ist dieses Buch so unglaublich spannend, dass es nur schwer aus der Hand zulegen ist und man sich besser einen Wecker stellt, der einen zum Schlafengehen ermahnt.
Wenn ihr gerne spannende, politsche angehauchte Thriller mit dem gewissen Anspruch lest (wer tut das nicht!), habe ich hier genau das richtige Buch für euch. Auch bringt das Buch internationales Flair mit, wie es ein guter Bond-Film tut. Moskau, London, Paris, Cayman-Inseln, um eine Auswahl zu nennen. Im Gegensatz zu Bond, sind die Figuren in diesem Thriller allerdings etwas weniger glamourös.
Leider war ‘Der Lockvogel’ bei Erscheinen nur mäßig erfolgreich, weshalb es inzwischen nicht mehr aufgelegt wird. Vielleicht lässt sich ja der Heyne-Verlag wegen der plötzlich wiedergewonnenen Aktualität ja zu einer Neuauflage überreden😉

ISBN 9783453436060

Erschienen im Heyne Verlag, Juli 2012
Aus dem Englischen übertragen von Christoph und Karola Bausum
Originaltitel: An Agent of Deceit (bzw. The Silent Oligarch)
447 Seiten, Klappenbroschur

€12,99

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Krieg – Stell dir vor er wäre hier – Janne Teller

“Versetz dich doch mal in meine Lage!” – Wer kennt diesen Satz nicht. Offensichtlich viel zu viele Leute. Janne Teller hat das mal für uns alle gemacht und ein kleines Gedankenexperiment zu Papier gebracht: Wie würde es aussehen, wenn in Europa Krieg herrscht und die nächste friedliche Gegend in Nordafrika und dem Nahen Osten zu finden wäre.

Kälte, Gefahr, Angst. Als doch noch die Flucht klappt, landen wir in Ägypten in einem Lager. Fremd unter Fremden. Verlorene Jahre, ohne Bildung, Zukunft, Heimat.

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(c) Hanser

Eindrücklich wird das Ganze vor allem durch die Erzählperspektive in der 2. Person:

“Du bist noch unversehrt, doch du hast Angst. Morgens, mittags, abends und nachts.”

“Eure Familie ist zu einer Zahl geworden. Fünf! Es gibt kein Land, das weitere fünf Flüchtlinge haben will.”

Ich gebe zu, der Text kommt ein bisschen mit erhobenem Zeigefinger daher, aber manchmal (besonders nach dem Sonntag) ist das gar nicht mal verkehrt, wenn nicht sogar dringend nötig.
Angemerkt sei noch, dass dieser kleine Text ursprünglich als Essay geschrieben wurde und bereits vor 15 Jahren im Jahr 2001 erstmals erschien. Die vorliegende Ausgabe aus dem Hanser Verlag ist immerhin auch schon 5 Jahre alt! Und immer noch, ja im Grunde viel mehr ist es ein hochaktueller Text.

Gibt es wirklich noch Menschen, die bei den Bildern aus Idomeni und von anderswo denken, dass diese Menschen den Weg zum Spaß auf sich nehmen, dass hier nicht blanker Überlebenswillen die treibende Kraft ist?!

Lest mal dieses Büchlein, es sind nur 50 Seiten und sogar noch mit vielen Illustrationen. Versetzt euch mal in die Lage dieser Menschen, wenn auch nur eine halbe Stunde auf dem Sofa.

ISBN 9783446236899

Erschienen im Hanser Verlag, März 2011
Aus dem Dänischen übertragen von Sigrid C. Engeler
Originaltitel: Hvis der var krig i Norden
64 Seiten, gebunden

€ 6,90

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Kolbe – Andreas Kollender

kolbe

(Pendragon)

‘Tue das Richtige und habe keine Angst.’

Mit diesem Satz seines Vaters im Kopf kommt Fritz Kolbe zurück in ein Deutsches Reich, das seines nicht mehr ist. In Afrika hat er als Vizekonsul gearbeitet, doch das war unter dem Kaiser, jetzt regiert da dieser kleine Schreihals mit dem lächerlichen Bart. Schon auf der Überfahrt wird Kolbe schikaniert und verschanzt sich letzlich im Maschinenraum, auch der Konsul verlässt seine Kabine nicht mehr, wird doch Schiff und Besatzung von den selbst ernannten Herrenmenschen drangsaliert. Sein Vorgesetzer erhoffte sich einen regulativen Einfluss durch die Rückkehr ins Reich. Leider müssen beide schnell feststellen, dass diese Hoffnung vergeblich war.

Wo sich der Konsul ins innere Exil zurückzieht, arbeitet Kolbe trotz allem weiter für das Auswärtige Amt, dient sich hoch und sitzt schließlich auch ohne Parteiabzeichen an sensibler Stelle im Vorzimmer des Botschafters von Günther. Lange Zeit verhält er sich ruhig, kämpft mit sich, den Satz seines Vaters immer im Kopf. Als er eine Botenfahrt zur deutschen Gesandschaft nach Bern machen soll, sieht er endlich eine Gelegenheit. Über einen alten Freund stellt er Kontakt zu den Amerikanern her und schmuggelt die erste Ladung geheimer Dokumente in die Schweiz.

Der erste Kontakt, die ersten Informationen, die erste Reise ist die schlimmste. Jede Minute fürchtet er sich zu verraten, in eine Falle zu gehen. Mit jeder Reise nach Bern setzt er sein Leben aufs Spiel, immer wieder wird ihm eiskalt bewusst, dass er nur ein Amateur ist und es auf allen Seiten mit Profis zu tun hat – amerikanische, russische, britische Spione, Gestapo, Sicherheitsdienst, SS. Der kleine deutsche Beamte Fritz Kolbe mit brisanten Dokumenten mitten unter ihnen. Und wohl gerade wegen seiner alltäglichen Unscheinbarkeit mit einem Narrenbonus versehen.

Eingebettet in ein Interviewszenario, in dem zwei junge Journalisten Kolbe Jahre nach dem Krieg in seiner selbstgewählten Einsamkeit in den Schweizer Bergen aufsuchen, um seine Geschichte zu erfahren, erzählt Andreas Kollender uns die beinahe unglaubliche Geschichte des Fritz Kolbe, der vom einfachen Beamten zum wichtigsten Spion für die Amerikaner im Deutschen Reich wird. Seine Informationen sind auch in Washington nur wenigen zugänglich, in der Regel gehen sie direkt an den Präsidenten.

Doch ist ‘Kolbe’ kein reiner Spionageroman, erzählt er doch auch vom Alltag in einem zerbombten Berlin, vom Leben in einer Stadt, die sich in ein Trümmerfeld verwandelt hat. ‘Kolbe’ ist auch das Portät eines Menschen, der sich auf einsamem Posten gegen ein Unrecht stellt, das ihn vollends umgibt und in dem er trotz allem leben muss. Ein Mensch, der in eine tiefe Krise stürzt, als durch seine Infomationen ein alter Freund stirbt, der daran fast verzweifelt.

Andreas Kollender hat mit diesem fesselnden Roman ein belletristisches Denkmal für Fritz Kolbe geschaffen, einen Mann dem sein Mut, sein Engagement im eigenen Land nie gedankt wurde. Es ist auch derzeit das einzige Buch mit dem Thema auf dem Markt, die Kolbe-Biographie von Delattre ist leider bei Piper nicht mehr lieferbar.
Fast jeder in Deutschland kennt Stauffenberg, den Mann der als Mitglied der Wehrmacht die NS-Ideologie lange Zeit mitgetragen hat; für ihn gibt es Gedenkstätten, -tafeln, Würdigungen, ja Hollywood-Verfilmungen. Wer kennt schon Fritz Kolbe?

ISBN 9783865324894
eISBN 9783865325013

Erschienen im Pendragon Verlag, Juli 2015

 

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Im Kino: Zwei Mal Dave Eggers

Da bin ich jamal gespannt, zum Hologramm passt Tom Hanks ja noch, welche Rolle er allerdings im Circle einnehmen sollte, wüsste ich jetzt nicht…

Der Buchbube

HologrammGleich zwei Filme nach Romanvorlagen von Dave Eggers laufen in diesem Jahr in den Kinos an. James Ponsoldts Adaption des 2014 heiß diskutierten “The Circle” mit Emma Watson in der Hauptrolle ist sicherlich der mit größerer Spannung erwartete Streifen, ein Starttermin steht allerdings bisher noch nicht fest.

Ab dem 28. April ist Tom Tykwers Verfilmung des Anfang 2013 erstmals in der deutschen Übersetzung erschienenen “Ein Hologramm für den König” in den Lichtspielhäusern zu sehen. Tom Hanks (der bereits in der Kinoversion von David Mitchells “Cloud Atlas” mit Tom Tykwer zusammenarbeitete und auch in “The Circle” eine tragende Rolle einnimmt) spielt darin den alternden, von Schulden geplagten Geschäftsmann Alan Clay, der von seiner neuen Firma im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt wird und dem saudischen König ein neuartiges, holographisches Kommunikationssystem andrehen soll, was natürlich mit allerlei Hindernissen verbunden ist. Dieses Aufeinandertreffen fremder Kulturen und der damit entstehenden Missverständnisse könnte einerseits recht…

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I am not animal – Hammed Khamis

khamis

(Frohmann)

Geflüchtete haben in Europa weniger Rechte als Tiere. Denk mal drüber nach.

Als Hammed Khamis im Internet ein Video aus dem sogenannten Dschungel von Calais sieht, weiß er – er muss da hin. Er will die Kirche aus Plastik sehen, die sich die Geflüchteten dort gebaut haben.

Und wo viele nur reden, setzt er sich ins Auto und fährt da hin. Seine Erlebnisse berichtet er auf einem Blog, der jetzt in Buchform erschienen ist.

Es mutet an, als würde er hier im Raum sitzen und erzählen, von den Menschen auf die er trifft, Menschen, die seine Freunde werden, wie er immer wieder betont. Menschen in Not, Menschen die vor Hunger und Krieg geflohen sind, vor Verfolgung, vor dem Elend, vor dem Tod.
In Calais hat sich ein Slum gebildet, ein Dschungel wie sie ihn nennen, denn er wuchert wild über die Dünen am in der Nähe des Eingangs zum Eurotunnel. Diese Menschen stauen sich hier, sie wollen nach England, auf die rettende Insel.

Entweder England oder den Tod. Wir sind doch eh tot, wenn die uns in den Sudan abschieben.

Aber nicht nur aus dem Sudan kommen die Menschen im Dschungel von Calais. Sie kommen auch aus Afghanistan, Iran, Eritrea, Somalia, von überall dort, wo das Leben nicht sicher ist.

Manche haben ihr Todesurteil sogar schriftlich dabei. Warum erhalten solche Leute kein Asyl? Sie haben für eine Sache, die in Europa nicht mal illegal ist, die Todesstrafe bekommen. Welchen Grund für Asyl gibt es, der dringender ist?

Diese Fragen muss man sich stellen, muss man stellen an die Politik, an die Gesellschaft! Mit diesem Buch stellt Hammed Khamis diese Fragen und noch viele mehr. Am Ende des Buches schmeißt er uns diese Fragen ins Gesicht. Eine Ganze Seite lang. Es ist an uns allen, die Antworten zu geben.

Hammed schildert seine Erlebnisse eindrücklich; beeindruckend nah kamen mir bei der Lektüre die einzelnen Schicksale, und nicht nur einmal bin ich mit dem Autor den Tränen nahe. Der Dschungel von Calais, die Schande von Calais.
Doch trifft Hammed in Calais nicht nur auf Geflüchtete, er trifft auch Helfende, Menschen die von überall her kommen um den Menschen dort zu helfen, ihnen beizustehen. Er trifft aber auch auf Journalisten, die safari-gleich auf Drive-By-Fotos des Elends aus sind, er trifft auf knüppelnde Polizisten und auf eben jene Menschen, für die die Geflüchteten, Schutzbedürftigen nur Vieh sind, ein großes, störendes Ärgernis.

Mich kostet es vierzehn Euro, um durch den Eurotunnel zu kommen. Mein Freund Mima wird dafür vielleicht mit seinem Leben bezahlen.

eISBN 9783944195766
ISBN 9783944195780

Erschienen im Frohmann Verlag, Januar 2016
99 Seiten

Als ebook zu haben, für gut angelegte 4,99€.

Die gedruckte Ausgabe gibt es für 13,00 €.

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Im Gespräch – Sam Hawken

Da ich hier immer noch keine Besprechung seiner letzten beiden Bücher abgeliefert habe, hier zumindest der Verweis zu einem sehr interessanten Interview mit Sam Hawken. Das Interview führte Sonja Hartl und es ist zu finden auf dem Blog Polar Noir.

Sam Hawken wurde 1970 in Texas geboren und studierte Geschichte an der Universität von Maryland. Nach einer Kurzgeschichte in einem Band mit dem Titel Borderland Noir begann er mit dem Schreiben von Kriminalromanen. Zuletzt ist in deutscher Übersetzung von Karen Witthuhn “Kojoten” von ihm erschienen. Sie haben Geschichte studiert – wie sind Sie zur Schriftstellerei … weiterlesen

Quelle: Im Gespräch – Sam Hawken

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Havarie jetzt auch im Kino

Eines der besten Bücher des letzten Jahres gibt es in Kürze auch im Kino. Merle Kröger macht das ja gerne, aus der Recherche gleich Buch und Film zaubern.
Gerade habe ich auf der facebook-Seite des Argument-Verlages diesen Post entdeckt, den ich direkt mit euch teilen möchte:

HAVARIE bewegt:
Weltpremiere von HAVARIE im Forum der Berlinale 2016

“37º 28.6´N 0º3.8´E. Ein Schlauchboot voller Menschen, einer winkt. Die Kamera schwenkt langsam nach rechts und zeigt Touristen, die von einem Kreuzfahrtschiff aufs Meer blicken. Sie bewegt sich zurück, streift erneut das Boot, und schwenkt nach links, zur anderen Seite des Schiffes. Das gebrochene Sonnenlicht taucht es in Farben, ein vertikaler Lichtstrahl trennt des Schiff vom Boot, zu dem die Kamera nun zurückkehrt. Bisweilen verliert das Bild an Schärfe, geisterhaft erscheinen Spiegelungen im Wasser.”

Zu meiner Besprechung des Buches geht es hier entlang: Havarie.

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