Snowden – Oliver Stone

Zur Abwechslung heute mal ein Film. Manchmal gehe ich nämlich auch ins Kino.
Hier erzählt uns Oliver Stone eine dramatisierte Version der bekannten Geschichte des Edward Snowden. Darauf wird auch extra im Vorspann hingewiesen, dass es sich nicht um eine exakte Wiedergabe der Geschichte handelt.

Der Film bietet eine gute Ergänzung zu Citizenfour und Die globale Überwachung. Erzählt wird die Vorgeschichte des Edward Snowden, vom Militärdienst, den er unfreiwillig abbrechen muss hin zu seiner Arbeit beim CIA, später NSA (‚Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Land dienen können.‘). Dabei können wir miterleben, wie er sich immer weiter von seinem anfangs idealistischen Bild eines amerikanischen Patrioten entfernt. Bedeutend ist wohl der Satz: ‚I’m questioning our government. That’s what we do in this country, that’s the principle we’re founded on.‘ Zu Beginn sagt diesen seine Freundin, kurz vor Ende kommen die gleichen Worte von Snowdens Lippen. Aber die Regierung in Frage zu stellen, ist nicht das, was sich die Regierung und die Geheimdienste unter Patriotismus vorstellen. Und so wird aus dem Patrioten Snowden für die einen ein Verräter, für die anderen ein Held. Für sich selbst bleibt er ein einfacher Amerikaner.
Als zweite Zeitebene wird immer wieder dazwischen geschnitten, wie es zur Veröffentlichung der Dokumente kommt. Vom Treffen Snowdens mit Greenwald und Poitras bis zur schlussendlichen Veröffentlichung auf der Seite des Guardian, eine Veröffentlichung, die erst die Spitze des Eisberges darstellen sollte.

Joseph Gordon-Levitt spielt Snowden als trockenen, etwas hölzern wirkenden Geek. Ich vermute, das ist recht nah an der Realität. Trotz seines erschütternd ernsten Hintergrundes – Snowden gilt nach wie vor als Verräter, der wohl nicht mit einem fairen Verfahren rechnen kann, und sitzt nach wie vor in Russland fest – bietet der Film auch spannende Unterhaltung als Spy-Story und sehr gute Besetzung.

Ich für meinen Teil hab ein bisschen Gänsehaut bekommen, als die Szene eingespielt wurde, in der das Flugzeug von Evo Morales zur Landung gezwungen wurde, weil man dachte, dass Snowden an Bord wäre, eine Szene an die ich mich noch gut aus den Nachrichten erinnern konnte. Diese Vermischung von Hollywood-Film und Realität, die jeden von uns jeden tag betrifft, hat zumindest mich nicht kalt gelassen.

Also, ab ins Kino! Und natürlich Greenwalds Buch lesen. Und macht euch schlau!

Sehr sehenswert ist auch dieses Interview mit Snowden:

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Raumpatrouille – Matthias Brandt

raumpatrouille

(c) Kiepenheuer & Witsch

Ich lasse mich gerne eines besseren belehren. So ging es mir bei diesem schmalen Büchlein. Beim Durchschauen der Vorschauen und Leseexemplare im Frühsommer blieb der Band von Matthias Brandt aufgrund des mich nicht neugierig machenden Klappentextes, dem mir unbekannten Autor und dem merkwürdigen Cover links liegen. Nachdem bei Erscheinen begeisterte Kunden mir von diesem Buch erzählten und vom Interview in der ZEIT berichteten, nahm ich Raumpatrouille jetzt doch noch mal zur Hand und habe es nicht bereut.

Das Buch erzählt Geschichten einer Kindheit am Rhein, in einer mittelgroßen Stadt. Es sind Geschichten eines Kindes in einem großen Haus, man mag oft denken, das Kind wohnt dort allein, aber dann taucht doch ab und an ein schemenhafter Vater am Ende des Korridors auf. Und natürlich sind da die Wachleute, die das Grundstück bewachen – denn der Vater ist Regierungschef. Das Kind ist sich selbst überlassen, kurvt mit dem Bonanza-Rad durch den Garten, der standesgemäß so groß ist, das er nicht Garten, sondern Park heißt. Doch natürlich geht es auch über die Grenzen des Parkes hinaus, auch wenn das eigentlich verboten ist; doch das Verbotene – wer kennt das nicht – ist immer auch das Reizvollste. Und Grenzen ausreizen ist das Ziel eines jeden Kindes, sehen, wie weit man gehen kann.

Zwischen wechselnden Hobbys und in Flammen aufgehenden Kinderzimmern muss auch der etwas merkwürdige Herr Lübke nebenan gestriegelt zum Kakao besucht werden. Es gibt missglückte Versöhnungsfahrradausflüge mit Vaters Arbeitskollegen, endlose Autofahrten mit der Mutter in den fernen Norden und schmerzhaftes Heimweh beim langersehnten ersten Übernachten beim Schulfreund.

All diese Geschichten sind unterlegt von einem Gefühl des Aufbruchs, der Krieg liegt beinah eine Generation zurück, Menschen fliegen ins All; die Zukunft ist zum Greifen nah – und sei es nur in Form eines Plastikraumanzuges, unerlaubterweise gekauft vom Schulbuchgeld. Wer braucht schon Bildung, wenn er Astronaut sein kann?! Ein Kind darf wieder Kind sein.

Die vierzehn Geschichten sind so einprägsam erzählt, dass man sich in vielen selber wiederfinden kann, auch wenn man nicht im gleichen Jahrzehnt aufwuchs und nicht Kanzlersohn ist.

Wir gehen auf Raumpatrouille mit Armstrong, Aldrin, Collins (Achtung: Tränenalarm!) auf dem Mond.
Wir gehen auf Raumpatrouille mit einem Kind in dem großen leeren Haus, das dennoch Heimat ist, in dem doch hinter der gepolsterten Doppeltür am Ende des Korridors ein Vater leise schnarcht, der dir doch vorliest, wenn du ihn darum bittest.Wir gehen auf Raumpatrouille mit Matthias Brandt in die Kindheit, in der man schon mal vor existentiellen Problemen steht:

Wieder und wieder überlegte ich, ob es mich wirklich selbst gab oder ob ich mir meine Existenz nur einbildete.

Matthias Brandt hat mich mit beeindruckenden Texten beeindruckt, mit fein geschliffener Sprache, mit leichtem Humor, der bei beinahe jeder Geschichte ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. War mir der Name bisher unbekannt, hat er sich nun in mein inneres Kinderzimmer gebrannt. Alles bereit für den Zaubertrick, Herr Brandt? Ich mache mir schon mal eine große Tasse Kakao.

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, September 2016
ISBN 9783462045673
176 Seiten, gebunden
€ 18,-

eISBN 9783462316384
€ 16,99

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Live by night, geteilt von: — Was soll ich lesen? – Bücherblog

Ist zwar Ben Affleck, der mir erstmal nicht so zu passen scheint, aber der Trailer sieht doch recht vielversprechend aus. Außerdem ist das aus der Lehane-Feder, kann also nicht viel schiefgehen (hoffentlich!).
Auf jeden Fall mal wieder ein Film, für den der Kinogang lohnt.

Hier ist der erste Trailer zu der Verfilmung von „In der Nacht“ von Dennis Lehane.Auch wenn ich weiß, dass das Buch nicht zu toppen sein wird, freue ich mich sehr auf den Film.

über — Was soll ich lesen? – Bücherblog

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Wédora – Markus Heitz

wedora

(Knaur)

Hier könnte jetzt wieder das Zitat von Patrick Rothfuss zum Thema Fanasy-Bücher stehen, aber es geht auch ohne. Das Fantasy ab und an auch mir Spaß macht, ist kein Geheimnis, sie muss allerdings gut geschrieben sein; mehr als einen Fantasy-Roman hab ich schon abgebrochen, weil die Geschichte einfach nicht fesselte.

Anders bei diesem meinem ersten Heitz-Buch. Das Setting ist nicht gerade gewöhnlich: der Großteil des Buches spielt in einer riesigen Stadt mitten in einer lebensfeindlichen Wüste. Durch einen missglückten Zauber, der sie eigentlich töten sollte, sind die beiden Helden Liothan und Tomeija hierher versetzt worden und suchen nun mit allen Mitteln nach einem Weg zurück in ihre Welt. Dort verband sie eine heimliche Freundschaft neben einer offiziellen Feindschaft: Liothan ist eine Art Robin Hood, tagsüber Holzfäller, nachts Dieb. Tomeija hingegen vertritt das Gesetz.

So sind die beiden nun in Wedora zwangsläufig aufeinander angewiesen, auf der Suche nach dem Weg zurück. Sie werden voneinander getrennt und müssen den jeweils anderen suchen, natürlich nicht ohne die eine oder andere Prüfung zu bestehen, Verbündete zu finden und sich neue Feinde zu machen.

Beide (vor allem aber Tomeija) entwickeln hier außergewöhnliche Fähigkeiten, angefacht von der unterirdischen magischen Quelle, die die Stadt am Leben erhält. In der Stadt und auch in der immensen Wüste tummeln sich viele illustre Figuren, fantastische Kreaturen und magische Orte.
Besonders hervorzuheben ist der allmächtige Herrscher der Stadt, den aber nie jemand zu Gesicht bekommt, eine Art Zauberer der Smaragdenstadt, oder Wizard of Oz, der scheinbar schon seit Jahrhunderten über die Stadt herrscht, wie wir den immer wieder eingefügten Legenden und Eintragungen in die Stadtchronik entnehmen können.
Außerdem werden parallel die Geschehnisse in der Heimatwelt der beiden erzählt, wo man herauszufinden versucht, was mit den beiden geschehen ist.

Mir hat die Geschichte großen Spaß gemacht, weil sie aus der Fülle von mittelmäßigen Fantasybüchern heraussticht, ohne das ich mich jetzt zum Fachmann erklären möchte.
Die Stadt und all ihre Figuren und Eigenheiten sind mit so großer Liebe zum Detail dargestellt, dass ich beim Lesen doch ab und zu mal abgedriftet bin, und mir Anschlussgeschichten überlegt habe (Fan-Fiction-Potential!). Hier gibt es noch Unmengen an Material für neue Geschichten, lieber Markus Heitz! Welche wirst du uns noch erzählen? Wird noch jemand zu den Quellen hinunter steigen? Was hat es mit dem riesigen Loch vor den Stadtmauern auf sich? Was sind das für Ruinen in der Wüste?

Für mich und vielleicht auch für euch: gute Unterhaltung!

ISBN 9783426654033

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, August 2016
608 Seiten, Klappenbroschur

€ 16,99

eISBN 9783426434512
epub, € 14,99

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Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

bühlerhöhe

(c) Ullstein

Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz meine Lieblingsliteratur (der Verlag hat diesen Titel in die Marketingkampagne Kopfkino aufgenommen, die sich an Leserinnen 60+ richtet), aber ein Buch, das ich dennoch sehr gern gelesen habe.

Wir befinden uns in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ein Kibbuz in Israel. Rosa bekommt den Auftrag, nach Deutschland zu reisen um Kanzler Adenauer zu beschützen. Rosa ist keine Agentin, Rosa gehört nicht zum Militär; mit Deutschland verbindet sie nur ihre Vergangenheit, eine Vergangenheit, die sie längst begraben hat. Dieses Land hat beinahe ihre gesamte Familie vernichtet. Doch ist sie in dem Moment scheinbar die einzige greifbare Person, die Deutsch spricht – immerhin ist sie in Köln aufgewachsen – und die den Schwarzwald sehr gut kennt, hat sie doch hier mit der Familie immer ihre Ferien verbracht.
Denn hierhin soll sie ihre Mission führen – im edlen Hotel Bühlerhöhe wir Kanzler Adenauer seine Ferien verbringen und dort droht ihm Gefahr. Eine jüdische Extremistengruppe trachtet dem Kanzler nach dem Leben, da er im Bundestag das umstrittene Wiedergutmachungsgesetz durchsetzen will, durch welches dem jungen israelischen Staat größere Summen deutschen Geldes zukommen sollen. Für die Gruppe ein Freikaufen von der Schuld, der nicht akzeptierbar ist.

Rosa wird also als mit der Lokalität vertraute auf die Bühlerhöhe geschickt, dort soll sie sich mit dem Agenten Ari treffen, der die Leitung der Mission übernehmen soll.
Die Reise nach Deutschland wird für Rosa in mehr als einer Hinsicht zu einer großen Herausforderung. Ein Land, in das sie niemals zurückkehren wollte und das doch voller auch schöner Erinnerungen steckt.
Beinahe kannman hier in der Schwarzwald-Idylle die verheerende Zeit der Nazi-Herrschaft vergessen.  Anders als in „Landgericht“ von Ursula Krechel merkt man beinahe nichts von der düsteren Vergangenheit des Landes, hier sind die Städte nahezu intakt geblieben, keine Spuren der Zerstörung sichtbar.

Doch wird der Aufenthalt für Rosa kein Zuckerschlecken. Ihr Partner, der erfahrene Agent, trifft nicht ein, die Hausdame auf der Bühlerhöhe spioniert ihr nach, es tauchen Schatten aus der Vergangenheit auf – jedoch nicht nur für Rosa. Auch für Sophie, die Hausdame, die ihr Fähnlein gerne mit dem Wind wehen lässt, was ihr die Verbannung aus der allzu nahen Heimat Strassburg eingebracht hat.
Außerdem ist da noch Agnes, die junge Auszubildende eines nahen Landgasthofes, die ein wichtiges verbindendes Element der Geschichte darstellt und eine ganz eigene naive Sicht auf die Begebenheiten dieses Sommers hat.
Kurz: in der Sommerfrische tummeln sich Geheimdienstler, Feriengäste, Handelsleute mit dubiosem Hintergrund und viele dunkle Schatten.

Brigitte Glaser hat mich mit einem Buch überrascht, das einen guten Land-Kontrast zu Krechels „Landgericht“ bietet, allerdings auch einen ungemein spannenden Agententhriller abgibt. Das Nachkriegsdeutschland ist für mich generell ein sehr interessantes Thema, leider etwas unterrepräsentiert in der derzeitigen Literatur (umso mehr freue ich mich auch auf das im November erscheinende neue Buch von Mechtild Borrmann).
Noch dazu erfahren wir eine Menge über die Flucht von Rosa und ihrer Schwester aus Deutschland, über das Leben im jungen Israel und über das schwierige Verhältnis der Geflüchteten zu ihrer einstigen Heimat Deutschland.

Die drei Hauptfiguren sind ausnahmslos weiblich und dabei so verschieden, dass es einen nur so durch die Geschichte hindurch zieht. Die verschiedenen Erzählperspektiven ergänzen sich sehr gut und geben einen differenzieten Blick auf die Geschichte, wobei die Sympathieträgerin eindeutig Rosa ist. Die naive Agnes regte mich das ein oder andere Mal mit ihrer Art wirklich auf und für Sophie kann man am Ende fast schon Mitleid empfinden, sie möchte nur das Beste für sich und scheitert dabei immer wieder aufs Neue und lässt sich von den Herren gnadenlos ausnutzen, in dem Glauben, man tue etwas für sie.

Mich hat Brigitte Glaser mit diesem Plot sehr gut unterhalten, genau die richtige Mischung aus Geschichte, Spannung und Einzelschicksalen, die glaubwürdig umgesetzt sind. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, auch wenn ich als Mann weit unter 60 scheinbar nicht zur Zielgruppe gehöre.

ISBN 9783471351260

Erschienen im List Verlag, August 2016
448 Seiten, gebunden
€ 20,00

eISBN 9783843713757
€ 16,99


 

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Geschichte, Historischer Roman, Krimi, Politik, politthriller, Regional | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sodele

Puh, ist das jetzt schon wieder lange her, seit dem letzten Beitrag hier. Aber manchmal tut sich ja auch was im ‚Real life‘, da kommt das Blog halt etwas zu kurz.

Manche haben es ja schon über andere Kanäle erfahren, die Homebase ist seit August nicht mehr das großartige Köln, sondern jetzt dann der sonnige Süden, die Kesselstadt Stuttgart. Vom scharzbunten M ging es beruflich zum weißroten O (da nehme ich zumindest die Kölner Farben mit😉 ). Der erste Monat ist schon fast rum und wie die Ex-Chefin sagen würde: „Läuft.“

In Zukunft versuche ich jetzt wieder mehr über grandiose Leseeindrücke zu schreiben, da hat sich ja in der Zwischenzeit so einiges angesammelt. Alles werde ich hier nicht unterbringen, aber fühlt euch frei, in die Buchhandlung zu kommen/gehen, sonst:

Eine kleine Auswahl, was ich während der Abwesenheit las:

Manotti: Schwarzes Gold
Glaser: Bühlerhöhe
Heitz: Wédora
Köhler: Wir haben Raketen geangelt
Hamilton: The second life of Nick Mason
Gundar-Goshen: Löwen wecken
Hilmes: Berlin 1936
Criaco: Schwarze Seelen
Bruno: Da quassù la terra è bellissima

Derzeit lese ich ‚Fremdes Land‘ von James Lee Burke, wer kennt’s?

Kennt ihr sonst eines, oder mehrere der Bücher? Wie fandet ihr sie?

Ich wünsche euch: Ein Schönes Wochenende!

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Paradox – Phillip P.Peterson

paradox

(c) Bastei Lübbe

Es gibt Science Fiction und es gibt Science Fiction. Dieses Buch gehört zur zweiten Kategorie. Ich begann mit der Lektüre, nachdem ich im Flieger Gravity gesehen hatte und war verblüfft über den doch sehr ähnlichen Einstieg. Zwar ist es hier kein Weltraumschrott, der zur tödlichen Gefahr wird, sondern im Prinzip das Management der letzten ISS-Mission, das durch Fehlentscheidungen zum Unglück führt, doch auch hier müssen sich die Besatzungsmitglieder mit der Rettungskapsel auf die Erde retten, während die Station der Verschrottung anheimfällt.
Das war natürlich sehr hilfreich bei detaillierter Verbildlichung der Eingangsszenen. Dennoch macht das Buch auch ohne den Film wirklich was her. Und das kommt nicht von selbst; in der Autorenbio heißt es: ‚Peterson ist Ingenieur für Satelitenprogramme und hat neben wissenschaftlichen Texten auch Artikel für einen Raumfahrtfachverlag veröffentlicht. Der kennt sich also in der Materie, über die er schreibt, wirklich gut aus. Was im Anhang auch durch zahlreiche Quellen unterstrichen wird.

Doch zur Story: der schon leicht betagte Ed Walker soll nach dem ISS-Desaster jetzt doch eine neue Mission anführen, ein von Multimilliardär finanziertes Projekt (inspiriert von Elon Musk). Dessen Unternehmen Centauri hat ein neuartiges Antriebssystem entwickelt, welches ein Raumschiff in verhältnismäßig kurzer Zeit an den Rand des Sonnensystems bringen soll. Genau dorthin, wo inzwischen drei Erkundungssonden verschwunden sind, bei denen kurz vor dem Verschwinden merkwürdige Anomalien festgestellt wurden. Daher ist auch David an Bord, ein junger Wissenschaftler, der sich genau mit diesem Phänomen in seiner Abschlussarbeit beschäftigt hat.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, das tut der Autor genug, erzählt das Buch von der Vorbereitung zur Mission und den damit verbundenen Schwierigkeiten, bis es schließlich – leider muss man darauf relativ lange warten – nach ca. 2/3 zum Start des Schiffes kommt und die spannende Mission in Richtung interstellarem Raum beginnt.Kein Sieg der Aufklärung |

Was die Astronauten dort finden, könnt ihr selbst lesen. Woran es mich direkt erinnert hat, ist das Bild auf der rechten Seite, dass irgendwann mal in der Schule behandelt wurde. Ob in Religion oder einem anderen Fach, ist mir leider nicht mehr geläufig. Passen würde im vorliegenden Fall allerdings sowohl Geistes-, wie auch Naturwissenschaft.

Besonders für dieses Buch eingenommen hat mich die stark ausgeprägte Gesellschaftskritik, die ich hier überhaupt nicht erwartet hatte. Im Hintergrund der Missionsvorbereitungen zeichnet sich ein atomarer Konflikt zwischen China und den USA ab, die über Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent in einen verbitterten Kampf verwickelt sind. Es wird das Bild einer zukünftigen Erde gezeigt, die leider momentan viel zu realistisch erscheint. Vom dummen Nationalismus, über Ressourcenkriege und große Völkerwanderungen ist das düstere Hintergrundbild logische Konsequenz derzeitiger Weltpolitik.
Bezeichnend ist der Kommentar des Missionskommandanten beim Anblick der vorbeiziehenden Erde kurz vor dem Abflug aus dem Orbit:

Alle Staatsoberhäupter müssten das hier mit eigenen Augen sehen, bevor sie ihr Amt antreten, dann gäbe es keine Kriege mehr und auch keine Verschmutzung in dem Ausmaß, wie sie auf der Erde stattfindet.

Seid vorgewarnt: wenn ihr Happy Ends mögt, ist dieses Buch nichts für euch. Solltet ihr aber den Marsianer und Gravity gerne gelesen/gesehen haben, ist das Buch genau richtig für euch.

ISBN 9783404208432

Erschienen im Verlag Bastei Lübbe, Dezember 2015
(leider bietet der Verlag keine Infos über Orginaltitel und Übersetzung)
478 Seiten, kartoniert

€ 9,99

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Atom – Stephanie Cooke

atom

(c) KiWi

Heute vor 30 Jahren wurde der Welt vor Augen geführt, dass auch eine ‚zivile‘ Nutzung der Atomkraft keineswegs sicher ist, sondern ebenso zu Tod und Verderben führt, wie die militärische. Doch Tschernobyl war nicht der erste und nicht der letzte GAU.

Dieses Buch, dass vor Jahren eher zufällig zu mir kam, erzählt detailliert die Geschichte des nuklearen Zeitalters. Es führt uns vor Augen, dass eine zivile Nutzung nie ohne die militärische zu haben war, ist und sein wird. Stephanie Cooke hat intensiv recherchiert und schildert bekannte Katastrophen ebenso wie verschwiegene und solche, bei denen wir harscharf am Unglück vorbeigeschrammt sind. Wir erfahren von Verstrickungen der Industrie mit dem Militär, von dubiosen Geschäften und der allgegenwärtigen Gefahr der schmutzigen Bombe. Es geht, wie so oft, auch hier um Macht.

Das Ganze klingt jetzt vielleicht etwas trocken, ich kann euch aber versichern, dass das Buch spannend ist wie ein Thriller, wie eine Mischung aus Spionage- und Wirtschaftskrimi. Trotz der unglaublichen Fülle an Informationen wurde mir bei der Lektüre nie langweilig. Wohl auch, weil das ein Thema ist, das uns alle immer beschäftigen sollte. Nicht nur an Jahrestagen, sondern immer wieder. Atom ist eines der besten Sachbücher, die ich bisher gelesen habe!

Die allgegenwärtige Gefahr wird ignoriert, es werden marode Reaktoren wieder in Betrieb genommen, wie gerade wieder in Belgien geschehen. Ja es gibt sogar Länder, die neue Atomkraftwerke planen und bauen – auch mit deutscher Beteiligung (soviel zum deutschen Atomausstieg!)

30 Jahre Tschernobyl und wir haben nichts gelernt. Erschreckend!

ISBN 9783462043730

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, April 2011
Aus dem Englischen übertragen von Hans G. Holl
Originaltitel: In mortal hands
592 Seiten, Taschenbuch

€ 9,99

Auch erhältlich zum digitalen Lesen.

Was jeder tun kann:

Wenn ihr lieber was belletristisches zum Thema Tschernobyl lesen wollt, empfehle ich Mechthild Borrmanns ‚Die andere Hälfte der Hoffnung‘.

Kategorien: Geschichte, Politik, politthriller, reportage, Sachbuch, Thriller, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Blutsbrüder – Ernst Haffner

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(c) Metrolit

Als erstes und vor allem anderen einen riesigen Dank an Peter Graf für die Wiederauflage dieses Buches! Es ist beinahe nichts bekannt über den Autoren Ernst Haffner und dies ist sein einziges Werk. Doch eines das aus der Masse der Titel heraussticht, zumindest heute, über 80 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen.

Zwischen den Weltkriegen lebten tausende Kinder in den Straßen deutscher Großstädte, elternlos, obdachlos – bedingt durch Krieg und Wirtschaftskrise.
Ernst Haffner erzähhlt von einer Gruppe dieser Kinder, der Clique Blutsbrüder, die sich als Kleinkriminelle über Wasser halten, von einem Tag zum nächsten leben, von der Hand in den Mund, froh wenn sie auf einer verlausten Matratze die Nacht verbringen können anstatt unter freiem Himmel.
Alle Kinder unter 21 Jahren wurden damals in Heime gesteckt, um der Verwahrlosung vorzubeugen, dem Abdriften in kriminelle Kreise. Doch wie man das von Gefängnissen hört, waren auch diese Heime eher für Gegensätzliches gut. Und der unbedingte Wille zur Flucht, der Drang zur Freiheit dieser Jugendlichen war unbändig. Doch einmal geflohen aus dem Erziehungsheim, war man quasi als Krimineller auf Listen der Polizei und konnte ohne entsprechende Papiere auch keine legale Arbeit annehmen. Was blieb also anderes übrig, als die Kriminalität. Und wer kein Talent beim Taschendiebstahl hatte, der verkaufte eben seinen Körper.

Anhand der Clique der Blutsbrüder zeigt Haffner uns einige dieser Schicksale exemplarisch auf und man merkt, dass er als Sozialaarbeiter gearbeitet hat und sicher eng mit solchen Jungen zu tun hatte, ist seine Geschichte doch unglaublich authentisch, bildlich geschrieben, als wäre man dabei gewesen. Blutsbrüder ist die dreckige, proletarische Seite der Goldenen Zwanziger, ist Leben auf der Straße, Schlafen in Streusandkisten.
Blutsbrüder ist der schale Bierrest in einer Kneipe im Münzviertel, während am Ku’damm zu Champagner und Kaviar getanzt wird.

Was aus diesen Jungen im aufdämmerden Faschismus geworden ist, bleibt unserer Fantasie überlassen. Ebenso, wie der Bezug zu unserer heutigen Gesellschaft, die immer weiter auseinander driftet, in der mehr und mehr Leute auf der Straße leben (oder geht das nur mir so, dass ich immer mehr Obdachlose und Bettelnde sehe?).

Nicht zuletzt ist Blustbrüder ein Zeitdokument europäischer Geschichte und ein großartiges Stück deutsche Literatur. Gerade erschien nach der englischen auch eine italienische Ausgabe.

ISBN 9783849300685

Erschienen im Metrolit Verlag, August 2013
240 Seiten, gebunden

€ 19,99

Für’s kleine Geld gibt es inzwischen auch schon eine Taschenbuchausgabe im Aufbau Verlag und außerdem ein Hörbuch, und eine ebook-Ausgabe.

Das Buch wird auch auf  54books und auf Literaturtourismus zur (Schul)-Lektüre empfohlen.

Kategorien: Aufbau, Belletristik, Deutsche Literatur, Geschichte, Politik, reportage | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Ein neues Zuhause für die Kellergeigers – Jean-Claude Grumberg

kellergeiger

(c) Jacoby & Stuart

Heute mal was ganz anderes: ein Kinderbuch. Wer dazu mal ein Proseminar besucht hat, wird wissen, dass man sich da erstmal einigen muss, was ein Kinderbuch ist. Von Kindern geschrieben, oder für Kinder? Oder ganz anders. Und wer ist Kind und wann hört das Kindsein auf?

Bei diesem Buch spielt das eigentlich gar keine Rolle, denn es ist ein klassischer All-Age Titel (was jetzt sicher ein Widerspruch ist, Verlagsmenschen werden verzweifelt aufheulen).

Jean-Claude Grumberg erzählt die Geschichte der Kellergeiger, einer Familie, die zum Völkchen der Kellergeiger gehören. Kellergeiger gibt es überall auf der Welt und sie leben mitten unter uns. Und doch gehören sie irgendwie nicht dazu.

Weil diejenigen, die nur dort zuhause sind, wo sie geboren sind und nirgendwo anders, die Kellergeiger nicht mögen. Auch die nicht, die in ihrer Nähe geboren sind.

Sie sind die ewig Ausgegrenzten, sie sind wie du und ich. Ausgegrenzt ohne wirklichen Grund, einfach nur weil. Sie sind auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich endgültig zu Hause fühlen können und durchwandern daher ein Land nach dem anderen, oft mehr unfreiwillig als freiwillig, werden in Rollen gepresst, die nicht zu ihnen passen, die ihnen gar schaden.
Es ist eine exemplarische Geschichte über Xenophobie, eine Geschichte über besorgte Menschen und ihre Angst vor dem vermeintlich Fremden, erzählt aus der Perspektive der Ausgegrenzten.

„Warum müssen oder sollten die Kellergeiger ein K über der Nasenwurzel tragen?“
„Damit man sie erkennt.“
„Damit man sie erkennt?“
„Ja, ohne das K kann man sie nicht erkennen.“

In jedem Land werden sie anders behandelt, und doch werden sie immer als anders behandelt.

Das beste Mittel gegen Angst vor dem Fremden ist, das Fremde zu etwas Bekanntem zu machen. Denn jeder von uns ist irgendwo fremd.
Als kleine Hilfestellung gibt es diese nette kleine Buch für Kinder von 10 bis 110 Jahren, das noch dazu mit tollen Illustrationen von Ronan Badel gestaltet ist.

Als Anschlusslektüre (und auch sonst immer) empfehle ich: Hiob von Joseph Roth

ISBN 9783941787223

Erschienen im Verlagshaus Jacoby & Stuart, März 2016
Aus dem Französischen übertragen von Edmund Jacoby
Originaltitel: Les Vitalabri
96 Seiten, gebunden

€ 12,95

Zur Leseprobe

Kategorien: französische Literatur, Jugendbuch, kinderbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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