Silo – Hugh Howey

Silo

Copyright Piper Verlag

Was für ein unglaublich spannendes Buch! Und das von einem Schreiber-Neuling. Dies ist Hugh Howey erstes Buch, man mag es kaum glauben.

Science Fiction klingt für viele sicher nach Star Wars oder Star Trek. ‚Silo‘ fällt für mich eher in die Kategorie Minority Report oder Matrix. Doch erstmal zur Geschichte:

Irgendwann in der Zukunft. Die Erdoberfläche ist toxisch, nichts lebt hier mehr, man stirbt innerhalb von Augenblicken. Die Menschen leben in einem riesigen unterirdischen Silo. Mehrere hundert Stockwerke tief in die Erde gebohrt, gibt es nur eine einzige Verbindung zur Außenwelt: Kameralinsen, die knapp über der Erdoberfläche am einzigen Ausgang des Silos angebracht sind. Diese Linsen übertragen nicht nur Bilder von draußen ins Silo, sondern dienen auch der Messung der Gifte in der Luft.
Im Silo herrscht ein striktes Gesetz, der sogenannte Silovertrag. Wer dagegen verstößt, wird verstoßen. Das heißt, er wird aus dem Silo verwiesen. Dieses Todesurteil hat einen mysteriösen Nebeneffekt. Jeder, der hinaus geschickt wird, bekommt einen Schutzanzug und Reinigungsutensilien, um die Linsen der Kameras zu reinigen. Und bisher hat noch jeder die Reinigung vorgenommen, so sehr sich auch alle dagegen gewehrt haben, solange sie in der ‚Todeszelle‘ saßen.

Der erste Teil des Buches beginnt nun damit, dass sich der Sheriff des Silos freiwillig in die Todeszelle setzt und nach draußen geschickt werden will. Drei Jahre zuvor ist seine Frau in den Tod gegangen und seitdem grübelt Sheriff Holston darüber nach, warum sie trotz all dem, was sie wusste, dennoch die Reinigung vorgenommen hat. Seit drei Jahren nun betrachtet er auf dem großen Bildschirm, der die Außenwelt zeigt, den dunklen Fleck zwischen den Hügeln, welcher der verwesende Körper seiner Frau ist. Und innerhalb dieser drei Jahre ist er an den Punkt gelangt, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als sich dort neben sie zu legen und auf diese Weise wieder bei ihr zu sein.

Gleichzeitig machen sich nun der Deputy und der Mayor auf in die unteren Etagen, denn dort arbeitet ihr Kandidat für die Nachfolge des Sheriffs, die junge Juliette Nichols. Im Zuge ihrer Reise, bekommen wir ein gutes Bild des Silos, denn sie reisen buchstäblich von der Oberfläche bis zum Boden des Silos, mehr als hundert Stockwerke in die Erde hinein.
Ihr erster Stopp ist der in der IT-Abteilung. Hier werden uns jetzt die heimlichen Herrscher des Silos vorgestellt: eben jene IT-Abteilung. Sie sind die Herrscher über die Kameras, für sie gibt es eine exklusive Stromversorgung und hier ist auch das gesamte Wissen des Silos gespeichert. Die Erinnerung des Silos geht allerdings nur zurück bis zu einem Aufstand, der vor einigen Generationen im Silo gewütet hat. Alles, was davor geschah, ist unbekannt. Zumindest offiziell.
Und ebenso hier, in den Dateien der IT-Abteilung hat Sheriff Holstons Frau auch das Geheimnis gefunden, welches es ihr unmöglich machte, noch länger im Silo zu bleiben, aufgrund dessen sie schließlich ihr eigenes Todesurteil besiegelt hat.

Das alles ist erst der Anfang des Buches, welches Hugh Howey anfangs in Eigenregie heraus gebracht hat. Im Original sind so die fünf Teile des Buches als eine Art ebook-Fortsetzungsroman entstanden. Howey bezog Lob und Kritik seiner Leser in die Entstehung des jeweils nächsten Teiles ein, was sicher nicht geschadet hat. Aufgrund des großen Erfolges liegt ‚Silo‘ jetzt auch als komplettes Buch vor, sogar bereits in verschiedenen Übersetzungen.

Das Silo wird uns hier nicht nur als Zufluchtort der Menschen präsentiert, sondern dient auch als das Symbol einer Klassengesellschaft. In den oberen Stockwerken arbeiten und wohnen die administrativen Teile der Gesellschaft, am Übergang zum mittleren Teil ist die Enklave der IT-Abteilung angesiedelt, die den heimlichen Herrscher über die ganze Gesellschaft darstellt (in diese Richtung bewegen wir uns ja auch schon seit einiger Zeit). Es folgen dann im mittleren Teil die Versorgungsabteilungen, Krankenstation, die botanischen Einrichtungen etc. Ganz unten am Boden des Silos finden wir die Mechanikabteilung, die von den oberen Stockwerken mehr oder weniger verachtet wird, die Menschen hier sind permanent ölig/schmutzig und halten doch im Innersten das ganze Silo am Laufen, denn hier wird Wärme erzeugt und Strom, sowie Wasser und Luft gereinigt.
Das nun der neue Sheriff eine junge Frau aus eben jener Mechanikabteilung sein soll, jemand von ganz unten nach ganz oben geholt wird, birgt an sich schon Eskalationspotential, doch es kommt alles noch schlimmer (oder besser für uns Leser!).

Eine düstere Zukunftsvision also, die allerdings bei genauerem Nachdenken nicht ganz so unrealistisch erscheint. Vor allem, wenn man gegen Ende des Buches erfährt, aus welchem Grunde die Menschen im Silo leben und was es mit der Kontaminierung der Erde auf sich hat.
Ich sage nur noch einmal: Großartig! Das Buch fängt spannend an und wird dann einfach immer noch besser! Mehr mehr mehr davon!

P.S. Als gedrucktes Buch gibt es nur alle fünf Teile komplett, mit Lesebändchen und gelbem Buchschnitt, bibliophiles Schmankerl quasi. Die ebook-Leser können die Teile auch einzeln lesen, den ersten gibt es sogar kostenlos als Aperitif.

Bibliografisches:

EAN 9783492055857

Erschienen im Piper Verlag, März 2013
Aus dem Englischen übertragen von Gaby Wurster und Johanna Nickel
Originaltitel: Wool
531 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook-komplett, ebook in Einzelteilen, zum Hören und im englischen Original. P.S. Gibt es jetzt auch im Taschenbuchformat!

Da das Buch so toll ist, hat es natürlich eine eigene Facebook-Seite, es gibt einen Trailer zum Original und die Kollegen von Piper haben auch einen Trailer gemacht. Da mir der amerikanische ein bisschen besser gefällt, gibt’s den hier:

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Kategorien: Fantasy, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Silo – Hugh Howey

  1. Der Vollständigkeit halber; hier könnt ihr jetzt meine Eindrücke zum zweiten Teil der Wool-Saga lesen: https://analoglesen.wordpress.com/2013/07/01/shift-hugh-howey/

  2. Diese Buchbesprechung hat mich total überzeugt. Der Roman ist sofort auf meine Wishlist gewandert. Ich warten noch, bis er etwas erschwinglicher wird.

    • Hurra! Habe den Roman heute geschenkt bekommen und musste schon beim Reinlesen aufpassen, dass ich mich nicht festlese. War wirklich ein guter Tipp!

  3. Science-Fiction sehe ja lieber als das ich mich in entsprechende Romane vergrabe. Ein bisschen erinnert mich Deine Skizze der Silo-Situation an die ein oder andere Folge aus der Voyager-Serie (lebten die Occampa (?) nicht unter der Erde). Also sehr, sehr spannend. Aber: Ich würde die Geschichte ja lieber von Dir erzählt bekommen (oder nachlesen) als sie selber zu lesen. Nach dem vielversprechenden und spannenden Anfang (ich würde jetzt schon gerne mehr über das Geheimnis aus den Akten der IT-Abteilung wissen) könntest Du doch einfach noch ein bisschen weiterschreiben…?!
    Schöne – verschneite – Ostertage, Claudia

  4. Eigentlich bin ich ja kein großer Fan von Fantasyliteratur, „Silo“ klingt aber nach einem wirklich spannenden und lesenswerten Buch! Ich werde mich einfach mal an der Leseprobe versuchen und danke dir, für diesen wunderbaren Tipp.

    Schöne Ostertage! 🙂

    • Vielen Dank, das wünsche ich auch. Und ja, das mit dem ersten Teil gratis ist eine Superoption um da mal rein zu lesen. Mal sehen ob es dich so fesselt wie mich…

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