Vakuum – Lukas Jüliger

vakuum

Copyright Reprodukt

Die Langeweile der Vorstadt kann tödlich sein. Mehr als du denkst. Ganz genau so geht es auch dem Jungen in Lukas Jüligers Debüt ‚Vakuum‘.

Es sind die letzten Schultage vor den Sommerferien, vor dem Abschluss. Danach heißt es: School’s out for summer, school’s out for ever!
Beim Tagträumen in einer versteckten Ecke hinter dem Schulgebäude steht plötzlich dieses Mädchen über ihm. Es ergreift die Initiative, die ihm immer gefehlt hat und spricht ihn an. Schnell werden die beiden Freunde und bald auch mehr als das. Es geschieht endlich etwas im Leben des Jungen. Und das war endlich mal nötig, denn Freunde hat er keine (mehr).

Sein einziger Freund ist bei einem Experiment der beiden mit halluzinogenen Blumen irgendwo im Äther hängengeblieben, zumindest der interaktive, menschliche Teil seiner Persönlichkeit. Seitdem entledigt er sich seiner Besitztümer und legt auch sonst einer erhöhte Zerstörungswut an den Tag. So trifft man ihn  schon mal des Nachts auf dem Parkplatz, wo er seine Möbel verbrennt. Man könnte direkt sagen, er befindet sich in einer Art aktivem Wachkoma.

Doch zurück zu dem neuen Mädchen in seinem Leben, denn da gibt es etwas, dass den Jungen stört, verstört und befremdet. Bei jedem Zusammensein der beiden kommt der Augenblick, an dem das Mädchen auf einmal dringend weg muss. Egal, wie nah sich die beiden auch gerade noch waren – zack, verschwindet sie und er bleibt verdutzt zurück.

Was es mit diesem Geheimnis auf sich hat, erfährt man später, denn der Junge entschließt sich, dem Mädchen zu folgen. In den Wald zu einem alten Wohnwagen und in diesem, durch den Küchenschrank in ein Erdloch…

Eine Szene, die man am Anfang erstmal für unwichtig hält, wird später noch große Bedeutung bekommen: der Junge beobachtet einen anderen, wie der am frühen Morgen eine Matratze den Hang hinauf in den Wald trägt. Eine tragische Geschichte wird sich daraus ergeben, denn der Junge mit der Matratze bringt sich dort um. Aber nicht nur sich. Und sein Bruder wird daraufhin zum apokalyptischen Engel der Geschichte.

Anhand der Farbgebung kann man sich im Prinzip schon von Beginn an denken, dass diese Erzählung keine lustige sein wird. Düstere Erdtöne bestimmen die Seiten, ganz so wie das Cover es schon vorgibt. Dort sieht man übrigens schon die drei Hauptfiguren, ganz so, wie sie auch im Buch agieren werden – einander verbunden, dennoch getrennt.
Ich hatte vor der Lektüre nur noch eine düstere Erinnerung, dass dieses Debüt beim Erscheinen an verschiedenen Stellen gelobt worden war. Von der Geschichte selber allerdings nur eine sehr vage Vorstellung. Umso mehr war ich dann beeindruckt von der tragischen Intensität der Bilder, ebenso wie von den kreativen Einfällen des Autor, wodurch die Geschichte nie langweilig wird.

Da die Graphic Novel für mich so etwas der Schnittpunkt zwischen Film und Literatur ist, ziehe ich hier mal den Vergleich zum bewegten Bild. Wenn ihr also Filme mögt und nicht so richtig wisst, ob das Buch etwas für euch sein könnte – die Story könnte auch ein Film sein, der sich bewegt zwischen Larry Clark, David Lynch und Gus Van Sant.

Ich freue mich immer, wenn es eine tolle neue Graphic Novel von einem deutschen Autor gibt, neben den alten Größen Kleist und Kreitz und wenn es dann noch eine derart beeindruckende ist, natürlich umso mehr.

Absolute Leseempfehlung!

Hier findet ihr eine Leseprobe: Vakuum

Bibliografisches:

EAN 9783943143157

Erschienen im Reprodukt Verlag, Januar 2013112 Seiten, kartoniert

€ 20,00

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Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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