Kalte Macht – Jan Faber

kalte macht

Verlag Page & Turner

Da wir uns gerade in der heißen Phase vor der Bundestagswahl befinden, trifft es sich natürlich gut, dass ich kürzlich den Polithriller ‚Kalte Macht‘ von Jan Faber gelesen habe. Erschienen ist das Buch schon Mitte Juli, was jedoch vom Verlag sicher so geplant war, dass es rechtzeitig zur Wahl seine Leser findet. Für den Buchhandel wurde das ganze recht mysteriös und aufwendig inszeniert, mit ordentlich patriotistischer Geheimniskrämerei.
Passenderweise, wie man allerdings dazu sagen muss, haftet dem Buch doch mehr als ein Geheimnis an. Das erste springt einen schon vom Cover an, denn bei dem Autor Jan Faber handelt es sich um ein Pseudonym, dessen wahre Identität nicht einmal dem Verlag bekannt ist, wie der beiliegende Brief uns mitteilte und welches wohl auch nicht gelüftet werden wird, da dies dem Autor offensichtlich zu heiß ist.
Um zu beurteilen, ob dies gerechtfertigt ist, befinde ich mich nicht tief genug in der Politszene. Aber es tut ja dem Roman und uns Lesern nichts.

Laut der Verlagsinfo war die Person hinter Jan Faber [… in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten (…) beratend und strategisch für hochrangige Regierungsmitglieder sowie für weitere bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft tätig. Er pflegt Kontakte in alle politischen Lager und hat in diversen deutschen Leitmedien publiziert.]

Verständlich also? Wohl schon, wenn er auch weiterhin seine guten Kontakte pflegen will. Gut für uns, möchte man sagen, versorgt er uns doch mit einer detailreichen Innenaufnahme aus dem Bundeskanzleramt und den verschiedensten Seilschaften in den oberen Etagen der bundesdeutschen Berufspolitiker.

Doch kurz zum Plot: Natascha Eusterbeck ist ein aufgehender Politstern, hat im mecklemburgischen auf Regionalebene schon Verantwortung übernommen und wird jetzt von der Bundeskanzlerin als Parlamentarische Staatssekretärin eingesetzt und kommt somit aus der Provinz direkt in die Berliner Schaltzentrale der Macht.
Neben ihrem offiziellen Auftrag, Sturktur- und Effizienzverbesserungen zu finden, bekommt sie von der Kanzlerin einen inoffiziellen obendrauf: sie soll die versteckten Seilschaften und Netzwerke der Mitarbeiter ausfindig machen.
Doch schon nach kürzester Zeit bekommt sie erste Drohmails und es ist schnell klar, dass sich Natascha weder  mit dem einen, noch viel weniger aber mit dem inoffiziellen Auftrag hier irgendwelche Freunde machen wird.

Parallel wird Natascha von einer Frau kontaktiert, die offenbar als Prostituierte arbeitet und sagt, dass sie auspacken will und nun bedroht wird. Da Treffen mit ihr wiederholt fehlschlagen, versucht Natascha sie zu finden, unter Mithilfe ihres Mannes, der ihr auch bei der Arbeit im Kanzleramt zur Seite steht. Doch wo sie sich im beruflichen Bereich nahe sind, entfernen sie sich im privaten immer und immer mehr voneinander. Nicht zuletzt, weil sich ihr Mann in eine Affäre stürzt, die kein gutes Ende voraus ahnen lässt.

Zwischen den Kapiteln wird auf jeweils einer Seite ein Parallelgeschehen im Minutentakt vorangetrieben. Ein offensichtlich ‚hohes Tier‘ -immerhin ist er mit einer Wagenkolonne unterwegs- macht sich auf den Weg. Wohin weiß man nicht, spielt aber auch keine Rolle.

Im Kanzleramt deckt Natascha eine Seilschaft nach der anderen auf, zieht Verbindungen – von einem zum anderen, Politik-Politik, Politik-Wirtschaft, alte Garde, junge Aufsteiger – und negiert diese wieder. Schnell wird klar, dass es zwar oberflächliche Verbindungen gibt, wenn es hart auf hart kommt, sich jedoch jeder selbst der Nächste ist (kennt man ja).

Natascha Eusterbeck gerät mehr und mehr in den Strudel der Machtzirkel, wird bedroht und eingeschüchtert, denn sie kratzt an einem Geheimnis, dass keiner aufgedeckt wissen will. Steckt am Ende gar die Kanzlerin selbst in der ganzen Geschichte mit drin? Aber wieso hat sie diesen Auftrag dann überhaupt erst ersonnen?

Wie klingt das für euch? Ich muss sagen, es handelt sich um einen unglaublich spannenden Politthriller, Verschwörungskrimi oder einfach nur um gut gemachte Unterhaltung auf hohem Niveau. Spannend und mitreißend geschrieben und vollgepackt mit Informationen, die man der Presse sicher nicht entnehmen kann. Für alle die sich für Politik interessieren, ein absolutes Lese-Muss!
Aktuell, so wie Politik immer aktuell ist. Brisant und gewagt obendrein.
Vielleicht ja auch noch eine vorbereitende Lektüre für die kommende Bundestagswahl?! 😉

Und übrigens: Nachdem ich jetzt im Zuge der Niederschrift dieses Artikels ein bisschen zu den im Buch angesprochenen Vorfällen recherchiert habe (warum hab ich das eigentlich während der Lektüre nicht gemacht??!), verstehe ich auch, warum Jan Faber lieber Jan Faber ist. Auch wenn für das vorliegende Werk selbstverständlich gilt (und das wurde so im Buch vorne vermerkt):

Dieses Buch ist ein Roman. Das Beschriebene hat sich so nicht wirklich ereignet. Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Personen waren aber ufgrund der Natur der Sache nicht immer vermeidbar. Sie sind nicht beabsichtigt, aber von der grundgesetzlich geschützten Freiheit der Kunst umfasst.

Zur Anschlußlektüre (und die Betonung liegt auf danach) empfehle ich euch in diesem Zuge noch diese beiden Artikel, die vielleicht bei der Einordnung helfen, wenn ihr das politische Geschehen noch nicht seit 30 Jahren verfolgt: Merkel in der FAZ und dieses Portät eines Bankmanagers. Hierbei handelt es sich aber natürlich nur um kuriose Spekulationen meinerseits.
Das Buch sei euch nichtsdestotrotz, auch ohne Verschwörungstheorien, sehr ans Herz gelegt.

Der Verlag stellt euch außerdem natürlich eine Leseprobe zur Verfügung: Kalte Macht.

Bibliografisches:

ISBN 9783442204212

Erschienen im Verlag Page&Turner, Juli 2013
443 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook.

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Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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