Abgebrochenes

Zu kurze Aufmerksamkeitsspanne, kein Bock, oder einfach nur schlechte Bücher? Was ich sonst ungern und fast nie tue, kam in letzter Zeit häufiger vor. Ich habe ein Reihe von Büchern abgebrochen, ungewöhnlich viele für meine Verhältnisse. Leider!? (Vielleicht hat ja die Bücherschwemme auf dem deutschen Markt ihren Peak erreicht…)

Zuerst war da ‚Ich gegen Osborne‘ von Joey Goebel. Eine Junge hast die Welt, seine Mitschüler, oder vielleicht auch sich selbst. Oder aber alle hassen ihn, oder er bildet sich das alles nur ein. Wir folgen ihm von Klassenzimmer zu Klassenzimmer und dürfen an seinen Reflektionen über die Menschheit und sich selbst teilnehmen.Wenn ich mich recht erinnere, habe ich bei der dritten Unterrichtsstunde aufgehört. Premiere für ein Diogenesbuch bei mir, dabei wurde das Buch doch so gelobt.

Kurze Zeit später begann ich seit langem mal wieder einen historischen Roman zu lesen, noch dazu einen, der in der Leseexemplar-Ausgabe eine persönliche Empfehlung des Vertriebschefs (vielleicht war es auch der Programmdirektor) des Verlags enthielt, in der das Buch in den höchsten Tönen gelobt wurde. ‚Das Salz der Erde‘ stellte sich aber für mich als zu dröge heraus. Bis Seite 600 bin ich immerhin gekommen, bei diesem Buch ist das nur knapp die Hälfte. Der Geschichte fehlte der Drive, es ging nicht richtig voran und nachdem sich zum dritten Mal die Machtverhältnisse in der kleinen Stadt an der Mosel geändert hatten und trotzdem alles einfach so weiterplätscherte, habe ich das Buch dann zur Seite gelegt. Um es in der Sprache der Germanistik auszudrücken: das retardierende Moment wurde zu einer retardierenden Ewigkeit und selbiges der Todesstoß für das Lesevergnügen.

Ähnliches passierte mir mit Clemens Meyers ‚Im Stein‘. Von seinem Debüt war ich hellauf begeistert und freute mich nun riesig, das endlich ein neuer Roman erschienen war, der noch dazu gelong- und dann auch noch geshortlistet wurde für den Deutschen Buchpreis. Doch: Oh, welche Enttäuschung. Was wohl ein experimentierfreudiges Projekt sein sollte, wurde für mich zur Lesequal. Geschichten aus dem Rotlichtmillieu Leipzig, aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass es für mich eher den Eindruck erweckte, als könnte Meyer sich nicht entscheiden, aus welcher Perspektive er die Geschichte denn nun erzählen wollte und es daher einfach mal aus jeder versuchte. Am Anfang ist das interessant, irgendwann nervt es dann aber nur noch und so flog das Buch in die Ecke (oder wanderte abgebrochen ins Regal).

Jetzt frage ich mich: Wie kommt es, dass sich die Abbrüche in letzter Zeit häufen? Geht es euch ähnlich? Oder hatte ich einfach nur Pech bei der Auswahl meiner Lektüre? Vielleicht liegt es aber auch nur an der statistischen Wahrscheinlichkeit – wer viel liest, der stößt auch schneller mal auf schlechte Bücher…. Who knows!? Zum Glück gibt es ja aber auch noch Unmengen von richtig guten, anspruchsvollen und unterhaltenden Büchern.

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Kategorien: Anderes, Belletristik, Blog, Deutsche Literatur, Deutscher Buchpreis DBP | Schlagwörter: , , , , | 10 Kommentare

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10 Gedanken zu „Abgebrochenes

  1. Hallo,
    Ich habe in letzter Zeit auch einige Bücher abgebrochen. „In 80 Tagen um die Welt“ von Helge Timmerberg habe ich nach über der Hälfte abgebrochen. Seine Jammerei ging mir so auf die Nerven. Ich lese zur Zeit Lookwood und Co, eigentlich wollte ich das Buch schon nach 70 Seiten abbrechen, da es so langweilig geschrieben ist und die eigentliche Handlung erst ab Seite 250 beginnt, da ich aber nur noch 20 Seiten zu lesen habe, beende ich es halt.
    Manche Bücher eignen sich einfach nur für die Tonne!
    LG,
    Petra

  2. Ich habe auch eine ganze Reihe abgebrochen, weil das erste Buch nichts dolles war.
    Liebe Grüße, Gregor

  3. Auch ich tue mich extrem schwer damit, Bücher abzubrechen, leide regelrecht und habe ein schlechtes Gewissen. Dementsprechend selten tue ich das auch. Dieses Jahr bisher nur einmal, und zwar ausgerechnet bei meinem letzten Buch (vielleicht ist das wirklich eine schlechte Zeit fürs Lesen?): Jerome Charyns Unter dem Auge Gottes. Ich war so euphorisiert von der Tatsache, dass der Krimikritiker Thomas Wörtche eine neue Reihe in dem schönen Verlag diaphanes herausgibt, dass ich mir gleich den ersten Titel gekauft habe, ohne mal reinzulesen oder mich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen. Hätte ich das getan, wäre mir vermutlich aufgefallen, dass es sich um den 11. (!) Teil einer Krimiserie handelt, und ich hätte ahnen können, dass ich da unmöglich reinfinden kann. Und genau so war es dann auch, ich hatte überhaupt keinen Zugang zu den Figuren und der Story. Also: nach qualvollen 150 Seiten (vorher habe ich es nicht übers Herz gebracht) abgebrochen.

    Bei Clemens Meyer habe ich durchgehalten, aber das lag ja auch daran, dass ich ihn für das Buchpreis-Projekt gelesen habe. Deinen Unmut kann ich jedenfalls nachvollziehen.

  4. Oh, mir geht es im Moment auch so. Ich habe gerade Petra Morsbachs „Dichterliebe“ zur Seite gelegt, weil ich ganz einfach nicht wirklich nachvollziehen kann, auf welche DDR-Schriftsteller und Dichter sie verweist, dazu fehlen mir Biographien der einzelnen. Und auch Schnitzlers „Traumnovelle“ ist eher zum Einschlafen. Ich kann damit aber gut leben und quäle mich nur noch durch Pflichtlektüre. Alles andere bekommt in ein paar Jahren noch einmal eine Chance.

  5. Ich habe früher kein Buch abgebrochen, sondern mich wirklich durch jede Lektüre durchgequält, auch wenn sie überhaupt nicht zu mir gepasst hat. Mittlerweile mache ich das nicht mehr. Ist ja Zeitverschwendung. Der Markt ist schließlich voll von (guten) Büchern, da darf man sich als Leser nicht aufhalten lassen.

    Ich denke auch, dass man manchmal eine Pechsträhne hat. Ist mir selbst schon aufgefallen, dass ich oft monatelang kein einziges Buch abbrechen muss und dann folgt wieder eine Zeit, wo ich gleich mehrere hintereinander abbreche.

    IM STEIN liegt noch auf meinem SuB. Bin gespannt, ob es mir gefallen wird, denn die Meinungen der Leser gehen da sehr weit auseinander. ICH GEGEN OSBORNE wollte ich noch lesen, doch nach deiner kurzen Kritik oben im Beitrag, bin ich mir nicht mehr sicher, ob es tatsächlich ein Buch für mich ist.

    Also viel Glück, dass du deine Pechsträhne überstanden hast und nun wieder zu einem tollen Buch greifst! Liebe Grüße, Iris

    • Danke, ich glaube es bessert sich schon. Hab grad mal wieder was historisches gelesen, das mir gut gefallen hat (auch ein schwieriges Genre, wo man schnell mal Pech hat) – Besprechung folgt. Und jetzt habe ich gerade den neuen Eschbach angefangen, ist mein erster – mal schauen…

      • TODESENGEL?
        Der liegt auf meinen SuB und wird ebenfalls mein erster Eschbach;).
        Viel Spaß beim Lesen! LG Iris

  6. So Phasen gehören halt leider auch dazu. Hatte ich dieses Jahr auch schon…wer viel liest eben…
    🙂

  7. Das hat sicherlich mit der statistischen Wahrscheinlichkeit oder eben einfach mit Pech zu tun. Ist mir auch schon passiert. Den Meyer habe ich mir ebenfalls bereits zugelegt, da ich „Als wir träumten“ auch phantastisch fand. Aber die kritischen Stimmen zu „Im Stein“ häufen sich, jetzt bin ich langsam richtig gespannt, wie es mir damit ergehen wird.

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