Wer braucht denn schon was Neues?

Bannaleccazonbonnetsimon

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einiger Zeit wurde schon auf KrimiLese darüber geschrieben und auch MyCrimeTime stellt leicht verärgert Fragen nach dem sich ausbreitenden Virus des immergleichen Krimis.

Und da ich in den neuen Vorschauen auf neue Exemplare gestoßen bin, also jetzt auch hier, frei nach dem alten Sesamstraßen-Motto: Wieso, Weshalb, Warum?
Vermutlich funktioniert es ein bisschen so, wie bei den großen Fernsehshows: einer entwirft ein Konzept und verkauft es dann in die Welt, eine Art Franchise-System. Das Resultat ist für alle erfreulich: egal in welchem Land man den Fernseher einschaltet, im Prinzip läuft überall das gleiche. Sei es The Voice Germany, The Voice UK, Australia oder wo auch immer (eines von vielen Beispielen). Das Konzept ist überall gleich, das Studio-Design ist überall gleich, ja sogar die Songs sind oft gleich.

Und bei den Krimis? Da ist das Erfolgskonzept zur Zeit auch eher einfach gestrickt: der Autorenname sollte möglichst französisch klingen, das Cover sollte möglichst blau sein und ein historisches Örtchen an einer mediterranen Küste zeigen. Der Kommisar ist ein älterer Großstadtpolizist, der aus verschiedenen Gründen (Ärger mit der Frau/Scheidung/berufliche Krise) in die Provinz versetzt wurde und sich schon auf einen gemütlichen Vorruhestand eingerichtet hatte. Essen und trinken sind wichtige Elemente in seinem Tagesablauf.
Doch das Böse macht auch vor der Provinz nicht halt und zack, ist er mitten drin in seinem eigentlichen Element, dem Kampf gegen das Verbrechen.

Das mag ja von der Idee her nicht schlecht sein, doch muss jetzt wirklich jeder Verlag das immer wieder  gleiche Buch rausbringen? Und dann noch so offensichtlich als Kopie aller anderen?
Noch kaufen die Leser freudig erregt das immergleiche Buch, Bestsellerlistenplatzierung inklusive. Noch funktioniert also der blaue Schablonenkrimi recht gut. Doch wie lange wird es noch dauern, bis die Leser sich verarscht vorkommen?! Mich als Buchhändler macht das beim Durchblättern der Vorschau zumindest ärgerlich, immer auf die gleichen Titel zu stoßen.

Den Buchhandelsalltag erleichtert es aber natürlich enorm, wenn mal wieder einer mit der Frage kommt: „Haben Sie was, das so ähnlich ist wie…?“
Da kann man jetzt guten Gewissens antworten: „Nicht nur so ähnlich, sondern genauso!“

Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, wie viel Saft noch aus dieser Traube gepresst werden kann.
(Da mir hier grad dieses passende Bild mit der Traube kam – vielleicht könnte man ja aus den Schalen dann noch Grappa brennen? Wird das der nächste Hype? … Der Kommissar könnte ja zum diabolischen Killer werden und die Cover dann rötlich/wolkig mit brennenden Kleinstädten)

Ich gebe ja zu, dass das Cover für mich eine große Rolle bei der Auswahl spielt, und ich denke nicht, dass ich da der Einzige bin. Dass das Cover durchaus Kaufentscheidungen beeinflusst, müssten doch auch die Verlage wissen – davon sollte man ausgehen. Und bei den oben abgebildeten (und den vielen, die da noch kommen werden) sagt sich doch der Kunde irgendwann: hab ich schon, kenn ich schon. Oder?

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Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Verlage | Schlagwörter: , , , , | 11 Kommentare

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11 Gedanken zu „Wer braucht denn schon was Neues?

  1. Oh je…das Abkupfern geht ja sogar bis in den Untertitel: „Fall für (Kommissar) xyz“…Sicherlich ein Absatzgarant für die Verlage und eine Orientierung für Menschen, die gerne etwas ähnliches wieder lesen möchten. Aber meistens gilt ja eh die Regel, dass das Original besser ist als die Nachfolger. Und irgendwann ist dann das Thema so ausgelutscht, dass man einen wirklich originellen und guten „Vertreter“ im Voraus entnervt ablehnt nur weil der Verlag sich aus Vermarktungsgründen für das Einheitscover entschieden hat, was in dem Fall vielleicht gar nicht so wirklich zu diesem Buch passt. Das ist dann besonders schade.

    • Stimmt, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber genau so ist es bei mir, ich versuche die zu ignorieren, weil gleiche Verpackung für mich auf gleichen Inhalt schließen lässt. Gut möglich, dass da doch die eine oder andere Perle dabei ist.
      Da man aber ja eh nicht alles lesen kann, was so auf dem Markt gespült wird, gab ich doch gleichzeitig auch einen guten Indikator für’s Aussortieren 😉

  2. Ich denke ebenfalls, dass ein Großteil der Leser erreicht werden kann mit einer ähnlichen … sagen wir mal, Mischung. Als Leserin finde ich es auch ärgerlich, weil ich mich nach Neuem sehne, auch sprachlich. Aber mit dem Durchschnitt erreicht man nun mal die meisten Leute. Und das wiederum muss ich als Krimiautorin erkennen, die, so fürchte ich, auch eher weit vom Durchschnitt ist …

  3. Pingback: Eure Meinung ist gefragt! | My Crime Time

  4. Hallo. Ich denke auch die Verlage setzen hier auf die ….hmmm… ich sage mal „sichere“ Seite: Der Großteil der Leser wird das kaufen, was ihn in der Vergangenheit überzeugt hat. Vielleicht hat ja auch ein Psychologe festgestellt, dass ein Buchcover mit beeindruckend blauem Himmel und einem malerischen Küstenort gerade ganz besonders ansprechend ist.
    Ich bin allerdings „nur“ Leser und nicht im Buchhandel tätig. Im Endeffekt ist (für mich zumindest) entscheidend was im Klappentext steht. Klar animiert das Cover erstmal dazu zuzugreifen, aber wenn die Inhaltsangabe uninteressant ist, dann lege ich das Buch trotzdem weg.
    Andererseits kann man den Faden auch dahingehend weiterspinnen, dass Krimis generell (fast) immer gleich gestrickt sind: Wir haben einen Ermittler, der meistens eine Macke hat (die schon lange kein Alleinstellungsmerkmal ist). Es gibt einen Grund zu ermitteln und der Kommissar/Detektiv legt los. In der Regel läuft irgendwas schief, der Falsche wird verhaftet/die Familie ist betroffen/o.ä., in jedem Fall wird der Ermittler den Fall extrem persönlich nehmen. Am besten packt man noch ein geschlechtliches Gegenstück für die sexuelle Spannung mit in die Geschichte. Und am Ende ist der Fall in der Regel gelöst und es gibt ein Happy End.
    Das ist zumindest mein Fazit der letzten Jahre Krimi-Lektüre. Es gibt aber erfreuliche Ausnahmen.Ich mag Krimis und Thriller trotzdem. Es kommt halt auf die Verpackung und die immer wieder aufblitzenden Ausnahmen an.
    Liebe Grüße an die Buchhändler
    sanne

    • Kann schon sein, dass ich das zu sehr durch die Buchhändler-Brille sehe. Jeden Tag mit Büchern zu arbeiten ist da eventuell nicht gerade förderlich.
      Aber ich finde doch, dass sich die Verlage ein bisschen Mühe geben sollten und nicht ganz so offensichtlich abkupfern.
      Die Walker-Krimis vom Diogenes Verlag gehören ja inhaltlich in die gleiche Kategorie, sind aber eben nicht auch noch äußerlich derart platt geklont.

      • Ich gestehe, ich war schon lange nicht mehr in einem Buchladen. Ich habe die Cover also nicht so im direkten Vergleich wie Du. Ich will auch weder abstreiten, dass viele Cover sich ähneln (ebenso wie die Storys), noch die Verlage loben, für die immer gleiche Umschlaggestaltung. Habe einfach nur überlegt, was der Grund sein könnte dafür. Und solange die Leser die Bücher kaufen, wird sich da wenig ändern, vermute ich.
        In jedem Fall ist es interessant für mich, einfach mehr über das Leben und Denken eines Buchhändlers zu erfahren. 🙂
        Viele Grüße nochmal

      • 🙂 Ein Besuch in der Buchhandlung lohnt sich immer.

  5. Philipp Elph

    Die Verlage wissen genau, was der überwiegende Teil der Kunden will!
    Und der überwiegende Teil – und das soll jetzt keinesfalls überheblich sein – besteht halt nicht aus Leser wie Nicole, Sebastian und Philipp, sondern aus Menschen, die ihre liebgewonnenen Gewohnheiten pflegen nach dem Motto: „Aus Erfahrung gut“ oder „Keine Experimente“. Übrigens: Jean-Luc Bannalecs neuester Klon „Bretonisches Gold“ liegt frisch auf meinem Tisch.

  6. My Crime Time

    Na ja, der Kunde scheint sich das ja gerade eben nicht zu sagen. Auch die Buchbranche funktioniert ja nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip. Solange sich die Klone für die Verlage rentieren, werden sie sie auch weiterhin auf den Markt schmeißen. Ist ja auch ganz logisch, weil wirtschaftlich. Und so. Ich kann mit all diesen Klonen ja bekanntlich auch nichts anfangen. Zuerst haben sie mich gelangweilt, inzwischen verärgern sie mich. Da kann man nur beim Leser direkt aufklären und vielleicht auch ein wenig in Richtung vielfältigen Lesegeschmack missionieren. Das ist aber ein Kampf gegen Lesewindmühlen. Ich habe zum Beispiel viele Vielleser in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die einfach nur konsumieren und unterhalten werden wollen. So frei nach dem Motto: „Autor XY hat mir gut gefallen, wenn Autor XX so ähnlich ist, dann ist der auch was für mich, da muss ich mich nicht umgewöhnen.“ Da kannste dann auch nicht mehr viel machen. Trotzdem kriegen diese Menschen von mir immer mal wieder nen Lesetipp. 😉

    • Ärgerlich finde ich es auch. Sehr sogar. Aber stimmt, solange gekauft wird, spielt das alles keine Rolle (siehe Titel!). Ich hab halt nur Probleme damit, mich in die Leute hineinzuversetzen, die immer gerne wieder das gleiche lesen möchten.
      Wer neu begeistert werden will, der muss sich halt anderweitig umsehen. Noch sind die Klone ja zum Glück nicht mehr als ein Phänomen, dass dem aufmerksamen Beobachter ins Auge fällt (oder auch nur der altbekannte Reissack…).

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