Mauersegler – Christoph Poschenrieder

(c) Diogenes Verlag

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Wir alle werden nicht jünger. Da können wir uns noch so sehr dagegen wehren. Doch was ist die beste Methode, angemessen zu altern und seinen Lebensabend am angenehmsten zu verbringen?

Christoph Poschenrieder, letztes jahr mit ‚Das Sandkorn‘ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, beschäftigt sich in seinem neuesten Roman mit genau diesen Themen.

Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.

Das nötige Kleingeld macht die Sache natürlich um einiges einfacher. Bei den Freunden in diesem Buch kein großes Problem. Alle sitzen auf einem mehr oder weniger dicken finanziellen Polster.
Es wollen hier miteinander alt werden: Wilhelm – Jurist, Heinrich – Lebensmitteltechnologe, Ernst – Programmierer, Siegfried – Theaterregisseur und Carl – Journalist und Philosophiedozent. Letzterer ist gleichfalls der Erzähler.

Freunde sind sie seit ihrer Kindheit. Ursprünglich waren sie zu sechst, einer ist schon als Kind bei einem Unfall gestorben, unter dem Eis im See ertrunken. Die restlichen Freunde hielt es nicht lange im Heimatort, ein jeder machte auf seine Art Karriere. Doch blieben sie verwurzelt in dem Ort ihrer Geburt. Jedes Jahr treffen sie sich 2. Dezember um auf den Sechsten zu trinken, den Verlorenen, der das eigentliche Bindeglied zwischen den Männern ist.

An einem dieser Abende entstand so auch die Idee, zusammen alt zu werden. Und zusammen heißt hier: wir kaufen ein Haus (eine Villa am See, drunter geht’s nicht) und ziehen dort eine WG auf. Bis das der Tod uns scheidet.
Die Männer verlassen teils ihre Familien und ziehen nach und nach in das Haus. Jeder hat sein Zimmer und es gibt feste Regeln. Eine Alten-WG, die sich nicht groß von jeder Studenten-WG unterscheidet, wäre da nicht die von Ernst entworfene Todesengel-Maschine. Ein jeder der Männer kann geheim seinen ‚Todesengel bestimmen, der ihn am Ende vom Gröbsten erlöst – keiner will dahin vegetieren, ein jeder möchte für sich entscheiden können, wann Schluß ist; jeder hat in seinem Zimmer einen ‚ToterMann-Knopf‘ mit dem er bestimmen kann, wann es soweit ist. Der ausgewählte Todesengel wird dann benachrichtigt, zu Werke zu schreiten.

In einer alternden Gesellschaft, wie der unseren sicher ein aktuelles, aber auch brisantes Thema, an das sich Poschenrieder hier wagt. Doch schreibt er mit so viel Humor, dass die Lektüre neben allem Ernst des Themas richtig Spaß macht und man immer wieder über die Marotten der Alten schmunzeln muss.
Wollen wir wählen, wie es mit uns zu Ende geht, oder überlassen wir die Entscheidung anderen. Die fünf Freunde haben sich entschieden und ziehen das Ganze konsequent durch. Unter Freunden gehen, im anonymen Krankenhaus, oder gar vereinsamt – was würdet ihr wählen?

Nicht jeder von uns hat vielleicht die Möglichkeit sich einen schicken Altersitz am See zuzulegen und dort die letzten Jahre seines Lebens zu verbringen. Ja vielleicht hat nicht mal jeder von uns so nahe Freunde, dass er ihnen sein Ende anvertrauen möchte. Interessant ist das Gedankenspiel Poschenrieders aber allemal. Mit der ihm eigenen Prise Philosophie, wie das bei ihm sein muss (noch dazu ist der Erzähler ja Philosoph) und dennoch nicht zu abgehoben bringt uns Poschenrieder hier die Themen alternde Gesellschaft, Altenpflege und Sterbehilfe näher. Klar ist da der ein oder andere Schock-Moment, doch regen diese zum Nachdenken an über das was auch auf uns zukommen wird und wie wir damit umgehen werden. Neben all den biografischen Büchern à la Westermann und Fuchsberger mal eines, dass sich dem Thema von anderer Seite nähert. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Es endet auch nicht mit Tod und Trauer, keineswegs:

Als Alte sind wir eingezogen, und wenn sich jetzt die Türen öffnen, rennen Junge heraus.

Bibliografisches:

ISBN 9783257069341

Erschienen im Diogenes Verlag, August 2015
224 Seiten, gebunden

€ 22,00

Auch erhältlich als ebook.

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Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, philosophie | Schlagwörter: , , , , , , | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Mauersegler – Christoph Poschenrieder

  1. Ich denke, ich sollte das Buch mal auf meine Vormerkliste setzen. Ich hab da noch zwei andere Bücher, die sich ums älter werden drehen und da würde MAUERSEGLER thematisch ganz gut dazupassen.
    Hast mich neugierig gemacht! Liebe Grüße, Iris

  2. Klingt sehr interessant, noch dazu wo ich um die Welt ist im Kopf bislang herumlaviert habe.
    Noch mit einem Bein im alten Land, aber schon im Anflug Richtung Mauersegler…
    Liebe Grüße und wie immer besten Dank für die Buchvorstellung
    Dani

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