nachts – Mercedes Lauenstein

(c) Aufbau

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Kennt ihr das, wenn man nachts statt zu schlafen, alles erdenkbar andere macht? Zum Beispiel spontan das Bücherregal umräumen, alte Platten hören (vielleicht ja sogar über Kopfhörer), den Karton mit den alten Fotos sortieren, oder einfach nur rumkramen und plötzlich wird es draußen schon wieder hell. Ich denke, das hat jeder von uns schon erlebt.

Mercedes Lauenstein widmet genau uns allen also jetzt ein Buch – über uns. Denn genau darum geht es in ’nachts‘, um Menschen, die nachts nicht schlafen, sondern wach sind. Und um die Dinge die sie tun, um die Gründe ihrer Schlaflosigkeit, die so verschieden sind, wie jeder anders ist als der Nächste.

Verpackt ist das Ganze in fünfundzwanzig Kapitel, die aus fünfundzwanzig Begegnungen bestehen. Die Erzählerin ist das zusammenhaltende Element:

„Nachts schlafe ich nicht. Ich laufe durch die Straßen und gucke durch die erleuchteten Fenster in das Leben der anderen hinein. Ich überfliege die Klingelschilder in den Hauseingängen in der vagen Hoffnung, auf einen Namen zu stoßen, den ich kenne, vielleicht meinen eigenen oder einen, der irgendwie zu mir passt.“

In den Stunden, in denen nur noch sehr vereinzelt Licht in den Fenstern ist, klingelt sie, in der Hoffnung eingelassen zu werden, in der Hoffnung auf ein kurzes Gespräch. So bekommt sie Einblick in das Leben der Befragten, der Schlaflosen. Das ist zum Teil recht gewöhnlich, zum Teil sehr persönlich. Vom klassischen Jetlag bis zur Angst vor der Dunkelheit ist alles dabei.
Zum Beispiel die junge Mutter, die sich erst jetzt den Grund vergegenwärtigt:

„Ich hätte immer gesagt: feiern. Schlafen oder feiern. Ich hab nie darüber nachgedacht, dass es noch andere Gründe gibt, aufzubleiben.“

fünfundzwanzig Wache

fünfundzwanzig Wache

Die einzelnen Geschichten werden uns tagebuchartig präsentiert (an einem Montag 4:34 Uhr) und nehmen mit der Erzählerin Anteil an einem Stück aus dem Leben von gänzlich Fremden.

Leider bleibt genau diese aber immer im Hintergrund. Als sie auf ihre eigenen Fragen antworten soll, erfindet sie lieber schnell eine Geschichte, als sich dem Gegenüber zu öffnen. Und am Ende ahnen wir, dass die vielen Nacht-Geschichten unterschwellig noch eine andere Geschichte erzählen. Eine der Einsamkeit, der Verlassenheit. Die Geschichte einer Verlorenen, der vor der Nacht grauht.

’nachts‘ zeigt eine durchaus warme Seite unserer kalten Gesellschaft, zeigt einen intimen Einblick in die Anonymität einer Großstadt, präsentiert uns Seiten des Lebens, das um uns herum passiert, ohne dass wir es wahrnehmen. Das die Geschichten fiktiv sind (q.e.d.), spielt dabei eigentlich keine Rolle. Weißt du, was dein Nachbar tut, während du schläfst?

’nachts‘ ist Buch, das man perfekt in einem Rutsch lesen kann, oder in fünfundzwanzig literarischen Häppchen. Ein Buch, mit dem man gerne länger wach bleibt und auch die Nacht durchmacht. Ein Buch, das auf jedem Nachttisch ein würdiges Zuhause findet. Und nicht zuletzt – ein wunderschön gestaltetes Buch. Kompliment an die Herstellungsabteilung des Aufbau Verlages!
(leider hat das Buch hier aber nicht genug Stimmen bekommen)

Bibliografisches:

ISBN 9783351036140

Erschienen im Aufbau Verlag, August 2015
191 Seiten, gebunden

€ 18,95

Bei Schlaflosigkeit und ohne Licht unter der Bettdecke komfortabler zu lesen als ebook.

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Kategorien: Aufbau, Belletristik, Deutsche Literatur, erzählungen | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „nachts – Mercedes Lauenstein

  1. Christoph

    Schönes Buch — habe ich auch sehr gerne gelesen.

  2. Kann man meine Notizen da überhaupt lesen? Wurden zum großen Teil im Bett vorgenommen…

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