Biographie

Schnell, ein Tausendseiter

leben

(c) Hanser

Es gibt Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die schreiben dicke Bücher und erzählen uns eigentlich nichts. Und dann gibt es die, die auf knapp über 100 Seiten eine Geschichte, die so tief geht, so voller kleiner bemerkenswerter Dinge ist, dass man am Ende das Gefühl hat, einen Tausendseiter gelesen zu haben. So ging es mir bei Robert Seethaler und so passierte es jetzt auch bei Sylvie Schenk, die uns in diesem schmalen Band ihre Geschichte erzählt.

Es ist die Geschichte der jungen Louise, die vom Land in die große Stadt Lyon kommt, um dort zu studieren, nicht ganz ohne Widerstände. Denn es sind die 60er Jahre und Frauen an der Universität sind noch nicht ganz so selbstverständlich, wie man vielleicht meint.
Es entstehen die ersten tiefen Freundschaften, ja es sind sogar Ausländer unter ihren Freunden, ein Chinese von den Philippinen, ja gar ein Deutscher.

Nach einer kurzen Leidenschaft mit einem französischen Mitstudent, der seine Eltern im Krieg verloren hat und ein akribischer Aufzeiger und Erinnerer der dunklen deutschen Vergangenheit ist, verliebt sich die Louise tatsächlich in den Deutschen. Dass davon nicht nur ihr Verflossener, sondern auch ihre Eltern schockiert sind, ist leicht vorstellbar, der Krieg und das Elend sitzen tief.

Doch gegen alle Widerstände heiraten die beiden und Louise zieht es nach Deutschland, nicht ohne vorher auf die dunkle Vergangenheit des Schwiegervaters gestoßen worden zu sein, den hochgebildeten Mann, den sie doch so verehrt. Doch entgegen aller Widrigkeiten will sich Louise nicht unterkriegen lassen, sich behaupten, denn:

‚Die Heimat besteht nicht aus Ländern und Städten, sondern aus Menschen die man liebt.‘

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mich mit diesem Buch zu beschäftigen, doch hörte ich dann das Hörbuch auf dem täglichen Weg zur Arbeit und war schnell gefangen von dieser Lebensgeschichte. Nicht zuletzt lag das sicher an der eindringlichen Erzählweise, ist das Buch doch komplett in der zweiten Person geschrieben. Sicher etwas gewöhnungsbedürftig, doch bist du dadurch praktisch die Person um die es geht. Du erzählst dir diese Geschichte, dieses Leben. Du musst dich darauf einlassen, denn diese Art des Erzählens ist nicht die bekannte, die du in 95% der Romane antriffst, doch es lohnt sich allemal.

Dass es zu großen Stücken das Leben der Sylvie Schenk ist, welches hier erzählt wird, lässt sich der Biografie der Autorin entnehmen und beeindruckt umso mehr, wenn man die Autorin einmal erlebt hat.

Einhundertsechzig Seiten, ein Leben, im Schnelldurchgang, mit Tiefgang. Ein Buch das ich euch sehr ans Herz legen möchte. Umso mehr, als dass es ja aus meinem eigentlichen Leseschema ein bisschen ausbricht. Die 16€ für dieses Hardcover sind praktisch geschenkt, sind doch da über 1000 Seiten drin versteckt und es ist definitiv ein Buch, das hängenbleibt.

ISBN 9783446253315 – 16,-€
eISBN 9783446254190 – 11,99€
Hörbuch
9783864843952 – 19,99€

Erschienen im Hanser Verlag, Juli 2016
160 Seiten, gebunden

 

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Raumpatrouille – Matthias Brandt

raumpatrouille

(c) Kiepenheuer & Witsch

Ich lasse mich gerne eines besseren belehren. So ging es mir bei diesem schmalen Büchlein. Beim Durchschauen der Vorschauen und Leseexemplare im Frühsommer blieb der Band von Matthias Brandt aufgrund des mich nicht neugierig machenden Klappentextes, dem mir unbekannten Autor und dem merkwürdigen Cover links liegen. Nachdem bei Erscheinen begeisterte Kunden mir von diesem Buch erzählten und vom Interview in der ZEIT berichteten, nahm ich Raumpatrouille jetzt doch noch mal zur Hand und habe es nicht bereut.

Das Buch erzählt Geschichten einer Kindheit am Rhein, in einer mittelgroßen Stadt. Es sind Geschichten eines Kindes in einem großen Haus, man mag oft denken, das Kind wohnt dort allein, aber dann taucht doch ab und an ein schemenhafter Vater am Ende des Korridors auf. Und natürlich sind da die Wachleute, die das Grundstück bewachen – denn der Vater ist Regierungschef. Das Kind ist sich selbst überlassen, kurvt mit dem Bonanza-Rad durch den Garten, der standesgemäß so groß ist, das er nicht Garten, sondern Park heißt. Doch natürlich geht es auch über die Grenzen des Parkes hinaus, auch wenn das eigentlich verboten ist; doch das Verbotene – wer kennt das nicht – ist immer auch das Reizvollste. Und Grenzen ausreizen ist das Ziel eines jeden Kindes, sehen, wie weit man gehen kann.

Zwischen wechselnden Hobbys und in Flammen aufgehenden Kinderzimmern muss auch der etwas merkwürdige Herr Lübke nebenan gestriegelt zum Kakao besucht werden. Es gibt missglückte Versöhnungsfahrradausflüge mit Vaters Arbeitskollegen, endlose Autofahrten mit der Mutter in den fernen Norden und schmerzhaftes Heimweh beim langersehnten ersten Übernachten beim Schulfreund.

All diese Geschichten sind unterlegt von einem Gefühl des Aufbruchs, der Krieg liegt beinah eine Generation zurück, Menschen fliegen ins All; die Zukunft ist zum Greifen nah – und sei es nur in Form eines Plastikraumanzuges, unerlaubterweise gekauft vom Schulbuchgeld. Wer braucht schon Bildung, wenn er Astronaut sein kann?! Ein Kind darf wieder Kind sein.

Die vierzehn Geschichten sind so einprägsam erzählt, dass man sich in vielen selber wiederfinden kann, auch wenn man nicht im gleichen Jahrzehnt aufwuchs und nicht Kanzlersohn ist.

Wir gehen auf Raumpatrouille mit Armstrong, Aldrin, Collins (Achtung: Tränenalarm!) auf dem Mond.
Wir gehen auf Raumpatrouille mit einem Kind in dem großen leeren Haus, das dennoch Heimat ist, in dem doch hinter der gepolsterten Doppeltür am Ende des Korridors ein Vater leise schnarcht, der dir doch vorliest, wenn du ihn darum bittest.Wir gehen auf Raumpatrouille mit Matthias Brandt in die Kindheit, in der man schon mal vor existentiellen Problemen steht:

Wieder und wieder überlegte ich, ob es mich wirklich selbst gab oder ob ich mir meine Existenz nur einbildete.

Matthias Brandt hat mich mit beeindruckenden Texten beeindruckt, mit fein geschliffener Sprache, mit leichtem Humor, der bei beinahe jeder Geschichte ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. War mir der Name bisher unbekannt, hat er sich nun in mein inneres Kinderzimmer gebrannt. Alles bereit für den Zaubertrick, Herr Brandt? Ich mache mir schon mal eine große Tasse Kakao.

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, September 2016
ISBN 9783462045673
176 Seiten, gebunden
€ 18,-

eISBN 9783462316384
€ 16,99

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Kolbe – Andreas Kollender

kolbe

(Pendragon)

‚Tue das Richtige und habe keine Angst.‘

Mit diesem Satz seines Vaters im Kopf kommt Fritz Kolbe zurück in ein Deutsches Reich, das seines nicht mehr ist. In Afrika hat er als Vizekonsul gearbeitet, doch das war unter dem Kaiser, jetzt regiert da dieser kleine Schreihals mit dem lächerlichen Bart. Schon auf der Überfahrt wird Kolbe schikaniert und verschanzt sich letzlich im Maschinenraum, auch der Konsul verlässt seine Kabine nicht mehr, wird doch Schiff und Besatzung von den selbst ernannten Herrenmenschen drangsaliert. Sein Vorgesetzer erhoffte sich einen regulativen Einfluss durch die Rückkehr ins Reich. Leider müssen beide schnell feststellen, dass diese Hoffnung vergeblich war.

Wo sich der Konsul ins innere Exil zurückzieht, arbeitet Kolbe trotz allem weiter für das Auswärtige Amt, dient sich hoch und sitzt schließlich auch ohne Parteiabzeichen an sensibler Stelle im Vorzimmer des Botschafters von Günther. Lange Zeit verhält er sich ruhig, kämpft mit sich, den Satz seines Vaters immer im Kopf. Als er eine Botenfahrt zur deutschen Gesandschaft nach Bern machen soll, sieht er endlich eine Gelegenheit. Über einen alten Freund stellt er Kontakt zu den Amerikanern her und schmuggelt die erste Ladung geheimer Dokumente in die Schweiz.

Der erste Kontakt, die ersten Informationen, die erste Reise ist die schlimmste. Jede Minute fürchtet er sich zu verraten, in eine Falle zu gehen. Mit jeder Reise nach Bern setzt er sein Leben aufs Spiel, immer wieder wird ihm eiskalt bewusst, dass er nur ein Amateur ist und es auf allen Seiten mit Profis zu tun hat – amerikanische, russische, britische Spione, Gestapo, Sicherheitsdienst, SS. Der kleine deutsche Beamte Fritz Kolbe mit brisanten Dokumenten mitten unter ihnen. Und wohl gerade wegen seiner alltäglichen Unscheinbarkeit mit einem Narrenbonus versehen.

Eingebettet in ein Interviewszenario, in dem zwei junge Journalisten Kolbe Jahre nach dem Krieg in seiner selbstgewählten Einsamkeit in den Schweizer Bergen aufsuchen, um seine Geschichte zu erfahren, erzählt Andreas Kollender uns die beinahe unglaubliche Geschichte des Fritz Kolbe, der vom einfachen Beamten zum wichtigsten Spion für die Amerikaner im Deutschen Reich wird. Seine Informationen sind auch in Washington nur wenigen zugänglich, in der Regel gehen sie direkt an den Präsidenten.

Doch ist ‚Kolbe‘ kein reiner Spionageroman, erzählt er doch auch vom Alltag in einem zerbombten Berlin, vom Leben in einer Stadt, die sich in ein Trümmerfeld verwandelt hat. ‚Kolbe‘ ist auch das Portät eines Menschen, der sich auf einsamem Posten gegen ein Unrecht stellt, das ihn vollends umgibt und in dem er trotz allem leben muss. Ein Mensch, der in eine tiefe Krise stürzt, als durch seine Infomationen ein alter Freund stirbt, der daran fast verzweifelt.

Andreas Kollender hat mit diesem fesselnden Roman ein belletristisches Denkmal für Fritz Kolbe geschaffen, einen Mann dem sein Mut, sein Engagement im eigenen Land nie gedankt wurde. Es ist auch derzeit das einzige Buch mit dem Thema auf dem Markt, die Kolbe-Biographie von Delattre ist leider bei Piper nicht mehr lieferbar.
Fast jeder in Deutschland kennt Stauffenberg, den Mann der als Mitglied der Wehrmacht die NS-Ideologie lange Zeit mitgetragen hat; für ihn gibt es Gedenkstätten, -tafeln, Würdigungen, ja Hollywood-Verfilmungen. Wer kennt schon Fritz Kolbe?

ISBN 9783865324894
eISBN 9783865325013

Erschienen im Pendragon Verlag, Juli 2015

 

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Ostende – Volker Weidermann

ostende

Kiepenheuer & Witsch

Literatur die auf Literatur Lust macht. Bücher, die sich mit Büchern beschäftigen, mit Schriftsteller und deren Leben. Gibt es sicher viele. Die von Volker Weidermann sind besonders lesenswert. Es macht Spaß, diese Bücher zu lesen und sich in die Materie zu vertiefen.

Schon bei Lichtjahre und Das Buch der verbrannten Bücher ging es mir so, und ebenso war es jetzt auch wieder bei Ostende. Wobei erstere eine Zusammenstellung von literarischen Werken und ihrer Schöpfer sind, beschäftigt sich Weidermann in Ostende mit einem kurzen Abschnitt im Leben einer Gruppe von Schriftstellern.

Der Untertitel verrät es uns bereits: 1936, Sommer der Freundschaft. Damit ist schon fast alles gesagt. 1936, die Nationalsozialisten sind schon 3 Jahre an der Macht, bis zum Ausbruch des Krieges sind es noch 3 Jahre; doch wird auch schon in diesem Jahr gekämpft, die große Probe gemacht – in Spanien kämpfen Faschisten gegen Sozialisten, Kommunisten und Sozialdemokraten.
Die Protagonisten sind alle bereits im Exil, doch suchen sie nach wie vor die Nähe zur sprachlichen Heimat, zu ihrer Existenz. Denn was ist ein Schriftsteller ohne Leser?!
So treffen sie sich in diesem Sommer an der belgischen Küste in dem kleinen Ferienort Ostende, um sich gegenseitig aufzubauen, ihre Freundschaft zu festigen und sich gegenseitig zu inspirieren.

Die Hauptpersonen sind zweifelsohne Stefan Zweig, der Gönner, der Star, der hemmungslos Gläubige an das Gute im Menschen und Joseph Roth, sein Freund und Protegé, der hemmunglose Trinker und Sonnenfeind (was macht er dann eigentlich in der belgischen Sommerfrische? – in dunklen Cafés sitzen und schreiben…).

Sie schreiben, sie trinken, sie schwimmen im Meer und sonnen sich (vor allem Irmgard Keun) und alles könnte so schön sein, wäre da nicht das nahe dunkelbraune Deutschland, das sie vertrieben hat, ihre Bücher verbrannt hat, ihnen die Existenzberechtigung abgesprochen hat.

Der Text liest sich großartig, man merkt, dass Weidermann Journalist ist, und drum ein flüssiger Schreiber. Immer wieder stehe ich während der Lektüre vor meinem Bücherregal, blättere im Kunstseidenen Mädchen, der Joseph-Roth-Biographie und suche auch schon mal im Internet nach Bildern von erwähnten Personen.

Und das ist doch das Gute an Literatur: nicht der bloße Konsum, sondern das darüber Hinausgehende, die Lust sich weiter und tiefer mit Themen und Personen zu beschäftigen. Da ist es mir auch egal, dass auf dem Deckel nicht explizit Roman steht – was Michael Angele im Freitag der letzten Woche bemängelte.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783462046007

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, März 2014
156 Seiten, gebunden

€ 17,99

Ostende gibt es neben dem Hardcover auch als ebook, zum Hören auf Scheibe und zum Hören jetzt gleich als Download.

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Vakuum – Lukas Jüliger

vakuum

Copyright Reprodukt

Die Langeweile der Vorstadt kann tödlich sein. Mehr als du denkst. Ganz genau so geht es auch dem Jungen in Lukas Jüligers Debüt ‚Vakuum‘.

Es sind die letzten Schultage vor den Sommerferien, vor dem Abschluss. Danach heißt es: School’s out for summer, school’s out for ever!
Beim Tagträumen in einer versteckten Ecke hinter dem Schulgebäude steht plötzlich dieses Mädchen über ihm. Es ergreift die Initiative, die ihm immer gefehlt hat und spricht ihn an. Schnell werden die beiden Freunde und bald auch mehr als das. Es geschieht endlich etwas im Leben des Jungen. Und das war endlich mal nötig, denn Freunde hat er keine (mehr).

Sein einziger Freund ist bei einem Experiment der beiden mit halluzinogenen Blumen irgendwo im Äther hängengeblieben, zumindest der interaktive, menschliche Teil seiner Persönlichkeit. Seitdem entledigt er sich seiner Besitztümer und legt auch sonst einer erhöhte Zerstörungswut an den Tag. So trifft man ihn  schon mal des Nachts auf dem Parkplatz, wo er seine Möbel verbrennt. Man könnte direkt sagen, er befindet sich in einer Art aktivem Wachkoma.

Doch zurück zu dem neuen Mädchen in seinem Leben, denn da gibt es etwas, dass den Jungen stört, verstört und befremdet. Bei jedem Zusammensein der beiden kommt der Augenblick, an dem das Mädchen auf einmal dringend weg muss. Egal, wie nah sich die beiden auch gerade noch waren – zack, verschwindet sie und er bleibt verdutzt zurück.

Was es mit diesem Geheimnis auf sich hat, erfährt man später, denn der Junge entschließt sich, dem Mädchen zu folgen. In den Wald zu einem alten Wohnwagen und in diesem, durch den Küchenschrank in ein Erdloch…

Eine Szene, die man am Anfang erstmal für unwichtig hält, wird später noch große Bedeutung bekommen: der Junge beobachtet einen anderen, wie der am frühen Morgen eine Matratze den Hang hinauf in den Wald trägt. Eine tragische Geschichte wird sich daraus ergeben, denn der Junge mit der Matratze bringt sich dort um. Aber nicht nur sich. Und sein Bruder wird daraufhin zum apokalyptischen Engel der Geschichte.

Anhand der Farbgebung kann man sich im Prinzip schon von Beginn an denken, dass diese Erzählung keine lustige sein wird. Düstere Erdtöne bestimmen die Seiten, ganz so wie das Cover es schon vorgibt. Dort sieht man übrigens schon die drei Hauptfiguren, ganz so, wie sie auch im Buch agieren werden – einander verbunden, dennoch getrennt.
Ich hatte vor der Lektüre nur noch eine düstere Erinnerung, dass dieses Debüt beim Erscheinen an verschiedenen Stellen gelobt worden war. Von der Geschichte selber allerdings nur eine sehr vage Vorstellung. Umso mehr war ich dann beeindruckt von der tragischen Intensität der Bilder, ebenso wie von den kreativen Einfällen des Autor, wodurch die Geschichte nie langweilig wird.

Da die Graphic Novel für mich so etwas der Schnittpunkt zwischen Film und Literatur ist, ziehe ich hier mal den Vergleich zum bewegten Bild. Wenn ihr also Filme mögt und nicht so richtig wisst, ob das Buch etwas für euch sein könnte – die Story könnte auch ein Film sein, der sich bewegt zwischen Larry Clark, David Lynch und Gus Van Sant.

Ich freue mich immer, wenn es eine tolle neue Graphic Novel von einem deutschen Autor gibt, neben den alten Größen Kleist und Kreitz und wenn es dann noch eine derart beeindruckende ist, natürlich umso mehr.

Absolute Leseempfehlung!

Hier findet ihr eine Leseprobe: Vakuum

Bibliografisches:

EAN 9783943143157

Erschienen im Reprodukt Verlag, Januar 2013112 Seiten, kartoniert

€ 20,00

Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bücher zu verschenken

Ha! Wenn das mal keine Catcher-Überschrift ist!

Da ich in Kürze umziehen werde und es dann schon genug zu tragen geben wird, möchte ich einige Bücher abstoßen. Jeder, der schon mal umgezogen ist, weiß sicher, dass die Bücher immer das Schwerste sind. Bei einem buchaffinen Buchhändler sammelt sich da mit der Zeit extrem viel an. So einiges steht dann jetzt schon lange im Regal und so langsam wird klar, dass das eine oder andere Buch wohl nicht mehr gelesen werden wird.

Die einzig richtige Entscheidung – verschenken. Es handelt sich größtenteils um Leseexemplare, die man als Buchhändler ja netterweise von den Verlagen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt und die daher nicht verkauft werden. Ein paar Taschenbücher, die auch schon länger hier im Regal stehen und auf verschiedensten Wegen hier gelandet sind, manche gemängelt.

Vielleicht freut sich der eine oder andere ja über ein Buch 😉
Am Besten wäre natürlich, wenn ihr euch die Bücher abholen würdet, über einen Versand müssten wir dann noch im einzelnen reden.

Und jetzt: Wer will?

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Kategorien: Anderes, Belletristik, Biographie, Britische Literatur, Deutsche Literatur, Englische Literatur, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Politik, Sachbuch | Schlagwörter: , , | 4 Kommentare

Im Land der Frühaufsteher – Paula Bulling

frühaufsteher

Copyright Avant-Verlag

Ein sensibles Thema, welches in der Öffentlichkeit nicht stattfindet, dennoch aber eigentlich jeden von uns interessieren sollte: Asylanten in Deutschland.
In der ungewöhnlichen Form einer Graphic Novel berichtet uns Paula Bulling vom Alltag einiger Asylanten im sogenannten ‚Land der Frühaufsteher‘ – Sachsen-Anhalt.
Isoliert von jeglichem sozialen Kontakt leben die Asyl-Suchenden in einem Heim außerhalb der Stadt. Da ist es schon ein Ereignis, wenn eine junge Frau vorbeikommt um sich über ihren Alltag zu informieren, um daraus eine Comic-Reportage zu machen. Noch besser, wenn sie mit Wochenend-Ticket angereist ist und so ein paar Leute mit ihr in die Stadt fahren können, um zumindest einen Hauch von Sozialisation zu bekommen.

Durchgehend in einem blaugrauen Farbton gemalt, tragen die groben Zeichnungen eine unglaubliche Intensität in sich. Die Ungewissheit, die Resignation der Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen aus ihren Ländern geflohen sind, um in Deutschland ein besseres Leben zu finden, leben in den Heimen wie in Gefängnissen mit offenen Türen. Theoretisch können sie nach draußen gehen, aber wohin, wenn das Erreichen der nächsten Stadt mit einem stundenlangen Marsch verbunden ist.

Was die Presse nicht leistet, über soziale, politische Themen zu berichten – die ungewisse Situation von Menschen, die quasi neben uns wohnen, allerdings isoliert, abgeschirmt – in die Öffentlichkeit zu bringen, versucht Paula Bulling hier auf dem Weg der Comic-Reportage und es gelingt ihr auf sehr beeindruckende Weise. Nicht umsonst hat dieser Band so gute Besprechungen erfahren. Zu Recht, zu Recht!

Eines der vielen vielen Beispiele also, die die immer noch warmgehaltene Meinung, dass Comics nur für Kinder sind, widerlegen.


Bibliografisches:

EAN 9783939080688

Erschienen im Avant-Verlag, Juni 2012
125 Seiten, kartoniert

€ 17,95
P.S. Irgendwie klappt das mit dem Embed-Code nicht. Hier sollte eigentlich noch die Leseprobe auftauchen. Die findet ihr dann jetzt hier: Im Land der Frühaufsteher.

Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel, Politik, Regional, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Das Verschwinden des Philip S. – Ulrike Edschmid

phillip s.

Copyright Suhrkamp Verlag

Gestern war der Welttag des Buches und hier herrschte Stille. Gibt’s ja nicht! Daher jetzt nachgeschoben eine Buchbesprechung – Herzlichen Glückwunsch nachträglich.

Ein kleines schmales Büchlein, das es in sich hat. Und zwar die Geschichte des Philip S., die Geschichte seines Auftauchens im Leben der Ulrike und seinem langsamen, aber sicherem Verschwinden. Es beginnt mit dem Ende, dem Ende des Philip S., erschossen auf einem Kölner Parkplatz. Das Ende eines Menschen bildet so in diesem Roman den Anfang der Geschichte.

Roman ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn es handelt sich hier immerhin um ein mehr als autobiografisches Buch. Ulrike Edschmid erzählt hier von Ihrer Zeit in Berlin, wo Sie als Studentin den jungen, gerade erst aus der Schweiz zugezogenen Philip S. kennenlernt. Schnell sind die beiden ein Paar. Doch dies ist keine reine Liebesgeschichte!

Immerhin ist dies das Deutschland am Ende der 60er Jahre, auch bekannt als die 68er. So ziemlich jeder ist in dieser Zeit stark politisiert, vor allem aber natürlich die Studenten, die nachgewachsene Generation, von denen viele sich die Frage stellen, was denn ihre Eltern und Großeltern so während des Krieges getan haben.

Und politisiert geht bei so manchem auch schnell in die Richtung fanatisiert. Bei Philip dauert es ein bisschen, aber doch entfernt er sich immer weiter von seinen Freunden (zumindest denen, die nicht in die extremen Ecken abdriften) und so auch von seiner Lebensgefährtin Ulrike.
Von diesem sich entfernen, diesem stetigen, unaufhaltsamen Verschwinden aus ihrem Leben erzählt Ulrike Edschmid auf sehr eindrückliche Art und Weise. Besonders, wenn man sich etwas (oder mehr) für diese Zeit und die politischen Aspekte und Probleme der damaligen Gesellschaft interessiert, ist dieses Buch sicher eine Bereicherung. Die Erzählperspektive tut ihr Übriges dazu, eine derart nahe, beinahe involvierte Sicht fesselt und überzeugt ungemein.

Ich Sachen deutscher Geschichte und Problemkapiteln wie der RAF auf jeden Fall ein bereicherndes Buch und ein Kontrapunkt zum ewigen Stefan Aust.

P.S. Eine etwas ungewöhnlichere Besprechung habe ich kürzlich im Freitag gelesen, da wird das Buch in Hinsicht auf Automobile betrachtet. Bei Interesse hier entlang: Der Peugeot der Revolte.

 

Bibliografisches:

EAN 9783518423493

Erschienen im Suhrkamp Verlag, März 2013
157 Seiten, gebunden

€ 15,95

Auch erhältlich als ebook.

Kategorien: Belletristik, Biographie, Deutsche Literatur, Krimi, Politik | Schlagwörter: , , , , , , | 5 Kommentare

Baby’s in Black – Arne Bellstorf

Copyright Reprodukt

Die Beatles, na klar – die Fab Four! John, Paul, George, Ringo und Stuart.

Stuart? Welcher Stuart? Stuart Sutcliffe, der fünfte Beatle. Und genau um den geht es in dieser großartigen Graphic Novel von Arne Bellstorf.
In schlichten, aber eindrücklichen Schwarz/Weiß-Zeichnungen erzählt Bellstorf von jenem Oktober 1960, als die Beatles in St.Pauli auftraten und damit den Grundstein ihres späteren Erfolges legten. Mit dabei war damals noch Stuart Sutcliffe (und Pete Best am Schlagzeug).
Es ist aber auch die Geschichte von Astrid Kirchherr, einer jungen Fotografin, die eher zufällig einem einem dieser Konzerte ist. Später ist sie die erste, die professionelle Bilder dieser Jahrhundertband macht.
Sutcliffe und Kirchherr werden ein Liebespaar, doch leider soll dieser Liebe kein langes Schicksal beschert sein. Sutcliffe stirbt 1962 in Hamburg (manche sagen an einer Kopfverletzung, die er sich bei einer Schlägerei zuzog, andere sprechen von einer seltenen Krankheit).

Ganz nebenbei bekommt man außerdem ein sehr gutes Bild der Hamburger Subkultur der 60er Jahre. Quasi die Wurzeln des Rock’n’Roll in Deutschland. Eine der weiteren Figuren, über die auch Astrid Kirchherr erstmals zu einem Konzert der Beatles kommt, ist der Grafiker und Musiker Klaus Voormann (zuletzt konnte man diesen übrigens auf dem Mando Diao Unpugged-Album hören).

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung sei hiermit ausgesprochen! Wer sich ein Bild machen möchte, ohne aus dem Haus zu gehen, findet hier eine Leseprobe.
Zusätzlich gibt es hier die offizielle Seite zum Buch, auf der viel über die Entstehung des Buches zu finden ist. Mittlerweile ist ‚Baby’s in Black‘ übrigens schon in mehrere Sprachen übersetzt worden, darunter Englisch, Spanisch und Italienisch.

Bibliografisches:

EAN 9783941099128

Erschienen im Reprodukt Verlag Oktober 2010
216 Seiten, Klappenbroschur

€ 20,00

Kategorien: Biographie, Comic, Graphic Novel, Musik | Schlagwörter: , , , , , , , | Ein Kommentar

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