Britische Literatur

Kindeswohl – Ian McEwan

kindeswohl

(c) Diogenes

Gerade erschien sein neues Buch Nussschale, und beinahe zeitgleich der Vorgänger Kindeswohl im Taschenbuch. Man kann sich also McEwan im Doppelpack gönnen!

Meine letzten McEwan-Leseerlebnisse sind schon eine ganze Weile her. Damals las ich mit großer Begeisterung den Zementgarten und Saturday, danach lange nichts. Doch jetzt kommt dieses Kindeswohl und überwältigt mich.

Erzählt wird die Geschichte der nicht mehr ganz jungen Familienrichterin Fiona Maye, die vor einem sehr schwierigen Fall steht. Sie soll eine Entscheidung treffen über die Behandlung eines noch Minderjährigen. Die von den Ärzten vorgeschlagene, erfolgversprechende Behandlung sieht Blutransfusionen vor, doch diese sind mit den Glaubensgrundsätzen des Patienten nicht vereinbar. Das Jugendamt klagt für die Behandlung, für das Kindeswohl. Doch entscheidet man wirklich zum Wohl des Kindes, wenn eine Behandlung gegen den Willen und die Überzeugungen des Jungen gehen? Richterin Maye beschreitet in diesem Fall auch ungewöhnliche Wege, um zu einem Urteil zu kommen.

Doch auch privat hat Maye es nicht einfach, auch hier muss sie eine wichtige Entscheidung treffen. Nach langen langen Jahren der Ehe fühlt sich ihr Mann am Anfang des letzten Abschnitt seines Lebens und hat eine für Maye schockierende Forderung: er möchte ein noch einmal eine Affäre mit einer jüngeren Frau haben, fühlt sich natürlich im Recht mit seiner Forderung.
In beiden ‚Fällen‘ möchte man nicht in Ihrer Haut stecken; hier zu einer Entscheidung zu kommen, ist in keiner Weise eine einfache Sache. Es entfaltet sich ein Gerichtsdrama, ja beinahe schon Thriller, der auch mich als Leser in einer Weise mit einbezogen hat, wie nicht viele Bücher zuvor. Mit jedem neuen Argument ist man aufs Neue hin und hergerissen, was man selber für die richtige und gerechte Entscheidung hält, wie man selbst vielleicht entscheiden würde.

Gebannt habe ich dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen. Sind zwar nur knapp über 200 Seiten, aber manche Autoren verstehen es einfach, mit einem auf den ersten Blick kurzen Text, eine im Grunde viel ausschweifendere, fesselndere und einprägsamere Geschichte zu erzählen, als so mancher Tausendseiter. Dazu gehört auf jeden Fall Ian McEwan.

ISBN 9783257243772
eISBN 9783257604528

Erschienen im Diogenes Verlag, August 2016
Aus dem Englischen übertragen von Werner Schmitz
Originaltitel: The Children Act
224 Seiten, kartoniert

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Der Lockvogel – Chris Morgan Jones

lockvogel

(c) Heyne Verlag

Wie eine Bombe sind vor kurzem die Panama Papers eingeschlagen! Obwohl, eigentlich wusste man ja längst, dass Geld korrumpiert. Wer viel Geld hat, will mehr Geld und möglichst wenig davon wieder abgeben. Dass der Reichtum allerdings meist nicht rein aus harter Arbeit erwachsen ist, sondern die Infrastruktur und die politische Sicherheit der Staaten nutzt und braucht, spielt dann keine Rolle mehr. Warum soll man mittels Steuern in eben diese Infrastruktur investieren, einen Teil zum Erhalt und Ausbau beitragen, wenn man das Geld auch woanders deponieren kann, wo keiner dran kommt? Natürlich vollkommen legal!

Mit diesem Thema hat sich vor einigen Jahren Chris Morgan Jones in seinem ersten Buch bechäftigt: Mit der Lockvogel gelang ihm im Jahr 2012 (das Original erschien 2011) ein erstaunliches Debüt. Erzählt wird die Geschichte von Richard Lock (ja, da konnte jemand im Verlag dem Wortspiel im Titel nicht widerstehen), der als kleiner Anwalt zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und nun für einen großen russischen Oligarchen als Strohmann die Offshore-Unternehmen lenkt und leitet. Lock ist also ein professioneller Geldwäscher und Steuervermeider.

Jetzt könnt ihr euch auch denken, warum ich dieses Buch gerade neu lese, ist doch einer der spektakulärsten Teile der Panama Papers das Putin-Roldugin-Kapitel. Nachden kürzlichen Enthüllungen, zog ich also dieses Buch aus dem Regal und ließ dafür Avenue of Mysteries liegen, mit dem ich mich eh etwas schwer getan habe.

Lock lebt ein angenehmes Leben, oder soll man besser sagen, lebte, denn natürlich ändert sich gerade so einiges. Lock wird zu einem Prozess vorgeladen, bei dem er sich und seine Unternehmen erklären soll. Lizenzen, die eben diese Unternehmen verkaufte,stellten sich  als bloße Hüllen heraus und natürlich fühlt sich der Käufer geprellt. Er beauftragt gleichzeitig zur Klage eine Privatermittlung, deren Ziel es ist, nicht nur Lock bloßzustellen, sondern vielmehr noch den stillen Oligarchen im Hintergrund zu Fall zu bringen.

Hier kommt jetzt Ben Webster ins Spiel, der er ist unser Privat-Eye. Und das sind auch die beiden Erzählebenen: Lock und Webster wechseln sich ab und kommen sich im Laufe des Buches immer näher. Auch Webster hat Vorgeschichte mit Russland, hat er doch vor seiner Detektivlaufbahn eben dort als Journalist gearbeitet und musste den Tod einer guten Freundin in einem russischen Gefängnis mit ansehen.

Als es nun erste Tote gibt und Lock sich immer mehr in die Ecke gedrängt fühlt, wird der Wille zum Ausstieg immer stärker. Das Leben als Strohpuppe, als menschliches Schutzschild ist eben nur solange schön, wie man in Saus und Braus lebt und nur die Sonnenseite sieht. Wenn’s ernst wird, will man so schnell raus, wie nur eben möglich.

Ein Vergleich mit John le Carré ist wohl nicht übertrieben, auch wenn wir hier keine Regierungsagenten verfolgen sondern nur den Privatermittler und den Oligarchen-Strohmann. Doch auch Chris Morgan Jones, eben wie der große le Carré, ist einer der sich mit der Materie auskennt, ich zitiere hier mal aus der Autoren-Bio: „Chris Morgan Jones arbeitete elf Jahre für eine der weltweit größten Unternehmensberatungen. Zu seinen Kunden gehörten regierungen im Mittleren Osten, Banker in New York, Londoner Investmentfonds, afrikanische Minen-Unternehmen und russische Oligarchen.“ Dieses Insider-Wissen scheint durch jede Seite dieses Buches und dennoch langweilt diese Detailfülle, sie trägt vielmehr zur Authentizität des Buches bei. Chris Morgan Jones ist einer der fesselnd schreiben kann!

Folglich ist dieses Buch so unglaublich spannend, dass es nur schwer aus der Hand zulegen ist und man sich besser einen Wecker stellt, der einen zum Schlafengehen ermahnt.
Wenn ihr gerne spannende, politsche angehauchte Thriller mit dem gewissen Anspruch lest (wer tut das nicht!), habe ich hier genau das richtige Buch für euch. Auch bringt das Buch internationales Flair mit, wie es ein guter Bond-Film tut. Moskau, London, Paris, Cayman-Inseln, um eine Auswahl zu nennen. Im Gegensatz zu Bond, sind die Figuren in diesem Thriller allerdings etwas weniger glamourös.
Leider war ‚Der Lockvogel‘ bei Erscheinen nur mäßig erfolgreich, weshalb es inzwischen nicht mehr aufgelegt wird. Vielleicht lässt sich ja der Heyne-Verlag wegen der plötzlich wiedergewonnenen Aktualität ja zu einer Neuauflage überreden 😉

ISBN 9783453436060

Erschienen im Heyne Verlag, Juli 2012
Aus dem Englischen übertragen von Christoph und Karola Bausum
Originaltitel: An Agent of Deceit (bzw. The Silent Oligarch)
447 Seiten, Klappenbroschur

€12,99

Kategorien: Britische Literatur, Englische Literatur, Krimi, Politik, politthriller, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Auf der richtigen Seite – William Sutcliffe

(c) Rowohlt Verlag

Ob du wirklich richtig stehst, … Für Joshua keine Entscheidung, sondern Schicksal. Sein Vater starb in Erfüllung seiner Pflicht, seine Mutter lernte einen neuen Mann kennen, der beide mitnahm in ihr neues Zuhause: eine jüdische Siedlung im Westjordanland. Hier lebt Joshua vor sich hin, denn innerlich sehnt er sich zurück in sein altes Zuhause am Meer, das er mit Vater und Mutter bewohnte, dass licht- und luftdurchflutet war, wohingegen das neue Haus in der backenden Hitze des Landesinneren liegt, umgeben von Sand und Staub.

Eines Tages entdeckt Joshua durch Zufall einen Tunnel auf einem merkwürdigen Baugelände. Merkwürdig, da dort offensichtlich nichts gebaut wird, sondern vielmehr zerstört wurde. Joshua klettert gerne, und ebenso wie Bäume ihn geradezu magisch zum klettern auffordern, so zieht ihn auch dieser Tunnel in seinen Bann und er kann nicht widerstehen hinabzuklettern. Im Grunde weiß Joshua genau, was es mit diesem Tunnel auf sich hat – die Mauer, die die Siedlung schützt ist allgegenwärtig-, doch der Drang ist stärker.

So kommt er aus der aufgeräumten ‚Sicherheit‘ der Siedlung in die pulsierende, volle, dreckige, laute Enklave der Palästinenser. Doch natürlich ist er hier ein Fremdkörper, der sofort auffällt. Nur mit Mühe und der Hilfe eines Mädchens kann er einer ihm nicht freundlich gesinnten Jugendbande entkommen. Das Mädchen verkleidet ihn mit einem Tuch Ihres Vaters und bringt ihn zurück zum Tunnel. Die Orientierung hatte er auf seiner Flucht in Sekunden verloren.

Doch es wird nicht Joshuas letzter Ausflug auf die andere Seite der Mauer bleiben. Viel mehr noch, es entwickelt sich eine Art Freundschaft zwischen ihm und der Familie des Mädchens und auch Joshua wird endlich etwas haben, dass seinem Leben einen Sinn gibt, denn der Vater des Mädchens gibt ihm eine Aufgabe.

Von William Sutcliffe hatte ich vor ungefähr zehn Jahren mal ein Buch über einen Backpacker in Indien gelesen, umso gespannter war ich jetzt auf dieses Buch, das doch von der Thematik nicht weiter enfernt sein könnte vom kiffenden Wohlstandskind auf der Suche nach dem exotischen Kick am Strand von Goa.
Ich habe das Buch vor dem Erscheinen lesen können und das war gerade der Zeitpunkt, als Israel einmal mehr versucht hat, mit Bomben Frieden zu schaffen. Umso eindrücklicher war daher die Lektüre des Buches für mich. Spannend geschrieben und definitiv nicht nur ein Jugendbuch, als das es im Hause Rowohlt gekennzeichnet wurde. Ein Buch über Freundschaft, ein Buch über Grenzen, die nicht nur Länder voneinander trennen, sondern auch Menschen von ihrem Land trennen, von ihrer Heimat trennen. Ein Buch über eine fragwürdige Politik der Sippenhaft und aber auch über den Glauben an das Gute im Menschen, auch wenn dir jeder das Gegenteil weißmachen will.

Ein beeindruckendes Zitat aus einem Streit Joshuas mit seinem Stiefvater, das die Absurdität gut einfängt, gibt es noch mit auf den Weg:

„.. Und wenn es noch tausend Jahre dauert und wir für jeden Zentimeter kämpfen müssen, dann ist es eben so.“
„Du kannst keine tausend Jahre kämpfen. Dann bist du längst tot.“
„Die nächste Generation wird den Kampf fortsetzen.“
„Ich bin die nächste Generation. Und ich glaube, du bist verrückt!“

Bibliografisches:

ISBN 9783499212314

Erschienen im Rowohlt Verlag, September 2014
Aus dem Englischen übertragen von Christiane Steen
Originaltitel: The Wall
352 Seiten, gebunden

€ 16,99

Das Buch könnt ihr hier in der gebundenen Ausgabe bestellen, oder als ebook auf deutsch, oder in der Originalfassung.

Oder in der Buchhandlung eures Vertrauens erwerben.

Kategorien: Belletristik, Britische Literatur, Englische Literatur, Jugendbuch, Politik | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Mehr als das – Patrick Ness

mehralsdas

cbt Verlag

Na das passt ja. Offensichtlich befassen sich derzeit einige Autoren mit dem gleichen, oder doch zumindest sehr ähnlichen Thema. Könnt ihr euch noch an meinen kürzlichen Bericht über Spademan erinnern? Da gab es ja diese Leute, die in großen metallenen Betten lagen, mittels derer sie in die sogennante Limnosphäre eingeloggt waren, eine Art Luxusinternet, oder auch (Second Life)³.

Und auch bei Patrick Ness gibt es jetzt ein ganz ähnliches Konstrukt virtueller Realität. Aber langsam, am Anfang gibt es erstmal ein Ende:

Hier ist der Junge. Er ertrinkt.

Damit startet das Buch, und wenn das mal kein vielversprechender Start ist!!
Er ertrinkt – und wacht wenig später in einem Vorgarten auf, eingewickelt in beschichtete Bandagen. Wie er schnell herausfindet, ist es der Garten seines Elternhauses – das Haus, aus dem sie vor Jahren ausgezogen sind. Nach einem tragischen Vorfall hatte sich die ganze Familie von England nach Amerika aufgemacht. Und doch ist er wieder hier. Allerdings allein, die Welt scheint komplett verlassen. Weder Mensch noch Tier scheint es mehr zu geben, die Straßen sind von Unkraut überwuchert, mit Dreck überzogen die Autowracks und unweit des Hauses gibt es einen riesigen Krater, wie nach einer Explosion.

Immer wieder fällt er in eine Art Trance, oder Schlaf und erlebt dort eigenartige Flashbacks vom Leben vor dem Ertinken. Auf diese Weise werden wir langsam aber sicher erfahren, wer der Junge ist und warum er sich für den Freitod entschied, denn er ist freiwillig ins kalte Meer gegangen. Wir erfahren, warum die Familie auswanderte und natürlich! erfahren wir jede Menge über diese leere Welt, in der er sich nach seinem Tod wiederfand. Soviel sei noch verraten: er bleibt nicht allzu lang allein.

‚Mehr als das‘ ist ein Buch über das anders sein, über das Erwachsenwerden, darüber was Realität ist und nicht zuletzt natürlich über Freundschaft und was diese ausmacht. Ein überaus positives Buch, denn der anfängliche Selbstmord ist ja offensichtlich nicht die Lösung aller Probleme! Es gibt immer noch etwas mehr, auch wenn man denkt, alles ist aus und es gibt kein morgen.

Ich habe ja schon ewig kein Jugendbuch mehr gelesen, und dann sowas! Wie unglaublich spannend dieses Buch ist, kann man im Prinzip schon am obenstehenden Anfang erahnen. Schon ab der ersten Zeile entwickelte es einen irren Sog, der mich bis zum Ende nicht mehr loslies. Es grenzte schon an körperlichen Widerwillen, das Buch aus der Hand zu legen.

Thank you Patrick Ness for this incredible reading experience!

[Alles in allem eine überaus gelungene -wenn auch unfreiwillige- Fortsetzung von Spademan.]

Bibliografisches:

ISBN 9783570162736

Erschienen im Verlag cbt, März 2014
Aus dem Englischen übertragen von Abarbanell
Originaltitel: More than this
512 Seiten, gebunden

€ 17,99

Auch erhältlich als ebook.

Der Verlag hat nicht nur eine Sonderseite erstellt (auf der man auch das Buch gewinnen kann), sondern auch einen super Trailer produziert:

Und da der Titel des Buches auf dem gleichnamigen Lied des großartigen Peter Gabriel basiert und Musik immer gut kommt:

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Empfindliche Wahrheit – John Le Carré

Empfindlichewahrheit

Ullstein Verlag

Eine empfindliche Wahrheit ist eine, die du vielleicht als wichtig einschätzt, deren Bekanntmachung allerdings nicht unbedingt alle gut finden. Vor diesem Problem stand kürzlich Edward Snowden, vor diesem Problem stehen auch die Charaktere in John Le Carrés neuestem Buch.

Paul nimmt an einer Operation des britischen Geheimdienstes in der Kolonie Gibraltar teil. Durchgeführt von einem recht dubiosen Militärdienstleister namens Ethical Outcomes. Paul ist im Grunde nur der Kontaktmann des Ministers, die Drecksarbeit erledigen die Soldaten/ Söldner.
Ein Terrorist soll festgesetzt werden, allerdings sind die Indizien und die Situation vor Ort mehr als fragwürdig. Trotz negativer Einschätzung seitens der ausführenden Soldaten und Paul, gibt der Minister den Einsatzbefehl. Paul wird kurz darauf weggebracht und kann sich kein eigenes Bild vom Aussgang der Operation machen. Ihm wird lediglich mitgeteilt, dass sie zur vollsten Zufriedenheit aller verlaufen ist.

Im zweiten Erzählstrang geht es um Toby Bell, den Assistenten des Ministers, der die Operation in Gibraltar initiiert hat. Wir erfahren die Vorgeschichte der Operation.
Toby wurde von anderer Stelle zum Minister versetzt und möchte nun möglichst viel über diesen erfahren. Bald stößt er auf Ungereimtheiten und geheime Treffen. In einer Ad-Hoc-Aktion zeichnet er eines dieser geheimen Treffen auf und gerät so an Informationen von brisantem Inhalt. Sein väterlicher Mentor, eine Art graue Eminenz und Strippenzieher im Außenministerium kann ihm dabei auch nicht helfen. Man ahnt, dass selbst ihm die Sache zu heiß ist.

Als nun drei Jahre später einer der Soldaten Kontakt zu Paul aufnimmt, gerät die Sache ins Rutschen. Paul versucht den wirklichen Ablauf der Operation heraus zu finden und kommt so auch an Toby Bell.

Es beginnt ein Wettlauf der beiden gegen die Obrigkeit (oder die, die sich dafür halten). Werden Sie die Dokumente veröffentlichen, oder siegen die Vertreter der Staatsmacht und können den Skandal verhindern?!

Hat die Öffentlichkeit ein Recht auf Information, oder gibt es Dinge, die besser hinter verschlossener Tür bleiben? Findet nicht all dies in unserem Namen und mit unseren Geldern statt? In erster Linie zu unserem Schutz? Oder wirtschaften da Menschen in Parallelhierarchien auf eigene Faust und in die eigene Tasche.

Der Meister des Spionagethrillers hat hier wieder ein heißes aktuelles Thema aufgegriffen – und dabei ist die Originalausgabe des Buches noch vor den Snowden-Enthüllungen erschienen – und es ist ihm auch gelungen, daraus einen überaus spannenden Roman zu machen. Lange bleibt offen, wer denn nun mit wem in Bezug steht und wer am Ende die Fäden zieht, oder ziehen lässt.
Vor dem aktuellen Hintergrund liest man so einen Text dann natürlich ganz anders. Das macht ihn aber auch umso einiges interessanter.
Und spannend schreiben kann Le Carré ja ohne Frage. So bleibt nur zu sagen: wieder einen neuen Autoren für mich entdeckt, denn dies war mein erster Le Carré (zumindest in Buchform, einige von den Verfilmungen habe ich schon gesehen), aber gewiss nicht mein letzter! Ganz so, wie kürzlich bei Robert Harris, der sich ja im Grunde mit dem gleichen Thema auseinandersetzt.

Bibliografisches:

ISBN 9783550080364

Erschienen im Ullstein Verlag, November 2013
Aus dem Englischen übertragen von Sabine Roth
Originaltitel: A delicate truth
390 Seiten, gebunden

€ 24,99

Auch erhältlich als ebook, in der Originalausgabe und zum Hören.

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Intrige – Robert Harris

intrige

Heyne Verlag

Robert Harris die Erste! Jetzt schaut ihr vielleicht empört, aber ‚Intrige‘ ist tatsächlich das erste Buch, welches ich von Robert Harris lese. Allerdings kann ich ziemlich sicher sagen, dass es wohl nicht das letzte gewesen ist, denn mit diesem Buch hat mich Harris für sich gewonnen.

Der Titel ist sowohl Krimi, wie auch Spionageroman, historischer Roman und fast auch ein zeitgeschichtliches Dokument; naja, oder zumindest verweist er uns auf zeitgeschichtliche Geschehnisse, mit denen man sich auch heutzutage durchaus auseinandersetzen sollte. Ich weiß nicht, ob dieser Stoff in Frankreich an der Schule durchgenommen wird, mich hätte er aber auf jedenfall an die Schulbank gefesselt.

Der Stoff, den Harris uns hier in Romanform präsentiert, war zu seiner Zeit ein sehr brisanter und ist es wohl auch heute noch. Immerhin wurden erst kürzlich die Dokumente von Regierungsseite zugänglich gemacht (zumindest im Internet).

Es geht hier um die Affäre Dreyfus: Alfred Dreyfus, ein Hauptmann der französischen Armee, ist der Spionage überführt und wird im Jahr 1896 nach monatelanger Einzelhaft öffentlich degradiert und anschließend auf eine Gefängnisinsel in der Karibik verbannt wurde.

Harris erzählt die Geschichte aus  Sicht des Majors (später Oberstleutnants) Picquart, der an der Festsetzung Dreyfus‘ beteiligt war und im Zuge der Geschichte und seiner Beförderung zum Leiter der Satistischen Abteilung (des Geheimdienstes) aufsteigt.
Bei der Sichtung der Dokumente und im Gespräch mit seinem Amtsvorgänger und den diversen Informanten fallen ihm immer mehr Ungereimtheiten bei dem Fall auf. Außerdem bekommt er Hinweise, dass es einen weiteren Spion in der Armee gibt.

Er weitet seine Ermittlungen aus, lässt Leute beschatten und hört Botschaftspersonal ab. Mehr und mehr stellen sich die Beweise gegen Dreyfus als haltlos und teilweise sogar als gefälscht heraus. Picquart ahnt den Super-GAU: Dreyfus sitzt unschuldig auf seiner Insel und muss sellische und körperliche Folter ertragen, während der wahre Spion noch immer frei herumläuft.

Doch es kommt noch schlimmer: als Picquart seine Erkenntnisse den Vorgesetzten bekannt macht, wird er abgekanzelt, ja sogar im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt.

Das diese Dinge (fast) alle wirklich passiert sind, macht das Buch umso spannender, auch wenn es sich auch als bloße Kriminalgeschichte schon unglaublich spannend liest. Außerdem kann man die Geschichte auch unter aktuellen Gesichtspunkten lesen, denn auch heute (und wohl leider immer und immer wieder) gibt es Menschen, die eine unliebsame Wahrheit öffentlich machen und dafür geächtet werden, so wie Picquart zu seiner Zeit.

Harris bietet uns eine detailreiche Darstellung der Geheimdienstarbeit von Picquart und seinen Mitarbeitern und ebenso ein beeindruckend plastisches Bild eines Landes bei dem die Armee die treibende und gestaltende Kraft darstellt. Und das war damals offensichtlich in den meisten Ländern (Europas) so.

Definitiv einer meiner Toptitel für das Jahr 2013. Wer noch keinen Harris gelesen hat, sollte schnell damit anfangen und kein Buch eignet sich dazu besser als dieses hier!

Oben erwähnte Seite findet sich übrigens hier: http://www.affairedreyfus.com/ Sehr informativ zum Nacharbeiten des Buches oder während der Lektüre. Allerdings nur auf französisch und englisch. Aber auch die Bilder sind ja was wert, wenn man sich ein Bild der Herren machen möchte.

Bibliografisches:

ISBN 9783453268784

Erschienen im Heyne Verlag, Oktober 2013
Aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Müller
Originaltitel: An officer and a spy
624 Seiten, gebunden

€ 22,99

Auch erhältlich als ebook, als Audio-CD und mp3.

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Bücher zu verschenken

Ha! Wenn das mal keine Catcher-Überschrift ist!

Da ich in Kürze umziehen werde und es dann schon genug zu tragen geben wird, möchte ich einige Bücher abstoßen. Jeder, der schon mal umgezogen ist, weiß sicher, dass die Bücher immer das Schwerste sind. Bei einem buchaffinen Buchhändler sammelt sich da mit der Zeit extrem viel an. So einiges steht dann jetzt schon lange im Regal und so langsam wird klar, dass das eine oder andere Buch wohl nicht mehr gelesen werden wird.

Die einzig richtige Entscheidung – verschenken. Es handelt sich größtenteils um Leseexemplare, die man als Buchhändler ja netterweise von den Verlagen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt und die daher nicht verkauft werden. Ein paar Taschenbücher, die auch schon länger hier im Regal stehen und auf verschiedensten Wegen hier gelandet sind, manche gemängelt.

Vielleicht freut sich der eine oder andere ja über ein Buch 😉
Am Besten wäre natürlich, wenn ihr euch die Bücher abholen würdet, über einen Versand müssten wir dann noch im einzelnen reden.

Und jetzt: Wer will?

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Mein Debüt-Check im M-Katalog: Jakobs Mantel

Vor kurzem habe ich hier ja schon den Titel ‚Jakobs Mantel‘ von Eva Weaver vorgestellt. Jetzt ist gerade der neue M-Katalog meines geschätzten Arbeitgebers erschienen, in dem es zu selbigem Titel meinen Debüt-Check zu lesen gibt (Seite 15). Die Kurz-Und-Knackig-Version meines Textes hier, quasi.
Das kann man klassisch analog tun, dazu bräuchte man allerdings eine Mayersche-Filiale in der Nähe, um sich einen der Gratis-Kataloge zu holen. Die andere Möglichkeit ist die Online-Lektüre, und zwar hier: M-Katalog lesen.

Schreibt mir eure Meinungen, vor allem, wenn ihr das Buch auch schon gelesen habt. Ich bin gespannt.

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Jakobs Mantel – Eva Weaver

Jakobs Mantel anziehen.

Copyright Droemer Knaur

Dies ist die Geschichte von Mika, der 1938 mit seiner Familie ins Warschauer Ghetto ziehen muss. Als dort sein Großvater Jakob von deutschen Soldaten erschossen wird erbt Mika dessen riesigen Mantel und entdeckt darin so manches langgehütete Geheimnis. Doch neben Briefen und ähnlichem ist es vor allem eine Puppe, die es ihm angetan hat.
Da der Großvater in der überfüllten Wohnung trotz allem Platz für eine kleine Werkstatt hatte, macht sich Mika bald daran, diese auch zu seinem Refugium zu machen. Er beginnt mehr und mehr Puppen zu basteln, um damit kleine Stücke aufzuführen. Diese sollen seiner Mutter und den anderen Bewohnern der Wohnung ein Stück Hoffnung und Fröhlichkeit in das dunkle Dahinfristen im Ghetto bringen.
Auch die Kinder im Krankenhaus des Arztes Janusz Korczak sind begeistert von Mikas Aufführungen.

Doch die Puppen haben es in sich, sie entwickeln zuweilen ein regelrechtes Eigenleben und das nicht unbedingt zu Mikas Bestem.
Als Mika Zeuge einer Schikanierung auf der Straße wird, greift eine Puppe ein. Mika hat Glück im Unglück, denn einer der Soldaten findet die Puppe lustig.
Fortan soll Mika zur Belustigung der Soldaten in deren Unterkünften außerhalb des Ghettos spielen. Einmal wöchentlich holt ihn der Soldat Max am Übergang zur Außenwelt ab und bringt ihn später wieder dahin zurück, ein Brot als Belohnung im Gepäck.

Eine der Puppen ist Mika die liebste, die des Prinzen. Immer wieder appeliert sie an seinen Heldenmut und seine Ritterlichkeit. So wird Mika bald zum Untergrundkämpfer, wenn auch vorerst in eigener Regie…

Dieses Buch ist dann also auch die Geschichte des Prinzen. Der zweite Teil des Buches trägt darum auch den Titel: Die Reise des Prinzen.

Der Prinz gibt weiterhin und auch außerhalb des Ghettos Hoffnung und Rückhalt den Menschen in Not. Jetzt ist es der Soldat Max, der all dies benötigt. Denn er findet sich in einem der Züge wieder, in die er früher die Leute getrieben hat. Seine Reise geht nicht in ein Konzentrationslager, sondern in ein Kriegsgefangenenlager in der Weite der sibirischen Winterlandschaft.
Vom Hunger geplagt, nur in dünnen Stoff gehüllt sind die Gefangenen dort nahezu schutzlos der Kälte ausgesetzt. Für Max gibt es drei Dinge an die er sich hält, ein Foto seiner Familie, einen kleinen Zuckerlöffel, der für ihn die Heimat repräsentiert und nicht zuletzt die Puppe des Prinzen, die ihm Mika überlassen hat.
Das Foto wird bald von den Wachleuten entdeckt und vernichtet, den Löffel kann Max immer gut verstecken und auch die Puppe nimmt ihm keiner ab. Nein, ähnlich wie bei Mika im Ghetto, braucht der Prinz auch hier bald Gesellschaft und die Gefangenen finden in ihm einen halt. Neue Puppen werden gebastelt aus dem Wenigen was man hat und kleine Stücke werden inszeniert.

Schließlich gelingt Max die Flucht mit zwei anderen Gefangenen, doch der Einzige der es bis in die alte Heimat schafft, ist Max. In der Tasche trägt er die Puppe des Prinzen.

Und schließlich ist es auch die Geschichte von Max‘ Enkelin, die mit dem Prinzen als zentraler Figur ein Puppentheaterstück inszeniert, das vom Puppenspieler von Warschau handelt – von Mika. Damit schließt sich dann der Kreis.

Ein tolles Debüt von Eva Weaver. Eine rührende Geschichte über kleine Hoffnungsschimmer, die es auch in den dunkelsten Ecken geben kann. Ein Buch das mich erinnert hat an den tollen Film ‚Der Pianist‘, in dem es auch die Kunst ist – hier das Theater, dort die Musik -, die Zuflucht bietet und am Ende der Geschichte auch Rettung.
Und das Buch wirft auch Licht auf die Figur des Janusz Korczak, dessen Namen ich zwar schon gehört habe, aber noch nicht genau wusste, wer das ist.
Warum der Verlag den Titel geändert, anstatt nur übersetzt hat, erschließt sich mir nicht direkt, aber sei’s drum. Das Cover haben sie immerhin besser hinbekommen, als der Originalverlag.
Was ich etwas bedenklich finde: Mika beginnt an einer Stelle genau das zu tun, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben. Er bezeichnet sie fortan als Ratten, als Ungeziefer also.
Wie seht ihr das, ich zumindest habe da ein um’s andere Mal gestockt beim Lesen.

Bibliografisches:

EAN 9783426199633

Erschienen im Verlag Droemer-Knaur, Februar 2013
Aus dem Englischen übertragen von Werner Löcher-Lawrence
Originaltitel: The Puppet Boy of Warsaw
384 Seiten gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook und natürlich in der Originalausgabe.

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Kapital – John Lanchester

capital

Copyright Klett-Cotta

‚Kapital‘ – da haut schonmal der Titel richtig rein. Denn immerhin hat diesen Titel schonmal ein Buch gehabt. Erschienen im Jahre 1867, geschrieben von Karl Marx.
Ich kann nicht behaupten, dass ich dieses Werk jemals gelesen hätte, aber die Kurzfassung bei Wikipedia verrät mir, dass John Lanchester sein Buch sicher nicht zufällig so genannt hat.
Und mit 682 Seiten und Ziegelsteinformat ist auch der physische Teil nicht zu unterschätzen. Zumindest für Analogleser wie mich.

Ein Porträt der Gesellschaft entwirft John Lanchester hier und dass es sich um die britische oder genauer Londoner Gesellschaft handelt, spielt eigentlich keine so große Rolle. Die Personen kann man leicht auch in andere westliche Länder übertragen.
Da gibt es zunächst Roger Yount, der in einer großen Investmentbank arbeitet. Er ist ein Banker alter Schule, der zwar eine Abteilung leitet, allerdings irgendwie schon den Überblick verloren hat. Von den mathematischen Zusammenhängen und der ganze IT hat er keinen richtigen Schimmer. Die Arbeit lässt er lieber die jungen Emporkömmlinge, wie seinen Assistenten Mark machen.
Zu Roger gehört seine Frau Arabella, die eigentlich nur eine Sache gut kann – Geld ausgeben. Da fangen die Probleme auch direkt an, denn Roger rechnete mit einer Bonuszahlung von 1 Million Pfund, es  muss immerhin der Kredit für ihr Stadthaus abbezahlt werden, für das kleine Ferienhaus auf dem Lande und das tägliche Kleinklein gibt es natürlich auch nicht geschenkt.

Das neue Kindermädchen der beiden heißt Matya und kommt aus Ungarn. Eigentlich will Matya möglichst schnell einen reichen Mann zum heiraten kennenlernen. Stattdessen trifft sie den nicht ganz so reichen Polen Zbginiew, der nach England gekommen ist, um möglichst viel Geld für sein ‚wirkliches‘ Leben in Polen zu verdienen. Das tut er als Handwerker für alle Fälle, oft zusammen mit seinem Kindheitsfreund Piotr.
Zur Zeit ist Bogdan (so nennen ihn die meisten seiner Arbeitgeber) viel in der Pepys Road aktiv, denn er hat sich einen guten Ruf erarbeitet, allein durch ein eigentlich selbstverständliches Maß an Service, welches der englischen Handwerksbranche eher fremd ist.
So sorgt er bei den Younts für eine farbliche Neugestaltung des Badezimmers (ich entschuldige mich hier schonmal, wenn es vielleicht doch das Schlafzimmer o.Ä. war); bei den Leatherbys wird das ganze Haus rennoviert, denn da ist kürzlich die Großmutter gestorben.

Da ich jetzt immer noch bei der Personenriege des Buches bin, mal ein bisschen kürzer zusammen gefasst: es gibt dann noch den Enkel von Mrs Leatherby, der eigentlich Graham heißt, sich aber Smitty nennt, denn er ist ein gefeierter Künstler, dessen größtes Kunstwerk eigentlich seine Anonymität ist (wer da nich an Banksy denkt, ist selber Schuld ;-))
Außerdem patroliert Quentina als Politesse durch die Straßen, ihrem Arbeitgeber ist sie aber nur als Kwama Lyons bekannt, denn eigentlich ist sie eine abgelehnte Asylbewerberin. Ebenso aus Afrika kommen Freddy und sein Vater Patrick. Allerdings nicht auf der Flucht vor politischer Verfolgung, sondern weil Freddy ein begnadetes Fussballgenie ist.
Und am Ende der Pepys Road wohnen noch die Kamals, eine Familie mit pakistanischen Wurzeln, die hier einen Zeitungskiosk betreiben.

Jetzt fehlen immer noch einige Personen, aber das sind immerhin schonmal die wichtigten.
Die Handlung konzentriert sich im Großen und Ganzen in und um die Pepys Road, wo fast alle Figuren wohnen oder arbeiten. Eines Tages beginnt jemand Fotos der Häuser an die Besitzer zu schicken, mit dem immergleichen Spruch WIR WOLLEN WAS IHR HABT auf der Rückseite. Zuerst wird das ganze als Werbeaktion abgetan, aber die Kontinuität des Ganzen ruft dann doch irgendwann Bedenken hervor und die Polizei wird eingeschaltet.
Die Aktion läuft zwar permanent im Hintergrund, aber eigentlich geht es eher um das mehr oder weniger alltägliche Leben der vorgestellten Personen, immer als Repräsentant einer bestimmten Klasse (um hier mal wieder zum alten Marx zurück zu kommen) oder eben Gesellschaftsschicht, Milieu.

Jeder versucht auf seine Weise und seinen Idealen folgend das persönliche Glück zu finden, jeder hat seine Ups und Downs und jeder kommt an ein anderes Ziel. Für die einen gibt es ein Happy End, andere sind eher wortwörtlich am Ende.

Wer sich nicht vor einem großen Personenensemble scheut, der bekommt hier ein erstklassiges, tiefschichtiges Porträt unserer Gesellschaft. Großartig erzählt und fesselnd von Seite zu Seite. Außerdem mal was Anderes als der ewige Ich-Erzähler, der ja immer noch die deutsche Literatur dominiert.

Da ihr ja so große Fans von Buchtrailern seid wie ich, wird der auch gleich noch mit eingebunden (Lanchester spricht über das Buch):

Bibliografisches:

EAN 9783608939859

Erschienen im Klett-Cotta Verlag, Oktober 2012
682 Seiten, gebunden
Aus dem Englischen übersetzt von Dorothee Merkel
Originaltitel: Capital

€ 24,95

Auch erhältlich als eBook und in der englischen Originalausgabe.

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