Graphic Novel

Cut my life into pieces

leavitt

(c) Beltz

Ein Buch über Alzheimer, noch dazu ein Sachbuch, ist nichts, was normalerweise auf meiner Leseliste landet. Doch dieses hier ist in eine Ausnahme, denn es ist in grafischer Form erzählt.
Zuerst sind es die kleinen Dinge, abgetan als normale Vergesslichkeit. Man kennt das aus so ziemlich jeder Geschichte zum Thema Alzheimer. Die Angst, das Verleugnen. Doch als klar wird, dass ihre Mutter an Alzheimer erkrankt ist, beschließt Sarah Leavitt das Voranschreiten der Krankheit zu dokumentieren. Doch daraus wird viel mehr, es wird nicht nur die Geschichte einer kranken Frau, sondern ebenso das Porträt einer Familie, die vor die schwierigste aller Aufgaben gestellt wird, das langsame Verschwinden eines geliebten Menschen zu begleiten, der doch physisch immer noch in ihrer Mitte ist, und das ganze ohne dabei selbst zu zerbrechen.

Mit dünnem Strich und ohne viel Schnickschnack erzählt Leavitt von der Jugend der Mutter und deren zwei Schwestern, die unzertrennlich sind, ganz im Gegensatz zu ihr selbst und ihrer Schwester, die eher wie Öl und Wasser sind.

Es sind vor allem die kleinen Episoden, die dieses Buch so sympathisch machen und es von den reinen Krankheitsberichten abhebt (neben der grafischen Umsetzung natürlich). Etwa als die Schwestern mit der Mutter im Regen stehen, mit offenem Mund und herausgestreckter Zunge. Oder wie Sarah beim Anblick der Haarknäuel (tangles) ihrer Mutter und der Tante im Badezimmer beinahe in Tränen ausbricht.

Beeindruckend, wie die Familie sich um die Mutter kümmert und dabei ganz offensichtlich an ihre Grenzen stößt. Das führt unter anderem dazu, dass sich der Vater eine Auszeit nimmt und für einige Zeit nach Mexiko reißt, um dem täglichen ‚Wahnsinn‘ zu entfliehen.
Bis fast zum Ende verweigert sich die Familie professioneller Hilfe und nimmt die Pflege ausschließlich in die eigenen Hände, auch wenn das eigene Leben unweigerlich darunter leidet.
Wäre jeder von uns dazu auch in der Lage. Wäre ich dazu in der Lage?, fragte ich mich immer wieder bei der Lektüre.
Das Ende las ich schließlich mit unvermeidlich feuchten Augen.

Ein beeindruckender Bericht; gewagt und – gelungen.

Das große Durcheinander – Sarah Leavitt
ISBN 9783407859686

Erschienen im Beltz Verlag, März 2013
Aus dem Englischen übertragen von Andreas Nohl
Originaltitel: Tangles: A story about Alzheimer’s, my mother and me
128 Seiten, gebunden

€ 19,95

Kategorien: Graphic Novel, Nordamerikanische Literatur, reportage, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Eine Nautische Fabel – Marine Blandin

(c) Carlsen

Irgendwie haben wir es ja schon immer geahnt: die Hölle ist ein riesiges Spaßbad! Den Satz könnt ihr jetzt vor und zurück lesen, das macht es auch nicht besser.

Um genau dieses Spaßbad geht es auch in der Fabel von Marine Blandin. Doch halt, nicht etwa jedes x-beliebige Spaßbad, das wäre ja langweilig. Damit das Ganze ein bisschen Biss bekommt, wurde dieses hier auf ziemlich freiem Feld just über einem Haustier-Friedhof erbaut. Genau! Als belesener, oder befernsehter Mensch ruft es da lauthals: Friedhof der Kuscheltiere! (Manch einer summt vielleicht auch das passende Ramones-Lied 😉 )

Alles beginnt auf diesem Friedhof, wir sehen ein junges Mädchen (merkt euch das schon mal), die hier ihr verstorbenes Häschen besucht und ihm eine Möhre bringt, denn auch tote Häschen wollen gefüttert sein. Die Gräber von Bombolbee, Ketchup und Co. sehen auch nicht mehr gerade frisch aus, woran wir sehen, dass der Friedhof schon eine ganze Weile dort angesiedelt ist.
Das Mädchen nun bringt ihrem Matz ein Möhrchen und beichtet ihm gleichzeitig den anstehenden Plan, dass auf dem Gelände ein Schwimmbad gebaut werden soll.

matz

(c) Carlsen

Und du blätterst um und zack! rauschen da die Leute die Rutschen runter und ein gestresster Bademeister ist auf dem Weg zu seinem Kollegen, der zufälligerweise ebenfalls Matz heißt, um ihn zu überreden, mit zum Wasserballspiel zu gehen, damit er nicht allein mit dem Kollegen Gabor hin muss. Doch Matz hat andere Pläne: er wird sich heute die Alte schnappen, die immer ihre Möhrchen in die Becken wirft (ihr erinnert euch..).

Klingt alles noch ganz harmlos? Jetzt geht’s aber auch erst los: die üppige Bepflanzung beginnt ein Eigenleben zu führen, es verschwinden Leute in der Vegetation, es wird ein Wal gesichtet und die drei Damen vom Jacuzzi-Orakel stellen scheinbar unmögliche Aufgaben: sie möchten den verschollenen Schlüssel vom Boden des bodenlosen Schachtes geholt bekommen. Und plötzlich stellt auch noch eine die unerhörte Frage: Wo ist der Ausgang?

Nebenbei gibt es Wasserballett, Wasserballspiele, haufenweise vor sich hin treibende Kinder mit Schwimmflügeln und sowieso jede Menge Wasserspaß, wie es sich für ein Spaßbad gehört. Ach ja, und natürlich Haustiergeister.

rücken

(c) Carlsen

Und da es ja schon der Titel verrät: natürlich gibt es auch viele Parabeln auf die Welt. Ist die Spaßgesellschaft sich selbst genug, oder ist der Spaß irgendwann vorbei? Kann man wirklich im Schwimmbad Möhren anbauen? Wie sieht es auf dem Boden eines bodenlosen Schachtes aus? Ist Gott ein Wal?

Nach der Lektüre musste ich an Sartres ‚Geschlossene Gesellschaft‘ denken, aber auch an Kant. Und sicher entdeckt man bei jedem neuen Lesen wieder andere philosophische Anspielungen und immer neue Ebenen.

Dringende Leseempfehlung! Folgt der Karotte, oder wahlweise dem weißen Kaninchen…

P.S. Wenn ihr dem untenstehenden Link zur Mayerschen-Seite (ISBN) oder dem zur Carlsen-Seite folgt, gibt es dort die ersten Seiten als Leseprobe.

 

 

Bibliografisches:

ISBN 9783551757531

Erschienen im Carlsen Verlag, Mai 2014
Aus dem Französischen übertragen von Ulrich Pröfrock
Originaltitel: Fables Nautiques
142 Seiten, gebunden

€ 17,90

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Imperium des Atoms – T. Smolderen & A. Clerisse

imperium atoms

Carlsen Verlag

Jetzt mal ehrlich: wenn ihr immer noch keine Comics lest (‚Sind nur was für Kinder‘), dann muss das unverzüglich ein Ende haben. Ihr wisst ja gar nicht, was für tolle Literatur ihr verpasst und was für tolle Bücher in Bezug auf Ausstattung. Der Bibliophile muss ja quasi per definitionem Comic-Fan sein!
Also: startet spätestens jetzt und mit diesem tollen Buch. Das Imperium des Atoms von Thierry Smolderen geschrieben und von Alexandre Clerisse zeichnerisch brillant umgesetzt.

Schon das Cover ist ja ein Augenschmaus und wenn man das Buch im richtigen Winkel gegen das Licht hält, funkeln die Sterne und man folgt dem Blick des bebrillten Herren in himmlische Sphären.

Der bebrillte Herr heißt Paul und hat eine besondere Gabe: seit er in seiner Kindheit verschiedene Science-Fiction-Romane las, ist er mit dem Autor telepatisch verbunden, denn alle stammen aus der selben Feder, der des Herrn Zarth Arn, welcher 120.000 Jahre in der Zukunft lebt.
Genau aufgrund dieser Fähigkeit will sich der skrupellose Zelbub (klingt verdächtig nach Beelzebub) seiner bedienen um – wir ahnen es – die Weltherrschaft an sich zu reißen (genau wie jeden Tag, Pinkie)!
Paul und weitere Intelektuelle und Wissenschaftler werden manipuliert um ihm zu diesem Ziel zu verhelfen, doch in Paul regt sich Widerstand. Schlecht für Zelbub, denn ohne Pauls Kontekt in die Zukunft wird es schwierig mit seinem Imperium des Atoms.

IMG_0026

Carlsen Verlag

Das eigentliche Highlight dieser Geschichte ist jetzt aber die graphische Umsetzung. Ich nenne es mal Nostalgie-Science-Fiction, denn die Optik bedient sich an Zukunftsvisionen der 1950er Jahre. Die Vorstellung von der Zukunft, als bei uns das Atomzeitalter anbrach. So tauchen hier ebenso selbstfahrende Raketenwagen auf, wie ein Atomic-Pile-Staubsauger (der auch in Orson Wells ‚Our Man in Havana‘ die Auslage ziert) und fliegende Taucher mit Strahlenkanonen.

Figuren und Szenario sind in einem Stil gezeichnet der wie eine Mischung aus Jetsons und Dexters Labor anmutet, aber auch thematisch, und in seiner Gänze einfach nur großartig ist.
Die Farbgebung ist mal zurückhaltend, mal knallig, die Zukunftsepisoden in der Zeit des Zarth Arn immer schwarz-weiß gehalten. So lässt sich leicht differenzieren.

Einflüsse aus diversen anderen Comics sind also nicht abzustreiten, so taucht z.B. in einer Episode ein Mitarbeiter des Spirou-Teams auf. Die Geschichte erinnert auch wirklich ein bisschen an die von Spirou und Fantasio, die ich früher gern gelesen habe.
Außerdem gibt es hier eine Prise Mad Men, Beautiful Mind und sogar James Bond.

Alles in allem, ein absolutes Schmankerl und seinen Preis mehr als wert! Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch gerne nochmal Asterios Polyp.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783551757548

Erschienen im Carlsen Verlag, März 2014
141 Seiten, gebunden

€ 22,90

Als ebook nicht zu haben, das würdet ihr auch nicht wollen! Und zum Hören? Pff!

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Attentat – Loïc Dauvillier und Glen Chapron

Attentat

Carlsen Verlag

Puh! Am Ende dieses Buches musst du erstmal tief durchatmen und was ganz anderes machen.

Dies ist die Geschichte von Amin Jaafari. Amin Jaafari ist Chirurg an einer Klinik in Tel Aviv, er ist Israeli und er ist Palästinenser. In einem Land wie Israel gehört er damit offensichtlich weder zu den Einen, noch zu den Anderen.
Trotz allem führt er ein gutes Leben, hat Freunde ein schönes Zuhause und fühlt sich wohl. Bis zu dem Tag, an dem das titelgebende Attentat verübt wird.

In einem Restaurant sprengt sich ein Attentäter in die Luft und nimmt 19 Menschen mit in den Tod, unzählige werden verletzt. Amin hat gerade Schicht im Krankenhaus und ist einer der ersten, die sich um die Verletzten kümmern.
Als er übermüdet und ausgelaugt nach seiner langen und blutigen Schicht nach Hause fährt, wird er von einer Polizeikontrolle aufgehalten, letztlich jedoch durchgewinkt. Daheim fällt er todmüde ins Bett, wird allerdings nach nur kurzer Zeit vom Telefon aus dem Schlaf gerissen und ins Krankenhaus zurückbeordert. Dort soll er die Leiche seiner Frau identifizieren, die er bei der Großmutter wähnte.

Es stellt sich heraus, dass seine Frau für das Attentat verantwortlich gemacht wird und natürlich wird auch Amin eine Rolle bei dem Ganzen zugewiesen, man beschuldigt ihn der Mittäterschaft.

Für Amin bricht seine ganze Welt zusammen. Er glaubt nicht an die Schuld seiner Frau, wie soll man sich so in einem Menschen täuschen können? Wie soll es möglich sein, das er nichts von einer derartigen Radikalität seiner Frau mitbekommen hat? Lange wird er auf der Polizeiwache verhört und schließlich doch frei gelassen, da ihm keine Mitschuld nachgewiesen werden kann.

Doch sein Zuhause ist jetzt gefährliches Terrain. Er wird von den Kindern der Nachbarschaft als Terrrorist und Verräter beschrien und von einigen jüdischen Nachbarn sogar auf offener Straße zusammen geschlagen. Daraufhin flüchtet er sich in die Wohnung einer Freundin und versucht mit deren Hilfe wieder auf die Beine zu kommen.

Im Chaos seines verwüsteten Hauses findet er Tage später einen Brief von seiner Frau, den diese vor ihrem Tod aus Bethlehem abgeschickt hat und in dem Sie ihn um Verzeihung für ihre Tat bittet.
Amin macht sich mit der Freundin auf den Weg nach Bethlehem, denn er will auf eigene Faust herausfinden, wie seine Frau da hineingeraten ist, wie sie ohne sein Wissen sich so von ihm wegbewegt hat. Dort ist er allerdings alles andere als willkommen und seine Nachforschungen stellen sich als lebensgefährlich heraus.

Wie ich schon im einführenden Satz andeute, ist das alles andere als leichte Kost. Es ist die Geschichte eines Mannes, der an seinem Lebensentwurf zweifelt. Seine Suche nach dem Fehler, auf den Spuren seiner verstorbenen Frau und den Menschen, die sie zu der gemacht haben, als die sie letztendlich aus dem Leben ging. Die Reise eines Mannes zu den offenen Wunden eines Landes, in dem der Hass leider inzwischen tief verwurzelt ist – wo es doch das heilige Land sein soll. Ein Land in dem es unsichtbare Grenzen gibt und leider auch allzu sichtbare, die das Land zerschneiden, die Menschen trennen.

Bibliografisches:
ISBN 9783551782502

Erschienen im Carlsen Verlag, Februar 2014
Aus dem Französischen übertragen von Ulrich Pröfrock
Szenario von Loïc Dauvillier; Zeichnung und Farbe von Glen Chapron
Originaltitel: L’Attentat
160 Seiten, gebunden

€ 18,90

Dieses Buch basiert auf dem Roman ‚Die Attentäterin‘ von Yasmina Khadra, der auch schon verfilmt wurde.

Kategorien: Belletristik, Comic, Geschichte, Graphic Novel, Politik | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Django Unchained – Quentin Tarantino u.A.

django

Eichborn Verlag

Es gibt tatsächlich Leute die Django Unchained noch nicht gesehen haben. Ja, ich bin einer davon.
Doch es müssen ja nicht immer bewegte Bilder sein. So wie in diesem Falle. Kurz vor Weihnachten im Eichborn Verlag erschienen, kann diese Graphic Novel sogar noch mit einem echten Plus aufwarten: es ist gewissermaßen der Directors Cut. Gnadenloß und ungeschnitten (gibt es bei Tarantino-Filmen eigentlich Jugendschutz?!). Wie Tarantino im begleitenden Vorwort verlautet, handelt es sich hierbei wirklich um das komplette Drehbuch, welches aus Zeitgründen – der Film würde sonst an die vier Stunden dauern – zusammengekürzt wurde.
Da Tarantino selbst ein großer Comic-Fan ist, lag die Umsetzung auf diesem Wege auf der Hand. Und es ist ein opulentes Buch daraus geworden. Neben der Einleitung vom Meister höchstselbst bietet es am Ende auch noch 15 Seiten Bonumaterial, mit Hintergrundinformationen zu den Zeichnungen, Zeichnern und einigen Cover- und Filmplakatentwürfen.

Ja, Zeichner. Das Buch ist in sieben Teile gesplittet, die von drei verschiedenen Zeichnern umgesetzt wurden. Den Großteil hat dabei R.M. Guéra geleistet. Die Teile 1, 2, 4 und 7 gehen auf seine Kappe; Teile 3 und 6 wurden von Denys Cowan gezeichnet und Teil 5 von Danijel Zezelj. Diese Aufteilung ist mir am Anfang nicht aufgefallen, doch sobald man bei Teil 5 ankommt, ist der Unterschied wie ein Schlag mit der Peitsche ins Gesicht 😉

Noch kurz zur Geschichte: In einer nicht allzu fernen, jedoch dunklen Vergangenheit in Nordamerika. Django ist Sklave und auf dem Weg zu seinem neuen Besitzer, mit einer Gruppe anderer Sklaven und den Sklaventreibern. Plötzlich taucht Dr. King Schultz auf, ein ehemaliger Zahnarzt aus Düsseldorf, der seinen Lebensunterhalt mit der Kopfgeldjagd verdient. Schultz will Django kaufen, da nur dieser ihm zu einem begehrten Kopfgeld verhelfen kann. Nach kurzem Scharmützel sind die Sklaven mehr oder weniger frei und Schultz reitet in Begleitung von Django davon.
Nur als Hilfe für diesen einen Fall gedacht, entwickelt sich zwischen den beiden so etwas wie Freundschaft, oder doch zumindest das Verhältnis Schüler-Lehrer. Denn Django erweist sich als Naturtalent in Sachen Kopfgeldjagd.
Wie Schultz bald erfährt, ist es Djangos größter Wunsch, seine Frau, die ebenfalls als Sklavin gehalten wird, aber von ihm getrennt wurde, wiederzufinden. Da sich das eine gut mit dem anderen verbinden lässt, begeben sich die beiden also auf die Suche. Und hinterlassen einen Pfad des Blutes (natürlich aber immer der gerechten Sache verschrieben).

In Ermangelung des cineastischen Genusses, kann ich nur sagen: das Buch macht mindestens ebensoviel Spaß! Wenn nicht sogar noch mehr, denn man hat ja zusätzlich noch die Möglichkeit, verschiedenen Zeichner am Werk zu sehen und damit verschiedene Darstellungsweisen der Charaktere.
Die Darstellungen liegen irgendwo zwischen klassischem Westerncomic und Superheldenheft mit einer Prise Splatter, natürlich aber ein Stückchen edler, da in Buchform und mit großartigem Eyecatcher-Cover. Der Eichborn Verlag hat hier wirklich einiges vorzuweisen, denn das Buch kommt nicht im normalen Graphic-Novel-Einband daher, sondern im edlen Schwarz mit rotem Schutzumschlag.

Kurz: Tarantino auf Papier. Erstens: mal was ganz anderes. Und Zweitens: Großartig!

Bibliografisches:

ISBN 9783847905387

Erschienen im Eichborn Verlag, Dezember 2013
272 Seiten, gebunden

€ 19,99

Kategorien: Action, Comic, Graphic Novel, Historischer Roman, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Thriller, Verfilmung, Western | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Vakuum – Lukas Jüliger

vakuum

Copyright Reprodukt

Die Langeweile der Vorstadt kann tödlich sein. Mehr als du denkst. Ganz genau so geht es auch dem Jungen in Lukas Jüligers Debüt ‚Vakuum‘.

Es sind die letzten Schultage vor den Sommerferien, vor dem Abschluss. Danach heißt es: School’s out for summer, school’s out for ever!
Beim Tagträumen in einer versteckten Ecke hinter dem Schulgebäude steht plötzlich dieses Mädchen über ihm. Es ergreift die Initiative, die ihm immer gefehlt hat und spricht ihn an. Schnell werden die beiden Freunde und bald auch mehr als das. Es geschieht endlich etwas im Leben des Jungen. Und das war endlich mal nötig, denn Freunde hat er keine (mehr).

Sein einziger Freund ist bei einem Experiment der beiden mit halluzinogenen Blumen irgendwo im Äther hängengeblieben, zumindest der interaktive, menschliche Teil seiner Persönlichkeit. Seitdem entledigt er sich seiner Besitztümer und legt auch sonst einer erhöhte Zerstörungswut an den Tag. So trifft man ihn  schon mal des Nachts auf dem Parkplatz, wo er seine Möbel verbrennt. Man könnte direkt sagen, er befindet sich in einer Art aktivem Wachkoma.

Doch zurück zu dem neuen Mädchen in seinem Leben, denn da gibt es etwas, dass den Jungen stört, verstört und befremdet. Bei jedem Zusammensein der beiden kommt der Augenblick, an dem das Mädchen auf einmal dringend weg muss. Egal, wie nah sich die beiden auch gerade noch waren – zack, verschwindet sie und er bleibt verdutzt zurück.

Was es mit diesem Geheimnis auf sich hat, erfährt man später, denn der Junge entschließt sich, dem Mädchen zu folgen. In den Wald zu einem alten Wohnwagen und in diesem, durch den Küchenschrank in ein Erdloch…

Eine Szene, die man am Anfang erstmal für unwichtig hält, wird später noch große Bedeutung bekommen: der Junge beobachtet einen anderen, wie der am frühen Morgen eine Matratze den Hang hinauf in den Wald trägt. Eine tragische Geschichte wird sich daraus ergeben, denn der Junge mit der Matratze bringt sich dort um. Aber nicht nur sich. Und sein Bruder wird daraufhin zum apokalyptischen Engel der Geschichte.

Anhand der Farbgebung kann man sich im Prinzip schon von Beginn an denken, dass diese Erzählung keine lustige sein wird. Düstere Erdtöne bestimmen die Seiten, ganz so wie das Cover es schon vorgibt. Dort sieht man übrigens schon die drei Hauptfiguren, ganz so, wie sie auch im Buch agieren werden – einander verbunden, dennoch getrennt.
Ich hatte vor der Lektüre nur noch eine düstere Erinnerung, dass dieses Debüt beim Erscheinen an verschiedenen Stellen gelobt worden war. Von der Geschichte selber allerdings nur eine sehr vage Vorstellung. Umso mehr war ich dann beeindruckt von der tragischen Intensität der Bilder, ebenso wie von den kreativen Einfällen des Autor, wodurch die Geschichte nie langweilig wird.

Da die Graphic Novel für mich so etwas der Schnittpunkt zwischen Film und Literatur ist, ziehe ich hier mal den Vergleich zum bewegten Bild. Wenn ihr also Filme mögt und nicht so richtig wisst, ob das Buch etwas für euch sein könnte – die Story könnte auch ein Film sein, der sich bewegt zwischen Larry Clark, David Lynch und Gus Van Sant.

Ich freue mich immer, wenn es eine tolle neue Graphic Novel von einem deutschen Autor gibt, neben den alten Größen Kleist und Kreitz und wenn es dann noch eine derart beeindruckende ist, natürlich umso mehr.

Absolute Leseempfehlung!

Hier findet ihr eine Leseprobe: Vakuum

Bibliografisches:

EAN 9783943143157

Erschienen im Reprodukt Verlag, Januar 2013112 Seiten, kartoniert

€ 20,00

Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im Land der Frühaufsteher – Paula Bulling

frühaufsteher

Copyright Avant-Verlag

Ein sensibles Thema, welches in der Öffentlichkeit nicht stattfindet, dennoch aber eigentlich jeden von uns interessieren sollte: Asylanten in Deutschland.
In der ungewöhnlichen Form einer Graphic Novel berichtet uns Paula Bulling vom Alltag einiger Asylanten im sogenannten ‚Land der Frühaufsteher‘ – Sachsen-Anhalt.
Isoliert von jeglichem sozialen Kontakt leben die Asyl-Suchenden in einem Heim außerhalb der Stadt. Da ist es schon ein Ereignis, wenn eine junge Frau vorbeikommt um sich über ihren Alltag zu informieren, um daraus eine Comic-Reportage zu machen. Noch besser, wenn sie mit Wochenend-Ticket angereist ist und so ein paar Leute mit ihr in die Stadt fahren können, um zumindest einen Hauch von Sozialisation zu bekommen.

Durchgehend in einem blaugrauen Farbton gemalt, tragen die groben Zeichnungen eine unglaubliche Intensität in sich. Die Ungewissheit, die Resignation der Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen aus ihren Ländern geflohen sind, um in Deutschland ein besseres Leben zu finden, leben in den Heimen wie in Gefängnissen mit offenen Türen. Theoretisch können sie nach draußen gehen, aber wohin, wenn das Erreichen der nächsten Stadt mit einem stundenlangen Marsch verbunden ist.

Was die Presse nicht leistet, über soziale, politische Themen zu berichten – die ungewisse Situation von Menschen, die quasi neben uns wohnen, allerdings isoliert, abgeschirmt – in die Öffentlichkeit zu bringen, versucht Paula Bulling hier auf dem Weg der Comic-Reportage und es gelingt ihr auf sehr beeindruckende Weise. Nicht umsonst hat dieser Band so gute Besprechungen erfahren. Zu Recht, zu Recht!

Eines der vielen vielen Beispiele also, die die immer noch warmgehaltene Meinung, dass Comics nur für Kinder sind, widerlegen.


Bibliografisches:

EAN 9783939080688

Erschienen im Avant-Verlag, Juni 2012
125 Seiten, kartoniert

€ 17,95
P.S. Irgendwie klappt das mit dem Embed-Code nicht. Hier sollte eigentlich noch die Leseprobe auftauchen. Die findet ihr dann jetzt hier: Im Land der Frühaufsteher.

Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel, Politik, Regional, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Asterios Polyp – David Mazzuchelli

asterios

Copyright David Mazzuchelli & Eichborn Verlag

Viele Comics hat er schon gemalt, dies ist nun Mazzuchellis erste Graphic Novel. Und dann direkt so ein großartiges Werk!

Die titelgebende Figur ist Asterios Polyp, dessen Geschichte hier erzählt wird – aus Sicht seines totgeborenen Zwillingsbruders.
Dramatischer Start – es stürmt und regnet, ein wahrhaftes Unwetter geht hernieder. In einer ziemlich herunter gekommenen, dreckigen und vermüllten Wohnung liegt ein ziemlich herunter gekommener Asterios Polyp in einem speckigen Bett und schaut Videos. Die Videoskassetten sind alle mit einem anderen Datum beschriftet und der Kerl hat ein ganzes Zimmer davon.

Es kommt wie es kommen muss – der Blitz schlägt eine Etage tiefer in das Haus ein und unser Held muss aus dem Haus fliehen. Schnell zieht er sich Schuhe über und klaubt seine wichtigsten Habseligkeiten zusammen: ein Feuerzeug, eine Uhr und ein Schweizer Taschenmesser. Was es mit diesen Dingen auf sich hat, erfähren wir im Laufe der Geschichte.
Seiner Unterkunft beraubt, sehen wir ihn als nächstes in einem Pappkarton im Regen liegend. So kann das nicht weiter gehen, sagt sich auch Asterios Polyp, fährt zur nächsten Greyhound-Station und kauft mit seinem letzten Geld ein Ticket ins Irgendwo.

Schon im Bus verschenkt er das Feuerzeug an einen versoffenen Ex-Knacki, der später noch einen dramatischen Auftritt haben soll.
Der Bus fährt in die Weiten der Provinz und passiert eine Autowerkstatt, an der eine Stelle ausgeschrieben ist. Sekunden später ruft der Fahrer den Ort als Haltepunkt aus und Asterios Polyp steigt kurzentschlossen aus und bewirbt sich um die Stelle.
Gut, dass er ein fotografisches Gedächtnis hat, denn von der Automechanik versteht er nicht allzuviel. Also schnell in die örtliche Bibliothek, eine Stunde Bücher zum Thema gelesen und schon kann’s losgehen mit der Karriere als KFZ-Mechaniker.
Zufällig hat der Inhaber auch noch ein Zimmer zu vermieten, besser geht’s ja gar nicht.

Jetzt steigen wir parallel in den zweiten Erzählstrang ein. Es wird erzählt, wie Asterios seine große Liebe trifft: Hana (oder wie er sie nennt – Daisy).
Wir erfahren, dass Asterios ein erfolgreicher und anerkannter Architekt war, mit Lehrauftrag an einer renommierten Universität. Sein einziges Manko: keiner seiner ausgezeichneten Entwürfe wurde je gebaut. Das kann dann schon mal am Ego kratzen, zum Glück hat Asterios aber reichlich davon, zumindest vorerst (soll heißen in diesem zeitlich früheren Erzählstrang).
Hier an der Universität lernt er nun auch Hana kennen, die ebenfalls als Dozentin angestellt ist. Allerdings ist sie in so ziemlich allem das genaue Gegenteil von Asterios. Er ist der berechnende egozentrische Ingenieur, sie die emotionale Künstlerin.

Nichtsdestotrotz bahnt sich hier eine Liebesgeschichte an (frei nach Reich-Ranicki: In der Literatur geht es nur um drei große Themen: Liebe, Liebe und Liebe.) – Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Es dauert nicht lange und die beiden heiraten. Sie ist diejenige, die immer zurück zu stecken scheint, wo sich das Ego von Asterios breit macht.

Die Handlung springt im Folgenden immer wieder hin und her, Asterios führt philosophische Gespräche mit der Esoterikerin, die des Automechanikers Frau ist. Traumsequenzen, in denen auch schonmal der Zwillingsbruder auftaucht mischen sich mit der Geschichte der Eltern. Und die Geschichte der Ehe strebt ihrem Ende entgegen, als der kleine dickliche Tänzer/Choreograph Willy Ilium auftaucht und Hana für seine neueste Inszenierung engagiert. Fortan wendet Hana dafür immer mehr Zeit für diese Inszenierung auf und damit auch automatisch für Willy, was für das Selbstbewusstsein Asterios‘ gar nicht gut ist. So geht denn auch die Ehe in die Brüche als es darüber zum Streit kommt und es schließt sich der Kreis zum Anfang der Geschichte und dem verwahrlosten Asterios in seiner verwahrlosten Bleibe.

Das Besondere an dieser Graphic Novel ist nun die unglaublich tolle künstlerische Umsetzung. Da reiht sich nicht einfach nur Kästchen an Kästchen, nix da! Mazzuchelli spielt mit allen Möglichkeiten des Genres. Da werden vordergründige Seiten weg geklappt und die Personen kommentieren parallel das Geschehen. Die Größe der Bilder reicht von Briefmarkengröße bis zur doppelseitigen Abbildung. Mit der sparsamen und zurückhaltenden Farbgebung untermalt Mazzuchelli die doch eher traurigen Grundzüge der Geschichte.
Auch die Formen der Figuren spielen eine große Rolle: Asterios ist der eher kantige Typ, passend zu seinem Charakter, wobei Hana eher etwas fließendes Weiches hat. Besonders kommt das heraus, wenn die beiden in Streit geraten: da verwandelt sich Asterios in eine Zusammensetzung von kaltblauen geometrischen Figuren, während Hana zu einem rotglühenden Emotionsherd wird.

Was es nun mit den drei Dingen auf sich hat, die Asterios beim Wohnungsbrand unbedingt dabei haben musste, bevor er die Wohnung verlies, müsst ihr euch selber erlesen! Ebenso, wie es dazu kommt, dass Asterios dem Mann aus dem Bus bei einem Punkkonzert wieder begegnet und was es mit dem Raum voller Videos auf sich hat. Es lohnt sich de-fi-ni-tiv!!! Die Leseprobe gibt es HIER.

Kurz zusammen gefasst ist das Buch also eine künstlerisch hochwertige, philosophische Geschichte über einen Mann auf der Suche nach dem großen Glück (oder war es doch die Liebe?!).
Zumindest ist hier jeder einzelne der 2.995 cent gut investiert. Das nenne ich Preis-Wert!

Bibliografisches:

EAN 9783821861302

Erschienen im Eichborn Verlag bei Bastei Lübbe, August 2011
Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Thomas Pletzinger
Originaltitel: Asterios Polyp
344 Seiten, gebunden

€ 29,95

Auch erhältlich in der englischsprachigen Originalausgabe

Kategorien: Comic, Graphic Novel, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wave and Smile – Arne Jysch

Copyright Carlsen Verlag

Lächeln und winken, ob das eine gute Strategie ist für Soldaten die in einem fremden Land für Ordnung sorgen sollen? Arne Jysch beschäftigt sich in seinem Comic mit einem heiklen Thema. Ein Thema, dass aus der Tagespresse schon fast verschwunden ist: deutsche Soldaten in Afghanistan.

Die Geschichte startet damit, dass bei einem Hinterhalt drei Soldaten aus der Einheit von Hauptmann Menger sterben. Menger und seine Leute sind traumatisiert, sollen aber möglichst schnell wieder normal weiter funktionieren. Ihre neue Mission ist der Schutz der deutschen Journalistin Anni, einer alten Bekannten von Menger.

Als bei einem Einsatz – eine Turbine zur Stromerzeugung wird in ein abgelegenes Dorf gebracht – der Zeitplan durcheinander gerät, werden die Hubschrauber auf dem Heimflug unter Beschuss genommen. Ein weiterer Soldat aus der Truppe stirbt und einer der Hubschrauber muss eine Bruchlandung hinlegen. Da das Gelände als nicht sicher gilt, wird dem anderen Hubschrauber die Landung verweigert. Man soll auf ein Bodenteam warten, welches allerdings erst in 5 Stunden eintreffen wird.
Von unverhoffter Seite bekommen die deutschen Soldaten Hilfe. Männer aus einem nahe gelegenen Dorf holen sie aus ihrer misslichen Lage und gewähren ihnen Unterschlupf, um auf das Rettungsteam zu warten.

Als plötzlich das Dorf von einer größeren Talibaneinheit angegriffen wird, kommt es zum Kampf. Ein weiterer Soldat stirbt durch eine Bazooka, Journalistin Anni wird gerade noch so aus den Händen der Taliban befreit, allerdings verschwindet Hauptfeldwebel Marco, der sich auf die Suche nach der verschwundenen Anni gemacht hatte. Es fehlt jede Spur von ihm und als die US-Luftwaffe eingreift, müssen die deutschen Soldaten den Ort unverrichteter Dinge verlassen.

Zurück in Deutschland hat Hauptmann Menger schwer zu kämpfen, in das normale Leben zurück zu finden. Er fühlt sich verantwortlich für das Verschwinden von Marco. Die einzige Lösung für ihn ist, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Und genau das tut er. Zurück nach Afghanistan, als privater Rettungseinsatz!
Erinnert ein bisschen an Rambo, vielleicht ist das vom Autor aber durchaus gewollt. Immerhin gibt es schon vorher eine Anspielung darauf – Marco hält sich im Stützpunkt eine Schildkröte selbigen Namens.

Mein Fazit: endlich mal jemand, der aktuelles Zeitgeschehen in einem Comic verarbeitet. Die Zeichnungen sind richtig gut gemacht, die Farbgebung orientiert sich an der Farbe des afghanischen Sandes, der an einer Stelle von Anni als allgegenwärtig bezeichnet wird.
Die Geschichte gibt einen guten Einblick in das Leben der deutschen Soldaten in Afghanistan (das ist nicht durch persönliches Faktenwissen meinerseits untermauert!) und ihrer Probleme bei der Rückkehr.
Das Abdriften in einen actionfilmartigen Plot kann man kritisch sehen, aber es handelt sich dennoch um eine gut erzählte, unterhaltsame Geschichte.
Wer es ernster braucht, aber die Darstellungsform nicht wechseln will, dem sei hier noch Kriegszeiten empfohlen. Der Titel wird auch am Ende von Wave and Smile als ergänzende Lektüre ans Herz gelegt.

Bibliografisches:

EAN 9783551730534

Erschienen im Carlsen Verlag, Juli 2012
195 Seiten, gebunden

€ 24,90

Kategorien: Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Jenseits – Kerascoët

Copyright Reprodukt

Alles beginnt in netter Zweisamkeit mit heißer Schokolade (naja, der kleine Plim ist auch dabei, aber der zählt ja fast nicht). Doch nicht lange bleibt es bei der heimeligen Atmosphäre, denn Decke und Wände beginnen in sich zusammen zu fallen. Mit knapper Not entkommt das Mädchen, später weiß man, dass es sich Aurora nennt, der sich auflösenden Höhle(?) und landet  – auf einer Wiese neben der Leiche eines Mädchens. Doch sie ist nicht allein. Noch viele andere kleine Gestalten entsteigen dem toten Körper und verstecken sich panisch im Dickicht des Waldes. Was geht hier vor?

Die erste Nacht übersteht man halbwegs unbeschadet, von kleineren Kollateralschäden durch eine Katze einmal abgesehen. Aurora nimmt jetzt das Heft in die Hand (auch im wahrsten Sinne des Wortes) und versucht die Gruppe halbwegs zu organisieren und für Verpflegung zu sorgen.
Und da fangen die Probleme an, denn viele denken nur an sich und gehen davon aus, dass sich schon jemand kümmern wird (fast wie im richtigen Leben ;-)).

In der Folge wird die Gruppe immer kleiner, denn verschiedenen Experimente der Nahrungsfindung sind nicht sonderlich gut durchdacht und richten mehr Schaden an, als dass sie helfen. Aurora allein kann nicht für die ganze Gruppe sorgen und auch die Tiere des Waldes stellen sich nur als mäßig kooperativ heraus.

Obwohl alle doch das gleiche Schicksal teilen, ist sich jeder auf einmal selbst der nächste und Solidarität zahlt sich in keiner Weise aus.
Wer Lust hat, kann sich im Zuge der Lektüre überlegen, ob wohl jede der kleinen Personen für eine bestimmte Charaktereigenschaft des toten Mädchens steht und welche das dann wäre. Haben die Autoren sich das dabei wirklich gedacht (frag mal am besten deinen Klassenlehrer über die Intention des Autors aus)?
Man kann sich natürlich auch einfach nur am morbiden Charme und den der Geschichte entgegengesetzten farbenfrohen Bildern dieses Comics erfreuen. Hier gibt es die Leseprobe des Verlags.
Vorsicht aber – das ist definitiv kein Comic für Kinder. Quasi ‚Parental Advisory – Explicit Content‚.

Bibliografisches:

EAN 9783941099302

Erschienen im unglaublich tollen Reprodukt Verlag aus Berlin, Oktober 2009
96 Seiten, Klappenbroschur
Aus dem Französischen übersetzt von Kai Wilksen
Originaltitel: Jolies Ténèbres

€ 18,00

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel | Schlagwörter: , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nerdazine

Der Blog für den gepflegten Weltuntergang und Nerdkultur

blättern ungebunden

Blog für Literatur

Literature and Shirts

Lesen gefährdet die Dummheit

Papiergeflüster

Über Geschriebenes & Gezeichnetes

lesewucht.de

Bücher. Die bleiben.

crimealleyblog

"There is a splinter of ice in the heart of a writer." (Graham Greene)

crimealley

Just another WordPress.com site

Der Pendragon Blog

Lesen gefährdet die Dummheit

Photographierer

Bonjour Tristesse - Stadt-Landschaften

Literaturen

Lesen gefährdet die Dummheit

buchrevier

last man reading

Zeilensprünge.

Blog für Literarisches

masuko13

Leidenschaftliche Leserin und Bloggerin guter Romane.

Der Schneemann

Blog zur Krimi-Radiosendung

Die dunklen Felle

Krimis und Schafe - und Felle (oder Fälle?)

Zoë Beck

Blog, Infos, alles.

brasch & buch

unlimited

Poesierausch

Literatur- und Kulturblog

Packing books from boxes...

... von der Suche nach dem Glück auf dem Boden eines Kartons (und andernorts)

Die Leserin

Bücher und Kaffee. Und die Welt ist fast in Ordnung.

Polar Noir

Lesen gefährdet die Dummheit

Biographilia

inspiring people next door

AstroLibrium

Die kleine literarische Sternwarte

Feiner reiner Buchstoff

von den üblichen Verdächtigen

reingelesen

pars pro toto

buecherrezension

Literaturen der Welt in Wort und Bild

Wissenstagebuch

Eine Gabel für die Suppe der Weisheit

Wortgestalten

Buchtipps, Reiseberichte und was mir sonst noch einfällt

Wort & Tat

Anne Kuhlmeyer

Libroscope

Blog über Literatur und Film

GET CHANGED!

hier finden Sie Infos zu fairer Mode, ethical fashion, grüner Mode

Mit dem Fahrrad in und um Köln

Lesen gefährdet die Dummheit

KrimiLese

Crime & Thrill

Krimimimi

Lesen gefährdet die Dummheit

Was soll ich lesen? - Bücherblog

Lesen gefährdet die Dummheit

Besser lesen

Besser mal was lesen. Was Besseres lesen. Die besseren Menschen lesen.

Elementares Lesen

Sachbuch-Blog

Die fabelhafte Bücherwelt der Aliénor

Einfach mal wieder abtauchen

notizhefte

Kulturwebseite für Bücher, Museen und Ausstellungen, Oper und Konzert, Essen, Trinken und Sport

Krimi-Welt

Lesen gefährdet die Dummheit

Zeilenkino

Wo Film und Literatur sich treffen

A Readmill of my mind

"We are such stuff as dreams are made on, and our little life is rounded with a sleep."

zeilentiger liest kesselleben

Erkundungen in Stuttgart und anderswo - Skizzen, Buch, Film, Musik und Gastronomie

Logbuch Suhrkamp

Lesen gefährdet die Dummheit

beckmagdalena

50% Dies + 50% Das = Gnadenlose Popliteratur

literaturblog günter keil

Romane . Kurzgeschichten . Hörbücher . Autoren . Interviews . Lesungen

%d Bloggern gefällt das: