Historischer Roman

Kunst oder Liebe: Falsch, fälscher, Fälschung

vos

(c) Ullstein

In letzter Zeit läuft es nicht so rund mit der Lektüre; ich breche erstaunlich viele Bücher ab, die mir vorher absolut lesenswert erschienen. Zwei Bücher lese ich bereits seit März in kleinen Häppchen (Austers 4321 und Wulffs Humboldt-Biografie); vielleicht auch daher stockt es auch hier im Blog. Doch manchmal ist doch was dabei, man mag es schon fast nicht glauben.

Sehr gemocht habe ich zuletzt ‚Das letzte Bild der Sara de Vos‘. Viele mag das Buch abschrecken, geht es doch um Kunst, Malerei um genau zu sein. So richtig hat mich der Klappentext auch nicht überzeugt, doch machte mich das grandiose Cover neugierig, welches nur richtig zur Geltung kommt, wenn man das Buch in der Hand hat – no offense.

Ich fing einfach an zu lesen und die Geschichte kann wirklich was, ignoriert mal den Klappentext – da hat sich der Verlag in meinen Augen keinen Gefallen getan. Der Plot setzt sich aus drei Zeitebenen zusammen und springt zwischen diesen immer wieder hin und her.
Wir starten im New York der späten 50er Jahren: Marty de Groot entdeckt eines Tages zufällig, dass das Gemälde über seinem Bett, ein Erbstück, dass schon seit über 300 Jahren in der Familie ist, gegen eine sehr gut gemachte Fälschung ausgetauscht wurde. Zuerst fühlt er sich beinahe erleichtert, war doch das Motiv eher düster und lag wie ein Schatten über seinem Leben. Doch dann packt ihn doch der Ehrgeiz und er will das Gemälde zurück. Mit Hilfe eines Detektivs macht er sich auf die Suche und stößt tatsächlich bald auf eine Spur, wenn auch nicht die der Diebe, sondern die der Fälscherin, einer jungen Kunststudentin.

Es wird jetzt parallel vom Leben und Schaffen der Malerin eben jenen Gemäldes erzählt, der titelgebenden Sara de Vos, die eine der ersten Malerinnen war, die in den Niederlanden des 17.Jahrhundert der entscheidenden Gilde beitreten durfte und demnach auch Bilder offiziell verkaufen konnte. Wir lernen sie kurz vor dem Erschaffen des Gemäldes kennen, als sie durch einen Schicksalsschlag plötzlich vor dem Aus steht.

Und schließlich bringt uns der dritte Erzählstrang beinahe in die Gegenwart: im Jahr 2000 soll eben jene Fälscherin, jetzt als Kuratorin bei einem großen Museum in Sydney angestellt, eine Ausstellung zu niederländischen Malerinnen des 17.Jahrhunderts organisieren und hier ist es, das die Vergangenheit sie einholt. Es sind zwei identische Gemälde auf dem Weg nach Sydney, das Original und die von ihr vor über 40 Jahren angefertigte Fälschung.

Dominic Smith erzählt das alles so dicht, dass er mich im Gegensatz zu derzeit vielen anderen bis zum Schluß in den Bann der Geschichte zog. Das Buch mag keine weltbewegende Hochliteratur sein, nein eigentlich ist es etwas viel besseres, es ist grandiose Unterhaltung, ein für mich perfekter Mix aus Privat-Eye-Story in den späten 50ern mit einer Prise Mad Men (de Groot ist Anwalt und bewegt sich sicher in ähnlichen Kreisen wie Don Draper), historischem Roman der Lust macht auf die düster-schönen Gemälde der großen und auch der unbekannten niederländischen Maler, und schließlich die alles vereinende Gegenwartsebene.
Besonders begeistert hat mich die historische Ebene und das Schicksal der Sara de Vos, aber auch die 50er Jahre-Story mit dem etwas drögen Marty de Groot, der eigentlich besser dran ist ohne das Bild, der sich aber dann in eine Geschichte verstrickt, die ihn zu einem doch eher miesen Burschen macht. Nicht zuletzt beinahe eine Seltenheit: zwei starke Frauenfiguren, die trotz großer Widrigkeiten und Rückschläge ihren Weg konsequent gehen.
Also lasst euch nicht vom Klappentext abschrecken, lest einfach mal rein. Kann ich nur empfehlen!

ISBN 9783550081873

Erschienen im Ullstein Verlag, März 2017
Aus dem Englischen übertragen von Sabine Roth
Originaltitel: The last Painting of Sara de Vos
350 Seiten, gebunden

€ 20,00

P.S. Passt gerade sehr gut: Bücher über Kunst.

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Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

bühlerhöhe

(c) Ullstein

Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz meine Lieblingsliteratur (der Verlag hat diesen Titel in die Marketingkampagne Kopfkino aufgenommen, die sich an Leserinnen 60+ richtet), aber ein Buch, das ich dennoch sehr gern gelesen habe.

Wir befinden uns in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ein Kibbuz in Israel. Rosa bekommt den Auftrag, nach Deutschland zu reisen um Kanzler Adenauer zu beschützen. Rosa ist keine Agentin, Rosa gehört nicht zum Militär; mit Deutschland verbindet sie nur ihre Vergangenheit, eine Vergangenheit, die sie längst begraben hat. Dieses Land hat beinahe ihre gesamte Familie vernichtet. Doch ist sie in dem Moment scheinbar die einzige greifbare Person, die Deutsch spricht – immerhin ist sie in Köln aufgewachsen – und die den Schwarzwald sehr gut kennt, hat sie doch hier mit der Familie immer ihre Ferien verbracht.
Denn hierhin soll sie ihre Mission führen – im edlen Hotel Bühlerhöhe wir Kanzler Adenauer seine Ferien verbringen und dort droht ihm Gefahr. Eine jüdische Extremistengruppe trachtet dem Kanzler nach dem Leben, da er im Bundestag das umstrittene Wiedergutmachungsgesetz durchsetzen will, durch welches dem jungen israelischen Staat größere Summen deutschen Geldes zukommen sollen. Für die Gruppe ein Freikaufen von der Schuld, der nicht akzeptierbar ist.

Rosa wird also als mit der Lokalität vertraute auf die Bühlerhöhe geschickt, dort soll sie sich mit dem Agenten Ari treffen, der die Leitung der Mission übernehmen soll.
Die Reise nach Deutschland wird für Rosa in mehr als einer Hinsicht zu einer großen Herausforderung. Ein Land, in das sie niemals zurückkehren wollte und das doch voller auch schöner Erinnerungen steckt.
Beinahe kannman hier in der Schwarzwald-Idylle die verheerende Zeit der Nazi-Herrschaft vergessen.  Anders als in „Landgericht“ von Ursula Krechel merkt man beinahe nichts von der düsteren Vergangenheit des Landes, hier sind die Städte nahezu intakt geblieben, keine Spuren der Zerstörung sichtbar.

Doch wird der Aufenthalt für Rosa kein Zuckerschlecken. Ihr Partner, der erfahrene Agent, trifft nicht ein, die Hausdame auf der Bühlerhöhe spioniert ihr nach, es tauchen Schatten aus der Vergangenheit auf – jedoch nicht nur für Rosa. Auch für Sophie, die Hausdame, die ihr Fähnlein gerne mit dem Wind wehen lässt, was ihr die Verbannung aus der allzu nahen Heimat Strassburg eingebracht hat.
Außerdem ist da noch Agnes, die junge Auszubildende eines nahen Landgasthofes, die ein wichtiges verbindendes Element der Geschichte darstellt und eine ganz eigene naive Sicht auf die Begebenheiten dieses Sommers hat.
Kurz: in der Sommerfrische tummeln sich Geheimdienstler, Feriengäste, Handelsleute mit dubiosem Hintergrund und viele dunkle Schatten.

Brigitte Glaser hat mich mit einem Buch überrascht, das einen guten Land-Kontrast zu Krechels „Landgericht“ bietet, allerdings auch einen ungemein spannenden Agententhriller abgibt. Das Nachkriegsdeutschland ist für mich generell ein sehr interessantes Thema, leider etwas unterrepräsentiert in der derzeitigen Literatur (umso mehr freue ich mich auch auf das im November erscheinende neue Buch von Mechtild Borrmann).
Noch dazu erfahren wir eine Menge über die Flucht von Rosa und ihrer Schwester aus Deutschland, über das Leben im jungen Israel und über das schwierige Verhältnis der Geflüchteten zu ihrer einstigen Heimat Deutschland.

Die drei Hauptfiguren sind ausnahmslos weiblich und dabei so verschieden, dass es einen nur so durch die Geschichte hindurch zieht. Die verschiedenen Erzählperspektiven ergänzen sich sehr gut und geben einen differenzieten Blick auf die Geschichte, wobei die Sympathieträgerin eindeutig Rosa ist. Die naive Agnes regte mich das ein oder andere Mal mit ihrer Art wirklich auf und für Sophie kann man am Ende fast schon Mitleid empfinden, sie möchte nur das Beste für sich und scheitert dabei immer wieder aufs Neue und lässt sich von den Herren gnadenlos ausnutzen, in dem Glauben, man tue etwas für sie.

Mich hat Brigitte Glaser mit diesem Plot sehr gut unterhalten, genau die richtige Mischung aus Geschichte, Spannung und Einzelschicksalen, die glaubwürdig umgesetzt sind. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, auch wenn ich als Mann weit unter 60 scheinbar nicht zur Zielgruppe gehöre.

ISBN 9783471351260

Erschienen im List Verlag, August 2016
448 Seiten, gebunden
€ 20,00

eISBN 9783843713757
€ 16,99


 

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Kolbe – Andreas Kollender

kolbe

(Pendragon)

‚Tue das Richtige und habe keine Angst.‘

Mit diesem Satz seines Vaters im Kopf kommt Fritz Kolbe zurück in ein Deutsches Reich, das seines nicht mehr ist. In Afrika hat er als Vizekonsul gearbeitet, doch das war unter dem Kaiser, jetzt regiert da dieser kleine Schreihals mit dem lächerlichen Bart. Schon auf der Überfahrt wird Kolbe schikaniert und verschanzt sich letzlich im Maschinenraum, auch der Konsul verlässt seine Kabine nicht mehr, wird doch Schiff und Besatzung von den selbst ernannten Herrenmenschen drangsaliert. Sein Vorgesetzer erhoffte sich einen regulativen Einfluss durch die Rückkehr ins Reich. Leider müssen beide schnell feststellen, dass diese Hoffnung vergeblich war.

Wo sich der Konsul ins innere Exil zurückzieht, arbeitet Kolbe trotz allem weiter für das Auswärtige Amt, dient sich hoch und sitzt schließlich auch ohne Parteiabzeichen an sensibler Stelle im Vorzimmer des Botschafters von Günther. Lange Zeit verhält er sich ruhig, kämpft mit sich, den Satz seines Vaters immer im Kopf. Als er eine Botenfahrt zur deutschen Gesandschaft nach Bern machen soll, sieht er endlich eine Gelegenheit. Über einen alten Freund stellt er Kontakt zu den Amerikanern her und schmuggelt die erste Ladung geheimer Dokumente in die Schweiz.

Der erste Kontakt, die ersten Informationen, die erste Reise ist die schlimmste. Jede Minute fürchtet er sich zu verraten, in eine Falle zu gehen. Mit jeder Reise nach Bern setzt er sein Leben aufs Spiel, immer wieder wird ihm eiskalt bewusst, dass er nur ein Amateur ist und es auf allen Seiten mit Profis zu tun hat – amerikanische, russische, britische Spione, Gestapo, Sicherheitsdienst, SS. Der kleine deutsche Beamte Fritz Kolbe mit brisanten Dokumenten mitten unter ihnen. Und wohl gerade wegen seiner alltäglichen Unscheinbarkeit mit einem Narrenbonus versehen.

Eingebettet in ein Interviewszenario, in dem zwei junge Journalisten Kolbe Jahre nach dem Krieg in seiner selbstgewählten Einsamkeit in den Schweizer Bergen aufsuchen, um seine Geschichte zu erfahren, erzählt Andreas Kollender uns die beinahe unglaubliche Geschichte des Fritz Kolbe, der vom einfachen Beamten zum wichtigsten Spion für die Amerikaner im Deutschen Reich wird. Seine Informationen sind auch in Washington nur wenigen zugänglich, in der Regel gehen sie direkt an den Präsidenten.

Doch ist ‚Kolbe‘ kein reiner Spionageroman, erzählt er doch auch vom Alltag in einem zerbombten Berlin, vom Leben in einer Stadt, die sich in ein Trümmerfeld verwandelt hat. ‚Kolbe‘ ist auch das Portät eines Menschen, der sich auf einsamem Posten gegen ein Unrecht stellt, das ihn vollends umgibt und in dem er trotz allem leben muss. Ein Mensch, der in eine tiefe Krise stürzt, als durch seine Infomationen ein alter Freund stirbt, der daran fast verzweifelt.

Andreas Kollender hat mit diesem fesselnden Roman ein belletristisches Denkmal für Fritz Kolbe geschaffen, einen Mann dem sein Mut, sein Engagement im eigenen Land nie gedankt wurde. Es ist auch derzeit das einzige Buch mit dem Thema auf dem Markt, die Kolbe-Biographie von Delattre ist leider bei Piper nicht mehr lieferbar.
Fast jeder in Deutschland kennt Stauffenberg, den Mann der als Mitglied der Wehrmacht die NS-Ideologie lange Zeit mitgetragen hat; für ihn gibt es Gedenkstätten, -tafeln, Würdigungen, ja Hollywood-Verfilmungen. Wer kennt schon Fritz Kolbe?

ISBN 9783865324894
eISBN 9783865325013

Erschienen im Pendragon Verlag, Juli 2015

 

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Die Rote Wand – David Pfeifer

Die Rote Wand von David Pfeifer

(c) Heyne

Hier jetzt doch endlich mal ein Buch, das ich euch schon eine ganze Weile vorstellen wollte: Die Rote Wand.
Das Buch passt sehr gut in eine derzeit von so manchem Autor bearbeiteten Feld der historischen Romane aus der näheren Vergangenheit. Also kein finsteres Mittelalter, sondern das letzte Jahrhundert.

Im Jahr 1915 sind wir mitten drin im 1.Weltkrieg. Die Schlacht von Verdun ist schon Geschichte und doch wird noch immer gekämpft. Im Osten, im Westen, im Norden und auch im Süden. An der Grenze zu Italien verläuft die Front mitten durch die Dolomiten, in den südlichen Alpen.

David Pfeifer erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens. Den Vater – bereits kriegsversehrt, sich Nacht für Nacht durch Alpträume kämpfend – hält es nicht zu Haus. Mit einem schlichten Zettel „Geh zur Tante Ilse, die wird auf dich achtgeben, bis wir uns wiedersehen. Dein Vater.“ verlässt er die Tochter, um wieder an die Front zu ziehen. Der Krieg, die Verteidigung der Heimat, ist ihm das Einzige geworden.

Doch das Mädchen will den Vater nicht verloren geben. Sie macht schneidet sich die Haare, kleidet sich als Mann und lässt sich für die Tiroler Standschützen anwerben.

„Was willst du denn da in den Bergen, so jung, wie du bist?“ „Mein Vater ist da“

Und da jeder in diesem Krieg jeder Mann zählt, wird nicht weiter nachgefragt.

Das Mädchen wird Mitglied einer Schützeneinheit und verdient sich langsam den Respekt der anderen, hat ihr der Vater doch schon in jungen Jahren das Schießen beigebracht.
Für die Einheit geht es rauf auf den Berg und wieder runter, es werden Stellungen angelegt, die kurze Zeit später als nutzlos aufgegeben werden und dann mit aller Macht zurückerobert werden müssen. Der klassische Irrsinn des ersten Weltkrieges, ja jeden Krieges. Stellungskampf auch hier in den Dolomiten, von Wand zu Wand. Ungewiss ist meist, wo genau der Feind steht – dies vielleicht der große Unterschied zu den Gräbenkämpfen an der deutsch-französischen Front.

Es will ja keiner diese Berge behalten, da gibt es ja nichts drin, und es wächst auch kein Korn drauf. Hier geht es nur um die Grenze an sich, sonst ist kein Nutzen darin zu sehen, hier zu frieren. In Afrika holen sie wenigstens Gold aus den Böden und Kautschuk aus den Bäumen, sie nehmen Sklaven. Aber hier oben? Hier geht es nur darum, die Höhe zu behaupten.

Die Geschichte des Mädchens auf der Suche nach dem Vater basiert auf einer historischen Figur. Das Mädchen Viktoria Savs, noch heute in der Gegend als das ‚Heldenmädchen von den drei Zinnen‘ bekannt hat sich tatsächlich als Junge verkleidet und in den Dolomiten als Schütze gekämpft. Diese historische Grundlage hat David Pfeifer gekonnt in einen Roman verwandelt, der nicht nur unglaublich spannend geschrieben ist, sondern auch den Irrsinn des Krieges bildhaft werden lässt. Zum größten Teil bestanden die Bergeinheiten aus absolut bergunkundigen Männern, denen einige wenige Bergführer zur Seite standen. Was in einer lebensfeindlichen Umgebung, wie dem Hochgebirge der Alpen, mit unerfahrenen Jungen geschieht, kann man sich leicht ausmalen.

Das Buch ist so bildhaft und fesselnd geschrieben, dass ich es jetzt am liebsten direkt noch einmal lesen möchte. Auch wenn meine Lektüre schon eine Weile her ist, kommen mir gerade bestimmte Bilder wieder lebhaft ins Gedächtnis. Spannende und rührende Geschichte vor überwältigender Kulisse: Beste Unterhaltung mit Tiefgang!
Leider hat es noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, was ich hiermit ändern möchte. Und da der Krieg fast die einzige große Konstante in der Geschichte der Menschheit ist, kann man sich auch ab und an einmal damit beschäftigen.

‚Das ist der Unterschied zwischen Glauben und Krieg‘ sagt Tonio. ‚Wer an Gott glaubt, der fragt sich, warum ich? Wer aber lange genug im Krieg war, der fragt sich, warum ich nicht?‘

Die Rote Wand ist ein Buch, das sich einreiht neben Risiko (hier vom Kaffeehaussitzer grandios besprochen) und Wir sehen und dort oben (hier von der Papierflüsterin hochgelobt), oder auch Süß und ehrenvoll.

ISBN 9783453269613

Erschienen im Heyne Verlag, August 2015
287 Seiten, gebunden

€ 19,99

Gibt es auch zur digitalen Lektüre (9783641158521) und als Hörbuch (9783837131895).

P.S. Zu dem Buch hat der Heyne Verlag auch eine kostenlose App erstellen lassen, die weitere Informationen, historische Fotos und eine interaktive Karte des Schauplatzes in den Dolomiten enthält. Man kann sich also von zu Hause, oder auch vor Ort auf den Spuren der Standschützen bewegen und bekommt einen kostenlosen Mehrwert geboten.
Kurz nach meiner Lektüre hatte ich an die Pressestelle bei Randomhouse ein paar Fragen geschickt, leider aber bisher noch keine weitere Antwort bekommen, sonst hätte ich euch jetzt noch ein bisschen mehr zu diesem sehr interessanten Projekt erzählen können.
(Daher kommt meine Besprechung auch erst jetzt; ich hatte immer noch auf eine Antwort gehofft.)

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Das Haus der grauen Mönche (Teil 1: Das Mündel) – Jan Zweyer

(grafit)

(c) grafit

Mit den historischen Romanen ist das so eine Sache. Früher habe ich die richtig gerne gelesen, inzwischen fällt es leider immer schwerer, da was Lesbares zu finden. Zuletzt hatte ich mich an ‚Die Täuferin‚ versucht, das Buch allerdings nach der Hälfte abgebrochen. Die Charaktere haben mich genervt, die Geschichte ging nur langsam voran, alles ein bisschen zu aufgesetzt und mit großem Weltgeschehen aufgeladen. Und das sollte ich mir dann noch über zwei weitere Bücher antun? Äh, nein. Danke.

Gut, dass es ab und zu mal Ausnahmen gibt. Mehr zufällig bin ich auf ‚Das Haus der grauen Mönche‚ gestoßen. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der unter der typischen Ungerechtigkeit des Mittelalters zu leiden hat. Seine Eltern sind für eine Wiese gestorben (ja!) und der Junge wächst erst bei einer Pflegefamilie auf und später dann im titelgebenden Haus der grauen Mönche. Doch auch unter den Brüdern sind ihm nicht alle wohlgesinnt. Genausowenig wie in der Stadt (das Buch spielt zum größten Teil in Hattingen, was aber eigentlich keine Rolle spielt; als Regio-Titel würde ich das keinesfalls bezeichnen, muss halt irgendwo spielen). Dort ist er natürlich dem Mörder seines Vaters und Verantwortlichen für den Tod seiner Mutter ein Dorn im Auge.

Gleichzeitig fühlen sich die Benediktiner vom Erstarken der Dominikaner bedroht und versuchen diese Macht zu beschneiden, auch indem sie ein Komplott stricken, um die Dominikaner aus Hattingen zu vertreiben. Allen voran hier ein Mönch, von dem man sich sagt, er hätte das Ohr des Papstes.

Jan Zweyer hat hier einen gelungenen Auftakt zu einer Trilogie geschrieben, die ich unbedingt weiterlesen will. Symphatische Hauptfiguren, äußerst unsympathische Bösewichte die Zweyer uns hier präsentiert und damit eine Geschichte erzählt über die Ungerechtigkeiten, denen die einfachen Leute im Mittelalter ausgesetzt waren, und teilweise noch heute sind. Enteignung und Vertreibung sind die wohl prominentesten, doch da hört es nicht auf. Sehr bildhaft führt er uns das Leben der Menschen im Mittelalter vor Augen, zum Teil auch sehr drastisch.

Kurzum, gute historische Unterhaltung ohne unnötige Neuer-KenFollett/NoahGordon-Etikett. Ich freue mich auf die anderen beiden Teile, denn lesbare historische Romane sind leider sehr dünn gesäht.

Danke an Jan Zweyer und den Grafit Verlag

Bibliografisches:

ISBN 9783894256197

Erschienen im Grafit Verlag, Juni 2015
446 Seiten, kartoniert

€ 12,00

Zum gleichlesen als ebook. Der 2.Teil ‚Freund und Feind‚, sowie der 3.Teil ‚Im Dienst der Hanse‚ sind in Vorbereitung.

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Süß und ehrenvoll – Avi Primor

süßundehrenvoll

Quadriga Verlag

Große Kriege gab es im Laufe der Menschheitsgeschichte viele. Doch einer, dessen Ausbruch sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt, drängt sich uns besonders ins Gedächtnis. Ist es doch der erste große, auf industriellem Niveau geführte Krieg.
Ein Weltkrieg auch genannt, denn es wird rund um den Globus an vielen Fronten gekämpft. Neu sind auch die Mittel der Menschenvernichtung: erstmals wird mit Flugzeugen gekämpft, erstmals setzt man chemische Erzeugnisse wie Senfgas als Waffe ein. Es ist auch das erste Mal, dass man sich regelrechte Materialschlachten liefert. Nur wenige Meter von einander entfernt liegen sich die Feinde gegenüber, eingegraben in die Erde, praktisch bewegungslos stehen sich die Fronten gegenüber.

Was diesen Krieg in unserem Gedächtnis so lebendig werden lässt ist aber noch viel mahr die Tatsache, dass die meisten von uns in ebenjenem Jahrhundert mit der 19 geboren worden sind. Der eine oder andere kennt oder kannte vielleicht sogar noch Zeitzeugen. Die Spanne der Jahre ist klein, die uns von diesem Ereignis trennt.

Neben den vielen Sachbüchern, die zum Thema erschienen sind, oder im Laufe des Jahres erscheinen gibt es auch belletristisch erzählte Geschichte. Einer der Romane ist dieser hier: Süß und ehrenvoll.

Avi Primor, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland, hat selbst Wurzeln hier. Seine Mutter floh 1932 aus Frankfurt nach Tel Aviv, Primor wurde 1935 geboren.

In ‚Süß und ehrenvoll‘ geht es also auch ein Stück weit um seine Geschichte, die Geschichte der Juden in Deutschland. Die Figur im Mittelpunkt ist Ludwig, der gerade sein Abitur gemacht hat und sich nun ins Jurastudium stürzen will. Doch kommt ihm der Krieg dazwischen. Wie die Meisten seiner Altersgenossen und die Meisten der Deutschen ist er begeistert vom bevorstehenden Abenteuer Krieg. Begeistert, dass er für Deutschland kämpfen darf.

Denn dieser große Krieg ist auch ein großer Gleichmacher. Jeder kennt den Ausspruch des Kaisers, dass alle Unterschiede wett gemacht sind. ‚…von diesem Tag an kenne ich nur noch Deutsche‘. Das bezieht Ludwigs Vater und er selbst auch, vor allem auch auf die jüdischen Deutschen. Jeglicher Antisemitismus von oberster Stelle aus abgeschafft.

Ähnliches vollzieht sich in Frankreich. Keine zwanzig Jahre zuvor hat die Dreyfus-Affäre das Land erschüttert, die auch nicht zuletzt auf Antisemitismus gewachsen war. Jetzt sind auch hier alle Franzosen, die für ihr Vaterland kämpfen, die Freiheit verteidigen.
Auch für die französische Seite wählt Primor einen jüdischen Schulabschließer. Louis ist Bäckerssohn aus Bordeaux und der erste aus seiner Familie, der studieren wird. Doch vorerst: kämpfen für das Vaterland.

Die Namensvetter stehen also im Mittelpunkt von Primors Roman und an ihnen wird die Ähnlichkeit der Schicksale gezeigt. Beide lassen die Familie in der Heimat zurück, bei beiden ist der Vater die bestimmende Bezugsfigur in der Familie. Beide verstehen sich nicht zuerst als Juden, sondern zuallererst als Deutsche und Franzosen.
Beide begegnen Vorurteilen in der Armee und beiden wird der rasche Aufstieg für außergewöhliche Leistungen verstellt. Sie bewähren sich nämlich schnell, sind von den Kameraden anerkannt und haben beide Führungspotential. Doch die Konventionen, welche der Religion eine wichtige Rolle zuschreiben, stehen der Militärkarriere im Weg. So spielt ihre Religion hier auf einmal eine unverhältnismäßig große Rolle für beide.

Parallel wird auch die Situation an der ‚Heimatfront‘ beschrieben. Je mehr das Judentum Ludwigs an der Front in den Hintergrund verschwindet, desto mehr wird in der Heimat der Antisemitismus wieder aktuell. Denn je schlechter es an der Front läuft und je mehr die Bevölkerung die Einschränkungen aufgrund des Krieges spürt, desto dringender wird die Suche nach einem Sündenbock, einem Schuldigen an der Misere. Und schnell verfällt man da in alte Muster.

Einen großen Teil des Buches machen die Briefe der Soldaten an die Familie und die Geliebten aus. Und deren Briefe an die Front. Hier wird Innerstes offenbahrt und da ist auch so manches Mal der Zensor, der jeden der Briefe kontrolliert egal, denn was gesagt werden muss, soll gesagt werden, jeder Brief könnte ja der letzte sein.

Der Erzählfluss stockte bei mir das ein oder andere Mal, wohl auch durch eben diese Briefe. Dennoch ist das Buch in seiner Gesamtheit ein überaus lesenswertes. Zwei jüdische Soldaten im Zentrum eines Textes über diesen großen Krieg, das gab es meines Wissens noch nicht. Und da aus diesem 1. der nochmals potentierte 2.Weltkrieg resultierte, kann man das Buch durchaus als ein wichtiges bezeichnen.

Mich hat die Lektüre in jedem Fall sehr beeindruckt. Weshalb ich auch etwas Zeit verstreichen lassen musste, bis zum Schreiben dieses Textes.

Eine weitere sehr gute Beprechung findet sich übrigens beim Kaffeehaussitzer.

Bibliografisches:

ISBN 9783869950587

Erschienen im Quadriga Verlag, September 2013
Aus dem Hebräischen übertragen von Beate Esther von Schwarze
384 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook.

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Django Unchained – Quentin Tarantino u.A.

django

Eichborn Verlag

Es gibt tatsächlich Leute die Django Unchained noch nicht gesehen haben. Ja, ich bin einer davon.
Doch es müssen ja nicht immer bewegte Bilder sein. So wie in diesem Falle. Kurz vor Weihnachten im Eichborn Verlag erschienen, kann diese Graphic Novel sogar noch mit einem echten Plus aufwarten: es ist gewissermaßen der Directors Cut. Gnadenloß und ungeschnitten (gibt es bei Tarantino-Filmen eigentlich Jugendschutz?!). Wie Tarantino im begleitenden Vorwort verlautet, handelt es sich hierbei wirklich um das komplette Drehbuch, welches aus Zeitgründen – der Film würde sonst an die vier Stunden dauern – zusammengekürzt wurde.
Da Tarantino selbst ein großer Comic-Fan ist, lag die Umsetzung auf diesem Wege auf der Hand. Und es ist ein opulentes Buch daraus geworden. Neben der Einleitung vom Meister höchstselbst bietet es am Ende auch noch 15 Seiten Bonumaterial, mit Hintergrundinformationen zu den Zeichnungen, Zeichnern und einigen Cover- und Filmplakatentwürfen.

Ja, Zeichner. Das Buch ist in sieben Teile gesplittet, die von drei verschiedenen Zeichnern umgesetzt wurden. Den Großteil hat dabei R.M. Guéra geleistet. Die Teile 1, 2, 4 und 7 gehen auf seine Kappe; Teile 3 und 6 wurden von Denys Cowan gezeichnet und Teil 5 von Danijel Zezelj. Diese Aufteilung ist mir am Anfang nicht aufgefallen, doch sobald man bei Teil 5 ankommt, ist der Unterschied wie ein Schlag mit der Peitsche ins Gesicht 😉

Noch kurz zur Geschichte: In einer nicht allzu fernen, jedoch dunklen Vergangenheit in Nordamerika. Django ist Sklave und auf dem Weg zu seinem neuen Besitzer, mit einer Gruppe anderer Sklaven und den Sklaventreibern. Plötzlich taucht Dr. King Schultz auf, ein ehemaliger Zahnarzt aus Düsseldorf, der seinen Lebensunterhalt mit der Kopfgeldjagd verdient. Schultz will Django kaufen, da nur dieser ihm zu einem begehrten Kopfgeld verhelfen kann. Nach kurzem Scharmützel sind die Sklaven mehr oder weniger frei und Schultz reitet in Begleitung von Django davon.
Nur als Hilfe für diesen einen Fall gedacht, entwickelt sich zwischen den beiden so etwas wie Freundschaft, oder doch zumindest das Verhältnis Schüler-Lehrer. Denn Django erweist sich als Naturtalent in Sachen Kopfgeldjagd.
Wie Schultz bald erfährt, ist es Djangos größter Wunsch, seine Frau, die ebenfalls als Sklavin gehalten wird, aber von ihm getrennt wurde, wiederzufinden. Da sich das eine gut mit dem anderen verbinden lässt, begeben sich die beiden also auf die Suche. Und hinterlassen einen Pfad des Blutes (natürlich aber immer der gerechten Sache verschrieben).

In Ermangelung des cineastischen Genusses, kann ich nur sagen: das Buch macht mindestens ebensoviel Spaß! Wenn nicht sogar noch mehr, denn man hat ja zusätzlich noch die Möglichkeit, verschiedenen Zeichner am Werk zu sehen und damit verschiedene Darstellungsweisen der Charaktere.
Die Darstellungen liegen irgendwo zwischen klassischem Westerncomic und Superheldenheft mit einer Prise Splatter, natürlich aber ein Stückchen edler, da in Buchform und mit großartigem Eyecatcher-Cover. Der Eichborn Verlag hat hier wirklich einiges vorzuweisen, denn das Buch kommt nicht im normalen Graphic-Novel-Einband daher, sondern im edlen Schwarz mit rotem Schutzumschlag.

Kurz: Tarantino auf Papier. Erstens: mal was ganz anderes. Und Zweitens: Großartig!

Bibliografisches:

ISBN 9783847905387

Erschienen im Eichborn Verlag, Dezember 2013
272 Seiten, gebunden

€ 19,99

Kategorien: Action, Comic, Graphic Novel, Historischer Roman, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Thriller, Verfilmung, Western | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Intrige – Robert Harris

intrige

Heyne Verlag

Robert Harris die Erste! Jetzt schaut ihr vielleicht empört, aber ‚Intrige‘ ist tatsächlich das erste Buch, welches ich von Robert Harris lese. Allerdings kann ich ziemlich sicher sagen, dass es wohl nicht das letzte gewesen ist, denn mit diesem Buch hat mich Harris für sich gewonnen.

Der Titel ist sowohl Krimi, wie auch Spionageroman, historischer Roman und fast auch ein zeitgeschichtliches Dokument; naja, oder zumindest verweist er uns auf zeitgeschichtliche Geschehnisse, mit denen man sich auch heutzutage durchaus auseinandersetzen sollte. Ich weiß nicht, ob dieser Stoff in Frankreich an der Schule durchgenommen wird, mich hätte er aber auf jedenfall an die Schulbank gefesselt.

Der Stoff, den Harris uns hier in Romanform präsentiert, war zu seiner Zeit ein sehr brisanter und ist es wohl auch heute noch. Immerhin wurden erst kürzlich die Dokumente von Regierungsseite zugänglich gemacht (zumindest im Internet).

Es geht hier um die Affäre Dreyfus: Alfred Dreyfus, ein Hauptmann der französischen Armee, ist der Spionage überführt und wird im Jahr 1896 nach monatelanger Einzelhaft öffentlich degradiert und anschließend auf eine Gefängnisinsel in der Karibik verbannt wurde.

Harris erzählt die Geschichte aus  Sicht des Majors (später Oberstleutnants) Picquart, der an der Festsetzung Dreyfus‘ beteiligt war und im Zuge der Geschichte und seiner Beförderung zum Leiter der Satistischen Abteilung (des Geheimdienstes) aufsteigt.
Bei der Sichtung der Dokumente und im Gespräch mit seinem Amtsvorgänger und den diversen Informanten fallen ihm immer mehr Ungereimtheiten bei dem Fall auf. Außerdem bekommt er Hinweise, dass es einen weiteren Spion in der Armee gibt.

Er weitet seine Ermittlungen aus, lässt Leute beschatten und hört Botschaftspersonal ab. Mehr und mehr stellen sich die Beweise gegen Dreyfus als haltlos und teilweise sogar als gefälscht heraus. Picquart ahnt den Super-GAU: Dreyfus sitzt unschuldig auf seiner Insel und muss sellische und körperliche Folter ertragen, während der wahre Spion noch immer frei herumläuft.

Doch es kommt noch schlimmer: als Picquart seine Erkenntnisse den Vorgesetzten bekannt macht, wird er abgekanzelt, ja sogar im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt.

Das diese Dinge (fast) alle wirklich passiert sind, macht das Buch umso spannender, auch wenn es sich auch als bloße Kriminalgeschichte schon unglaublich spannend liest. Außerdem kann man die Geschichte auch unter aktuellen Gesichtspunkten lesen, denn auch heute (und wohl leider immer und immer wieder) gibt es Menschen, die eine unliebsame Wahrheit öffentlich machen und dafür geächtet werden, so wie Picquart zu seiner Zeit.

Harris bietet uns eine detailreiche Darstellung der Geheimdienstarbeit von Picquart und seinen Mitarbeitern und ebenso ein beeindruckend plastisches Bild eines Landes bei dem die Armee die treibende und gestaltende Kraft darstellt. Und das war damals offensichtlich in den meisten Ländern (Europas) so.

Definitiv einer meiner Toptitel für das Jahr 2013. Wer noch keinen Harris gelesen hat, sollte schnell damit anfangen und kein Buch eignet sich dazu besser als dieses hier!

Oben erwähnte Seite findet sich übrigens hier: http://www.affairedreyfus.com/ Sehr informativ zum Nacharbeiten des Buches oder während der Lektüre. Allerdings nur auf französisch und englisch. Aber auch die Bilder sind ja was wert, wenn man sich ein Bild der Herren machen möchte.

Bibliografisches:

ISBN 9783453268784

Erschienen im Heyne Verlag, Oktober 2013
Aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Müller
Originaltitel: An officer and a spy
624 Seiten, gebunden

€ 22,99

Auch erhältlich als ebook, als Audio-CD und mp3.

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Der Trailer zu ‚Das finstere Tal‘ ist da!

Jauchzet, Frohlocket! Da ist er endlich: der Trailer zur Verfilmung des großartigen Buches ‚Das finstere Tal‘ von Thomas Willmann. Auf der Facebook-Seite zum Film wurden ja schon fleißig Bilder vom Set und ähnliche Appetizer gepostet. Doch hier kann man jetzt sehen, dass das ein absolutes Kino-Highlight im Frühjahr wird.

Ein bisschen müssen wir noch warten, doch dann ist es soweit. Ein großartiges Buch, verfilmt für die große Leinwand, denn nirgendwo sonst gehört der Stoff hin.

Kategorien: Action, Belletristik, Deutsche Literatur, Historischer Roman, Nordamerikanische Literatur, Regional, Verfilmung, Western | Schlagwörter: , , , , , , , , | Ein Kommentar

Die Burg der Könige – Oliver Pötzsch

burgderkönige

List Verlag

Kann sich noch jemand an Occupy erinnern? Da gingen vor einiger Zeit Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren, dass sich einige Wenige auf Kosten von Vielen bereichern (grob gesagt). We are the 99% war eine ihrer Parolen.
Jetzt fragt ihr euch vielleich: Was hat Occupy mit einem historischen Roman zu tun? Dafür denkt einmal zurück an den Geschichtsunterricht der 9. Klasse. Da gab es im Lehrbuch eine Grafik, die nannte sich ‚die Ständepyramide‘. In Form einer Pyramide war dort die Gesellschaft dargestellt, unten die Armen, Bauern Leibeigene etc., nach oben verjüngt sich die Pyramide und es werden immer weniger Menschen, die immer mehr Macht und Geld ansammeln. Ein ungerechtes System, möchte man meinen, hat man auch in der Schule so gelernt. Zum Glück hat sich das geändert im Laufe der Jahrhunderte!

Aber: Hat es das wirklich? Wie kommt es dann zu Bewegungen wie Occupy? Auch vor 500 Jahren sind die Menschen auf die Straßen gegangen. Doch nicht mit Schildern und Zelten, sondern mit Sensen, Dreschflegeln und Fackeln. Man hat nicht friedlich in Parks und vor Banken und Regierungsgebäuden protestiert – man hat in Wäldern gehaust und Burgen und Klöster niedergebrannt. Angefacht auch von den Thesen des Martin Luther, der sich gegen den Papst und den Klerus wendet, erheben sich die Rechtlosen hungernden Bauern, denn sie sind die 99% dieser Zeit. Und in eben dieser Zeit spielt Oliver Pötzsch‘ neuer Roman ‚Die Burg der Könige‘.

Wer bei diesem Titel an eine mächtige Burg, den Sitz von Königen und Kaisern denkt, liegt nur im ersten Moment richtig. Denn die titelgebende Burg ist der Trifels im Pfälzischen. Ja, einst war sie eben diese mächtige Burg, das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Doch diese Zeiten sind vorbei, die Burg verkommt, zerfällt und wird nur noch notdürftig in Schuß gehalten, denn es wohnen hier noch einige wenige Personen, Adel auf dem absteigenden Ast.

Eine gespaltene Welt ist das: die Kirche spaltet sich, es gibt zwei mächtige Könige, die sich um die Herrschaft Europas, oder besser der Welt balgen und in den unteren Adelsschichten gibt es die Verlierer, denen die Burg unter dem Hintern verrottet und von denen viele irgendwann nur noch die Möglichkeit haben, sich als Raubritter durchzuschlagen. Und dann gibt es eben noch jene 99%, die die Äcker bestellen und die doch nichts zu essen haben, denen nochdazu der Adel auf lustigen Jagdausflügen ebenjene Äcker plattreitet, umdaraufhin, wegen fehlender Abgaben, drakonischen Strafen zu verhängen.

All das schildert uns Oliver Pötzsch äußerst bildreich und unterhaltsam anhand dieses (fast) Tausendseiters, es dient hier als Kulisse und gleichzeitig als Handlungsträger. Denn da ist zum einen die Vogtstochter Agnes, die mit ihrem Vater in der zerfallenden Burg Trifels lebt und zum anderen der junge Mathis, Sohn des Trifelser Schmiedes, der lieber mit dem neumodischen Schwarzpulver und den Arkebusen experimentiert, als Nägel und Hufe zu schmieden und der mit den Aufständischen sympathisiert.
Da sind des Weiteren Agenten der beiden verfeindeten europäischen Großmächte, die hoffen in der abgelegenen, einst so wichtigen Provinz, einem alten Geheimnis auf die Spur zu kommen, welches das Machtgefüge in Europa erheblich verändern könnte (für die Mächtigen sind die Erhebungen der Bauern und dieser Martin Luther mit seinen verrückten Ideen nur Problemchen, mit denen schon die regionalen Fürsten fertig werden).

Agnes interessiert sich sehr für die Geschichte der Burg und lebt eigentlich mehr in der Vergangeheit. Zumindest, bis ihr Falke ihr einen Ring zuträgt, der eine Kette von Ereignissen auslöst, die kein gutes Ende ahnen lassen.
Um nicht zuviel zu verraten, sei noch gesagt: der Ring und Agnes reisen widerwillig durchs Reich, gefolgt von Mathis und einem Begleiter, die Agnes aus den Klauen eines Hurenfängers retten wollen. Fast schon ein bisschen Herr-der-Ringe-mäßig, auch wenn hier die Gefährten schon von Anfang an getrennte Wege gehen. Doch auch bei Pötzsch soll es nicht an vielen Toten und verbrannter Erde fehlen, Burgen werden erobert, geschleift, manche auch gehalten.

Auf jeden Fall ist das Buch wirklich über die gesamten neunhundertundwas Seiten hochgradig unterhaltsam geschrieben. Wer bisher von Oliver Pötzsch nur die Henkerstochter-Romane kennt (ich hab da nur den letzten gelesen), der wird hier positiv überrascht sein, wie Pötzsch den doch ungleich schwierigeren Plot und diese Epoche der Umbrüche großartig darstellt. Auf dem Gebiet des vom Mittelalter dominierten Historischen Romanes sicher einer der guten Romane (was man von meinen vorherigen beiden Leseerlebnissen auf dem Gebiet nicht behaupten kann).

Bibliografisches:

EAN 9783471350836

Erschienen im Paul List Verlag, September 2013
944 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook und zum Hören.

Abschließend sei noch jedem der Besuch einer Veranstaltung mit dem Autor empfohlen – die Enthauptung gibt’s da inklusive, schließlich stammt Pötzsch aus einer Henkersfamilie.

Kategorien: Deutsche Literatur, Historischer Roman | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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