Nordamerikanische Literatur

Über den Ozean in eine neue Identität

taucher.jpg

(c) Aufbau Verlag

Wer von uns wünscht sich nicht manchmal, einfach aus seinem Leben zu verschwinden und ein ganz neues, ganz anderes anzufangen? Aus allen Zwängen und Verpflichtungen ausbrechen und einfach das machen, was man schon immer mal machen wollte…

Mit diesem Thema haben sich ja schon einige Autoren beschäftigt, auf positive, wie negative Weise. Als ich mit Vendela Vidas Buch begann, kam mir eine der Episoden aus Daniel Kehlmanns ‚Ruhm‘ ins Gedächtnis.
Da wie hier reist eine Frau in ein Land, in dem sie fremd ist, in dem sie sich nicht auskennt. Beide verlieren auf die eine oder andere Art ihre Dokumente und Dinge die sie in den Augen der heutigen Gesellschaft zu der Person machen, die sie seit ihrer Geburt sind. Pass, Kreditkarten etc., die Bürden der Welt.

Doch wo Kehlmanns Geschichte den denkbar negativsten Ausgang der vollkommenen Verlorenheit nimmt, begreift die Frau in Vidas Roman genau das nach und nach als ihre große Chance auf einen Neubeginn. Gekommen ist sie nach Casablanca um Abstand zu gewinnen von ihrer Beziehung, in der etwas ganz gräßlich schief gelaufen ist – wir erfahren im Laufe des Buches das ganze Ausmaß dieser persönlichen Krise.
Sie ist hierher gekommen um sich selbst zu finden – davon künden ja mittlerweile unzählige Ratgeber in den Buchhandlungen – und muss feststellen, dass es vielleicht nicht die bisherige Person ist, die ihr selbst finden will, sondern dass sie gewissermaßen zu einer komplett anderen Person werden wird. In den staubigen, verstopften Straßen von Casablanca (der Reiseführer rät: Das erste, was man bei der Ankunft in Casablanca tun sollte, ist, Casablanca verlassen.) kommt mit ihren Dokumenten auch ihr altes Ich abhanden. Der Verlust der offiziellen Identität als Chance zur Schaffung einer neuen, besseren, idealeren.

Ist es das, was wir uns eigentlich alle heimlich wünschen? Vendela Vida impliziert das gekonnt, indem sie den Roman komplett in der 2. Person Singular schreibt uns damit uns selbst direkt anspricht.
Leicht und unterhaltend geschrieben, versuchte ich doch immer wieder mich in die junge Frau hinein zu versetzen: was würde ich in ihrer Lage tun? Fremdes Land, kein Pass, keine wie auch immer gearteten Dokumente, die sagen, wer ich bin, wer ich sein soll. Das große Thema der Agentenliteratur: untertauchen. Hier einmal durchexerziert für den Otto-Normalbürger. Abtauchen und mit neuer Identität wieder auftauchen.

Wünschst du dir das nicht auch manchmal? Auf nach Casablanca!

ISBN 9783351036294

Erschienen im Aufbau Verlag, Februar 2016
Aus dem Englischen übertragen von Monika Blank
Originaltitel: The Diver’s Clothes Lie Empty
252 Seiten, gebunden

€ 19,95

 

Kategorien: Aufbau, Belletristik, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Cut my life into pieces

leavitt

(c) Beltz

Ein Buch über Alzheimer, noch dazu ein Sachbuch, ist nichts, was normalerweise auf meiner Leseliste landet. Doch dieses hier ist in eine Ausnahme, denn es ist in grafischer Form erzählt.
Zuerst sind es die kleinen Dinge, abgetan als normale Vergesslichkeit. Man kennt das aus so ziemlich jeder Geschichte zum Thema Alzheimer. Die Angst, das Verleugnen. Doch als klar wird, dass ihre Mutter an Alzheimer erkrankt ist, beschließt Sarah Leavitt das Voranschreiten der Krankheit zu dokumentieren. Doch daraus wird viel mehr, es wird nicht nur die Geschichte einer kranken Frau, sondern ebenso das Porträt einer Familie, die vor die schwierigste aller Aufgaben gestellt wird, das langsame Verschwinden eines geliebten Menschen zu begleiten, der doch physisch immer noch in ihrer Mitte ist, und das ganze ohne dabei selbst zu zerbrechen.

Mit dünnem Strich und ohne viel Schnickschnack erzählt Leavitt von der Jugend der Mutter und deren zwei Schwestern, die unzertrennlich sind, ganz im Gegensatz zu ihr selbst und ihrer Schwester, die eher wie Öl und Wasser sind.

Es sind vor allem die kleinen Episoden, die dieses Buch so sympathisch machen und es von den reinen Krankheitsberichten abhebt (neben der grafischen Umsetzung natürlich). Etwa als die Schwestern mit der Mutter im Regen stehen, mit offenem Mund und herausgestreckter Zunge. Oder wie Sarah beim Anblick der Haarknäuel (tangles) ihrer Mutter und der Tante im Badezimmer beinahe in Tränen ausbricht.

Beeindruckend, wie die Familie sich um die Mutter kümmert und dabei ganz offensichtlich an ihre Grenzen stößt. Das führt unter anderem dazu, dass sich der Vater eine Auszeit nimmt und für einige Zeit nach Mexiko reißt, um dem täglichen ‚Wahnsinn‘ zu entfliehen.
Bis fast zum Ende verweigert sich die Familie professioneller Hilfe und nimmt die Pflege ausschließlich in die eigenen Hände, auch wenn das eigene Leben unweigerlich darunter leidet.
Wäre jeder von uns dazu auch in der Lage. Wäre ich dazu in der Lage?, fragte ich mich immer wieder bei der Lektüre.
Das Ende las ich schließlich mit unvermeidlich feuchten Augen.

Ein beeindruckender Bericht; gewagt und – gelungen.

Das große Durcheinander – Sarah Leavitt
ISBN 9783407859686

Erschienen im Beltz Verlag, März 2013
Aus dem Englischen übertragen von Andreas Nohl
Originaltitel: Tangles: A story about Alzheimer’s, my mother and me
128 Seiten, gebunden

€ 19,95

Kategorien: Graphic Novel, Nordamerikanische Literatur, reportage, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein einziger Schuss – Matthew F. Jones

ein_einziger_schuss_300

(c) Polar Verlag

Was für ein Buch, bin gerade noch etwas überwältigt von diesem Ende! Puh.

Auf den Titel gestoßen bin ich durch einen Post auf CrimeNoir, der ausdrücklich zum Lesen von Country-Noir-Titeln aufruft, da hier sehr gut eben diese Bevölkerungsschichten porträtiert werden, die letztlich Mister Trump zum neuen Präsidenten der USA gewählt haben – die abgehängten, verarmten ländlichen Schichten, die sich von den Politeliten in Washington nicht mehr vertreten sehen.

 

Genau so einer ist John Moon, der auf dem kläglichen Rest der Familienfarm in einem Trailer wohnt. Die Farm hat der Vater an die Bank verloren, in seinem Elternhaus wohnt jetzt der neue Eigentümer, dem er ab und an zur Hand geht.
Kürzlich hat ihn seine Frau verlassen, da sie hier keine Zukunft für sich und das gemeinsame Kind mehr sah. Da John es in keinem Job lange aushält, versucht er sich mit Wilderei über Wasser zu halten, um so zumindest einen kleinen Beitrag zum Unterhalt von Frau und Kind zu leisten.

Auf einem seiner Jagdausflüge in das nahe gelegene Naturschutzgebiet unterläuft ihm ein schwerwiegender Fehler: auf der Pirsch einem bereits verwundeten Hirsch hinterher will er den Streckschuss anbringen, erschießt stattdessen versehentlich ein junges Mädchen, das in einem versteckten Camp im Wald lebt. Ein Unfall, den er teuer bezahlen soll.

Bei dem Mädchen findet er eine große Menge Geld, wodurch ihm eigentlich klar sein sollte, das hier mehr dahinter steckt, als eine einfache Ausreißerin. Dennoch lässt sich John vom ewigen Versprechen des Geldes blenden und nimmt es an sich. Eine folgenschwere Entscheidung, denn schon bald soll ihm sein bescheidenes Leben in der Grauzone zwischen Legalität und Illegalität gehörig um die Ohren fliegen, denn die Eigentümer des Geldes machen bald schon regelrecht Jagd auf ihn. Zur Polizei zu gehen, kommt für ihn nicht in Frage, hat er doch bereits mehrere Vorstrafen für seine Wilderei auf dem Kerbholz.
Und auch bei anderen werden plötzlich düstere Geheimnisse ans Licht gespült, so bei Johns Freund und Vaterersatz Simon, den er nicht so gut zu kennen scheint, wie er sein Leben lang dachte. Ebenso steckt hinter seinem Scheidungsanwalt doch mehr als die etwas lächerliche Fassade.

Es entwickelt sich eine Spirale von Fehlentscheidungen und Missgeschicken, man möchte John alle 10 Seiten zur Vernunft rufen, doch er reitet sich mit jeder seiner Entscheidungen immer tiefer in den Dreck in dem er bald zu versinken droht, wie die Kuh in einer Symbolszene in der Mitte des Buches, die er gemeinsam mit dem neuen Eigentümer der Farm aus einer aufgeweichten Wiese befreit, in der sie bereits bis zum Hals versunken ist.
Bezeichnend, dass ihm jener hier einen Job anbietet, ein festes sicheres Einkommen mittels einer Arbeit, die er kann und liebt. Doch siegt auch hier die Unvernunft, kann er seinen Stolz nicht besiegen. Auf der ‚eigenen‘ Farm für jemanden gegen Sold arbeiten, wenn das alles doch eigentlich ihm gehören sollte…

Die Kuh wird gerettet, John sinkt weiter und weiter in seinen Sumpf aus Eitelkeit, Stumpfheit und Unglück, ein Teufelsstrudel des Verderbens.

Dass das Buch bereits vor zwanzig Jahren im Original erschienen ist, schadet in keiner Weise der Aktualität. Im Gegensatz kann man daran deutlich sehen, dass das Problem verarmter abgehängter Landstriche kein neues ist, sondern sich lange lange angekündigt hat. Ja wenn man Daniel Woodrell ließt, kann man die Wurzeln schon auf die Great Depression am Anfang des letzten Jahrhunderts zurückverfolgen.

Zum Schluß noch ein Kompliment an den Polar Verlag für die grandiosen Buchcover. Obwohl dies hier erst mein erstes Buch von euch ist, bin ich großer Fan eurer Covergestaltung!

ISBN 9783945133392
eISBN 9783945133408

Erschienen im Polar Verlag, Juli 2016
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Robert Brack
Originaltitel: A single shot
272 Seiten, Klappenbroschur

 

Kategorien: Krimi, Nordamerikanische Literatur, Uncategorized, Verfilmung | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Paradox – Phillip P.Peterson

paradox

(c) Bastei Lübbe

Es gibt Science Fiction und es gibt Science Fiction. Dieses Buch gehört zur zweiten Kategorie. Ich begann mit der Lektüre, nachdem ich im Flieger Gravity gesehen hatte und war verblüfft über den doch sehr ähnlichen Einstieg. Zwar ist es hier kein Weltraumschrott, der zur tödlichen Gefahr wird, sondern im Prinzip das Management der letzten ISS-Mission, das durch Fehlentscheidungen zum Unglück führt, doch auch hier müssen sich die Besatzungsmitglieder mit der Rettungskapsel auf die Erde retten, während die Station der Verschrottung anheimfällt.
Das war natürlich sehr hilfreich bei detaillierter Verbildlichung der Eingangsszenen. Dennoch macht das Buch auch ohne den Film wirklich was her. Und das kommt nicht von selbst; in der Autorenbio heißt es: ‚Peterson ist Ingenieur für Satelitenprogramme und hat neben wissenschaftlichen Texten auch Artikel für einen Raumfahrtfachverlag veröffentlicht. Der kennt sich also in der Materie, über die er schreibt, wirklich gut aus. Was im Anhang auch durch zahlreiche Quellen unterstrichen wird.

Doch zur Story: der schon leicht betagte Ed Walker soll nach dem ISS-Desaster jetzt doch eine neue Mission anführen, ein von Multimilliardär finanziertes Projekt (inspiriert von Elon Musk). Dessen Unternehmen Centauri hat ein neuartiges Antriebssystem entwickelt, welches ein Raumschiff in verhältnismäßig kurzer Zeit an den Rand des Sonnensystems bringen soll. Genau dorthin, wo inzwischen drei Erkundungssonden verschwunden sind, bei denen kurz vor dem Verschwinden merkwürdige Anomalien festgestellt wurden. Daher ist auch David an Bord, ein junger Wissenschaftler, der sich genau mit diesem Phänomen in seiner Abschlussarbeit beschäftigt hat.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, das tut der Autor genug, erzählt das Buch von der Vorbereitung zur Mission und den damit verbundenen Schwierigkeiten, bis es schließlich – leider muss man darauf relativ lange warten – nach ca. 2/3 zum Start des Schiffes kommt und die spannende Mission in Richtung interstellarem Raum beginnt.Kein Sieg der Aufklärung |

Was die Astronauten dort finden, könnt ihr selbst lesen. Woran es mich direkt erinnert hat, ist das Bild auf der rechten Seite, dass irgendwann mal in der Schule behandelt wurde. Ob in Religion oder einem anderen Fach, ist mir leider nicht mehr geläufig. Passen würde im vorliegenden Fall allerdings sowohl Geistes-, wie auch Naturwissenschaft.

Besonders für dieses Buch eingenommen hat mich die stark ausgeprägte Gesellschaftskritik, die ich hier überhaupt nicht erwartet hatte. Im Hintergrund der Missionsvorbereitungen zeichnet sich ein atomarer Konflikt zwischen China und den USA ab, die über Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent in einen verbitterten Kampf verwickelt sind. Es wird das Bild einer zukünftigen Erde gezeigt, die leider momentan viel zu realistisch erscheint. Vom dummen Nationalismus, über Ressourcenkriege und große Völkerwanderungen ist das düstere Hintergrundbild logische Konsequenz derzeitiger Weltpolitik.
Bezeichnend ist der Kommentar des Missionskommandanten beim Anblick der vorbeiziehenden Erde kurz vor dem Abflug aus dem Orbit:

Alle Staatsoberhäupter müssten das hier mit eigenen Augen sehen, bevor sie ihr Amt antreten, dann gäbe es keine Kriege mehr und auch keine Verschmutzung in dem Ausmaß, wie sie auf der Erde stattfindet.

Seid vorgewarnt: wenn ihr Happy Ends mögt, ist dieses Buch nichts für euch. Solltet ihr aber den Marsianer und Gravity gerne gelesen/gesehen haben, ist das Buch genau richtig für euch.

ISBN 9783404208432

Erschienen im Verlag Bastei Lübbe, Dezember 2015
(leider bietet der Verlag keine Infos über Orginaltitel und Übersetzung)
478 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Kategorien: Action, Fantasy, Nordamerikanische Literatur, Politik, politthriller, Science Fiction, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

In den Straßen die Wut – Ryan Gattis

all involved

(c) Rowohlt

Puh. Noch ist kein ganzer Monat in diesem Jahr vergangen, schon kommt das erste Highlight: Es erscheint In den Straßen die Wut in der deutschen Übersetzung bei Rowohlt. Und was für ein Buch das ist! Ein Buch wie eine abgesägte Schrotflinte. Ungeheure Einschlagskraft, große Streuweite und hinterlässt böse Narben.

Wie ich jetzt im Nachhinein gelesen habe, hat Ryan Gattis selbst im Gangmilieu von L.A. recherchiert, was wohl keine so einfache Sache ist, da die Chicano-Gangs gerne unter dem Radar fliegen, nicht viel mit Fame am Hut haben. Er hätte dann natürlich ein Sachbuch aus dem Material machen können, aber das wäre sicher nur halb so gut geworden.

Schnell das Setting: im April 1992 brechen in L.A. verheerende Unruhen aus, nachdem der Prozess wegen unnötiger Gewaltanwendung von vier Polizisten gegen Rodney King zu einem lächerlichen Abschluss kommt. In der Folge wird über eine Woche hinweg geplündert, Feuer gelegt und es kommt zu über 10.000 Verhaftungen und immerhin 60 direkt den Unruhen zugeschriebenen Todesfällen.
Der Verlag Picador hat zum Buch eine sehr informative Seite zusammengestellt, die ihr hier findet: www.lariotsallinvolved.com

Doch wenn eine Stadt in Anarchie versinkt, ist das natürlich auch eine optimale Gelegenheit, um alte Rechnungen zu begleichen.

Anhand von 17 miteinander verknüpften Charakteren bringt uns Gattis die 6 Tage Ausnahmezustand blutig real vor Augen. Es sind Geschichten von Vergeltung, von Aussichtlosigkeit; voller Gewalt, Drogen, Wahnsinn und trotz allem auch Hoffnung und sogar Liebe. Die meisten der Protagonisten sind chicanos, also mexikanisch-stämmige Gangmitglieder. Ursprünglich wollte Gattis wohl nur aus ihrer Sicht erzählen, doch letztendlich gibt es auch die Kapitel der Krankenschwester, des Feuerwehrmannes, des Obdachlosen uvm.; die Gründe dafür könnt ihr wiederrum auf der oben genannten Seite nachlesen. Es ist also nicht jeder ‚all involved‘, wie der Originaltitel lautet und was soviel bedeutet, wie in einer der Gangs Mitglied zu sein. Und doch sind alle irgendwie all involved, kommt doch keiner vorbei an der Gewalt in diesen Tagen, am Chaos und der Verwüstung.

In den Straßen die Wut ist ein rauhes Buch, ein unglaublich lebendiges und authentisches Buch, nicht zuletzt durch die Sprache (hier kann ich jetzt nur für die englische Originalausgabe sprechen, der ein immerhin 7-seitiges Glossar mit Gangausdrücken und Übersetzungen anhängt).
Und was für ein Page-Turner! Mich hat das Buch über drei Tage nicht mehr losgelassen und hat es immer noch nicht.

Zwei Stimmen, denen ich mich ohne Einschränkung anschließe:

„All involved is a monumental achievement. Ryan Gattis takes the reader into the broken, outraged heart of L.A. during the ’92 riots and doesn’t blink once at what he finds there.“ Dennis Lehane

„All involved is a symphonic, pitch-perfect, superlative novel. It is visceral and adrenalin-fuelled, yet tender and even darkly comic. It is audicious, unflinching and subversive. It doesn’t judge. It swallowed me whole.“ David Mitchell

Oder wie der Verlag das auf den Punkt bringt: Ein Roman wie ein Tarantino-Film, ein Gewaltexzess, ein Experiment, ein Buch ohne Vorbild.

ISBN 9783499270406 €16,99
eISBN 9783644546516 €14,99

Erschienen im Rowohlt Verlag, Januar 2016
Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Ingo Herzke
Originaltitel: All Involved (gibt es im epub auch als Fortsetzungsroman in 6 Kapiteln)
608 Seiten, Klappenbroschur

Kategorien: Belletristik, Krimi, Nordamerikanische Literatur, reportage, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 9 Kommentare

Kalter Schuss ins Herz – Wallace Stroby

kalter schuss

(c) Pendragon

Ein Krimi mit einer starken weiblichen Hauptfigur? Moment, da muss ich kurz überlegen. Fällt mir spontan nur ‚Kalte Macht‘ von Jan Faber ein. Ok, vielleicht lese ich die falschen Krimis; umso besser, dass ich diesen hier gelesen habe.

Die Protagonistin ist die toughe Crissa Stone. Der Klappentext spricht von jung und attraktiv, das Bild müsst ihr euch selber bilden.

Wallace Stroby schmeißt uns direkt in die Handlung: wir steigen mitten in einem Banküberfall ein.

Drei Minuten nachdem sie durch den Haupteingang gekommen waren, hatte Crissa den Manager und die zwei Angestellten mit den Gesichtern auf den Boden, die Hände mit Kabelbindern auf den Rücken gefesselt.

Leider erweist sich die Beute als kleiner als erwartet. Da Crissa jedoch den Anwalt ihres Freundes, der im Süden des Landes im Gefängnis sitzt, bezahlen muss, und außerdem endlich das Haus kaufen möchte, auf das sie es schon so lange abgesehen hat, lässt sie sich direkt im Anschluss zu einem neuen Coup überreden. Eigentlich gar nicht ihr Ding. Normalerweise wird sowas gründlich und bis ins einzelnste geplant. Hier bleiben ihr nur wenige Tage Vorbereitung, dafür soll die Beute umso großzügiger ausfallen.

Eine Pokerrunde im großen Stil soll ausgenommen werden. Das läuft auch zuerst recht gut, bis einer ihrer Komplizen die Nerven verliert. Es fällt ein Schuss, der zu unvorhergesehenen Konsequenzen führt, denn der Erschossene ist der Schwiegersohn einer Unterweltgröße. Das Opfer darf selbstverständlich nicht ungerächt bleiben.

In der Folge sind Crissa und Komplizen also auf der Flucht vor mächtigen Gegnern, manifestiert in der Person von Eddie dem Heiligen. Doch bald muss Crissa zweifeln, ob der sich der Schuss wirklich nur aus einer Überreaktion ihres Komplizen heraus gelöst hat, oder war das Ganze von vornherein so geplant?!

Wallace Stroby ist hier als Auftakt der Stone-Reihe ein spannender und mitreißender Krimi gelungen. Der direkte Einstieg, die schnell vorangetriebene Handlung und natürlich vor allem die charismatische Protagonistin machen das Buch zu einem großen Lesevergnügen. Crissa Stone erinnert stark an den guten alten Parker von Richard Stark und das ist auch so gewollt, Stroby sieht die Crissa-Stone-Reihe (es liegen bisher im Original schon vier Teile vor, die Pendragon hoffentlich nach und nach ins Deutsche überträgt) als Tribut an die ‚alten Meister‘. Dass er allerdings eine Frau als Star seiner Reihe wählte, macht diese nur noch interessanter und hebt sie aus der Masse von ‚Männer-Reihen‘ heraus.

Der Pendragon Verlag hat dazu auch noch die passende Verpackung gefunden, das Cover erinnert an die bei Suhrkamp erschienenen Winslows, was mich natürlich direkt ansprach.

Beste Krimi-Unterhaltung ohne tiefenpsychologische Betrachtungen oder unnötige Folterei. Schnell, direkt, noir – perfekt.

ISBN 9783865324870

Erschienen im Pendragon Verlag, August 2015
Aus dem Englischen übertragen von Alf Mayer
Originaltitel: Cold shot to the heart
351 Seiten, Klappenbroschur

€ 15,99

Erhältlich auch als ebook.

Kategorien: Krimi, Nordamerikanische Literatur, pendragon | Schlagwörter: , , , , , , , , | 3 Kommentare

Das Licht der letzten Tage – Emily St. John Mandel

(c) Piper Verlag

(c) Piper Verlag

Ein Virus vernichtet den größten Teil der Menschheit und die Übriggebliebenen kämpfen sich von Tag zu Tag. Der Plot klingt jetzt ein bisschen nach The Walking Dead, aber hier gibt es keine Zombies.
Vielmehr widmet sich Emily St. John Mandel hier den Dingen, die in der großen Katastrophe nicht untergegangen sind und in Rückblicken eben dem was verschwunden ist und auf absehbare Zeit auch nicht wieder zur Verfügung stehen wird. Sollte es denn überhaupt noch Erinnerungen geben an das, was verloren ging. Auf diese Weise vergegenwärtig uns die Autorin Dinge, die wir heute für selbstverständlich nehmen, die aber im Handumdrehen der Vergangenheit angehören könnten. (Ein Lied, dass ich bei dem Buch immer im Kopf hatte, und das zielich gut passt: Everything’s not lost)
Da ich mir gerade vorgestern in die Hand schnitt, erscheint mir dieses Zitat hier besonders passend:

„Es war vorbei mit Medikamenten. Es war  vorbei mit der Gewissheit, dass man einen Kratzer an der Hand auf jeden Fall überlebte, einen Schnitt am Finger, den man sich beim Gemüseschnippeln geholt hatte, einen Hundebiss.“

Der Vergleich mit der SARS-Epidemie verdeutlicht, wie nah wir an Ähnlichem immer wieder vorbeischrammen. Doch bei all der Düsternis des Grundthemas des Buches, ist dies kein depressiver Roman. Erzählt wird auf verschiedenen Zeitebenen. Einer der Hauptstränge erzählt die zeit unmittelbar während und kurz nach der Katastrophe, ein anderer spielt ungefähr 20 Jahre danach. Während wir in jenem verfolgen können, wie alles ein Ende nimmt und sich im Nachhinein einzelne Menschen durchschlagen, sich zu Grüppchen zusammenschließen und versuchen sich ein neues Leben aufzubauen, ist der Zukunftsstrang ausgerichtet auf eine Gruppe fahrender Schauspieler, die in den neu entstandenen Ansiedlungen Shakespeare-Stücke aufführen.
Bis sie auf der Suche nach alten Freunden in eine Siedlung kommen, die von einem Propheten und seinen Anhängern übernommen wurde. Nach ihrer Aufführung müssen sie fluchtartig die Siedlung verlassen, doch hat sich bei ihnen ein blinder Passagier eingeschlichen, was die ‚Erleuchteten‘ so gar nicht gut finden.

Die Verbindungen der verschiedenen Erzählstränge ist zum einen eben jener Arthur Leander und eben jene Aufführung des König Lear, bei der er stirbt. Zum anderen ein Comic, der die Geschichte einer Menschheit auf einem Planeten erzählt, der eigentlich nur eine Raumstation ist, die eine Fehlfunktion hat, weshalb dort dauerhaftes Zwielicht herrscht (um die Signifikanz des Comics zu verdeutlichen: im Original ist eben jener Comic/die Raumstation auch titelgebend für das Buch – ‚Station Eleven‘).

Das Buch ist voller kreativer Einfälle, ich würde zum Beispiel am liebsten gleich das Comic lesen. Das Buch macht nachdenklich – wie schnell kann es gehen und wie viel haben wir zu verlieren und ist es wirklich essentiell, was wir da zu verlieren habe? Die ersten Ausstellungsstücke im ‚Zivilisationsmuseum‘ sind: ein iPhone, eine Kreditkarte, ein Führerschein; später dann ein Laptop, ein Paar rote Schuhe mit Zwölfzentimeterabsätzen und eine Schneekugel.
Aber auch düstere Seiten gibt, darun kommt man bei einer Endzeitgeschichte nicht herum. Und doch ist es ein durchaus positives Buch, sehr gut zu lesen und mit einer unglaublich fesselnden Geschichte. Ich möchte beinahe behaupten, eines meiner Lesehighlights in diesem Herbst.

Beinahe hätte ich es vergessen, aber hier noch ein Zitat, dass leider sehr sehr gut auf die politische Lage derzeit passt:

„Man erzählte ihnen vom Internet, dass es überall gewesen war und alles verband, dass es Wir war. Man zeigte ihnen Landkarten und Globen, die Grenzlinien, die das Internet überschritten hatte. […] Die Kinder verstanden Punkte auf Landkarten – hier -, aber die Linien fanden selbst die Jugendlichen schwer zu begreifen. Es hatte Länder und Grenzen gegeben. Es war schwer zu erklären.

Ich beneide euch, die Ihr das Buch jetzt noch vor euch habt. Aber, ach was! Ich les‘ das einfach nochmal!

Bibliografisches:

ISBN 9783492060226

Erschienen im Piper Verlag, September 2015

Aus dem Englischen übertragen von Wibke Kuhn
Originaltitel: Station Eleven
416 Seiten, Klappenbroschur

€ 14,99

Diesen tollen Titel gibt es auch als ebook, in der Originalausgabe und sogar zum Hören.

Kategorien: Belletristik, Fantasy, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Unter Brüdern – Pete Dexter

(c) Verlagsbuchhandlung Liebeskind

(c) Verlagsbuchhandlung Liebeskind

Pete Dexter: Der Mann kann schreiben, keine Frage. Seine Texte sind bildhaft, fesselnd und bleiben einem im Kopf! Das ging mir schon bei Deadwood so, ebenso wie beim letzten im Liebeskind erschienenen Buch Paperboy. Doch wo wir bei Paperboy den Charakteren in brütend-schwüler Hitze durch düstere Moor-Wälder folgen, spielt Unter Brüdern im kühlen Norden der USA.

Peter muss mit ansehen, wie seine kleine Schwester vom Auto des Nachbarn überfahren wird und daraufhin seine Familie auseinander bricht. Die Mutter driftet ab in Delirium und Wahnsinn, der Vater will Rache am Nachbarn. Doch alle wollen es ihm ausreden, sein Bruder, seine Kollegen, und allen voran Constantine, der ein hohes Tier in der Gewerkschaft ist. Wie all die Männer irgendwas bei der Gewerkschaft zu machen scheinen. Doch man bekommt schnell den Eindruck, das ‚Gewerkschaft‘ eher eine kriminelle Vereinigung ist.

Und seine Rache, ja, die soll der Vater bekommen. Der Trieb nach Vergeltung ist stärker, als jede noch so harte Drohung. Ein gutes Ende nimmt das allerdings für keinen.

Peter wächst in der Folge bei seinem Onkel auf, der mit seiner Familie in das Haus des verschwundenen Vaters eingezogen ist und selbst nicht ganz unbeteiligt ist am Verschwinden des Vaters. Der Onkel ist es auch, der Peter und seinen Cousin Michael zu Nick bringt. Nick ist ein Automechaniker, ehemaliger Profiboxer, der über seiner Werkstatt eine Boxhalle betreibt. Und während Michael dort vor dem Fernseher sitzt und sich von Tanzshows berieseln lässt, wird Peter bald zum leidenschaftlichen Schüler Nicks, und dieser bald so etwas wie eine Ersatz-Vaterfigur.

Die beiden Jungen wachsen in die ‚Gewerkschaftswelt‘ hinein und stehen bald schon an der Spitze, wobei jedoch Michael sich als sadistisch-käsiger Halbirrer entpuppt und Peter sich aus allem herauszuhalten versucht, wodurch er meistens doch in vieles verstrickt wird, ein unfreiwilliger Mitläufer gewissermaßen. Ich hab mich da schon das eine oder andere Mal aufgeregt, wenn er wieder keine Widerworte gibt, wieder nur dabei steht und nichts tut. Aber genau das macht für mich auch gute Literatur aus, dass man sich an den Charakteren reibt, sie eben nicht genau das tun, was man von ihnen erwartet, oder was die scheinbar befriedigendste Lösung ist. Genau so ist Peter, leicht phlegmatisch, einer den man nicht wirklich sympathisch finden möchte, den man oft wachschütteln will. Und doch ist er fast der einzige Sympathieträger in diesem Buch.

Für viele nimmt die Geschichte kein gutes Ende. Für den Leser schon, denn er hat gerade ein Buch des großartigen Pete Dexter gelesen, der einer meiner liebsten Erzähler ist. Das sprichwörtliche Abtauchen in ein Buch – bei Pete Dexter passiert das in Perfektion. Beinahe schmeckt man das Blut auf den Lippen, wenn Peter im Boxring steht, oder riecht den Zigarrettenrauch aus der Küche heraufsteigen, wenn die Männer dort eines ihrer Treffen abhalten.

Wenn ihr den Film ‚A most violent year‘ gesehen habt, dann wisst ihr ungefähr, welche Atmosphäre hier herrscht. Düster, kühl, US-Amerikanische Großstadt der 70er/80er, weit entfernt von der geleckten Broschürenwelt des Jetlag.

Pete Dexter – the tell-tale-god. Zumindest für mich. Alle von mir bisher gelesenen Titel waren ganz große Klasse. Und mehr werden folgen!

Bibliografisches:

ISBN 9783954380428

Erschienen bei der Verlagsbuchhandlung Liebeskind, Februar 2015
Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Götz Pommer
Originaltitel: Brotherly Love
302 Seiten, gebunden

€ 19,90

Kategorien: Belletristik, Krimi, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Kartell – Don Winslow

(c) Droemer Knaur

(c) Droemer Knaur

Und durch. Doch noch. Nach dem unglaublich guten ‚Tage der Toten‚ haben wir alle darauf gewartet: die Fortsetzung. Denn wo der amerikanische Drogenkrieg weiter tobt, kann doch die Geschichte von Art Keller nicht einfach so zu Ende sein.

Und Don Winslow hat uns nicht enttäuscht, die Fortsetzung ist im Juni 2015 erschienen und präsentiert sich im Ziegelsteinformat in den Buchhandlungen. Das Cover erinnert stark an Roberto Savianos ‚ZeroZeroZero‚, was wohl Absicht ist, geht es doch im Grunde um das gleiche Thema.

Beide Bücher handeln vom sogenannten Krieg gegen die Drogen. In ‚Tage der Toten‚ folgen wir dem jungen DEA-Agenten Art Keller nach Mexiko in den späten 70ern, wo er mehr oder weniger erfolgrreich gegen die dortigen Drogenkartelle vorgeht. Aus Freunden werden Feinde, aus Feinden werden Freunde, und leider leider sind die Kartelle scheinbar mit der Hydra verwandt. Die Handlung des Buches erstreckt sich über drei Jahrzehnte und führt uns bis zum Ende des letzten Milleniums.

Doch: wo ich ‚Tage der Toten‚ in einem atemlosen Rutsch weglas, tat ich mich mit ‚Das Kartell‘ anfangs etwas schwer. Man merkt, dass Don Winslow jahrelang für das Buch recherchiert hat, doch leider begeht er hier den gleichen Fehler, der viele auch an Frank Schätzing stört: er muss auf Teufel komm raus auch jedes Fitzelchen Wissen im Buch unterbringen. Was leider den Lesefluss etwas stört. Fast schon liest sich das Buch wie ein Sachbuch, und man hofft, dass hier möglichst wenig der Wahrheit entspricht, wohl leider vergeblich. Die Süddeutsche Zeitung nannte ‚Das Kartell‘ daher auch „ein pervers beeindruckendes Thriller-Lexikon über den mexikanischen Drogenkrieg“. Wo es im ersten Buch hauptsächlich um den Kampf der US-Drogenbehörde gegen die Kartelle ging, steht hier eher der Kampf der Kartelle gegeneinander im Mittelpunkt.
Doch auch aus der Perspektive von Journalisten wird im Kartell erzählt – das Buch ist immerhin Ihnen gewidmet.

(c) Suhrkamp

(c) Suhrkamp

Wenn man nicht konzentriert bei der Sache bleibt, kann allerdings schnell den Überblick verlieren über Allianzen, Zugehörigkeiten und wer gerade welches Gebiet hält. Das mag an dem Wust an Wissen liegen, oder aber auch der Materie geschuldet sein, denn das die Strukturen einfach zu durchschauen sind, glaube ich nicht. Dazu kommt auch noch, dass einige der Charaktere teilweise bei Spitznamen genannt werden. Das ist dann ein bisschen wie ‚Schuld und Sühne‘ lesen. Daher Respekt, dass zumindest der Autor den Überblick behalten hat (ein Personenverzeichnis mit Zugehörigkeiten wäre vielleicht ganz sinnvoll, was meint ihr?).

Die Lesbarkeit schmälernd ist auch der unglaublich hohe Body Count. Doch auch hier gestehe ich ein, dass der Krieg um einiges an Brutalität zugelegt hat.

Gut, dass ich das Buch dann doch nicht weggelegt habe, denn jetzt bin ich doch wieder begeistert von diesem ‚epischen Werk‘. Gut geschrieben ist es allemal, im bekannten Winslow-Stil der kurzen knackigen Sätze (was gewöhnungsbedürftig ist, wenn man parallel einen Autor liest, der genau das Gegenteil macht). Also nehmt euch Zeit für das Buch und lest es möglichst nicht nebenbei.
Und nicht zuletzt, weil Don Winslow hier ein Thema bearbeitet, dass ähnlich wie die weltweite Flüchtlingsmisere, uns alle mit angeht und viel zu wenig in der Öffentlichkeit stattfindet. Diese ganze Problematik reicht auch nach Europa herüber, wir sind einer der größten Märkte!
Es handelt sich hier um den längsten Krieg, den die USA bisher führte und ein Ende ist nicht in Sicht (dieser Tage ist gerade einer der Kingpins wieder aus dem Gefängnis ‚ausgebrochen‘, was dem Beginn des Buches sehr nahe kommt).
Es geht hier nicht nur um Drogen und Gewalt, es geht hier auch um Korruption, um Vertreibung, um Lobbyismus, um Marktanteile und Geldmacherei. Und warum führen die USA diesen Krieg im Nachbarland, wenn doch die Ursache vor der eigenen Haustür zu suchen ist? Angebot und Nachfrage bedingen sich bekanntlich.

Don Winslow ist zweifellos ein Experte auf diesem Gebiet. Kürzlich hat er einen offenen Brief an die US-Präsident und Senat veröffentlicht, den ihr hier nachlesen könnt: The only way to win the war on drugs is to stop fighting

Wer sich für die Thematik im weiteren Rahmen interessiert, dem seien neben den bereits erwähnten ‚Tage der Toten‚ und ‚ZeroZeroZero‚ noch ‚Die toten Frauen von Juárez‚ (einer meiner ersten Einträge hier), ‚Tequila Sunset‚ (ja, ich hab tatsächlich mal einen Artikel auf englisch geschrieben) und ‚La Frontera‚ (erscheint im November im Polar Verlag unter dem Titel Kojoten; derzeit nur in englisch bei betimes books) von Sam Hawken empfohlen.

Bibliografisches:

ISBN 9783426304297

Erschienen im Droemer Knaur Verlag, Juni 2015
Aus dem Englischen übertragen von Chris Hirte
Originaltitel: The Cartel
832 Seiten, Kartoniert

€ 16,99 (oder wie Stephen King sagt: „you pay fifteen bucks and get fifty bucks‘ worth of story“)

Auch erhältlich als ebook.

Kategorien: Krimi, Nordamerikanische Literatur, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wüste der Toten – Urban Waite

(c) Droemer Knaur

(c) Droemer Knaur

Ray ist nicht mehr der Jüngste. Ray hat schon bessere Tage gesehen, genau wie die Kleinstadt aus der er kommt und in der er sich jetzt zur Ruhe setzen will. Ein letztes Ding soll noch gedreht werden, fast schon mehr ein Gefallen, als wirklich notwendig. Doch die Sache geht gründlich schief und plötzlich steht Ray ziemlich alleine da, mit einer Horde schießwütiger Jungspunde an den Fersen. Einfach nur Pech, oder wollte man Ray auf subtile Weise loswerden?!

Das Strickmuster ist so einfach wie gut und erfolgreich, kennt man es doch aus unzähligen Western in der einen oder anderen Form. Und so kann man dieses Buch getrost einen Neo-Western nennen. Statt auf dem Pferd, sitzt man in quietschenden Pick-Ups und der Horizont ist gepickt mit rostigen Pferdekopfpumpen.

Die Wüste der Toten bietet vielleicht keinen literarischen Tiefgang, dafür aber beste Krimi-Unterhaltung aus dem trockenen heißen Süden der USA, grandiose Shootouts und jede Menge coole Typen, die sich gegenseitig ins staubige Grab bringen wollen.

Urban Waite muss sich nicht hinter James Lee Burke, Daniel Woodrell, oder Sam Hawken verstecken. Statt in eine Schublade kommen die bei mir alle in die rostige löchrige Öltonne mit dem Label Country-Noir und Border-Noir.

Bibliografisches:

ISBN 9783426507773

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, Februar 2014
Aus dem amerikanischen Englisch übertragen von Marie-Luise Bezzenberger
Originaltitel: The Carrion Birds
348 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Auch erhältlich als ebook und in der Originalausgabe(Print), und Originalausgabe(epub).

Kategorien: Action, Krimi, Nordamerikanische Literatur | Schlagwörter: , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.

Nerdazine

Der Blog für den gepflegten Weltuntergang und Nerdkultur

Literature Displays

Lesen gefährdet die Dummheit

Papiergeflüster

Das minimalistische Buchblog

lesewucht.de

Bücher. Die bleiben.

crimealley

"There is a splinter of ice in the heart of a writer." (Graham Greene)

crimealley

Just another WordPress.com site

Der Pendragon Blog

Lesen gefährdet die Dummheit

Photographierer

Bonjour Tristesse - Stadt-Landschaften

Literaturen

Lesen gefährdet die Dummheit

buchrevier

last man reading

Zeilensprünge.

Blog für Literarisches

masuko13

Leidenschaftliche Leserin und Bloggerin guter Romane.

Der Schneemann

Blog zur Krimi-Radiosendung

Die dunklen Felle

Krimis und Schafe - und Felle (oder Fälle?)

Zoë Beck

Blog, Infos, alles.

brasch & buch

unlimited

Poesierausch

Literatur- und Kulturblog

Packing books from boxes...

... von der Suche nach dem Glück auf dem Boden eines Kartons (und andernorts)

Die Leserin

Bücher und Kaffee. Und die Welt ist fast in Ordnung.

Polar Noir

Lesen gefährdet die Dummheit

Biographilia

inspiring people next door

AstroLibrium

Die kleine literarische Sternwarte

Feiner reiner Buchstoff

von den üblichen Verdächtigen

reingelesen

pars pro toto

buecherrezension

Literaturen der Welt in Wort und Bild

Wissenstagebuch

Eine Gabel für die Suppe der Weisheit

Wortgestalten

Buchtipps, Reiseberichte und was mir sonst noch einfällt

Wort & Tat

Anne Kuhlmeyer

Libroscope

Blog über Literatur und Film

GET CHANGED!

hier finden Sie Infos zu fairer Mode, ethical fashion, grüner Mode

Mit dem Fahrrad in und um Köln

Lesen gefährdet die Dummheit

KrimiLese

Crime & Thrill

Krimimimi

Lesen gefährdet die Dummheit

Was soll ich lesen? - Bücherblog

Lesen gefährdet die Dummheit

Besser lesen

Besser mal was lesen. Was Besseres lesen. Die besseren Menschen lesen.

Elementares Lesen

Sachbuch-Blog

Die fabelhafte Bücherwelt der Aliénor

Einfach mal wieder abtauchen

notizhefte

Kulturwebseite für Bücher, Museen und Ausstellungen, Oper und Konzert, Essen, Trinken und Sport

Krimi-Welt

Lesen gefährdet die Dummheit

Zeilenkino

Wo Film und Literatur sich treffen

A Readmill of my mind

"We are such stuff as dreams are made on, and our little life is rounded with a sleep."

zeilentiger liest kesselleben

Erkundungen in Stuttgart und anderswo - Skizzen, Buch, Film, Musik und Gastronomie

Logbuch Suhrkamp

Lesen gefährdet die Dummheit

beckmagdalena

50% Dies + 50% Das = Gnadenlose Popliteratur

literaturblog günter keil

Romane . Kurzgeschichten . Hörbücher . Autoren . Interviews . Lesungen

crimenoir

Krimi & Thriller: Über Altmeister und Newcomer

%d Bloggern gefällt das: