Regional

Bühlerhöhe – Brigitte Glaser

bühlerhöhe

(c) Ullstein

Auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz meine Lieblingsliteratur (der Verlag hat diesen Titel in die Marketingkampagne Kopfkino aufgenommen, die sich an Leserinnen 60+ richtet), aber ein Buch, das ich dennoch sehr gern gelesen habe.

Wir befinden uns in der unmittelbaren Nachkriegszeit, ein Kibbuz in Israel. Rosa bekommt den Auftrag, nach Deutschland zu reisen um Kanzler Adenauer zu beschützen. Rosa ist keine Agentin, Rosa gehört nicht zum Militär; mit Deutschland verbindet sie nur ihre Vergangenheit, eine Vergangenheit, die sie längst begraben hat. Dieses Land hat beinahe ihre gesamte Familie vernichtet. Doch ist sie in dem Moment scheinbar die einzige greifbare Person, die Deutsch spricht – immerhin ist sie in Köln aufgewachsen – und die den Schwarzwald sehr gut kennt, hat sie doch hier mit der Familie immer ihre Ferien verbracht.
Denn hierhin soll sie ihre Mission führen – im edlen Hotel Bühlerhöhe wir Kanzler Adenauer seine Ferien verbringen und dort droht ihm Gefahr. Eine jüdische Extremistengruppe trachtet dem Kanzler nach dem Leben, da er im Bundestag das umstrittene Wiedergutmachungsgesetz durchsetzen will, durch welches dem jungen israelischen Staat größere Summen deutschen Geldes zukommen sollen. Für die Gruppe ein Freikaufen von der Schuld, der nicht akzeptierbar ist.

Rosa wird also als mit der Lokalität vertraute auf die Bühlerhöhe geschickt, dort soll sie sich mit dem Agenten Ari treffen, der die Leitung der Mission übernehmen soll.
Die Reise nach Deutschland wird für Rosa in mehr als einer Hinsicht zu einer großen Herausforderung. Ein Land, in das sie niemals zurückkehren wollte und das doch voller auch schöner Erinnerungen steckt.
Beinahe kannman hier in der Schwarzwald-Idylle die verheerende Zeit der Nazi-Herrschaft vergessen.  Anders als in „Landgericht“ von Ursula Krechel merkt man beinahe nichts von der düsteren Vergangenheit des Landes, hier sind die Städte nahezu intakt geblieben, keine Spuren der Zerstörung sichtbar.

Doch wird der Aufenthalt für Rosa kein Zuckerschlecken. Ihr Partner, der erfahrene Agent, trifft nicht ein, die Hausdame auf der Bühlerhöhe spioniert ihr nach, es tauchen Schatten aus der Vergangenheit auf – jedoch nicht nur für Rosa. Auch für Sophie, die Hausdame, die ihr Fähnlein gerne mit dem Wind wehen lässt, was ihr die Verbannung aus der allzu nahen Heimat Strassburg eingebracht hat.
Außerdem ist da noch Agnes, die junge Auszubildende eines nahen Landgasthofes, die ein wichtiges verbindendes Element der Geschichte darstellt und eine ganz eigene naive Sicht auf die Begebenheiten dieses Sommers hat.
Kurz: in der Sommerfrische tummeln sich Geheimdienstler, Feriengäste, Handelsleute mit dubiosem Hintergrund und viele dunkle Schatten.

Brigitte Glaser hat mich mit einem Buch überrascht, das einen guten Land-Kontrast zu Krechels „Landgericht“ bietet, allerdings auch einen ungemein spannenden Agententhriller abgibt. Das Nachkriegsdeutschland ist für mich generell ein sehr interessantes Thema, leider etwas unterrepräsentiert in der derzeitigen Literatur (umso mehr freue ich mich auch auf das im November erscheinende neue Buch von Mechtild Borrmann).
Noch dazu erfahren wir eine Menge über die Flucht von Rosa und ihrer Schwester aus Deutschland, über das Leben im jungen Israel und über das schwierige Verhältnis der Geflüchteten zu ihrer einstigen Heimat Deutschland.

Die drei Hauptfiguren sind ausnahmslos weiblich und dabei so verschieden, dass es einen nur so durch die Geschichte hindurch zieht. Die verschiedenen Erzählperspektiven ergänzen sich sehr gut und geben einen differenzieten Blick auf die Geschichte, wobei die Sympathieträgerin eindeutig Rosa ist. Die naive Agnes regte mich das ein oder andere Mal mit ihrer Art wirklich auf und für Sophie kann man am Ende fast schon Mitleid empfinden, sie möchte nur das Beste für sich und scheitert dabei immer wieder aufs Neue und lässt sich von den Herren gnadenlos ausnutzen, in dem Glauben, man tue etwas für sie.

Mich hat Brigitte Glaser mit diesem Plot sehr gut unterhalten, genau die richtige Mischung aus Geschichte, Spannung und Einzelschicksalen, die glaubwürdig umgesetzt sind. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, auch wenn ich als Mann weit unter 60 scheinbar nicht zur Zielgruppe gehöre.

ISBN 9783471351260

Erschienen im List Verlag, August 2016
448 Seiten, gebunden
€ 20,00

eISBN 9783843713757
€ 16,99


 

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Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Geschichte, Historischer Roman, Krimi, Politik, politthriller, Regional | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Zone 5 – Markus Stromiedel

zone 5

(c) Droemer-Knaur

Nicht kleckern, sondern klotzen, wird sich Markus Stromiedel bei seinem neuen Buch gedacht haben (q.e.d.), denn nichts weniger als DAS Heiligtum der Kölner muss schon im Prolog des Buches dran glauben:

Der Tag, an dem der Kölner Dom einstürzte, war bis zu jenen Minutren kurz vor Sonnenuntergang bedrückend gewöhnlich gewesen.

Bedrückend gewöhnlich ist an diesem Buch allerdings sonst gar nichts.
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die heilige Stadt Köln in Zonen aufgeteilt, deren Anwohner sich nach sozialem Status unterscheiden. Die rechte Rheinseite, heute noch halb liebevoll die schäle Sick genannt (im Buch ist die Schäl Sick übrigens das slum-artige Gebiet außerhalb der Grenzmauer), ist komplett zu Industriezone umgewandelt worden für einen multinationalen Konzern, der im übrigen auch die Kontrolle über die ganze Stadt hat (eine keineswegs fururistische Idee; bei uns durchaus vorstellbar, in Indien schon Realität, s. Punkt 3: Lavasa). Auf der linken Rheinseite entscheidet Geld und Macht, ob man sich rund um den Dom in Party und Rausch ergehen kann, oder in Zone 4 um das tägliche Dasein kämpft.

Die ehemalige innere Ringstraße, einst auf den Ruinen der Kölner Stadtmauer errichtet, war zur Zonengrenze ausgebaut worden, eine acht Meter hohe Wand aus Beton und Stahl umgab das Stadtzentrum.

Wir springen zurück, 9 Tage vor dem Einsturz des Domes: David kommt als junger Anwalt nach Köln, in ihm glüht der Ergeiz, etwas zu bewegen. Anders als seine Kommilitonen hat er nicht bei einem großen Konzern angeheuert, sondern will sein Anerkennungsjahr bei einer ambitionierten Anwaltskoryphäe absolvieren. Eine Entscheidung, die er schnell bereut. Der Anwalt ist inzwischen nur noch ein versoffener, im Selbstmitleid versunkener Haufen Elend.

In Zone 4 lebt Alex, eine junge Frau, die alles versucht, um ihrer Zwillingsschwester zu helfen, die an einer schweren Krankheit leidet. Außerhalb der Zonengrenze nahezu ein Todesurteil, da der Zugang zu Medikamenten und Behandlungen stark reglementiert ist. Mit einem illegalen Grenzübertritt versucht sie dennoch an ein Medikament zu kommen, wird allerdings geschnappt, wodurch sich Alex‘ Schicksal mit dem von David verbinden soll.

Ein düsteres Bild, das Markus Stromiedel hier von der Zukunft entwirft, allerdings leider keineswegs ein abwegiges. Die Kontrolle der Industrie auf die Politik nimmt immer mehr zu. Eine dauerhafte Überwachung der Bevölkerung ist schon jetzt Realität, wenn auch noch nicht ganz so extrem, wie im Köln der Zukunft, wo man allein durch das Abweichen von seinem normalen Bewegungsprofil als auffällig eingestuft wird.
Der Zugang zu medizinischer Hilfe ist schon heute hauptsächlich über monetäre Mittel geregelt (das fängt schon bei der Differenzierung von Privat- und Kassenpatienten an).
Beängstigend, wie plausibel Stromiedels Zukunftsvision ausgefallen ist. Und dennoch konsequent, wie heutige Trends (Überwachung der Bevölkerung, Flüchtlingsströme in die Städte, Gated Communities) weitergedacht werden.

Trotz aller Düsternis ein spannendes, gut duchdachtes und äußerst lesenswertes Buch, dass vom Verlag nicht umsonst mit Eggers ‚Der Circle‘ verglichen wird.
Man wünscht sich, dass das deutsche Fernsehen endlich mal aus all den Gebührenmillionen ein vernünftiges Serienformat entwickeln würde – hier ist die optimale Vorlage; Filmstadt Köln und so.. (die US-Amerikaner können’s, die Briten können’s, die Franzosen können’s, die Italiener können’s – warum bleibt das deutsche Fernsehen so unterirdisch?!).

Wenn ihr Dystopien mögt, Krimis oder Science Fiction – hier ist euer Buch!
ISBN 9783426304815

Erschienen im Verlag Droemer-Knaur, Dezember 2015
463 Seiten, Klappenbroschur

€ 14,99

eISBN 9783426435557

€ 12,99

zur Leseprobe

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, politthriller, Regional, Science Fiction, Thriller, Veranstaltung | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Der Trailer zu ‚Das finstere Tal‘ ist da!

Jauchzet, Frohlocket! Da ist er endlich: der Trailer zur Verfilmung des großartigen Buches ‚Das finstere Tal‘ von Thomas Willmann. Auf der Facebook-Seite zum Film wurden ja schon fleißig Bilder vom Set und ähnliche Appetizer gepostet. Doch hier kann man jetzt sehen, dass das ein absolutes Kino-Highlight im Frühjahr wird.

Ein bisschen müssen wir noch warten, doch dann ist es soweit. Ein großartiges Buch, verfilmt für die große Leinwand, denn nirgendwo sonst gehört der Stoff hin.

Kategorien: Action, Belletristik, Deutsche Literatur, Historischer Roman, Nordamerikanische Literatur, Regional, Verfilmung, Western | Schlagwörter: , , , , , , , , | Ein Kommentar

Grenzfall – Merle Kröger

grenzfall

Copyright Argument Verlag

Dieses Buch schlägt in die gleiche Kerbe, wie die letztens vorgestellte Graphic Novel ‚Im Land der Frühaufsteher‘. Auch hier geht es um die Problematik von Asylsuchenden in Deutschland. Allerdings wird hier ein sehr dunkles Kapitel in den Vordergrund geholt. Basierend auf wahren Ereignissen entwirft Merle Kröger einen Krimi rund um die Geschehnisse in Rostock-Lichtenhagen, wo im Jahr 1992 ein Asylbewerberheim in Brand gesteckt wurde.

1992

Der erste Teil konzentriert sich auch auf das Jahr 1992 und berichtet aus Sicht eines ehemaligen Polizisten der Volkspolizei, der jetzt ‚Ost-Touristen‘ auf sogenannte Jagdreisen als Führer begleitet, aus der Sicht von Marius, einem der Asylsuchenden, der in seiner alten Heimat war und nun über die grüne Grenze von Polen nach Deutschland zurück kommen will. Außerdem wird auch die Sicht des ‚Touristen‘ dargestellt und die eines weiteren Flüchtlings, der mit dem eben genannten gemeinsam über die Grenze will.

Die beiden letzteren werden dann beim Grenzübertritt von den beiden Jägern erschossen, angeblich, weil man sie für Schwarzwild gehalten hat. Die Tochter von Marius, die gemeinsam mit einem Freund den Vater an der Grenze einsammeln wollte, kann nur unverrichteter Dinge wieder umkehren. Die beiden Toten liegen im Feld, der Rest der Grenzgänger verschwindet aus Angst wieder in Richtung Polen. Die Gruppe hatte die Jäger für Grenzpolizisten gehalten – wer sonst schießt auf Menschen an der Grenze?! Außerdem fuhren die beiden Jäger ein Auto, das aus alten Armeebeständen stammt, das macht dann den Anschein komplett.

2012

Im zweiten Teil nun sind wir im Jahr 2012. Die damals pubertierende Tochter von Marius beschließt nach Deutschland zu fahren, um den Mörder ihres Vaters zur Rechenschaft zu ziehen. Relativ schnell kommt sie auf die Spuren des Mannes, ihr Plan scheitert allerdings und sie landet in Untersuchungshaft. Der alte Hass droht wieder zu eskalieren im beschaulichen Mecklenburg-Vorpommern.

Es kommen jetzt im zweiten Teil noch andere Personen hinzu. Da ist die Pastorin, die damals ein recht enges Band zu den Menschen im Asylantenheim hatte. Ihr Mann ist kurz nach den Vorkommnissen verschwunden und sie hofft noch immer, dass er wiederkommt. Da ist immer noch der ehemalige DDR-Polizist, jetzt ein gebrochener Mann, Alkoholiker und so etwas wie der Geächtete des Dorfes. Der ehemalige Veranstalter der Jagdreisen ist gerade damit beschäftigt, Bürgermeister der kleinen Stadt an der Ostsee zu werden. Die härtesten Konkurrenten sind die Herren der NPD, wobei schnell klar wird, das beider Ansichten im Grunde nicht weit voneinander entfernt sind.
Außerdem kommen jetzt ein paar Figuren dazu, die wohl schon in vorhergehenden Werken Krögers auftauchten: Mattie Junghans und Nick Ostrowski. Sie ist eine Frau Ende der 30, ohne genauen Lebensplan, er ein mehr schlecht als recht erfolgreicher Journalist, der gerade am Aufbau einer gut bürgerlichen Familie ist.

Diese beiden geraten über Umwege in die Geschichte hinein und versuchen nun der jungen Frau im Gefängnis zu helfen. Für Mattie geht es dabei von Berlin an die Ostsee, nach Rumänien und zurück. Nick beschränkt sich auf den Balanceakt Berlin-Ostsee mit einer leicht hysterischen Ehefrau im Nacken und einem namenlosen Hund an der Hacke.

Das Geschehen wird tageweise erzählt, die Perspektive springt hin und her zwischen den verschiedenen Figuren, allerdings verliert man nie den Überblick. Und das, obwohl die von mir aufgezählten noch längst nicht alle sind. Jeder dieser Charaktere, das ahnt man, könnte mit seiner Geschichte auch locker ein eigenes Buch füllen (einer tut es in gewisser Weise auch).
Das Ganze macht einfach Sinn, jede der vielen Figuren hat ihre Berechtigung und am Ende ist das Gesamtbild einfach stimmig.
Vor allem, da hier nicht nur die Geschichte von Einzelpersonen erzählt wird, sondern auch ein Stück europäische Geschichte, ein Stück deutsch-deutscher Geschichte. Und gleichzeitig kann man sich ein Bild vom Leben von Wanderarbeitern im heutigen Europa machen. Ebenso wie davon, dass in manchen Ecken die Menschen einfach irgendwo in der Vergangenheit stecken geblieben sind.

Ein spannend zu lesender Krimi, der aus dem Rahmen fällt, der aus der Masse heraus strahlt. Der Deutsche Krimipreis 2013 ist mehr als verdient.

Ein politisches Buch, ein aktuelles Buch, ein brisantes Buch, ein großartiges Buch! So soll ein Krimi mit Anspruch aussehen!

Bibliografisches:

EAN 9783867542104

Erschienen in der Reihe Ariadne-Krimis im Argument Verlag, September 2012
347 Seiten, kartoniert

€ 11,00

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, Regional | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Im Land der Frühaufsteher – Paula Bulling

frühaufsteher

Copyright Avant-Verlag

Ein sensibles Thema, welches in der Öffentlichkeit nicht stattfindet, dennoch aber eigentlich jeden von uns interessieren sollte: Asylanten in Deutschland.
In der ungewöhnlichen Form einer Graphic Novel berichtet uns Paula Bulling vom Alltag einiger Asylanten im sogenannten ‚Land der Frühaufsteher‘ – Sachsen-Anhalt.
Isoliert von jeglichem sozialen Kontakt leben die Asyl-Suchenden in einem Heim außerhalb der Stadt. Da ist es schon ein Ereignis, wenn eine junge Frau vorbeikommt um sich über ihren Alltag zu informieren, um daraus eine Comic-Reportage zu machen. Noch besser, wenn sie mit Wochenend-Ticket angereist ist und so ein paar Leute mit ihr in die Stadt fahren können, um zumindest einen Hauch von Sozialisation zu bekommen.

Durchgehend in einem blaugrauen Farbton gemalt, tragen die groben Zeichnungen eine unglaubliche Intensität in sich. Die Ungewissheit, die Resignation der Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen aus ihren Ländern geflohen sind, um in Deutschland ein besseres Leben zu finden, leben in den Heimen wie in Gefängnissen mit offenen Türen. Theoretisch können sie nach draußen gehen, aber wohin, wenn das Erreichen der nächsten Stadt mit einem stundenlangen Marsch verbunden ist.

Was die Presse nicht leistet, über soziale, politische Themen zu berichten – die ungewisse Situation von Menschen, die quasi neben uns wohnen, allerdings isoliert, abgeschirmt – in die Öffentlichkeit zu bringen, versucht Paula Bulling hier auf dem Weg der Comic-Reportage und es gelingt ihr auf sehr beeindruckende Weise. Nicht umsonst hat dieser Band so gute Besprechungen erfahren. Zu Recht, zu Recht!

Eines der vielen vielen Beispiele also, die die immer noch warmgehaltene Meinung, dass Comics nur für Kinder sind, widerlegen.


Bibliografisches:

EAN 9783939080688

Erschienen im Avant-Verlag, Juni 2012
125 Seiten, kartoniert

€ 17,95
P.S. Irgendwie klappt das mit dem Embed-Code nicht. Hier sollte eigentlich noch die Leseprobe auftauchen. Die findet ihr dann jetzt hier: Im Land der Frühaufsteher.

Kategorien: Belletristik, Biographie, Comic, Deutsche Literatur, Graphic Novel, Politik, Regional, Sachbuch | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Bleischwer – Christiane Wünsche

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Copyright Gmeiner Verlag

Wer von euch liest denn gerne die sogenannten Regional-Krimis? Ein Genre, das mich ja bisher ein bisschen gescheut hat. Dann hab ich mal das ewige Bestenlistenbuch ‚Schneewittchen muss sterben‚ von Nele Neuhaus gelesen und fand es doch recht unterhaltsam.
Um es aber eine Nummer kleiner und regionaler zu versuchen, kam es dann jetzt kürzlich zur Lektüre von ‚Bleischwer‘ der Autorin Christiane Wünsche.

Es handelt sich hier um einen Krimi, der in einer Sparte zuhause ist, die vom allmächtigen Jaques Berndorf beherrscht wird – dem Eifel-Krimi.
Dass dieser aber nicht der Einzige ist, der hier die Legitimation zum schreiben besitzt, zeigt unter anderem dieses Buch:

Jule hat eine harte Zeit hinter sich und will einfach nur alleine sein und sich in Ruhe erholen. Fern von ihrem Mann, fern von der Arbeit in der winterlichen Eifel. Sie zieht sich in den Wohnwagen zurück, in dem sie schon zu ihrer Kindheit schöne Tage verbracht hat. Damals gehörte er noch ihren Großeltern, jetzt gehört er ihr und ist das letzte Refugium, welches ihr geblieben ist.
So sitzt sie nun tagsüber in der vertrauten Umgebung, allein mit ihren Gedanken und ihrem schmerzenden Rücken. Dieser ist ein weiterer Grund, warum sie hier ist. Sie hatte einen Unfall, bei dem sie eine Fehlgeburt erlitt. Das Kind wäre nicht das ihres Mannes gewesen. Ein hübsches kleines Chaos also, das Leben von Jule.

Auf dem Campingplatz gibt es einen neuen Mitarbeiter, zu dem Jule mit der Zeit eine Zuneigung entwickelt. Jetzt kommt die erste Gefahr ins Spiel: aus der JVA in Köln Ossendorf entflieht ein Straftäter, der ’85 einen Polizisten in Euskirchen bei einem Banküberfall erschossen haben soll. Die ersten Spuren führen in die Nordeifel, von da kommt der entflohene Stefan Winter.
Schnell gerät auch Jule in die Geschichte, denn der neue Platzgehilfe Micha ist ein alter Jugendfreund von Stefan Winter und wie sich schnell rausstellt, war er auch dessen Komplize bei dem Bankraub.

Hier glaubt man jetzt schon, am Ende des Buches angekommen zu sein, obwohl man noch nicht mal ein Drittel gelesen hat. Doch nicht so voreilig. Dran bleiben. Wie sich jetzt nach und nach entpuppt, hat hier wirklich jeder Dreck am Stecken. Im nahen Ort wird die Jugendliebe von Stefan Winter brutal erstochen, das schiebt man natürlich schnell dem Entflohenen in die Schuhe. Doch wenig später findet Jule eben diesen erschlagen am Seeufer liegend. Was sich also als so einfach zu durchschauender Fall präsentierte, ist doch viel viel mehr. Da nun der ebenfalls bereits straffällig gewordene Micha als Zielscheibe der Justiz herhalten muss, ist Jule mehr oder weniger gezwungen selbst heraus zu finden, wie die Puzzleteile zusammen hängen. Denn an eine Schuld von Micha glaubt sie nicht.

Der Klappentext spricht von einer Geschichte um Schuld, Strafe und Sühne. Und ganz so mutet es dann auch an. Alte Geschichten werden zwangsläufig wieder aufgewärmt und vieles kocht wieder hoch, was man am liebsten für immer begraben halten wollte.
Am Ende stecken alle mit drin, immerhin geht es um viel Geld und etliche Diamanten. Die, denen man vertrauen zu können meinte, stellen sich als die schlimmsten heraus.

Ich hatte ja anfangs so meine Zweifel an den Regio-Krimis, aber die haben sich schon mit der Schneewittchen-Lektüre gelegt. Auch dieser Krimi hier ist äußerst spannend zu lesen, auch wenn ich das Ende als typisches Hollywood-Ende nicht ganz so gelungen finde. Aber das sind wirklich nur die letzten paar Seiten.
Welche Regional-Krimis habt ihr denn schon gelesen und könnt ihr sie empfehlen?

Bibliografisches:

EAN 9783839213902

Erschienen im Gmeiner Verlag, Februar 2013
309 Seiten, kartoniert

€ 9,99

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