Science Fiction

Paradox – Phillip P.Peterson

paradox

(c) Bastei Lübbe

Es gibt Science Fiction und es gibt Science Fiction. Dieses Buch gehört zur zweiten Kategorie. Ich begann mit der Lektüre, nachdem ich im Flieger Gravity gesehen hatte und war verblüfft über den doch sehr ähnlichen Einstieg. Zwar ist es hier kein Weltraumschrott, der zur tödlichen Gefahr wird, sondern im Prinzip das Management der letzten ISS-Mission, das durch Fehlentscheidungen zum Unglück führt, doch auch hier müssen sich die Besatzungsmitglieder mit der Rettungskapsel auf die Erde retten, während die Station der Verschrottung anheimfällt.
Das war natürlich sehr hilfreich bei detaillierter Verbildlichung der Eingangsszenen. Dennoch macht das Buch auch ohne den Film wirklich was her. Und das kommt nicht von selbst; in der Autorenbio heißt es: ‚Peterson ist Ingenieur für Satelitenprogramme und hat neben wissenschaftlichen Texten auch Artikel für einen Raumfahrtfachverlag veröffentlicht. Der kennt sich also in der Materie, über die er schreibt, wirklich gut aus. Was im Anhang auch durch zahlreiche Quellen unterstrichen wird.

Doch zur Story: der schon leicht betagte Ed Walker soll nach dem ISS-Desaster jetzt doch eine neue Mission anführen, ein von Multimilliardär finanziertes Projekt (inspiriert von Elon Musk). Dessen Unternehmen Centauri hat ein neuartiges Antriebssystem entwickelt, welches ein Raumschiff in verhältnismäßig kurzer Zeit an den Rand des Sonnensystems bringen soll. Genau dorthin, wo inzwischen drei Erkundungssonden verschwunden sind, bei denen kurz vor dem Verschwinden merkwürdige Anomalien festgestellt wurden. Daher ist auch David an Bord, ein junger Wissenschaftler, der sich genau mit diesem Phänomen in seiner Abschlussarbeit beschäftigt hat.

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, das tut der Autor genug, erzählt das Buch von der Vorbereitung zur Mission und den damit verbundenen Schwierigkeiten, bis es schließlich – leider muss man darauf relativ lange warten – nach ca. 2/3 zum Start des Schiffes kommt und die spannende Mission in Richtung interstellarem Raum beginnt.Kein Sieg der Aufklärung |

Was die Astronauten dort finden, könnt ihr selbst lesen. Woran es mich direkt erinnert hat, ist das Bild auf der rechten Seite, dass irgendwann mal in der Schule behandelt wurde. Ob in Religion oder einem anderen Fach, ist mir leider nicht mehr geläufig. Passen würde im vorliegenden Fall allerdings sowohl Geistes-, wie auch Naturwissenschaft.

Besonders für dieses Buch eingenommen hat mich die stark ausgeprägte Gesellschaftskritik, die ich hier überhaupt nicht erwartet hatte. Im Hintergrund der Missionsvorbereitungen zeichnet sich ein atomarer Konflikt zwischen China und den USA ab, die über Ressourcen auf dem afrikanischen Kontinent in einen verbitterten Kampf verwickelt sind. Es wird das Bild einer zukünftigen Erde gezeigt, die leider momentan viel zu realistisch erscheint. Vom dummen Nationalismus, über Ressourcenkriege und große Völkerwanderungen ist das düstere Hintergrundbild logische Konsequenz derzeitiger Weltpolitik.
Bezeichnend ist der Kommentar des Missionskommandanten beim Anblick der vorbeiziehenden Erde kurz vor dem Abflug aus dem Orbit:

Alle Staatsoberhäupter müssten das hier mit eigenen Augen sehen, bevor sie ihr Amt antreten, dann gäbe es keine Kriege mehr und auch keine Verschmutzung in dem Ausmaß, wie sie auf der Erde stattfindet.

Seid vorgewarnt: wenn ihr Happy Ends mögt, ist dieses Buch nichts für euch. Solltet ihr aber den Marsianer und Gravity gerne gelesen/gesehen haben, ist das Buch genau richtig für euch.

ISBN 9783404208432

Erschienen im Verlag Bastei Lübbe, Dezember 2015
(leider bietet der Verlag keine Infos über Orginaltitel und Übersetzung)
478 Seiten, kartoniert

€ 9,99

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Zone 5 – Markus Stromiedel

zone 5

(c) Droemer-Knaur

Nicht kleckern, sondern klotzen, wird sich Markus Stromiedel bei seinem neuen Buch gedacht haben (q.e.d.), denn nichts weniger als DAS Heiligtum der Kölner muss schon im Prolog des Buches dran glauben:

Der Tag, an dem der Kölner Dom einstürzte, war bis zu jenen Minutren kurz vor Sonnenuntergang bedrückend gewöhnlich gewesen.

Bedrückend gewöhnlich ist an diesem Buch allerdings sonst gar nichts.
In einer nicht allzu fernen Zukunft ist die heilige Stadt Köln in Zonen aufgeteilt, deren Anwohner sich nach sozialem Status unterscheiden. Die rechte Rheinseite, heute noch halb liebevoll die schäle Sick genannt (im Buch ist die Schäl Sick übrigens das slum-artige Gebiet außerhalb der Grenzmauer), ist komplett zu Industriezone umgewandelt worden für einen multinationalen Konzern, der im übrigen auch die Kontrolle über die ganze Stadt hat (eine keineswegs fururistische Idee; bei uns durchaus vorstellbar, in Indien schon Realität, s. Punkt 3: Lavasa). Auf der linken Rheinseite entscheidet Geld und Macht, ob man sich rund um den Dom in Party und Rausch ergehen kann, oder in Zone 4 um das tägliche Dasein kämpft.

Die ehemalige innere Ringstraße, einst auf den Ruinen der Kölner Stadtmauer errichtet, war zur Zonengrenze ausgebaut worden, eine acht Meter hohe Wand aus Beton und Stahl umgab das Stadtzentrum.

Wir springen zurück, 9 Tage vor dem Einsturz des Domes: David kommt als junger Anwalt nach Köln, in ihm glüht der Ergeiz, etwas zu bewegen. Anders als seine Kommilitonen hat er nicht bei einem großen Konzern angeheuert, sondern will sein Anerkennungsjahr bei einer ambitionierten Anwaltskoryphäe absolvieren. Eine Entscheidung, die er schnell bereut. Der Anwalt ist inzwischen nur noch ein versoffener, im Selbstmitleid versunkener Haufen Elend.

In Zone 4 lebt Alex, eine junge Frau, die alles versucht, um ihrer Zwillingsschwester zu helfen, die an einer schweren Krankheit leidet. Außerhalb der Zonengrenze nahezu ein Todesurteil, da der Zugang zu Medikamenten und Behandlungen stark reglementiert ist. Mit einem illegalen Grenzübertritt versucht sie dennoch an ein Medikament zu kommen, wird allerdings geschnappt, wodurch sich Alex‘ Schicksal mit dem von David verbinden soll.

Ein düsteres Bild, das Markus Stromiedel hier von der Zukunft entwirft, allerdings leider keineswegs ein abwegiges. Die Kontrolle der Industrie auf die Politik nimmt immer mehr zu. Eine dauerhafte Überwachung der Bevölkerung ist schon jetzt Realität, wenn auch noch nicht ganz so extrem, wie im Köln der Zukunft, wo man allein durch das Abweichen von seinem normalen Bewegungsprofil als auffällig eingestuft wird.
Der Zugang zu medizinischer Hilfe ist schon heute hauptsächlich über monetäre Mittel geregelt (das fängt schon bei der Differenzierung von Privat- und Kassenpatienten an).
Beängstigend, wie plausibel Stromiedels Zukunftsvision ausgefallen ist. Und dennoch konsequent, wie heutige Trends (Überwachung der Bevölkerung, Flüchtlingsströme in die Städte, Gated Communities) weitergedacht werden.

Trotz aller Düsternis ein spannendes, gut duchdachtes und äußerst lesenswertes Buch, dass vom Verlag nicht umsonst mit Eggers ‚Der Circle‘ verglichen wird.
Man wünscht sich, dass das deutsche Fernsehen endlich mal aus all den Gebührenmillionen ein vernünftiges Serienformat entwickeln würde – hier ist die optimale Vorlage; Filmstadt Köln und so.. (die US-Amerikaner können’s, die Briten können’s, die Franzosen können’s, die Italiener können’s – warum bleibt das deutsche Fernsehen so unterirdisch?!).

Wenn ihr Dystopien mögt, Krimis oder Science Fiction – hier ist euer Buch!
ISBN 9783426304815

Erschienen im Verlag Droemer-Knaur, Dezember 2015
463 Seiten, Klappenbroschur

€ 14,99

eISBN 9783426435557

€ 12,99

zur Leseprobe

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Extinction – Kazuaki Takano

zur ebook-Ausgabe zum Gleichlesen

(c) C.Bertelsmann Verlag

Ist die Evolution ein kontinuierlicher Prozess? Oder ist mit dem Homo sapiens das Ende der Fahnenstange erreicht und wir sind das ultimative Ergebnis einer langen, langen Entwicklung? Kann die Evolution einfach an diesem Punkt enden?
Das fragte sich offensichtlich auch Kazuaki Takano und entwirft mit seinem Thriller ‚Extinction‘ eine Antwort, die vielleicht nicht allen, am wenigsten allerdings der im Buch agierenden US-Regierung unter Präsident Burns gefällt (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind reiner Zufall).

Als im kongolesischen Dschungel offensichtlich die Evolution in die nächste Runde geht, fühlt man sich in Washington derart bedroht, dass kurzerhand die Auslöschung des Pygmäenstammes befohlen wird, der angeblich von einem tödlichen Virus befallen wurde. Zu diesem Zweck entsendet man eine kleine Gruppe von Söldnern, die offiziell für ein privates Sicherheitsunternehmen arbeiten, um diese Aufgabe schnell und unauffällig zu erledigen.

Das Buch wäre schnell am Ende, würde diese Aufgabe zur Befriedigung der US-Amerikaner erledigt. Doch natürlich kommt so einiges dazwischen. Sich mit dem Schlaueren anzulegen kann am Ende ganz schön in die Hose gehen.

‚Extinction‘ ist Wissenschaftsthriller, Combat-Action und Philosophiebuch in einem. Spannend und unterhaltend geschrieben, bietet das Buch auch noch wissenschaftlichen und philosophischen Mehrwert. Die sehr detaillierten Ausführungen über Medikamentenentwicklung hätte man eventuell etwas eindampfen können; ich als pharmazeutischer Laie konnte damit nicht viel anfangen, aber manchmal müssen Autoren ja auch zeigen, was sie wissen.
Über die düstere oder helle (je nach Blickwinkel) Zukunftsvision, die ich einführend ansprach, macht man sich im Laufe der Lektüre ebenso Gedanken, wie über die Natur unserer doch sehr mörderischen Spezies. Solltet ihr euch in einer grüblerischen Walther-von-der-Vogelweide-Position wiederfinden, fühlt euch verstanden.

Und sonst: Wir nehmen Darwin zur Hand und hoffen das Beste 😉

Bibliografisches

9783570101858

Erschienen im C.Bertelsmann Verlag, Januar 2015
Aus dem Englischen übertragen von Rainer Schmidt (folgend der Übersetzung aus dem japanischen von Philip Gabriel)
Titel der englischen Ausgabe: Genocide of One (jp. Jenosaide)
560 Seiten, Klappenbroschur

€ 14,99

U.a. auch erhältlich als ebook, zum Hören und in der englischen ebook-Ausgabe.

Kategorien: Action, Fantasy, Japanische Literatur, Krimi, Science Fiction, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Der letzte Polizist – Ben Winters

letzte polizist

(c) Heyne Verlag

‚Wieder ein Hänger!‘ denken alle, außer Detective Henry Palace. Ihm kommt die Sache komisch vor, auch wenn es stark nach Selbstmord aussieht. Und das wäre in Zeiten der Apokalypse auch nicht direkt abwegig.

Seit feststeht, das in Kürze der Asteroid 2011GV1, auch Maia genannt, auf der Erde einschlagen wird und nur noch der genaue Ort berechnet werden muss, häufen sich die Selbstmorde. Warum also sollte dieser hier keiner sein? Henry lässt die Sache jedoch nicht los und so macht er sich auf eigene Faust daran, die Sache aufzuklären. Ein Vorhaben, dass sich als nicht gerade einfach herausstellt, denn er ist offensichtlich so ziemlich der Einzige, der noch seiner Arbeit nachgeht. Um ihn herum ist die Gesellschaft längst in Auflösung begriffen. Wer sich nicht erhängt, erschießt oder im Drogenrausch abdriftet, der beschäftigt sich beispielsweise mit Aktmalerei in der Provence, segelt um die Welt oder fährt NASCAR-Rennen. Denn wenn das Ende naht, macht jeder das, was er schon immer mal machen wollte.
Für Henry Palace ist das: Verbrechen aufklären. Denn damit ist sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen – er ist ein Detective in der Abteilung Erwachsenenkriminalität. Und das trotz seines jungen Alters und der fehlenden Erfahrung. Der Asteroid macht’s möglich.

Und genau das tut er dann auch, alleine zwischen lauter Verrückten, Depressiven, Jesus-Freaks und langsam abdriftenden Kollegen. Das ist eine ebenso unterhaltsame wie spannende Lektüre und am Ende ist es dann doch nicht so, wie man dachte.
Dieser Krimi, auch wenn er im Prinzip ein klassischer ist (Leiche-> Wer war’s?) hat halt eben das gewisse Etwas. Und das heißt hier: Apokalypse.

‚Der letzte Polizist‘ war eher eine Zufallsentdeckung; klang ganz interessant, stand dann aber lange ungelesen im Regal. Zu Unrecht! Umso mehr freute ich mich gerade, als ich entdeckte, dass Mr. Ben Winters sogar noch zwei Fortsetzungen geschrieben hat.

Hell yeah! Apokalypse now!

 

Bibliografisches:

ISBN 9783453534513

Erschienen im Heyne Verlag, Dezember 2013
Aus dem amerikanischen Engllisch übertragen von Peter Robert
Originaltitel: The Last Policeman
349 Seiten, kartoniert

€ 8,99

Auch erhältlich als ebook und in der englischen Originalausgabe. Auf Englisch auch schon zu haben: Countdown City (Pt.2) und World of Trouble (Pt.3).
(Die Links gehen hier mal alle zum ebook, da da wenigstens Bild und Beschreibung eingebunden sind. Gibt’s aber auch auf Papier.)

 

Kategorien: Krimi, Nordamerikanische Literatur, Science Fiction, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , | 3 Kommentare

LEVEL – Hugh Howey

level

(c) Piper Verlag

Achtung vorab: wenn ihr SILO noch nicht gelesen habt, dann bitte nicht weiterlesen. Ihr macht euch damit einen wesentlichen Teil der Geschichte kaputt, das macht dann nur halb so viel Spass.

Für alle Anderen, die SILO / WOOL (so der Originaltitel) so wie ich regelrecht verschlungen haben, gibt es seit kurzem Neues. Der zweite Band der WOOL-Saga, wie sie inzwischen genannt wird, ist erschienen. Mit SHIFT wird die Geschichte aber erstmal nicht fortgesetzt, sondern wir begeben uns vielmehr in die Vergangenheit.

SOME SECRETS SHOULD REMAIN BURIED

Wie auch schon beim ersten Band, ist LEVEL in der englischen Originalausgabe vorerst als ebook erschienen und auch nicht komplett, sondern ebenso in einzelnen Teilen. Wo das gedruckte Buch dort einfach nur SHIFT heißt, sind die ebooks dem Inhalt folgend in 1st SHIFT, 2nd SHIFT und 3rd SHIFT aufgeteilt.

Wir erfahren jetzt in diesem Buch, wie die Silos geplant wurden, welcher große Plan und welche Personen dahinter stehen und warum das Ganze überhaupt sein musste.
Einer der Architekten ist Donald, eigentlich ins Abgeordnetenhaus gewählt als Repäsentant seiner Wähler, muss er schnell erkennen, dass er dort nur gelandet ist, weil ein Freund der Familie – Thurman, nur ‚the Senator‘ genannt – seine Hände im Spiel hatte und auch sonst in Washington als eine Art graue Eminenz über das Schicksal des Landes entscheidet.

So hat Donald zwar offiziell den Repräsentantenposten inne, arbeitet aber in Wirklichkeit ausschließlich für den Senator und entwirft Teile der Silos. Da Donald ein Problem mit geschlossenen Räumen hat, stellt er sich während des Entwurfs die Gebäude immer oberirdisch vor und ist ein ums andere Mal beeindruckt vom Ausmaß der Konstruktion.
Offiziell sind die Silos als Schutzräume und Lagerstätten für ein Nuklearprojekt ausgeschrieben, die nur im Notfall benutzt werden sollen und so fragt sich Donald immer wieder, wozu man ein derartiges Areal mit unterirdischen Schutzräumen von riesigem Ausmaß bestückt, wenn es dann eventuell niemals benutzt werden wird. Schon da kommen ihm erste Zweifel und im Laufe des Buches kommt folglich auch immer mehr ans Licht, was der wahre Beweggrund für eine derartige Unternehmung ist und das im Endeffekt nur einige wenige Personen wirklich bescheid wissen.

Der erste Teil teilt sich in einen während der Planungs- und Bauphase und einen während der namensgebenden ersten Schicht im Silo. Diese Schicht wird abgeleistet von Troy in Silo 1. ‚Troy‘ erwacht aus einem Kälteschlaf und tritt seine erste Schicht als Silo-Oberhaupt an. Allerdings kommt er nicht wirklich zurecht mit dem Leben im Silo, dem Eingeschlossensein unter der Erde und er beginnt mit Nachforschungen über die Vergangenheit.

Im zweiten Teil wird ‚Troy‘ wieder zu einer Schicht aufgetaut, denn es gibt Probleme in einem der anderen Silos und da er auf diesem Gebiet aus der ersten Schicht schon Erfahrung hat, benötigt man seine Hilfe. Die Probleme, um die es hier geht, kennen wir schon ansatzweise aus SILO. Es ist der viel erwähnte große Aufstand. So ist denn hier in Teil zwei der zweite Erzählstrang auch in eben jenem Silo angesiedelt, in dem später Holston und Juliette leben werden und wir begleiten einen jungen Mann und seine Freunde auf dem Weg zum Aufstand.
Außerdem verfolgt ‚Troy‘ seine Nachforschungen weiter und kommt einem Komplott gegen ihn auf die Spur.

Zwischen Teil zwei und drei ist ein größerer zeitlicher Abstand, etwa 100 Jahre. Es hat sich seit der letzten Schicht so einiges verändert, ob zum Guten oder Schlechten, lasse ich hier mal offen. Wieder tritt ‚Troy‘ eine Schicht an. Eigenartigerweise wird er plötzlich von allen als Thurman bezeichnet. Eine einfache Verwechslung, oder steckt mehr dahinter?
Der zweite Erzählstrang bringt uns einen Bekannten aus SILO zurück – wir erfahren hier die Geschichte von Solo und wie es dazu kam, dass er allein in seinem Silo lebt.

Jetzt hab ich euch den Inhalt kurz angerissen, aber wie schon in SILO steckt auch hier der Text voller kleiner sympathischer Details, die das Buch so unglaublich spannend machen. Wir erfahren, wer die planenden und ausführenden Köpfe hinter diesem Projekt sind, weshalb jetzt die Menschen in den Silos leben, warum und wie sich Silo 1 von den anderen Silos unterscheidet, sowie was es mit der Außenwelt auf sich hat und warum es dort kein Leben mehr gibt und keines bestehen kann.

Wenn ihr SILO mochtet, dann empfehle ich euch dringend dieses Buch. Aber wem sag ich das eigentlich, ihr wisst ja selbst am besten, wie spannend schon der erste Teil geschrieben ist. LEVEL ist ebenso spannend wie intelligent und detailreich geschrieben. Die WOOL-Saga ist definitv das beste was ich an Science Fiction in den letzten Jahren gelesen habe.
Also schnell lesen, denn den dritten und letzten Teil DUST, in dem es um das Ende der Silos geht, gibt es zumindest auf Englisch auch schon längst.
Und wenn ihr noch nicht genug habt: In der kurzen Zeit der Erfolgsgeschichte der WOOL-Saga, hat sich schon ein ganzes Potpourri von Fan-Fiction entwickelt. Näheres dazu hier: Meet the Woolwrights.

Bibliografisches:

ISBN 9783492056472

Erschienen im Piper Verlag, August 2014
Aus dem Englischen übertragen von Gaby Wurster
Originaltitel: SHIFT
432 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook, als Hörbuch und in der englischen Originalausgabe.

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Drohnenland – Tom Hillenbrand

drohnenland

(c) Kiepenheuer & Witsch

Drohnenland is round the corner! Momentan gibt es so einige Titel auf dem Buchmarkt, die sich mit der nicht allzu weit entfernten Zukunft beschäftigen und aktuelle technische und politische Entwicklungen aufgreifen, mit Fiktion anreichern und daraus überaus spannende Unterhaltung machen. Tom Hillenbrands ‚Drohnenland‘ ist eines dieser Bücher.

Aufgebaut wie ein klassischer Krimi, mit einer Leiche auf einem Feld und einem etwas kauzigen Komissar, der sich Lakritzstangen kauend an die Ermittlungen macht, steckt doch einiges mehr in diesem Krimi. Denn es ist weniger der Plott, der hier hervor sticht, sondern vielmehr die Atmosphäre eines abgeriegelten Europa, in dem jeder immer und überall überwacht wird. Durch den Einsatz von unzähligen Drohnen wird dies ermöglicht, und wer bei Drohnen jetzt an unbemannte Hightechwaffen denkt, liegt nur bedingt richtig, denn hier gibt es Drohnen in jedweder Größe und Form, je nach ihrer Aufgabe.

Doch nicht nur die Überwachung à la Orwell, die ja in weiten Zügen schon heute stattfindet und weiter ausgebaut wird, beschreibt Hillenbrand hier äußerst plastisch, auch auf politischer Ebene greift er viele heutige Tendenzen auf und führt sie konsequent weiter. So sind die Norditaliener Teil der Union, wobei der Süden außerhalb der Zone liegt, eine Tendenz die schon heute, zumindest aus ökonomischer Sicht fast Realität ist. Die Briten planen den Austritt, ein Schritt mit dem Cameron in bester Kindergartenmanier auch aktuell gedroht hat – ich mag Juncker nicht, dann spiel ich lieber gar nicht mehr mit.
In Nordafrika führte die fiktive zukünftige EU Solarkriege, was nur schlüßig erscheint bei Projekten wie Desertec, das hauptsächlich von europäischen Konzernen lanciert wird, aber in der Sahara entstehen sollen.

Und natürlich wird in dieser rosigen Zukunft jedes technisch verfügbare Mittel genutzt, zu guten wie zu fragwürdigen Zwecken, denn was möglich ist, wird auch getan. So auch die prädiktive Verbrechensbekämpfung, ganz ähnlich dem, was uns per Hollywood-Actionkino in Minority Report gezeigt wurde.

Auf der Krimiebene spinnt sich die Geschichte solide voran, im Endeffekt geht es (wie immer und überall 😉 ) um Macht und Geld.
Gute Krimiunterhaltung in ungewöhlich reizvollem Umfeld! Es muss ja nicht immer die französische Provinz sein.

Die Idee zur Lektüre kam übrigens im Zuge eines Twitteraustauschs über Zero von Marc Elsberg (ein anderer dieser fiktional/realen Romane) mit dem Kaffeehaussitzer Uwe, der Krimimimi und der Papierflüstererin Simone. Wer Lust hat, kann sich gerne unserer paranoiden Diskussionsrunde auf Facebook anschließen: Schöne, neue paranoide Welt. Willkommen in Paranoia!

Bibliografisches:

ISBN 9783462046625

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Mai 2014
422 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Digitales Lesen möglich mit dem ebook im epub-Format. Auf die Ohren gibt’s per CD von Uwe Teschner.

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Das Imperium des Atoms – T. Smolderen & A. Clerisse

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Carlsen Verlag

Jetzt mal ehrlich: wenn ihr immer noch keine Comics lest (‚Sind nur was für Kinder‘), dann muss das unverzüglich ein Ende haben. Ihr wisst ja gar nicht, was für tolle Literatur ihr verpasst und was für tolle Bücher in Bezug auf Ausstattung. Der Bibliophile muss ja quasi per definitionem Comic-Fan sein!
Also: startet spätestens jetzt und mit diesem tollen Buch. Das Imperium des Atoms von Thierry Smolderen geschrieben und von Alexandre Clerisse zeichnerisch brillant umgesetzt.

Schon das Cover ist ja ein Augenschmaus und wenn man das Buch im richtigen Winkel gegen das Licht hält, funkeln die Sterne und man folgt dem Blick des bebrillten Herren in himmlische Sphären.

Der bebrillte Herr heißt Paul und hat eine besondere Gabe: seit er in seiner Kindheit verschiedene Science-Fiction-Romane las, ist er mit dem Autor telepatisch verbunden, denn alle stammen aus der selben Feder, der des Herrn Zarth Arn, welcher 120.000 Jahre in der Zukunft lebt.
Genau aufgrund dieser Fähigkeit will sich der skrupellose Zelbub (klingt verdächtig nach Beelzebub) seiner bedienen um – wir ahnen es – die Weltherrschaft an sich zu reißen (genau wie jeden Tag, Pinkie)!
Paul und weitere Intelektuelle und Wissenschaftler werden manipuliert um ihm zu diesem Ziel zu verhelfen, doch in Paul regt sich Widerstand. Schlecht für Zelbub, denn ohne Pauls Kontekt in die Zukunft wird es schwierig mit seinem Imperium des Atoms.

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Carlsen Verlag

Das eigentliche Highlight dieser Geschichte ist jetzt aber die graphische Umsetzung. Ich nenne es mal Nostalgie-Science-Fiction, denn die Optik bedient sich an Zukunftsvisionen der 1950er Jahre. Die Vorstellung von der Zukunft, als bei uns das Atomzeitalter anbrach. So tauchen hier ebenso selbstfahrende Raketenwagen auf, wie ein Atomic-Pile-Staubsauger (der auch in Orson Wells ‚Our Man in Havana‘ die Auslage ziert) und fliegende Taucher mit Strahlenkanonen.

Figuren und Szenario sind in einem Stil gezeichnet der wie eine Mischung aus Jetsons und Dexters Labor anmutet, aber auch thematisch, und in seiner Gänze einfach nur großartig ist.
Die Farbgebung ist mal zurückhaltend, mal knallig, die Zukunftsepisoden in der Zeit des Zarth Arn immer schwarz-weiß gehalten. So lässt sich leicht differenzieren.

Einflüsse aus diversen anderen Comics sind also nicht abzustreiten, so taucht z.B. in einer Episode ein Mitarbeiter des Spirou-Teams auf. Die Geschichte erinnert auch wirklich ein bisschen an die von Spirou und Fantasio, die ich früher gern gelesen habe.
Außerdem gibt es hier eine Prise Mad Men, Beautiful Mind und sogar James Bond.

Alles in allem, ein absolutes Schmankerl und seinen Preis mehr als wert! Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch gerne nochmal Asterios Polyp.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783551757548

Erschienen im Carlsen Verlag, März 2014
141 Seiten, gebunden

€ 22,90

Als ebook nicht zu haben, das würdet ihr auch nicht wollen! Und zum Hören? Pff!

Kategorien: Comic, Fantasy, Graphic Novel, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mehr als das – Patrick Ness

mehralsdas

cbt Verlag

Na das passt ja. Offensichtlich befassen sich derzeit einige Autoren mit dem gleichen, oder doch zumindest sehr ähnlichen Thema. Könnt ihr euch noch an meinen kürzlichen Bericht über Spademan erinnern? Da gab es ja diese Leute, die in großen metallenen Betten lagen, mittels derer sie in die sogennante Limnosphäre eingeloggt waren, eine Art Luxusinternet, oder auch (Second Life)³.

Und auch bei Patrick Ness gibt es jetzt ein ganz ähnliches Konstrukt virtueller Realität. Aber langsam, am Anfang gibt es erstmal ein Ende:

Hier ist der Junge. Er ertrinkt.

Damit startet das Buch, und wenn das mal kein vielversprechender Start ist!!
Er ertrinkt – und wacht wenig später in einem Vorgarten auf, eingewickelt in beschichtete Bandagen. Wie er schnell herausfindet, ist es der Garten seines Elternhauses – das Haus, aus dem sie vor Jahren ausgezogen sind. Nach einem tragischen Vorfall hatte sich die ganze Familie von England nach Amerika aufgemacht. Und doch ist er wieder hier. Allerdings allein, die Welt scheint komplett verlassen. Weder Mensch noch Tier scheint es mehr zu geben, die Straßen sind von Unkraut überwuchert, mit Dreck überzogen die Autowracks und unweit des Hauses gibt es einen riesigen Krater, wie nach einer Explosion.

Immer wieder fällt er in eine Art Trance, oder Schlaf und erlebt dort eigenartige Flashbacks vom Leben vor dem Ertinken. Auf diese Weise werden wir langsam aber sicher erfahren, wer der Junge ist und warum er sich für den Freitod entschied, denn er ist freiwillig ins kalte Meer gegangen. Wir erfahren, warum die Familie auswanderte und natürlich! erfahren wir jede Menge über diese leere Welt, in der er sich nach seinem Tod wiederfand. Soviel sei noch verraten: er bleibt nicht allzu lang allein.

‚Mehr als das‘ ist ein Buch über das anders sein, über das Erwachsenwerden, darüber was Realität ist und nicht zuletzt natürlich über Freundschaft und was diese ausmacht. Ein überaus positives Buch, denn der anfängliche Selbstmord ist ja offensichtlich nicht die Lösung aller Probleme! Es gibt immer noch etwas mehr, auch wenn man denkt, alles ist aus und es gibt kein morgen.

Ich habe ja schon ewig kein Jugendbuch mehr gelesen, und dann sowas! Wie unglaublich spannend dieses Buch ist, kann man im Prinzip schon am obenstehenden Anfang erahnen. Schon ab der ersten Zeile entwickelte es einen irren Sog, der mich bis zum Ende nicht mehr loslies. Es grenzte schon an körperlichen Widerwillen, das Buch aus der Hand zu legen.

Thank you Patrick Ness for this incredible reading experience!

[Alles in allem eine überaus gelungene -wenn auch unfreiwillige- Fortsetzung von Spademan.]

Bibliografisches:

ISBN 9783570162736

Erschienen im Verlag cbt, März 2014
Aus dem Englischen übertragen von Abarbanell
Originaltitel: More than this
512 Seiten, gebunden

€ 17,99

Auch erhältlich als ebook.

Der Verlag hat nicht nur eine Sonderseite erstellt (auf der man auch das Buch gewinnen kann), sondern auch einen super Trailer produziert:

Und da der Titel des Buches auf dem gleichnamigen Lied des großartigen Peter Gabriel basiert und Musik immer gut kommt:

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Spademan – Adam Sternbergh

spademan

Heyne Hardcore

Was für ein Buch!  Und dabei braucht es nicht einmal viele Zutaten: ein radioaktiv verseuchtes New York, ein Mann mit einem Teppichmesser in der Schuhsohle und ein vorerst klarer Auftrag.

Die Stadt, die einst der Big Apple war, ist jetzt nicht mehr als ein faules Fallobst. Nach diversen Bombenanschlägen, darunter einer schmutzigen Nuke am Times Square, haben viele die Stadt verlassen. Die Zurückgebliebenen teilen sich grob in zwei Gruppen: die Plebs auf den dreckigen, unsicheren Straßen. Und die (im wahrsten Sinne des Wortes) Oberschicht, welche die schwer bewachten Penthouses der Stadt bewohnt und dort zum großen Teil als Gemüse in interaktiven Betten vegetiert – eingeklinkt in eine schöne neue Welt, die sogenannte Limnosphäre.

Aus der ersten Gruppe kommt unser Held! Spademan. Einmal Müllmann, immer Müllmann. Nur der Müll ist jetzt anderer: Früher entsorgte er alles, was die Wegwerfgesellschaft so wegwarf, heute entsorgt er Menschen, die irgendwem überflüssig geworden sind. Ein Anruf genügt und die Sache ist erledigt.
Die einzige Grenze, die sich dieser Müllmann gesetzt hat: keine Kinder! Und zack, gibt es genau damit natürlich ein Problem bei seinem neuesten Auftrag.

Neben dem Spademan fristen noch andere zerrüttete Personen in diesem düsteren New York ihr Dasein: Computer-Junkies, virtuelle Erzengel, abgedrehte Fernsehpriester und und und

Spademan ist sicher eine düstere Dystopie (Düstopie gewissermaßen), ein Stück Science Fiction Literatur à la Bladerunner, Matrix etc., soweit jedenfalls die Grundstimmung des Buches. (Ich bin sicher, dass es da auch mal Tag war, ja ich meine mich an irgendeine Szene mit Sonnenaufgang zu erinnern, aber für mich war es da die ganze Zeit über Nacht!)
Doch trotzdem ist das Buch auch ein großer Lesespaß, gewürzt mit einer ordentlichen Prise 20.Jahrhundert-Nostalgie. Heyne-Hardcores Finest, möchte man zu diesem Buch sagen!

Ein scheinbar lockerer Typ, dieser Spademan, der doch eine unglaubliche Last aus der Vergangenheit mit sich trägt. Wo andere zerbrechen, bricht er nur die nächste Klinge vom Teppichmesser.

Adam Sternbergh zog mich sofort in seinen Bann, ebenso wie MyCrimeTime und die Krimimimi, und sicher auch euch – also Teppichmesser griffbereit und ran an den Spademan. Ihr werdet es nicht bereuen.

 

Bibliografisches:

ISBN 9783453268883

Erschienen im Verlag Heyne Hardcore, März 2014
Aus dem Englischen übertragen von Alexander Wagner
Originaltitel: Shovel ready
303 Seiten, kartoniert

€ 14,99

Auch erhältlich als ebook und zum Hören.

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SHIFT – Hugh Howey

Shift

Copyright Random House UK

Achtung vorab: wenn ihr SILO noch nicht gelesen habt, dann bitte nicht weiterlesen. Ihr macht euch damit einen wesentlichen Teil der Geschichte kaputt, das macht dann nur halb so viel Spass.

Für alle Anderen, die SILO / WOOL (so der Originaltitel) so wie ich regelrecht verschlungen haben, gibt es seit kurzem Neues. Der zweite Band der WOOL-Saga, wie sie inzwischen genannt wird, ist erschienen. Mit SHIFT wird die Geschichte aber erstmal nicht fortgesetzt, sondern wir begeben uns vielmehr in die Vergangenheit.

SOME SECRETS SHOULD REMAIN BURIED

Wie auch schon beim ersten Band, ist SHIFT vorerst als ebook erschienen und auch nicht komplett, sondern ebenso in einzelnen Teilen. Wo das gedruckte Buch einfach nur SHIFT heißt, sind die ebooks dem Inhalt folgend in 1st SHIFT, 2nd SHIFT und 3rd SHIFT aufgeteilt.

Wir erfahren jetzt in diesem Buch, wie die Silos geplant wurden, welcher große Plan und welche Personen dahinter stehen und warum das Ganze überhaupt sein musste.
Einer der Architekten ist Donald, eigentlich ins Abgeordnetenhaus gewählt als Repäsentant seiner Wähler, muss er schnell erkennen, dass er dort nur gelandet ist, weil ein Freund der Familie – Thurman, nur ‚the Senator‘ genannt – seine Hände im Spiel hatte und auch sonst in Washington als eine Art graue Eminenz über das Schicksal des Landes entscheidet.

So hat Donald zwar offiziell den Repräsentantenposten inne, arbeitet aber in Wirklichkeit ausschließlich für den Senator und entwirft Teile der Silos. Da Donald ein Problem mit geschlossenen Räumen hat, stellt er sich während des Entwurfs die Gebäude immer oberirdisch vor und ist ein ums andere Mal beeindruckt vom Ausmaß der Konstruktion.
Offiziell sind die Silos als Schutzräume und Lagerstätten für ein Nuklearprojekt ausgeschrieben, die nur im Notfall benutzt werden sollen und so fragt sich Donald immer wieder, wozu man ein derartiges Areal mit unterirdischen Schutzräumen von riesigem Ausmaß bestückt, wenn es dann eventuell niemals benutzt werden wird. Schon da kommen ihm erste Zweifel und im Laufe des Buches kommt folglich auch immer mehr ans Licht, was der wahre Beweggrund für eine derartige Unternehmung ist und das im Endeffekt nur einige wenige Personen wirklich bescheid wissen.

Der erste Teil teilt sich in einen während der Planungs- und Bauphase und einen während der namensgebenden ersten Schicht im Silo. Diese Schicht wird abgeleistet von Troy in Silo 1. ‚Troy‘ erwacht aus einem Kälteschlaf und tritt seine erste Schicht als Silo-Oberhaupt an. Allerdings kommt er nicht wirklich zurecht mit dem Leben im Silo, dem Eingeschlossensein unter der Erde und er beginnt mit Nachforschungen über die Vergangenheit.

Im zweiten Teil wird ‚Troy‘ wieder zu einer Schicht aufgetaut, denn es gibt Probleme in einem der anderen Silos und da er auf diesem Gebiet aus der ersten Schicht schon Erfahrung hat, benötigt man seine Hilfe. Die Probleme, um die es hier geht, kennen wir schon ansatzweise aus SILO. Es ist der viel erwähnte große Aufstand. So ist denn hier in Teil zwei der zweite Erzählstrang auch in eben jenem Silo angesiedelt, in dem später Holston und Juliette leben werden und wir begleiten einen jungen Mann und seine Freunde auf dem Weg zum Aufstand.
Außerdem verfolgt ‚Troy‘ seine Nachforschungen weiter und kommt einem Komplott gegen ihn auf die Spur.

Zwischen Teil zwei und drei ist ein größerer zeitlicher Abstand, etwa 100 Jahre. Es hat sich seit der letzten Schicht so einiges verändert, ob zum Guten oder Schlechten, lasse ich hier mal offen. Wieder tritt ‚Troy‘ eine Schicht an. Eigenartigerweise wird er plötzlich von allen als Thurman bezeichnet. Eine einfache Verwechslung, oder steckt mehr dahinter?
Der zweite Erzählstrang bringt uns einen Bekannten aus SILO zurück – wir erfahren hier die Geschichte von Solo und wie es dazu kam, dass er allein in seinem Silo lebt.

Jetzt hab ich euch den Inhalt kurz angerissen, aber wie schon in SILO steckt auch hier der Text voller kleiner sympathischer Details, die das Buch so unglaublich spannend machen. Wir erfahren, wer die planenden und ausführenden Köpfe hinter diesem Projekt sind, weshalb jetzt die Menschen in den Silos leben, warum und wie sich Silo 1 von den anderen Silos unterscheidet, sowie was es mit der Außenwelt auf sich hat und warum es dort kein Leben mehr gibt und keines bestehen kann.

Wenn ihr SILO mochtet, dann empfehle ich euch dringend dieses Buch. Aber wem sag ich das eigentlich, ihr wisst ja selbst am besten, wie spannend schon der erste Teil geschrieben ist. SHIFT ist ebenso spannend wie intelligent und detailreich geschrieben. Die WOOL-Saga ist definitv das beste was ich an Science Fiction in den letzten Jahren gelesen habe.
Also schnell lesen, denn im Herbst kommt schon der dritte und letzte Teil DUST, in dem es um das Ende der Silos gehen soll.
Und wenn ihr noch nicht genug habt: In der kurzen Zeit der Erfolgsgeschichte der WOOL-Saga, hat sich schon ein ganzes Potpourri von Fan-Fiction entwickelt. Näheres dazu hier: Meet the Woolwrights.

Bibliografisches:

EAN 9781780891224

Erschienen bei Random House UK, April 2013
448 Seiten, kartoniert

€ 12,95

Kategorien: Fantasy, Nordamerikanische Literatur, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , | Ein Kommentar

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