Beiträge mit dem Schlagwort: big brother

Die globale Überwachung – Glenn Greenwald

überwachung

(c) Droemer Knaur

Jetzt kommt’s dicke: Dieses Buch ist zweifellos eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit. Eines das uns alle angeht. Es ist das Buch, in dem Glenn Greenwald die Geschichte der Snowden-Veröffentlichung beschreibt und uns allen vor Augen führt, wie gläsern wir tatsächlich sind und wie antidemokratisch und gefährlich diese Instrumente tatsächlich sind. Schon zu Beginn des Buches heißt es:

‚Widerstand gegen staatliche Eingriffe in die Privatspäre war einer der Hauptfaktoren für die Gründung der Vereinigten Staaten, denn die amerikanischen Kolonisten wehrten sich gegen Gesetze, die britischen Beamten willkürliche Hausdurchsuchungen ermöglichten‘

Angesichts der Enthüllungen kann man jetzt darüber nachdenken, was dies für das ‚Land of the free‘ bedeutet.

Die ersten beiden Teile beschreiben die Kontaktaufnahme Edward Snowdens mit Greenwald und das zögerliche Herantasten aneinander bis es schließlich zum ersten Interview kommt. Das liest sich wie ein guter Thriller, immer wieder muss man sich in Erinnerung rufen, dass dies reale Ereignisse sind und nicht aus der Feder eines Romanciers entsprungene Fiktion.

Es folgen dann jede Menge Daten und Erläuterungen über die Sammelwut der NSA, ihre Zusammenarbeit mit den großen Internetkonzernen und die mehr als mangelhafte Kontrolle dieser Institutionen. Über Falschaussagen von Kongressabgeordneten und Verantwortlichen, sowie über die Zusammenarbeit mit anderen Nationen, bei denen jedoch Freund nicht gleich Freund ist.

Die verschiedenen Programme werden vorgestellt und es finden sich zahlreiche Dokumente und Statistiken zu ihrem gesamten Ausmaß. Das klingt jetzt vielleicht nach einem trockenen Tabellenbuch, ist es allerdings keineswegs. Mit offenem Mund liest man über eine beispiellose, man möchte fast sagen Komplettüberwachung des Planeten, die weit weit über das hinaus geht, was sich George Orwell vor 66 Jahren vorstellen konnte.

Nachdem man sich durch das Kapitel ‚Alles sammeln‘ gearbeitet hat und man den Mund langsam wieder zu bekommt (oder direkt atemlos weiter liest), bietet uns Glenn Greenwald noch eine Analyse der Gefahren der Massenüberwachung und im letzten Kapitel geht er auf die Vierte Gewalt ein, die Medien, denen es eigentlich zukäme, investigativ zu arbeiten und Missstände offenzulegen, die den Machthabern allerdings viel zu oft einfach nach dem Munde reden.

‚Man braucht keine verfassungmäßig garantierte Pressefreiheit, damit Journalisten Politiker unterstützen, bestärken und glorifizieren können. Die Verankerung der Pressefreiheit war notwendig, damit Journalisen das Gegenteil tun können.‘

Einer der größten Skandale des noch so jungen Jahrhunderts, der leider immer noch überall kleingeredet wird. Laut Edward Snowden, einem Mann, der sein bisheriges Leben dafür aufgegeben hat, der Welt diese Dinge zu offenbaren und der dafür kriminalisiert wird und zum Verräter gestempelt wird, ist das Schlimmste was passieren kann, das alles so weiter geht, wie bisher. In einem Gespräch mit dem Whistleblower Dan Ellsberg im Rahmen von #xhope, verglich dieser Snowdens Schritt mit dem einer Rosa Parks.

Ich sage nur: Respekt! Danke! Und: lest dieses Buch!

Bibliografisches:

ISBN 9783426276358

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, Mai 2014
Aus dem Englischen übertragen von Thomas Wollermann, Maria Zybak, Robert A. Weiß und Gabriele Gockel
Originaltitel: No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U. S. Surveillance State
365 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook und in der englischen Originalausgabe, und die natürlich auch als ebook.

Hier noch das Video, um das es auch im Buch geht:

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Kategorien: Nordamerikanische Literatur, Politik, Sachbuch, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

Drohnenland – Tom Hillenbrand

drohnenland

(c) Kiepenheuer & Witsch

Drohnenland is round the corner! Momentan gibt es so einige Titel auf dem Buchmarkt, die sich mit der nicht allzu weit entfernten Zukunft beschäftigen und aktuelle technische und politische Entwicklungen aufgreifen, mit Fiktion anreichern und daraus überaus spannende Unterhaltung machen. Tom Hillenbrands ‚Drohnenland‘ ist eines dieser Bücher.

Aufgebaut wie ein klassischer Krimi, mit einer Leiche auf einem Feld und einem etwas kauzigen Komissar, der sich Lakritzstangen kauend an die Ermittlungen macht, steckt doch einiges mehr in diesem Krimi. Denn es ist weniger der Plott, der hier hervor sticht, sondern vielmehr die Atmosphäre eines abgeriegelten Europa, in dem jeder immer und überall überwacht wird. Durch den Einsatz von unzähligen Drohnen wird dies ermöglicht, und wer bei Drohnen jetzt an unbemannte Hightechwaffen denkt, liegt nur bedingt richtig, denn hier gibt es Drohnen in jedweder Größe und Form, je nach ihrer Aufgabe.

Doch nicht nur die Überwachung à la Orwell, die ja in weiten Zügen schon heute stattfindet und weiter ausgebaut wird, beschreibt Hillenbrand hier äußerst plastisch, auch auf politischer Ebene greift er viele heutige Tendenzen auf und führt sie konsequent weiter. So sind die Norditaliener Teil der Union, wobei der Süden außerhalb der Zone liegt, eine Tendenz die schon heute, zumindest aus ökonomischer Sicht fast Realität ist. Die Briten planen den Austritt, ein Schritt mit dem Cameron in bester Kindergartenmanier auch aktuell gedroht hat – ich mag Juncker nicht, dann spiel ich lieber gar nicht mehr mit.
In Nordafrika führte die fiktive zukünftige EU Solarkriege, was nur schlüßig erscheint bei Projekten wie Desertec, das hauptsächlich von europäischen Konzernen lanciert wird, aber in der Sahara entstehen sollen.

Und natürlich wird in dieser rosigen Zukunft jedes technisch verfügbare Mittel genutzt, zu guten wie zu fragwürdigen Zwecken, denn was möglich ist, wird auch getan. So auch die prädiktive Verbrechensbekämpfung, ganz ähnlich dem, was uns per Hollywood-Actionkino in Minority Report gezeigt wurde.

Auf der Krimiebene spinnt sich die Geschichte solide voran, im Endeffekt geht es (wie immer und überall 😉 ) um Macht und Geld.
Gute Krimiunterhaltung in ungewöhlich reizvollem Umfeld! Es muss ja nicht immer die französische Provinz sein.

Die Idee zur Lektüre kam übrigens im Zuge eines Twitteraustauschs über Zero von Marc Elsberg (ein anderer dieser fiktional/realen Romane) mit dem Kaffeehaussitzer Uwe, der Krimimimi und der Papierflüstererin Simone. Wer Lust hat, kann sich gerne unserer paranoiden Diskussionsrunde auf Facebook anschließen: Schöne, neue paranoide Welt. Willkommen in Paranoia!

Bibliografisches:

ISBN 9783462046625

Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Mai 2014
422 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Digitales Lesen möglich mit dem ebook im epub-Format. Auf die Ohren gibt’s per CD von Uwe Teschner.

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Politik, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

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