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Snowden – Oliver Stone

Zur Abwechslung heute mal ein Film. Manchmal gehe ich nämlich auch ins Kino.
Hier erzählt uns Oliver Stone eine dramatisierte Version der bekannten Geschichte des Edward Snowden. Darauf wird auch extra im Vorspann hingewiesen, dass es sich nicht um eine exakte Wiedergabe der Geschichte handelt.

Der Film bietet eine gute Ergänzung zu Citizenfour und Die globale Überwachung. Erzählt wird die Vorgeschichte des Edward Snowden, vom Militärdienst, den er unfreiwillig abbrechen muss hin zu seiner Arbeit beim CIA, später NSA (‚Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Land dienen können.‘). Dabei können wir miterleben, wie er sich immer weiter von seinem anfangs idealistischen Bild eines amerikanischen Patrioten entfernt. Bedeutend ist wohl der Satz: ‚I’m questioning our government. That’s what we do in this country, that’s the principle we’re founded on.‘ Zu Beginn sagt diesen seine Freundin, kurz vor Ende kommen die gleichen Worte von Snowdens Lippen. Aber die Regierung in Frage zu stellen, ist nicht das, was sich die Regierung und die Geheimdienste unter Patriotismus vorstellen. Und so wird aus dem Patrioten Snowden für die einen ein Verräter, für die anderen ein Held. Für sich selbst bleibt er ein einfacher Amerikaner.
Als zweite Zeitebene wird immer wieder dazwischen geschnitten, wie es zur Veröffentlichung der Dokumente kommt. Vom Treffen Snowdens mit Greenwald und Poitras bis zur schlussendlichen Veröffentlichung auf der Seite des Guardian, eine Veröffentlichung, die erst die Spitze des Eisberges darstellen sollte.

Joseph Gordon-Levitt spielt Snowden als trockenen, etwas hölzern wirkenden Geek. Ich vermute, das ist recht nah an der Realität. Trotz seines erschütternd ernsten Hintergrundes – Snowden gilt nach wie vor als Verräter, der wohl nicht mit einem fairen Verfahren rechnen kann, und sitzt nach wie vor in Russland fest – bietet der Film auch spannende Unterhaltung als Spy-Story und sehr gute Besetzung.

Ich für meinen Teil hab ein bisschen Gänsehaut bekommen, als die Szene eingespielt wurde, in der das Flugzeug von Evo Morales zur Landung gezwungen wurde, weil man dachte, dass Snowden an Bord wäre, eine Szene an die ich mich noch gut aus den Nachrichten erinnern konnte. Diese Vermischung von Hollywood-Film und Realität, die jeden von uns jeden tag betrifft, hat zumindest mich nicht kalt gelassen.

Also, ab ins Kino! Und natürlich Greenwalds Buch lesen. Und macht euch schlau!

Sehr sehenswert ist auch dieses Interview mit Snowden:

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Die globale Überwachung – Glenn Greenwald

überwachung

(c) Droemer Knaur

Jetzt kommt’s dicke: Dieses Buch ist zweifellos eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit. Eines das uns alle angeht. Es ist das Buch, in dem Glenn Greenwald die Geschichte der Snowden-Veröffentlichung beschreibt und uns allen vor Augen führt, wie gläsern wir tatsächlich sind und wie antidemokratisch und gefährlich diese Instrumente tatsächlich sind. Schon zu Beginn des Buches heißt es:

‚Widerstand gegen staatliche Eingriffe in die Privatspäre war einer der Hauptfaktoren für die Gründung der Vereinigten Staaten, denn die amerikanischen Kolonisten wehrten sich gegen Gesetze, die britischen Beamten willkürliche Hausdurchsuchungen ermöglichten‘

Angesichts der Enthüllungen kann man jetzt darüber nachdenken, was dies für das ‚Land of the free‘ bedeutet.

Die ersten beiden Teile beschreiben die Kontaktaufnahme Edward Snowdens mit Greenwald und das zögerliche Herantasten aneinander bis es schließlich zum ersten Interview kommt. Das liest sich wie ein guter Thriller, immer wieder muss man sich in Erinnerung rufen, dass dies reale Ereignisse sind und nicht aus der Feder eines Romanciers entsprungene Fiktion.

Es folgen dann jede Menge Daten und Erläuterungen über die Sammelwut der NSA, ihre Zusammenarbeit mit den großen Internetkonzernen und die mehr als mangelhafte Kontrolle dieser Institutionen. Über Falschaussagen von Kongressabgeordneten und Verantwortlichen, sowie über die Zusammenarbeit mit anderen Nationen, bei denen jedoch Freund nicht gleich Freund ist.

Die verschiedenen Programme werden vorgestellt und es finden sich zahlreiche Dokumente und Statistiken zu ihrem gesamten Ausmaß. Das klingt jetzt vielleicht nach einem trockenen Tabellenbuch, ist es allerdings keineswegs. Mit offenem Mund liest man über eine beispiellose, man möchte fast sagen Komplettüberwachung des Planeten, die weit weit über das hinaus geht, was sich George Orwell vor 66 Jahren vorstellen konnte.

Nachdem man sich durch das Kapitel ‚Alles sammeln‘ gearbeitet hat und man den Mund langsam wieder zu bekommt (oder direkt atemlos weiter liest), bietet uns Glenn Greenwald noch eine Analyse der Gefahren der Massenüberwachung und im letzten Kapitel geht er auf die Vierte Gewalt ein, die Medien, denen es eigentlich zukäme, investigativ zu arbeiten und Missstände offenzulegen, die den Machthabern allerdings viel zu oft einfach nach dem Munde reden.

‚Man braucht keine verfassungmäßig garantierte Pressefreiheit, damit Journalisten Politiker unterstützen, bestärken und glorifizieren können. Die Verankerung der Pressefreiheit war notwendig, damit Journalisen das Gegenteil tun können.‘

Einer der größten Skandale des noch so jungen Jahrhunderts, der leider immer noch überall kleingeredet wird. Laut Edward Snowden, einem Mann, der sein bisheriges Leben dafür aufgegeben hat, der Welt diese Dinge zu offenbaren und der dafür kriminalisiert wird und zum Verräter gestempelt wird, ist das Schlimmste was passieren kann, das alles so weiter geht, wie bisher. In einem Gespräch mit dem Whistleblower Dan Ellsberg im Rahmen von #xhope, verglich dieser Snowdens Schritt mit dem einer Rosa Parks.

Ich sage nur: Respekt! Danke! Und: lest dieses Buch!

Bibliografisches:

ISBN 9783426276358

Erschienen im Verlag Droemer Knaur, Mai 2014
Aus dem Englischen übertragen von Thomas Wollermann, Maria Zybak, Robert A. Weiß und Gabriele Gockel
Originaltitel: No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U. S. Surveillance State
365 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook und in der englischen Originalausgabe, und die natürlich auch als ebook.

Hier noch das Video, um das es auch im Buch geht:

Kategorien: Nordamerikanische Literatur, Politik, Sachbuch, Thriller | Schlagwörter: , , , , , , , | 5 Kommentare

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