Beiträge mit dem Schlagwort: Liebe

Schnell, ein Tausendseiter

leben

(c) Hanser

Es gibt Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die schreiben dicke Bücher und erzählen uns eigentlich nichts. Und dann gibt es die, die auf knapp über 100 Seiten eine Geschichte, die so tief geht, so voller kleiner bemerkenswerter Dinge ist, dass man am Ende das Gefühl hat, einen Tausendseiter gelesen zu haben. So ging es mir bei Robert Seethaler und so passierte es jetzt auch bei Sylvie Schenk, die uns in diesem schmalen Band ihre Geschichte erzählt.

Es ist die Geschichte der jungen Louise, die vom Land in die große Stadt Lyon kommt, um dort zu studieren, nicht ganz ohne Widerstände. Denn es sind die 60er Jahre und Frauen an der Universität sind noch nicht ganz so selbstverständlich, wie man vielleicht meint.
Es entstehen die ersten tiefen Freundschaften, ja es sind sogar Ausländer unter ihren Freunden, ein Chinese von den Philippinen, ja gar ein Deutscher.

Nach einer kurzen Leidenschaft mit einem französischen Mitstudent, der seine Eltern im Krieg verloren hat und ein akribischer Aufzeiger und Erinnerer der dunklen deutschen Vergangenheit ist, verliebt sich die Louise tatsächlich in den Deutschen. Dass davon nicht nur ihr Verflossener, sondern auch ihre Eltern schockiert sind, ist leicht vorstellbar, der Krieg und das Elend sitzen tief.

Doch gegen alle Widerstände heiraten die beiden und Louise zieht es nach Deutschland, nicht ohne vorher auf die dunkle Vergangenheit des Schwiegervaters gestoßen worden zu sein, den hochgebildeten Mann, den sie doch so verehrt. Doch entgegen aller Widrigkeiten will sich Louise nicht unterkriegen lassen, sich behaupten, denn:

‚Die Heimat besteht nicht aus Ländern und Städten, sondern aus Menschen die man liebt.‘

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, mich mit diesem Buch zu beschäftigen, doch hörte ich dann das Hörbuch auf dem täglichen Weg zur Arbeit und war schnell gefangen von dieser Lebensgeschichte. Nicht zuletzt lag das sicher an der eindringlichen Erzählweise, ist das Buch doch komplett in der zweiten Person geschrieben. Sicher etwas gewöhnungsbedürftig, doch bist du dadurch praktisch die Person um die es geht. Du erzählst dir diese Geschichte, dieses Leben. Du musst dich darauf einlassen, denn diese Art des Erzählens ist nicht die bekannte, die du in 95% der Romane antriffst, doch es lohnt sich allemal.

Dass es zu großen Stücken das Leben der Sylvie Schenk ist, welches hier erzählt wird, lässt sich der Biografie der Autorin entnehmen und beeindruckt umso mehr, wenn man die Autorin einmal erlebt hat.

Einhundertsechzig Seiten, ein Leben, im Schnelldurchgang, mit Tiefgang. Ein Buch das ich euch sehr ans Herz legen möchte. Umso mehr, als dass es ja aus meinem eigentlichen Leseschema ein bisschen ausbricht. Die 16€ für dieses Hardcover sind praktisch geschenkt, sind doch da über 1000 Seiten drin versteckt und es ist definitiv ein Buch, das hängenbleibt.

ISBN 9783446253315 – 16,-€
eISBN 9783446254190 – 11,99€
Hörbuch
9783864843952 – 19,99€

Erschienen im Hanser Verlag, Juli 2016
160 Seiten, gebunden

 

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Kategorien: Belletristik, Biographie, Deutsche Literatur, französische Literatur, Geschichte | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Becks letzter Sommer – Benedict Wells

beck

(c) Diogenes

Lehrer sind auch Menschen. Robert Beck ist Lehrer. Eigentlich wollte er das nie werden, denn sein verhasster Vater war dies auch. Beck wäre lieber erfolgreicher Musiker, doch ihm fehlt das gewisse etwas. Mit seiner Band hat er es immerhin bis zur Vorband von New Order gebracht, aber dann zerbrach die Gruppe.
Beck ist jetzt Lehrer und träumt von seiner Jugend, von der Musik, die er so richtig nie aufgegeben hat. Als er zufällig das außergewöhnliche Talent seines Schülers Rauli entdeckt, hofft er auch für sich endlich auf den großen Durchbruch. Er will Rauli formen, managen und groß rausbringen. Doch ist der Junge nicht so einfach zu handhaben, wie Beck sich das erhofft hat. Außerdem hat er einen Hang zum Erzählen von großen Lügengeschichten.

Beck sehnt sich auch nach der großen Liebe. Doch sein Leben bestand bisher nur aus kurzen Beziehungen, die schnell zum beiderseitigen Besten wieder vorbei waren. Als er auf der Straße eher zufällig Lara kennenlernt, die eigentlich gar nicht sein Typ ist, ihn aber dennoch wie magisch anzieht, könnte sich auch hier sein Leben ändern. Doch da ist auch noch die unglaublich hübsche Anna in seiner Klasse, ein Traum für Schüler und Lehrer gleichermaßen.

Und ja: Beck hat eine kleine Lebenskrise. Er ist Mitte dreißig, möchte aber am liebsten wieder Anfang zwanzig sein, Musik machen, die Liebe finden. Doch worauf er hinsteuert, ist ein Leben wie das seines Vaters: langweiliger Lehrer, an eben der Schule, an der er selbst Schüler war.

Doch wie es manchmal so ist im Leben (und in Büchern), kommt in diesem Moment eins zum anderen und Beck ist verliebt, Beck macht wieder Musik und Beck macht sich auf eine Reise. An den südöstlichen Rand Europas und – wie sollte es anders sein – zu sich selbst. Doch Beck reist nicht allein. Auch sein leicht abgedrehter hypochendrischer Freund Charlie sitzt mit in dem ramponierten VW, ebenso wie seine heimliche Hoffnung, das Wunderkind Rauli. Jeder von ihnen hat einen anderen Grund, diese Reise zu unternehmen. Ein Roadtrip der Identitätsfindung. Am Ende sind wir beinahe erstaunt, dass die drei trotz der vielen Hindernisse doch noch an ihrem Ziel ankommen, und das Sprichwort ‚Der Weg ist das Ziel‘ auf abstruse Weise perfekt zelebriert haben.

Der Debütroman von Benedict Wells ist ein Roman über das Leben, über die Sehnsucht nach der Jugend, über Musik und über das Thema aller Romane (lt. Marcel Reich-Ranicki), die Liebe.
Ein großer Lesespaß ist er obendrein. Süffig geschrieben, mit viel Wortwitz, tollen Dialogen und teilweise grotesken Szenen.
An vielen Stellen ist man verwundert, wie tiefsinnig dieser junge Autor über das Leben schreibt und wie gut er sich in einen Charakter hineinversetzen kann, der beinahe doppelt so alt ist, wie er selbst.
Beck ist ein Held des Alltags, jeder von uns ist ein bisschen Beck.
Und mit einem Schmunzeln lesen wir den futuramaesken, faustischen Schlußteil (zum Glück ohne Pudel, sondern mit Katze). 😉

Für mich hat Beck einen großen Bruder im Geiste: Herr Lehmann. Und so ist es wohl konsequent, dass er in der Verfilmung, die am 23.07. in den Kinos anläuft, ebenso vom großartigen Christian Ulmen gespielt wird.

Bibliografisches:

ISBN 9783257240221

Erschienen im Diogenes Verlag, Dezember 2009 (Taschenbuchausgabe)
453 Seiten, kartoniert

€ 12,00

Das Buch ist, soweit ich weiß auf Wunsch des Autors, nicht als ebook erhältlich.

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Diogenes | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 10 Kommentare

Skargat-Der Pfad des schwarzen Lichts – Daniel Illger

(c) Klett-Cotta

(c) Klett-Cotta

„There’s fantasy-books, and there’s …boring books.“ (Patrick Rothfuss)
Und damit es nicht allzu langweilig wird, kann man schon ab und an mal einen Fantasy-Roman lesen. Bei mir war es jetzt der hochgelobte Erstling von Daniel Illger ‚Skargat‘.

Erzählt wird die Geschichte von Mykar, der in seinem Dorf der Außenseiter ist. Zur falschen Zeit geboren, zur Zeit der Bösen Ernte, wird er von allen wie ein Aussätziger behandelt.
Nur einen Freund gewinnt er, der ihm vortan zu einem Beschützer wird, mit der natürlichen Autorität des Sohnes des örtlichen Priesters – Cay.
Als die zukünftige Frau Cays umgebracht wird, ist der Schuldige schnell gefunden – Mykar. Wer sonst soll es gewesen sein. Dieser hat selbst den Mord beobachtet und weiß folglich, wer der wahre Schuldige ist. Doch weder das, noch die Unterstützung Cays, der nicht an Mykars Schuld glaubt helfen ihm. Er wird von einem Mob (halb) tot geprügelt und im Wald liegen gelassen.

Als Jahre später Cay eines Mordes beschuldigt wird, kehrt Mykar zurück. Von seinem Leben als Einsiedler im Wald, oder gar von den Toten – das ist frei zur Interpretation. Fest steht, dass Mykar in dieser Zeit Kontakt hatte zur Welt der Toten und eine ‚Freundin‘ gefunden hat, die ihn fortan in Form ihres Schädels begleitet – Danje.

Mykar folgt also der Spur Cays, um ihn aus seiner Gefangenschaft zu befreien, denn Mykar glaubt fest an dessen Unschuld.
Auf seinem Weg trifft er auf Scara, eine leicht verrückte Magd, und den herunter gekommenen Landadligen Justinius. Zusammen machen sich die drei mit einem klapprigen Esel auf in die Stadt, in der Cay festgehalten wird und wohl seinem Todesurteil entgegen sieht.

Jetzt beginnt die eigentliche Geschichte, die Resue-Mission ‚Cay‘, was sich mit dieser Kombination von Gefährten nicht gerade einfach gestaltet, wie man sich vorstellen kann. Und wem das nicht von Beginn an düster vorkam, der begibt sich spätestens mit dem Auftauchen der menschenfressenden Leichen und der leichenfressenden Menschen ins Reich der Düsternis. Folglich spielt auch ein großer Teil auf dem alten Friedhof der Stadt.

Aus den verschiedenen Perspektiven von Mykar, Scara und Justinius erzählt, macht das Buch trotz der düsteren Figuren und dem vielen Leichengefleddere unglaublich Spaß. Was wohl auch damit zusammen hängt, dass mit dem Wechsel der Figuren nicht unbedingt ein Wechsel auf die andere Seite der Welt einhergeht, wie das bei George R.R. Martin der Fall ist. Vielmehr werden teilweise Ereignisse aus verschiedenen Sichtwinkeln betrachtet.

Zu Recht befindet sich Daniel Illger mit seinem Debüt im selben Verlag wie Tolkien und Rothfuss. Kurz: Skurrile, morbide Fantasy vom Feinsten, die nie ins Lächerlich abdriftet. Daniel Illger erschafft eine Welt, die, man ahnt es, noch viele viele Geschichten birgt. Da lauert quasi eine an jeder Ecke. Leider ist dies aber auch der einzige Wehrmutstropfen: am Ende der Geschichte stehen wir am Anfang einer neuen und viel größeren. Da kommt noch einiges auf uns zu. Und ich zumindest freue mich jetzt schon drauf.

Bibliografisches:

9783608946420

Erschienen bei Klett-Cotta, Februar 2015
568 Seiten, kartoniert

€ 17,95

Auch zum Lesen in elektronischer Form zu haben.

Skargat gefällt auch Papiergeflüster 😉

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Iman – Ryad Assani-Razaki

iman

Verlag Klaus Wagenbach

Je weiter man dem Ende des Buches entgegen kommt, desto öfter möchte man die Protagonisten am Kragen packen und kräftig durchschütteln. Ist das gut? Ich glaub schon, denn ‚Iman‘ ist definitiv kein Buch, dass man einfach liest, wegstellt und vergisst.
Und die drei Hauptfiguren haben auch einigen Grund, nicht mehr ganz klar zu sehen, das ein oder andere Problem mit der Welt zu haben.

Da ist als erstes Toumani, der von seinen Eltern für umgerechnet 23€ verkauft wird, an eine Dame, die ihn dann weiter vermittelt als Arbeitskraft – eine wegweisende Station wird der Dienst bei Monsieur Bia sein, einem Alkoholiker und Frauenverzehrer, launisch, gewalttätig und unberechenbar ist dieser Monsieur Bia. Und so ist es auch kein Wunder, dass Bia Toumani fast totschlägt, über einer Kleinigkeit – einen kleinen Plastikohrring, den Toumani geschenkt bekommen hat von Alissa. Alissa ist das Mädchen, zu dem Toumani bei seinem kurzen Aufenthalt bei der Vermittlerin ein Band geknüpft hat, dass sie bis zum Ende aneinander bindet und das auch ihrer beider Verhängnis sein soll.
Halb tot wird Toumani von Bia in der Kanalisation ‚entsorgt‘, wo er liegt, lange lange Stunden und in den ‚Himmel‘ starrt und nur noch wartet, dass es vorbei ist, während Ratten an seinem verletzten Bein nagen. Doch dann tauchen Kinder auf auf dem Platz über dem Schacht und Iman und Imans Hand, die ihn ans Licht zieht, ihn rettet und ihm das Leben neu schenkt. Und wie Toumani über den Ohrring mit Alissa verbunden ist, ist er nun mit Iman verbunden, seinem Retter.

Iman päppelt den Verletzten Toumani wieder auf und zieht so das Band zwischen ihnen immer enger. Die beiden entwickeln sich zu untrennbaren Freunden. Bis Alissa wieder auftaucht. Und das ist der Anfang vom Ende.

Aus wechselnden Perspektiven erzählt Ryad hier eine Geschichte von einem gebeutelten Afrika, in dem nach wie vor die Hautfarbe eine ungemein wichtige Rolle spielt und das nach wie vor vom Kolonialismus geprägt ist.
Eine Geschichte aus den Slums, die vom täglichen Kampf um das Überleben berichtet. Einer Welt zwischen Bandenkriminalität, Dreck und Schmutz, Armut. Und doch blitzen immer wieder kleine Sonnenflecken in diesem düsteren Szenario auf, die jedoch immer weniger werden, je weiter das Buch voranschreitet.

Denn alle sind gefangene in diesem Buch: Gefangen in Konventionen die Mutter Imans, nach ihrer großen Rebellion gegen alles und jeden, geht es ihr jetzt nur um ein Leben nach Schema F, Mann und Kind, Arbeit und Haus; Konformismus ist die Rettung. Auch wenn das bedeutet, den Sohn zu verstoßen, der in dieser Familie als Mischling und Sohn eines anderen Vaters der ewige Fremdkörper ist.
Gefangen in seiner Sehnsucht ist Iman, die Sehnsucht nach der Ferne, dem Paradies Europa, der heilen Welt seines Vaters, von der er sich Anerkennung erhofft, ein  besseres Leben, in dem er dazu gehört und nicht immer nur der verstoßene Sohne einer Affäre ist.
Gefangen im Kampf um Liebe und Anerkennung Toumani, als einbeiniger Krüppel ist er automatisch der Aussätzige, mit dem man sich nur aus Mitleid abgibt.Gefangen zwischen zwei Männern Alissa. Ihre ganze Liebe gehörte Toumani, doch der verstößt sie, da er die Liebe nicht kann, nie gelernt hat, sie missdeutet und ins Gegenteil verkehrt. Und ihre dann aufkeimende Liebe zu Iman ist der Todesstoß für alle drei.

Doch immer wieder glaubt man, dass es jetzt endlich soweit ist und sich zum Guten wenden wird. Und doch wird man immer wieder enttäuscht – und möchte sie rütteln und schütteln. Denn das Glück liegt Ihnen doch fast zu Füßen. Nur leider ergreifen sie es nicht, sondern laufen darüber hinweg.

‚Iman‘ hat mich berührt, mich involviert, mich mitgerissen und genau das ist doch immer ein Zeichen von guter Literatur. Nicht der aalglatte Konsum, sondern das Sperrige, Aneckende, dass einen zu Reaktionen und Gedankenströmen anregt.
Danke für dieses Buch Ryad, und danke für dieses Buch an den Verlag Klaus Wagenbach.

Bibliografisches:

ISBN 9783803132543

Erschienen im Verlag Klaus Wagenbach, Januar 2014
Aus dem Französischen übertragen von Sonja Finck
Originaltitel: La main d’Iman
315 Seiten gebunden

€ 22,90

Auch erhältlich als ebook und jetzt auch als preiswertes und handliches Taschenbuch.

Kategorien: Afrikanische Literatur, Belletristik | Schlagwörter: , , , , , , , | Ein Kommentar

Django Unchained – Quentin Tarantino u.A.

django

Eichborn Verlag

Es gibt tatsächlich Leute die Django Unchained noch nicht gesehen haben. Ja, ich bin einer davon.
Doch es müssen ja nicht immer bewegte Bilder sein. So wie in diesem Falle. Kurz vor Weihnachten im Eichborn Verlag erschienen, kann diese Graphic Novel sogar noch mit einem echten Plus aufwarten: es ist gewissermaßen der Directors Cut. Gnadenloß und ungeschnitten (gibt es bei Tarantino-Filmen eigentlich Jugendschutz?!). Wie Tarantino im begleitenden Vorwort verlautet, handelt es sich hierbei wirklich um das komplette Drehbuch, welches aus Zeitgründen – der Film würde sonst an die vier Stunden dauern – zusammengekürzt wurde.
Da Tarantino selbst ein großer Comic-Fan ist, lag die Umsetzung auf diesem Wege auf der Hand. Und es ist ein opulentes Buch daraus geworden. Neben der Einleitung vom Meister höchstselbst bietet es am Ende auch noch 15 Seiten Bonumaterial, mit Hintergrundinformationen zu den Zeichnungen, Zeichnern und einigen Cover- und Filmplakatentwürfen.

Ja, Zeichner. Das Buch ist in sieben Teile gesplittet, die von drei verschiedenen Zeichnern umgesetzt wurden. Den Großteil hat dabei R.M. Guéra geleistet. Die Teile 1, 2, 4 und 7 gehen auf seine Kappe; Teile 3 und 6 wurden von Denys Cowan gezeichnet und Teil 5 von Danijel Zezelj. Diese Aufteilung ist mir am Anfang nicht aufgefallen, doch sobald man bei Teil 5 ankommt, ist der Unterschied wie ein Schlag mit der Peitsche ins Gesicht 😉

Noch kurz zur Geschichte: In einer nicht allzu fernen, jedoch dunklen Vergangenheit in Nordamerika. Django ist Sklave und auf dem Weg zu seinem neuen Besitzer, mit einer Gruppe anderer Sklaven und den Sklaventreibern. Plötzlich taucht Dr. King Schultz auf, ein ehemaliger Zahnarzt aus Düsseldorf, der seinen Lebensunterhalt mit der Kopfgeldjagd verdient. Schultz will Django kaufen, da nur dieser ihm zu einem begehrten Kopfgeld verhelfen kann. Nach kurzem Scharmützel sind die Sklaven mehr oder weniger frei und Schultz reitet in Begleitung von Django davon.
Nur als Hilfe für diesen einen Fall gedacht, entwickelt sich zwischen den beiden so etwas wie Freundschaft, oder doch zumindest das Verhältnis Schüler-Lehrer. Denn Django erweist sich als Naturtalent in Sachen Kopfgeldjagd.
Wie Schultz bald erfährt, ist es Djangos größter Wunsch, seine Frau, die ebenfalls als Sklavin gehalten wird, aber von ihm getrennt wurde, wiederzufinden. Da sich das eine gut mit dem anderen verbinden lässt, begeben sich die beiden also auf die Suche. Und hinterlassen einen Pfad des Blutes (natürlich aber immer der gerechten Sache verschrieben).

In Ermangelung des cineastischen Genusses, kann ich nur sagen: das Buch macht mindestens ebensoviel Spaß! Wenn nicht sogar noch mehr, denn man hat ja zusätzlich noch die Möglichkeit, verschiedenen Zeichner am Werk zu sehen und damit verschiedene Darstellungsweisen der Charaktere.
Die Darstellungen liegen irgendwo zwischen klassischem Westerncomic und Superheldenheft mit einer Prise Splatter, natürlich aber ein Stückchen edler, da in Buchform und mit großartigem Eyecatcher-Cover. Der Eichborn Verlag hat hier wirklich einiges vorzuweisen, denn das Buch kommt nicht im normalen Graphic-Novel-Einband daher, sondern im edlen Schwarz mit rotem Schutzumschlag.

Kurz: Tarantino auf Papier. Erstens: mal was ganz anderes. Und Zweitens: Großartig!

Bibliografisches:

ISBN 9783847905387

Erschienen im Eichborn Verlag, Dezember 2013
272 Seiten, gebunden

€ 19,99

Kategorien: Action, Comic, Graphic Novel, Historischer Roman, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Thriller, Verfilmung, Western | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sickster – Thomas Melle

sickster

Rowohlt Verlag

Die vielzitierte Leistungsgesellschaft fängt ja heute schon im Kindergarten an. Davon zeugen zahllose Eltern und Großeltern, deren Kindern zwar erst so und so alt sind – aber natürlich ja schon viel viel weiter.  Der akademisierte Kindergarten führt dann später vielleicht zu Persönlichkeitsbildern wie denen in Thomas Melles furiosem Debütroman.

Als Elite geboren muss man sich selbstverständlich auch als Elite behaupten. Bei Thorsten, einer der drei Hauptfiguren führt das von Kindheit und Jugend in der alten Bundeshauptstadt, zwischen Internat und Burschenschaften, zielstrebig in die Chefetagen eines großen internationalen Ölkonzerns.

So zieht sein Leben an ihm vorbei, zwischen seiner Büroetage mit den für Berlin obligatorischen Kränen vor dem Fenster – hier ist alles im Wandel, oder auch einfach alles nur halbfertig – und dem vampirischen Nachtleben, ist sein Leben ebenso eine Baustelle wie die Stadt. Der Energy-Drink wird zwanghaft mit Wodka aufgefüllt und in der Jackentasche ist neben dem Flachmann auch noch Platz für Jägermeister, Kümmerling, oder was gerade zur Hand war.
Schnell kam mir der Gedanke an Mad Men, doch da wurde der Drink zwischendurch zumindest noch halbwegs zelebriert, gehörte quasi zum guten Ton bei Geschäftsabschluss. In Thorstens Büro hängt öfter mal eine erstickende Alkoholfahne in der Luft, auch wenn er nicht trinkt, einzig genährt von den Ausdünstungen des Konsums der letzten Nacht. Das Reparaturbier gibt es nicht, der tiefe Schluck aus dem Flachmann hilft eher. Zwei Fisherman’s Friend eingeworfen und weiter geht’s.

Eines Tages sitzt Magnus mit in einer der Besprechungen, er ist der neue Schreiber des firmeninternen Magazins. Magnus war auf der gleichen Schule wie Thorsten, ist aber Idealist geblieben – zumindest sagt er sich das. Zwischen den beiden ensteht schnell eine Feindfreundschaft, die gemeinsame Vergangenheit, und sei sie noch so vage, verbindet.

Und dann ist da noch Laura, Thorstens Freundin, die er mit routinierter Regelmäßigkeit betrügt und die unter Panikattacken leidet und auch sonst eher psychisch labil ist.

Alle drei steuern auf den unvermeidlichen Zusammenbruch zu, den die Sommerhitze der Großstadt schlußendlich aus ihnen herauskocht.

Sex & Drugs & Bilanzanalyse sprachgewaltig in Szene gesetzt von Thomas Melle, einen Namen den man sich merken sollte. Ähnlich intensive Literatur hab ich lange nicht mehr gelesen. Respekt!

Als Querverweis: wer So Was Von Da mochte, dem könnte auch Sickster gefallen.

Bibliografisches:

ISBN 9783871347191

Erschienen im Rowohlt Verlag, September 2011
Gebunden, 330 Seiten

€ 19,95

Auch erhältlich als ebook und inzwischen schon im Taschenbuch.

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Glückskind – Steven Uhly

glückskind

Secession Verlag

Mann findet Baby in Mülltonne.

Klingt wie eine BILD-Schlagzeile, ist hier aber der Einstieg in Steven Uhlys letzten Roman ‚Glückskind‘. Dieser Mann ist auch nicht einfach irgendwer, nein. Hans ist einer der am Rand steht. Er nennt sich selbst einen ‚behausten Obdachlosen‘. Er lebt mehr schlecht als recht von einer Hartz-IV-Auszahlung zur nächsten, seine Wohnung ist ein wahres Dreckloch und er ist verwahrlost – lange speckige Haare, langer Bart, in dem sich Essensreste sammeln. Hans ist ein Mann, der sich bereits aufgegeben hat.

Doch dann findet er ein Kind in der Mülltonne, er will es nicht recht glauben, denkt erst, es handelt sich um ein besonders herausgeputztes Püppchen. Doch dieses Püppchen lebt. Und was soll er jetzt tun, der Penner, der selbst nur noch dahinfristet, bei dem ein Tag wie der andere ist.
Er trifft eine Entscheidung, die sein Leben verändern soll. Er nimmt das Baby mit zu sich. Schnell merkt er, dass sich etwas ändern muss. Das Baby in der dreckigen Wohnung ist ein Fremdkörper. Von einem Dreckloch in das andere, so geht das nicht. Hans putzt, Hans wäscht die Wäsche, die er seit Wochen nicht gewaschen hat, erinnern kann er sich an das letzte Mal nicht mehr. Hans schneidet sich die Haare, Hans rasiert sich, ewr wäscht sich, er wird ein anderer. Und das alles tut er nicht für sich, nein er tut es für Felizia, das Baby, das weggeworfen wurde. Glück hat sie gehabt und deshalb heißt sie jetzt Felizia.

Doch Glück hat auch Hans gehabt, so sieht er es. Felizia hat ihm das Glück gebracht, gebraucht zu werden. Hans hat wieder eine Aufgabe, er hat Verantwortung für das kleine Mädchen.

Doch hat Hans die richtige Entscheidung getroffen? Muss er nicht zur Polizei gehen, den Fund melden, das Mädchen abgeben? Er kann es nicht, ist sie doch für ihn auch ein Strohhalm der ihn in ein ’normales‘ Leben zurück geführt hat.

Nach und nach erfahren wir auch Hans Geschichte in Rückblicken. Hans war verheiratet, hat zwei Kinder, lebte mit der Familie im Reihenhaus in einem Vorort der Stadt. Doch die Familie ist weg, keiner hat mehr Kontakt zu ihm. Hans wartet, wartet schon ewig, die seltenen Male, die er aus dem Haus ging, bevor Felizia in sein Leben trat, waren immer begleitet von einem sehnsüchtigen Blick zum Briefkasten, in dem dann doch nie etwas lag. Und wenn doch, dann Post vom Amt.

Hans Geheimnis bleibt nicht lange eins: Herr Wenzel vom Zeitungskiosk gegenüber entdeckt das Baby, dass Hans sich umgebunden hat und das so gar nicht ins Bild passt. Auch Herr Wenzel ist einer, der langsam vereinsamt, der Kontakt mit seiner Familie beschränkt sich auf das Nötigste, die Frau ist vor Jahren gestorben. Auch er klammert sich sofort an den Strohhalm und will ein Wörtchen mitreden. Jedes Kind hat doch zwei Großväter…

Währenddessen sucht die Polizei nach dem Kind, der Mutter soll der Prozess gemacht werden, sie soll wegen Mordes ins Gefängnis, auch wenn es keine Leiche gibt. Hans muss eine Entscheidung treffen. Wird es die richtige sein? Und wenn ja, für wen?

Steven Uhly stellt den Rand der Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner Geschichte und schildert eindrucksvoll, wie es jeden treffen kann, jeder kann bewusst oder unbewusst an den Rand rutschen, gedrängt werden. Doch auch dort gibt es Zuversicht, Freundschaft, Liebe. Auch dort ist die Menschlichkeit ein nicht zu unterschätzendes Gut.

Mann findet Baby in Mülltonne: ein Glücksfall für den Finder, ein Glücksfall für die Gefundene. Ein Glücksfall für die Literatur, ein Glücksfall für uns.

Bibliografisches

ISBN 9783905951165

Erschienen im Secession Verlag für Literatur, September 2012
243 Seiten, gebunden

€ 19,95

Auch erhältlich als ebook. Eine Leseprobe gibt es hier: Glückskind.

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Mit Haut und Haaren – Arnon Grünberg

hautundhaar

Copyright Diogenes Verlag

Ein Buch voller Verlorener, das ist wohl die beste Bezeichnung für Arnon Grünbergs ‚Mit Haut und Haaren‘. Verloren in der schnelllebigen Zeit des Internets, der Globalisierung – jeder kann jeden immer erreichen, zumindest theoretisch.

Der Jetset, das war einmal, Jetset kann heutzutage jeder sein. Roland Oberstein ist Dozent an einer kleinen Uni in den USA. Eigentlich ist er Wirtschaftswissenschaftler, sein Hobby allerdings ist der Völkermord. Das Amalgam aus beidem ist sein Augenstern – die wirtschaflichen Ausswirkungen eines Völkermords. Seine Forschung geht ihm über alles.

So kommt es auch, dass er bereits geschieden ist. Ex-Frau Sylvie und der gemeinsame Sohn leben in Amsterdam, mit beiden hat er nur sporadisch Kontakt über Handy, SMS oder Chat. Der Sohn ist ihm bereits entfremdet, der spielt lieber an seinem Computer, als dort mit seinem fernen Vater zu reden. Die Ex-Frau trauert ihm immer noch nach und möchte ihn eigentlich gerne zurück, wenn auch vor allem als Unterstützung bei der Kindererziehung, mit der sie heillos überfordert ist.

Auch in Amsterdam lebt Rolands Freundin Violet, mit der er quasi ausschließlich über SMS Kontakt hält. Sie langweilt sich in ihrem Job, der Freund ist soweitweg, also muss ein anderer her – von dem sie Roland auch freiherzig berichtet. Doch geschockt ist dieser nicht. Im Gegenteil: er möchte alles möglichst detailgenau wissen.

Als Roland bei einer Konferenz über Völkermord in Deutschland weilt, lernt er Lea kennen. Sie  ist die Frau des Bürgermeisters von Brooklyn. Frustriert in ihrer Ehe daheim, sucht sie hier in der Fremde das Abenteuer, das Roland jedoch nicht bieten kann. Lea findet es bei einem anderen, bleibt aber dennoch mit ihm in Kontakt, anstatt mit der Bettbekanntschaft.
Als beide wieder in den USA sind, treffen sie sich häufiger und begeben sich doch noch in eine Art Liebesbeziehung.

Auch besagter Bürgermeister ist einer der Verlorenen. Die Familienidylle ist nur eine Fassade, die politischen Erfolg sichern soll. Hinter der Fassade allerdings tun sich Schluchten auf. Er hat sich zwischenzeitlich einen Geliebten zugelegt, wobei das Wort ‚Geliebter‘ wohl sehr beschönigend ist. Es handelt sich vielmehr um einen Sexsklaven, den er mit dessen Illegalität seines Einwandererstatus erpresst und ihm die seligmachende Green-Card verspricht, wenn er ihm gefügig ist.

In diesem Buch ist jeder sich selbst der nächste und doch muss man es auch immer dem anderen Recht machen, um einem Konflikt zu entgehen. Die eigene Komfort-Zone geht über alles. Und wer kann besten Gewissens behaupten, dass es bei ihm nicht so ist. Immer mehr Verwicklungen und Querverbindungen zwischen den Personen ergeben sich, bei denen einem so manches Mal kurz der Lesefluss stockt. Fast alle schaukeln sich in ihrem Sich-und-Anderen-Gefallen-Müssen immer tiefer in die eigene Misere, der Ausweg wird immer unwahrscheinlicher. Man muss nur möglichst lange die gesellschaftliche Maskerade mitspielen, in der Hoffnung nicht aus dem Rahmen zu fallen.

Dass Arnon Grünberg ein unglaublich guter, wenn nicht gar brillanter ist Schriftsteller, muss man nicht abstreiten. Dafür sprechen seine Auszeichungen und die guten Kritiken, die er immer wieder bekommt. Das alles jedoch, ohne allgefällig zu schreiben. Seine Bücher sind auch äußerst provokativ.
Bei mir hat er sich inzwischen zu einem meiner absoluten Lieblinge hochgeschrieben. Denn wer außer ihm, legt die derzeitige Gesellschaft so gnadenlos bloß, wie er es tut und ist dennoch so überaus unterhaltsam.

Bibliografisches:

EAN 9783257068139

Erschienen im Diogenes Verlag im Februar 2012
682 Seiten, gebunden
Aus dem Niederländischen übertragen von Rainer Kersten
Originaltitel: Huid en Haar

€ 22,90

auch erhältlich als ebook.

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Silo – Hugh Howey

Silo

Copyright Piper Verlag

Was für ein unglaublich spannendes Buch! Und das von einem Schreiber-Neuling. Dies ist Hugh Howey erstes Buch, man mag es kaum glauben.

Science Fiction klingt für viele sicher nach Star Wars oder Star Trek. ‚Silo‘ fällt für mich eher in die Kategorie Minority Report oder Matrix. Doch erstmal zur Geschichte:

Irgendwann in der Zukunft. Die Erdoberfläche ist toxisch, nichts lebt hier mehr, man stirbt innerhalb von Augenblicken. Die Menschen leben in einem riesigen unterirdischen Silo. Mehrere hundert Stockwerke tief in die Erde gebohrt, gibt es nur eine einzige Verbindung zur Außenwelt: Kameralinsen, die knapp über der Erdoberfläche am einzigen Ausgang des Silos angebracht sind. Diese Linsen übertragen nicht nur Bilder von draußen ins Silo, sondern dienen auch der Messung der Gifte in der Luft.
Im Silo herrscht ein striktes Gesetz, der sogenannte Silovertrag. Wer dagegen verstößt, wird verstoßen. Das heißt, er wird aus dem Silo verwiesen. Dieses Todesurteil hat einen mysteriösen Nebeneffekt. Jeder, der hinaus geschickt wird, bekommt einen Schutzanzug und Reinigungsutensilien, um die Linsen der Kameras zu reinigen. Und bisher hat noch jeder die Reinigung vorgenommen, so sehr sich auch alle dagegen gewehrt haben, solange sie in der ‚Todeszelle‘ saßen.

Der erste Teil des Buches beginnt nun damit, dass sich der Sheriff des Silos freiwillig in die Todeszelle setzt und nach draußen geschickt werden will. Drei Jahre zuvor ist seine Frau in den Tod gegangen und seitdem grübelt Sheriff Holston darüber nach, warum sie trotz all dem, was sie wusste, dennoch die Reinigung vorgenommen hat. Seit drei Jahren nun betrachtet er auf dem großen Bildschirm, der die Außenwelt zeigt, den dunklen Fleck zwischen den Hügeln, welcher der verwesende Körper seiner Frau ist. Und innerhalb dieser drei Jahre ist er an den Punkt gelangt, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als sich dort neben sie zu legen und auf diese Weise wieder bei ihr zu sein.

Gleichzeitig machen sich nun der Deputy und der Mayor auf in die unteren Etagen, denn dort arbeitet ihr Kandidat für die Nachfolge des Sheriffs, die junge Juliette Nichols. Im Zuge ihrer Reise, bekommen wir ein gutes Bild des Silos, denn sie reisen buchstäblich von der Oberfläche bis zum Boden des Silos, mehr als hundert Stockwerke in die Erde hinein.
Ihr erster Stopp ist der in der IT-Abteilung. Hier werden uns jetzt die heimlichen Herrscher des Silos vorgestellt: eben jene IT-Abteilung. Sie sind die Herrscher über die Kameras, für sie gibt es eine exklusive Stromversorgung und hier ist auch das gesamte Wissen des Silos gespeichert. Die Erinnerung des Silos geht allerdings nur zurück bis zu einem Aufstand, der vor einigen Generationen im Silo gewütet hat. Alles, was davor geschah, ist unbekannt. Zumindest offiziell.
Und ebenso hier, in den Dateien der IT-Abteilung hat Sheriff Holstons Frau auch das Geheimnis gefunden, welches es ihr unmöglich machte, noch länger im Silo zu bleiben, aufgrund dessen sie schließlich ihr eigenes Todesurteil besiegelt hat.

Das alles ist erst der Anfang des Buches, welches Hugh Howey anfangs in Eigenregie heraus gebracht hat. Im Original sind so die fünf Teile des Buches als eine Art ebook-Fortsetzungsroman entstanden. Howey bezog Lob und Kritik seiner Leser in die Entstehung des jeweils nächsten Teiles ein, was sicher nicht geschadet hat. Aufgrund des großen Erfolges liegt ‚Silo‘ jetzt auch als komplettes Buch vor, sogar bereits in verschiedenen Übersetzungen.

Das Silo wird uns hier nicht nur als Zufluchtort der Menschen präsentiert, sondern dient auch als das Symbol einer Klassengesellschaft. In den oberen Stockwerken arbeiten und wohnen die administrativen Teile der Gesellschaft, am Übergang zum mittleren Teil ist die Enklave der IT-Abteilung angesiedelt, die den heimlichen Herrscher über die ganze Gesellschaft darstellt (in diese Richtung bewegen wir uns ja auch schon seit einiger Zeit). Es folgen dann im mittleren Teil die Versorgungsabteilungen, Krankenstation, die botanischen Einrichtungen etc. Ganz unten am Boden des Silos finden wir die Mechanikabteilung, die von den oberen Stockwerken mehr oder weniger verachtet wird, die Menschen hier sind permanent ölig/schmutzig und halten doch im Innersten das ganze Silo am Laufen, denn hier wird Wärme erzeugt und Strom, sowie Wasser und Luft gereinigt.
Das nun der neue Sheriff eine junge Frau aus eben jener Mechanikabteilung sein soll, jemand von ganz unten nach ganz oben geholt wird, birgt an sich schon Eskalationspotential, doch es kommt alles noch schlimmer (oder besser für uns Leser!).

Eine düstere Zukunftsvision also, die allerdings bei genauerem Nachdenken nicht ganz so unrealistisch erscheint. Vor allem, wenn man gegen Ende des Buches erfährt, aus welchem Grunde die Menschen im Silo leben und was es mit der Kontaminierung der Erde auf sich hat.
Ich sage nur noch einmal: Großartig! Das Buch fängt spannend an und wird dann einfach immer noch besser! Mehr mehr mehr davon!

P.S. Als gedrucktes Buch gibt es nur alle fünf Teile komplett, mit Lesebändchen und gelbem Buchschnitt, bibliophiles Schmankerl quasi. Die ebook-Leser können die Teile auch einzeln lesen, den ersten gibt es sogar kostenlos als Aperitif.

Bibliografisches:

EAN 9783492055857

Erschienen im Piper Verlag, März 2013
Aus dem Englischen übertragen von Gaby Wurster und Johanna Nickel
Originaltitel: Wool
531 Seiten, gebunden

€ 19,99

Auch erhältlich als ebook-komplett, ebook in Einzelteilen, zum Hören und im englischen Original. P.S. Gibt es jetzt auch im Taschenbuchformat!

Da das Buch so toll ist, hat es natürlich eine eigene Facebook-Seite, es gibt einen Trailer zum Original und die Kollegen von Piper haben auch einen Trailer gemacht. Da mir der amerikanische ein bisschen besser gefällt, gibt’s den hier:

Kategorien: Fantasy, Krimi, Nordamerikanische Literatur, Science Fiction | Schlagwörter: , , , , , , , , | 7 Kommentare

Bleischwer – Christiane Wünsche

Bleischwer_RLY

Copyright Gmeiner Verlag

Wer von euch liest denn gerne die sogenannten Regional-Krimis? Ein Genre, das mich ja bisher ein bisschen gescheut hat. Dann hab ich mal das ewige Bestenlistenbuch ‚Schneewittchen muss sterben‚ von Nele Neuhaus gelesen und fand es doch recht unterhaltsam.
Um es aber eine Nummer kleiner und regionaler zu versuchen, kam es dann jetzt kürzlich zur Lektüre von ‚Bleischwer‘ der Autorin Christiane Wünsche.

Es handelt sich hier um einen Krimi, der in einer Sparte zuhause ist, die vom allmächtigen Jaques Berndorf beherrscht wird – dem Eifel-Krimi.
Dass dieser aber nicht der Einzige ist, der hier die Legitimation zum schreiben besitzt, zeigt unter anderem dieses Buch:

Jule hat eine harte Zeit hinter sich und will einfach nur alleine sein und sich in Ruhe erholen. Fern von ihrem Mann, fern von der Arbeit in der winterlichen Eifel. Sie zieht sich in den Wohnwagen zurück, in dem sie schon zu ihrer Kindheit schöne Tage verbracht hat. Damals gehörte er noch ihren Großeltern, jetzt gehört er ihr und ist das letzte Refugium, welches ihr geblieben ist.
So sitzt sie nun tagsüber in der vertrauten Umgebung, allein mit ihren Gedanken und ihrem schmerzenden Rücken. Dieser ist ein weiterer Grund, warum sie hier ist. Sie hatte einen Unfall, bei dem sie eine Fehlgeburt erlitt. Das Kind wäre nicht das ihres Mannes gewesen. Ein hübsches kleines Chaos also, das Leben von Jule.

Auf dem Campingplatz gibt es einen neuen Mitarbeiter, zu dem Jule mit der Zeit eine Zuneigung entwickelt. Jetzt kommt die erste Gefahr ins Spiel: aus der JVA in Köln Ossendorf entflieht ein Straftäter, der ’85 einen Polizisten in Euskirchen bei einem Banküberfall erschossen haben soll. Die ersten Spuren führen in die Nordeifel, von da kommt der entflohene Stefan Winter.
Schnell gerät auch Jule in die Geschichte, denn der neue Platzgehilfe Micha ist ein alter Jugendfreund von Stefan Winter und wie sich schnell rausstellt, war er auch dessen Komplize bei dem Bankraub.

Hier glaubt man jetzt schon, am Ende des Buches angekommen zu sein, obwohl man noch nicht mal ein Drittel gelesen hat. Doch nicht so voreilig. Dran bleiben. Wie sich jetzt nach und nach entpuppt, hat hier wirklich jeder Dreck am Stecken. Im nahen Ort wird die Jugendliebe von Stefan Winter brutal erstochen, das schiebt man natürlich schnell dem Entflohenen in die Schuhe. Doch wenig später findet Jule eben diesen erschlagen am Seeufer liegend. Was sich also als so einfach zu durchschauender Fall präsentierte, ist doch viel viel mehr. Da nun der ebenfalls bereits straffällig gewordene Micha als Zielscheibe der Justiz herhalten muss, ist Jule mehr oder weniger gezwungen selbst heraus zu finden, wie die Puzzleteile zusammen hängen. Denn an eine Schuld von Micha glaubt sie nicht.

Der Klappentext spricht von einer Geschichte um Schuld, Strafe und Sühne. Und ganz so mutet es dann auch an. Alte Geschichten werden zwangsläufig wieder aufgewärmt und vieles kocht wieder hoch, was man am liebsten für immer begraben halten wollte.
Am Ende stecken alle mit drin, immerhin geht es um viel Geld und etliche Diamanten. Die, denen man vertrauen zu können meinte, stellen sich als die schlimmsten heraus.

Ich hatte ja anfangs so meine Zweifel an den Regio-Krimis, aber die haben sich schon mit der Schneewittchen-Lektüre gelegt. Auch dieser Krimi hier ist äußerst spannend zu lesen, auch wenn ich das Ende als typisches Hollywood-Ende nicht ganz so gelungen finde. Aber das sind wirklich nur die letzten paar Seiten.
Welche Regional-Krimis habt ihr denn schon gelesen und könnt ihr sie empfehlen?

Bibliografisches:

EAN 9783839213902

Erschienen im Gmeiner Verlag, Februar 2013
309 Seiten, kartoniert

€ 9,99

Kategorien: Belletristik, Deutsche Literatur, Krimi, Regional | Schlagwörter: , , , , , , | Ein Kommentar

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